Donnerstag, 19. Juli 2018

Casa Valdese in Torre Pellice / Italien saniert

Casa Valdese in Torre Pellice / Italien
"Herzlichen Dank für die Solidarität, Freundschaft und Großzügigkeit! Auch dank der Hilfe des GAW konnten wir die Renovierung der Casa Valdese in Torre Pellice durchführen. Die Casa Valdese ist für unsere evangelische Minderheit mehr als nur ein Gebäude. In diesem Haus hat die Tavola Valdese ihren offiziellen Sitz, und seit über hundert Jahren tagt hier jährlich die Synode der Waldenser- und Methodistenkirche. Eure Hilfe stärkt uns, vielen Dank dafür!", schreibt Moderator Eugenio Bernardini von der italienischen Waldenserkirche.

Bei der Einweihung der Casa Valdese in Torre Pellice 1889 war auch ein Vertreter des Königs Umberto I. anwesend. Der König hatte sich sogar am Bau des Gebäudes beteiligt – ein kleiner Beitrag von hohem symbolischem Wert, wenn man an die Jahrhunderte der Verfolgung der Waldenser denkt. Ursprünglich waren im Haus neben dem Synodensaal und den Büros auch die Bibliothek, das Waldensermuseum und das Archiv untergebracht. Inzwischen sind die beiden letzten Einrichtungen umgezogen.

Das dreistöckige Gebäude der Casa Valdese musste dringend saniert werden zum Erhalt der Bausubstanz und für bessere Arbeitsbedingungen. In den Büros werden auch die Einnahmen aus der Mandatssteuer verwaltet, die 400.000 Italiener regelmäßig an die Waldenserkirche zur Unterstützung diakonischer Projekte zahlen. Die Fassade wurde zuletzt vor 40 Jahren gestrichen. Den größten finanziellen Aufwand bedeutete der Austausch der Fenster, die nun mit Isolierglas und Dichtungen versehen wurden, um den Wärmeverlust zu reduzieren. Große historische und denkmalpflegerische Bedeutung haben die Fenster des Synodensaals. Sie mussten restauriert werden, genauso wie die Schiebesonnenblenden.

Im Projektkatalog 2017 hat das GAW 40 000 Euro für die Sanierung gesammelt.


Dienstag, 17. Juli 2018

GAW: Gottesdienst zum Schulbeginn 2018

Auch in diesem Jahr hat das GAW wieder einen Entwurf für einen Gottesdienst zum Schulbeginn herausgegeben. Das Motto des Gottesdienstes 2018 lautet: "Gott hält zu mir". Im Zentrum steht Psalm 91 und das Symbol des Schirmes, das in zwei Aktionen und der Predigt umgesetzt wird. Der Entwurf stammt von Pfarrerin Nicole Oehler aus Santiago de Chile.
Die Kollekte für diesen Gottesdienst erbitten wir für die Schule "Colégio Belén", die sich in einem armen Stadtviertel Santiago de Chiles befindet. Die Schule hat weder eine Turnhalle noch eine Aula. Der Sportunterricht und alle Schulversammlungen finden das ganze Jahr über draußen auf dem Sportplatz statt - der zugleich noch Pausenhof ist. Solange das Wetter gut ist, geht das. Doch oft brennt im Sommer die Sonne unbarmherzig auf den Platz, im Winter regnet es tagelang. Pfarrerin Nicole Oehler: "Unsere Kinder haben oft große Schwierigkeiten sich zu konzentrieren. Bewegung ist deshalb ein ganz wichtiger Baustein im Schulalltag."

Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie hier.
Den Gottesdienst (einschließlich fertiger Liedblätter) können Sie hier herunterladen oder einfach bei uns bestellen: Tel. 0341/490 62 13 oder verlag@gustav-adolf-werk.de .

 

Montag, 16. Juli 2018

Seit 25 Jahren gibt es das GAW-Pixelkreuz

Immer wieder gab es im äußeren Erscheinungsbild des GAW Veränderungen. Dazu gehörte auch das Symbol des GAW: das Pixelkreuz. Als wir vor einigen Jahren unser Logo veränderten, da war klar, dass das Pixelkruez nicht verändert wird, denn es wirkt nach wie vor identitätsstiftend. Es wurde vor 25 Jahren im Rahmen der Zusammenlegung der beiden GAW´s West und Ost neu entwickelt. Seit der Ausgabe des Gustav-Adolf-Blattes 2/1993 ist unser Pixel-Kreuz Erkennungszeichen. Es soll zugleich Zeichen der Zerstreuung der Christen, ihrer weiten Ausbreitung wie auch des Zusammenhalts sein. Damit symbolisiert es gleichzeitig die Arbeitsweise des GAW: Weltweit im Glauben miteinander verbunden!

In der folgenden Ausgabe hieß es dann: 

"Auf der letzten Umschlagseite von Heft 2/1993 des "Gustav-Adolf-Blatts" ist erstmalig das neue Logo (Signet) des neu gegründeten Gesamtwerks abgedruckt worden, das unsere Aktivitäten in Zukunft als Kennzeichen begleiten und hervorheben wird. Auch diesmal  findet es sich wieder an der gleichen Stelle. Das Kreuz aus vielen Punkten (Gemeinden) über dem Rund der Erdkugel soll Sinnbild unserer Arbeit sein und an die Vielfalt unserer bescheidenen, aber sehr zielgerichteten und zielbewußten Hilfe für Christen und Menschen überall erinnern." So heißt es im Gustav-Adolf-Blatt im 39. Jahrgang in Heft 3/1993 auf Seite 2 im Editorial. 

Mittwoch, 11. Juli 2018

Aus der GAW-Stipendiatenarbeit

Socota in Kolumbien

Die Kolumbianerin Adi Martinez war von 2015 – 2017 Stipendiatin des GAW in Leipzig. Im Frühjahr hat sie ihren Abschluss in Kolumbien in evangelischer Theologie gemacht. Jetzt arbeitet sie als Hilfspastorin in Socota. Hier liegen die Anfänge der lutherischen Missionsarbeit im Land, die in den 20er Jahren des 20 Jahrhunderts liegen. In vergangenen Reformationsjubiläumsjahr erinnerte die Lutherische Kirche Kolumbiens (IELCO) in Socota an ihre Anfänge. Nun ist Adi dort Pastorin. Sie schrieb jetzt an das GAW: "Mir geht es gut. Ich arbeite auf einem Dorf. Ich habe selten Internet und wenn, dann habe ich keine gute Verbindung. Ich arbeite als noch nicht ordinierte Pastorin für die lutherische Kirche - und zwar in der ersten lutherischen Gemeinde in Kolumbien, in Socota. Hier ist alles richtig schön und voller Natur, aber leider auch viele arme Leute."

Stipendiaten des Jahrgangs 2017/18
Und eine weitere gute Nachricht haben wir heute erhalten: Helga Sokol Falke hat ihr erstes theologisches Examen bestanden. Helga hat in der lutherischen Kirche in der Ukraine - und insbesondere in der Katharinenkirchengemeinde in Kiew mitgearbeitet. Weil es keine Chance für sie gab, in der Ukraine Pfarrerin zu werden, hat sie ihr Theologiestudieum in Halle an der Saale absolviert. Zwei Jahre lang hat sie dabei eine monatliche Unterstützung des GAW erhalten. Sie schrieb uns jetzt:  "Gott sei Dank und vielen lieben Dank an alle, die an mich gedacht haben! Ich habe mein erstes kirchliches Examen geschafft. Der lange 7-Jährige Weg hat seine Früchte gebracht. Der Weg ist noch nicht zu Ende: Vikariat und das 2. Examen stehen vor der Tür, aber erstmal: Freude!" Eine Rückkehr in die Ukraine als Theologin ist unter den derzeit extrem schwierigen kirchlichen Verhältnissen undenkbar. Helga wird jetzt erst einmal ins Vikariat in der Ev. Kirche in Mitteldeutschland gehen.

In dieser Woche reisen GAW-Stipendiaten in ihre Heimat ab. heute flog Liria nach Kolumbien zurück. Martin fährt am Samstag zurück in die Slowakei.

Zwei neue GAW-Stipendiaten sind inzwischen in Leipzig und nehmen an einem Intensivkurs Deutsch am Herder-Institut teil: Nathali aus der Evangelischen Kirche Spaniens (IEE) und Fabiano von der IECLB aus Brasilien.

So geht die Stipendiatenarbeit weiter. Sie ist ein wichtiger Baustein der Verbundenheit mit unseren Partnerkirchen weltweit.




Montag, 9. Juli 2018

"Unsere Kirche in Spa ist wieder schön und charmant! ... Auch Dank des GAW!"

Sanierung der Kirche in Spa
Kirche mit Pastorat
"Große Dankbarheit empfinden wir als evangelische Gemeinde in Spa für die erhaltenen 18.000 Euro aus dem Projektkatalog 2015! Diese wundervolle Unterstützung hat uns geholfen, unsere schöne Kirche zu sanieren!" schreibt Anne De Bremaecker aus dem Kirchenvorstand in Spa in Belgien. Insgesamt wurden 57.000 Euro benötigt. Die Gemeinde gehört zur Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien (VPKB). Die Kirche arbeitet in drei Sprachen - Französisch, Flämisch und Deutsch - eine Herausforderung. Aber es funktioniert, denn das Evangelium eint!

Die Stadt Spa im Westen Belgiens hat sich dank ihrer Mineralwasser-Quellen im 18. und 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Kurort entwickelt. Im Englischen wird der Ortsname Spa heute als allgemeine Bezeichnung für Heilbad verwendet. Die Entstehung der protestantischen Gemeinde in Spa im 19. Jahrhundert hing ebenfalls mit der seelsorgerlichen Betreuung von ausländischen Kurgästen zusammen. Seit 2006 bilden die Orte Verviers, Theux und Spa gemeinsam die protestantische Gemeinde Verviers-Laoureux & Spa. Im Sommer nehmen mit Kurgästen rund 100 Menschen an den Gottesdiensten in der Kirche teil. Die Gottesdienste sind zweisprachig, französisch-niederländisch. Die meisten Gemeindeglieder sind Ruheständler. Viele sind zum Protestantismus konvertiert, während die Familien oder Partner katholisch geblieben sind. In den letzten Jahren hat sich der Gottesdienstbesuch durch den Zuzug jüngerer Erwachsener verdoppelt. 

Die protestantische Kirche gehört zum geschützten Teil des Stadtzentrums. Sie wurde
1876 im englischen Baustil errichtet und ist relativ klein. Mit Ausnahme der Sommermonate trifft sich die Gemeinde in der Winterkirche, die zwischen dem Eingang und dem Kirchsaal eingerichtet worden ist. 2012 begann die Gemeinde mit der dringend notwendigen Renovierung der Kirche und des seit einem Jahrzehnt nicht benutzten Pfarrhauses. Inzwischen ist das Pfarrhaus dank privater Spenden renoviert und vermietet. 
Die restaurierte Kirche wurde Ende wieder 2015 eingeweiht . Eine Gedenktafel wurde von Pf. Ulrike Veermann, Vorsitzende des  GAW-Rheinland enthüllt. Diese Gedenktafel dankt dem GAW und anderen Freunden.

Ein Artikel in Wikipedia beschreibt die Geschichte der protestantischen Gemeinschaft von Spa
sowie die Architektur der Kirche (https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89glise_protestante_de_Spa ). 

"Unsere Kirche ist nun wieder schön, wirklich charmant! Dank des GAW! In Spa werdet ihr vom GAW immer willkommen sein. In Spa seid Ihr zu Hause. Der HERR hat unsere Gemeinschaft gesegnet, indem er uns einen großzügige und treue Spender geschickt hat, der sich um die protestantische Minderheit kümmert. Möge der HERR euch alle hunterfach segnen. Wir freuen uns, Euch in Spa eines Tages zu sehen!" Mit diesen Worten endet der Dankbrief  von Anne de Bremaecker aus Spa.

Freitag, 6. Juli 2018

Bildung und Fußball-WM in Brasilien - Das GAW unterstützt Ivoti

Links Schuldirektor Everton Augustin mit GS Pfr. Enno Haaks
Im kommenden Jahr wird das Instituto Superior de Educação Ivoti 110 Jahre alt. Das GAW unterstützt diese Schule und die Pädagogische Hochschule IFPLA im Süden Brasiliens seit Jahren durch ein Schulstipendienprogramm und den jährlichen IFPLA-Kurs in Deutschland. Schuldirektors Everton Augustin berichtetem beim Besuch im GAW in Leipzig von der Bedeutung der Unterstützung für etliche Schüler*innen - gerade in der derzeitigen angespannten wirtschaftlichen Lage. "Die Menschen müssen sich um ihre existentiellen Grundbedürfnisse kümmern. Die Fußball-WM wird deshalb auch nicht so intensiv verfolgt. Die Menschen haben andere Sorgen!" Er berichtet z.B. von Jessica: Ihre Eltern sind Bauern, die mit Ernteausfällen zu kämpfen hatten. So konnten sie ihr nicht, das Studium am IFPLA-Institut zu finanzieren. Sie will aber Lehrerin werden. Dieses Institut ist für die lutherische Kirche sehr wichtig, um Lehrerinnen und Lehrer für die ca. 55 lutherischen Schulen auszubilden.
Viele Schülerinnen und Schüler in Brasilien können nur mit finanzieller Beihilfe eine Ausbildung machen. Die derzeitige wirtschaftliche Situation Brasiliens hat zu Teuerungen geführt, die gerade Studenten armer Eltern besonders hart treffen. Für sie sind die Stipendien die einzige Chance, überhaupt Lehrerin oder Lehrer werden zu können.

In Ivoti besuchen 110 Kinder den Kindergarten, 810 Schüler*innen die Schule und 300 Studenten die Pädagogische Hochschule auf dem 6 ha großen Bildungscampus. Das Bildungsniveau ist hoch. Die Schule bemüht sich, Kinder zu fördern, die aus wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen kommen. Alleine schafft die Schule das nicht. dafür dient der Schulstipendienfonds, den das GAW jährlich unterstützt.

Das monatliche Schulgeld mit Verpflegung beträgt ca. 250 Euro. Wenn man bedenkt, dass der Mindestlohn ca. 320 Euro beträgt und Schüler*innen aus solchen Familien kommen, dann weiß man, wie notwendig Stipendien hier sind.

Die Schule hat einen Film über ihre Arbeit erstellt. Hier kann man ihn anschauen:   

Donnerstag, 5. Juli 2018

Diaspora ist die Wirklichkeit, mit der Gott uns umgibt

Kirchbau in der bolivianischen evangelischen Diaspora
"Ist die Diaspora letztlich doch eine bedrückende Gegebenheit für den Glaubenden? Nein, denn das Bewusstmachen der auch vorhandenen Stärken der Diaspora führt oft zu einem Wandel. Ein Selbstbewusstsein entsteht, dass man auch in einer solchen Gegebenheit als Christ gut leben kann. Die Diaspora ist die Wirklichkeit, mit der Gott uns umgibt und in der wir unseren Glauben mit allen Stärken und Herausforderungen leben dürfen. Diese Bejahung des Ist-Zustandes verändert die Stimmungslage. Diese positive Stimmung ist es auch, die Glaube und Kirche für menschen wieder interessant macht und Neugier weckt. Sie ist zumindest attraktiver als die vielerorts um sich greifende eher resignative Stimmung des Weniger-Werdens. Vielleicht ist diese aufkeimende Erfahrung der Diaspora ein zukunftsweisender Beitrag für Kirche insgesamt." Das schreibt der katholische Propst Gregor Giele im Jahresbericht des Bonifatiuswerkes zu seinen Diasporaerfahrungen. Diaspora ist eben auch Segen! Wir sind Diaspora und haben eine Mission - von Gottes Liebe zu sprechen und zu leben, und dass davon eine missionarische Kraft entsteht.

Donnerstag, 28. Juni 2018

"Wir Pfarrer haben ein schönes Leben!"

GS Pfr. Enno Haaks und Pfr. Romain Schildknecht 
"Wir Pfarrer haben ein schönes Leben!" sagt Romain Schildknecht, Pfarrer der evangelischen Gemeinde im elsässischen Bischwiller. "Auch wenn unsere Kirchengemeinde kleiner geworden ist und auch wohl weiterhin schrumpfen wird, so haben wir doch in diesem schönen Beruf die Chance viele Menschen in ihren unterschiedlichsten Lebensphasen zu begleiten, dabei spannende Menschen kennen zu lernen mit ihren interessanten Lebensgeschichten - und das alles mit der biblischen Botschaft in Verbindung zu bringen. Da haben wir so viele Möglichkeiten und Freiheiten. Das ist doch schön!" Romain sagt das aus voller Überzeugung und er ergänzt, dass es in seiner Vereinten Evangelischen Kirche in Elsass-Lothringen diese positive Einstellung braucht, um in die Gesellschaft hineinzuwirken. "Viele Menschen in Frankreich sehnen sich nach geistlicher Begleitung und spirituellen Angeboten. Auch wenn der Laizismus in Frankreich antikirchlich ausgerichtet ist haben wir doch als Kirche und Pfarrer*innen viele Freiheiten Menschen zum Glauben einzuladen. Dafür braucht es schöne Räume und gute einladende Angebote!"

Deshalb ist es der Gemeinde umso wichtiger, dass ihr altes Gemeindezentrum erneuert wird und nach außen einladend wirkt. Im Projektkatalog 2019 wird für die Gemeinde in Bischwiller gesammelt. Das Gemeindezentrum gehört der Gemeinde - nicht wie in vielen anderen elsässischen Gemeinden der Kommune. Deshalb muss die Gemeinde einen großen Teil der Kosten selbst aufbringen. Dafür wurde ein anderes Gebäude, das nicht mehr gebaucht wird, verkauft. 

Die Stadt Bischwiller befindet sich im Ortskreis Communauté de commune de Bischwiller et environ. Die Stadt hat 13000 Einwohner, die Bevölkerung wächst jedes Jahr. Am Anfang des 21. Jahrhunderts lag die Arbeitslosenquote unter dem nationalen Durchschnitt, der sich verbessert hatte. Aber die letzten Jahren waren lokal ein wirtschaftliches Desaster. Ursprünglich war die Stadt mehrheitlich protestantisch - sowohl calvinistischer als auch lutherischer Prägung. Beide Gemeinde haben sich 1983 zu einer unierten Gemeinde vereinigt.  Derzeit hat die Gemeinde ca. 1700 Gemeindemitglieder.

Romain liegt sehr daran, dass die evangelische Kirche Präsenz zeigt in Bischwiller, einlädt und offen ist für all das, was in der Gesellschaft geschieht. Das gilt im Elsass, wie auch in Deutschland! Deshalb fällt es ihm schwer nachzuvollziehen, wenn Pfarrer aus dem Elsass nach Deutschland oder in die Schweiz gehen. "Die Probleme sind andernorts doch ähnlich! Der Pfarrberuf ist schön, weil die befreiende Botschaft des Evangeliums schön ist. Das braucht unsere Welt!" sagt er.

Dienstag, 26. Juni 2018

Das Jugendzentrum in Neuwiller konnte saniert werden

Vor dem Jugendzentrum mit den Verantwortlichen
"Foyer Saint-Jean spielt im Leben unserer evangelischen Kirche in Elsass-Lothringen eine identitässtiftende Rolle. Sehr, sehr viele Mitglieder unserer Vereingten Kirche waren als Kinder und Jugendliche hier und verbinden unvergessliche Erlebnisse mit diesem Ort", sagt Anneliese Deiss, Präsidentin des Vorstands des Jugendbundes EUL, der Träger des Zentrums ist.

Foyer Saint-Jean in Neuwiller lès Saverne ist ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert. Der Jugendbund EUL der lutherischen Kirche erwarb das Gebäude in den 1950er Jahren, um hier für Jugendliche Freizeiten, Fortbildungen und Begegnungen durchzuführen. Der Bund, der 1925 als Verein von Mitgliedern der Evangelischen Kirche A.B. von Elsass und Lothringen gegründet wurde, hatte von Anfang an das Ziel, das Evangelium von Jesus Christus den junge Menschen auch durch gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse zu verkünden. Das Evangelische Jugendheim eröffnete 1961 und hat seitdem eine wichtige Rolle bei der Einbindung der jungen Generation in die Kirche. 

Das alte Gebäude erfüllte nicht mehr die neuesten Brandschutzvorschriften. Deshalb war die weitere Unterbringung von Kindern und Jugendlichen im Jugendzentrum infrage gestellt. Der Katalog der geforderten baulichen Veränderungen war lang: Einige Decken, vor allem im Küchenbereich mussten feuerbeständig gemacht werden, alte Türen sollten durch Brandschutztüren mit automatischer Öffnung ersetzt werden, der Einbau eines Rauchabzuges musste erfolgen. Im Zuge der Umbauarbeiten hat das Jugendwerk auch die über 25 Jahre alten Betten, Tische und Matratzen erneuert. „Diese Arbeiten waren unentbehrlich, um mit unserem bald 90 Jahre altem Jugendwerk weiterhin den Jugendlichen das Zeugnis von Jesu Liebe nahezubringen“, betont Annelise Deiss. "Wir sind dem GAW für die erhaltene Unterstützung von 15.000 Euro dankbar. Das war eine sehr wichtige Hilfe!"

Kirche bleibt im Dorf! - Sanierung der Kirche in Niederstinzel

Norbert Lamy (links)
In Niederstinzel hat schon lange kein Pfarrer mehr gewohnt. Einmal im Monat kommt der Pfarrer der größeren benachbarten Gemeinde. Der Ort ist einfach zu klein. 260 Einwohner wohnen in  diesem lothringischen Dorf am linken Ufer der Saar. 40 % gehören der evangelischen Gemeinde an, 60 % der katholischen. Die beiden Konfessionen haben jeweils eine Kirche, die der kommunalen Gemeinde gehören. Das heißt, dass die Kommune auch für den äußeren Erhalt der Kirchengebäude sorgen muss. Der Grund ist die besondere religionspolitische Situation in Elsass-Lothringen zusammen. "Das ändert sich aber langsam", sagt Norbert Lamy, Schatzmeister der Kirche. "Aus Paris gibt es Tendenzen, diese Sonderrechte zu beschneiden." 

Anfang des 20. Jahrhunderts startete die lutherische Gemeinde von Niederstinzel den Versuch, eine eigene Kirche zu errichten. Die Pläne konnten erst 1934 realisiert werden. Die Kirche steht im Herzen des Dorfes auf einem Hügel und ist von einem kleinen Garten
umgeben. Das Dorf bemüht sich, grüner und für Touristen attraktiver zu werden. Es wurden verfallene Gebäude im Dorfzentrum abgerissen und verschiedene Landschaftsbaumaßnahmen durchgeführt. Der Rückgang der Dorfbevölkerung konnte gestoppt werden. Die evangelische Kirche ist jedoch in die Jahre gekommen. Die Gemeinde musste nun das Dach renovieren, den Außenputz erneuern und zudem für einen behindertengerechten Zugang sorgen. 
"Wir sind dem GAW sehr dankbar für die erhaltene Unterstützung, denn die Kommune konnte nicht alle Kosten tragen. Sie ist zu arm", sagt Lamy.

"Wenn monatlich Gottesdienste stattfinden, kommen zehn Gemeindemitglieder, für die es wichtig ist, dass hier weiterhin gebetet und auf evangelische Weise geglaubt werden kann." Und nicht nur dafür ist die Kirchengemeinde wichtig. "Wenn es die Engagierten unserer Gemeinde nicht gäbe, würde die Dorfgemeinschaft auseinanderbrechen!" 

Lamy war der erste evangelische Bürgermeister von Niederstinzel. Seit 1989 hat er einen Nachfolger, der ebenfalls evangelisch ist.

Montag, 25. Juni 2018

Protestantische Kirche in Elsass-Lothringen

Mitte Kirchenprsäident  Albeker
Vor Kurzem tagte die Synode der Union Proestantischer Kirchen von Elsass und Lothringen (UEPAL). Im Vergleich zum übrigen Frankreich und zur Vereinigten Protestantischen Kirche ist ihr Status ein anderer. In vielen Gemeinden werden Pfarrhäuser und Kirchen von den Kommunen finanziert. Pfarrer*innen erhalten z.B. ihr Gehalt vom Staat. Das hängt mit der wechselvollen Geschichte Elsass-Lothringens zusammen. 

Aufgabe der Union ist es, die Verantwortung für gemeinsame Aktivitäten und die Stärkung der Beziehungen zwischen den beiden evangelischen Kirchen im Elsass und im lothringischen Moseldepartement wahrzunehmen. Auch wollen beide Kirchen gegenüber staatlichen Stellen stärker mit einer Stimme sprechen. Deshalb können sie einige oder alle ihre Zuständigkeiten an die Union zu delegieren. Beide Kirchen zählen zusammen rund 250.000 Gemeindeglieder. Vier Fünftel gehören zur lutherischen EPCAAL, ein Fünftel zur calvinistischen EPRAL. Ihre jeweiligen institutionellen Strukturen haben beide Kirchen erhalten. 
Offizielle Religionsstatistiken gibt es im laizistischen Frankreich nicht, jedoch bekennen sich nach UEPAL-Angaben etwa 17 % der Bevölkerung in diesen drei Departements zum Protestantismus (im restlichen Frankreich unter 1 %).
Kirchenpräsident Christian Albecker berichtet, dass sich die Kirche in einer Umbruchsituation befindet. Es fehlt an Pfarrernachwuchs. Das hat auch Konsequenzen für die Finanzierung der Pfarrstellen. Der Staat finanziert nur Stellen, die besetzt sind. Treten Vakanzen auf, weil es zu wenige Pfarrer*innen gibt, zahlt der Staat auch in Zukunft nicht mehr. Das bedeutet, dass die Subventionen der Gehälter sukzessive abnehmen. Um diesen wichtigen finanziellen Zuschuss nicht auf Dauer zu verlieren, besetzt die Kirche inzwischen die vom Staat finanzierten Stellen auch mit Diakon*innen und Jugendreferent*innen.

Freitag, 22. Juni 2018

Immer weiter wachsende Not in Venezuela

Gerardo Hands
Der lutherische Kirchenpräsident aus Venezuela Gerardo Hands schreibt heute: "In dieser Woche haben wir für unser Strassenkinderheim Casa Hogar dank der Hilfe des GAW Schuhe und Kleidung kaufen können. Wir haben die Sache aus Miami besorgen lassen. Dank der Hilfe von Freunden ist der Transport auf diesem Weg möglich. Auch Sportkleidung für die lutherische Schule in Valencia haben wir kaufen können. Und ganz wichtig war der Kauf von Lebensmitteln für das Straßenkinderheim. Wir sind dem GAW sehr dankbar für die Hilfe. Diese Solidarität ist für uns wie eine Lebensversicherung. Die Dinge in Venezuela verschlimmern sich weiter. Man glaubt nicht, dass es noch schlimmer werden kann. Aber so erleben wir das. All die Zahlen von vor zwei Monaten stimmen schon längst nicht mehr. Die Erhöhung des Mindestlohnes beträgt jetzt 2 US-Dollar. Es fällt mir bei dem allen schwer, auf die pastorale Arbeit zu konzentrieren auf Grund der Zerstörung des normalen alltäglichen Lebens. Betet für uns!“ 

Wie allen Menschen in dem ehemals reichen Land fehlt es auch seinen Gemeindemitgliedern an allem: an Medikamenten, Essen oder Ersatzteilen. Im Land mit den wohl weltweit billigsten Benzinpreisen bleiben immer mehr Autos in der Garage, weil es keine Ersatzteile, neue Reifen oder Motorenöl zu kaufen gibt. "Viele Menschen leben von dem, was ihnen die Verwandten im Ausland schicken", sagt Pastor Hands. Zum Mangel kommt die katastrophale Sicherheitslage: venezolanische Städte gehören zu den Städten mit den höchsten Mordraten weltweit. Gerardo Hands denkt dennoch nicht ans Auswandern. Er wird in Venezuela bleiben, bei seiner Gemeinde. Aber seine beiden Kinder wohnen bereits im Ausland. Venezuelas Bevölkerung lebt heute in einer kollektiven Depression. Die Familien vermissen ihre ausgewanderten Angehörigen. Und das Schlimmste: seit die Opposition vor einem Jahr nach mehrmonatigem Volksaufstand gegenüber der Regierung klein beigegeben und sich gespalten hat, ist die Hoffnung auf eine politische Veränderung verschwunden. 
Das GAW unterstützt weiterhin die lutherische Kirche, dass sie ihren Dienst an den Menschen leisten kann.