Samstag, 12. Januar 2019

Ist Estland wirklich eines der atheistischten Länder Europas?

Matthias Burghardt (Tallinn)
"Estland gilt als eines der atheistischsten Länder in Europa - gemeinsam mit Tschechien und Ostdeutschland. Aber stimmt das...?" fragt Pfarrer Matthias Burghardt nachdenklich. 13% der Bevölkerung gehören zu lutherischen Kirche, 14% zur orthodoxen Kirche. Burghardt ist Pfarrer einer deutschsprachigen und einer estnischen Gemeinde seiner Kirche. 

Er nimmt dann Bezug auf die spannende Kirchengeschichte der Estnischen Evangelischen-Lutherische Kirche (EELK). 1524 kam schon die Reformation ins Land und breitete sich schnell aus. Mit dem christlichen Glauben hatte man bisher immer eine Geschichte der gewaltsamen Missionierung verbunden. Die Reformation wurde als Befreiung erlebt. In der schwedischen Zeit blühte die Kirche zur Volkskirche auf. Dann unter dem russischen Einfluss erhielten die Deutschbalten Rechte, die es ihnen erlaubten, die Esten selbst zu Untertanen zu degradieren - auch in Kirchenfragen. Unter dem Einfluss Zinzensdorfs setzte sich schließlich eine pietistische Bewegung in der Kirche durch. Es entstanden Bethäuser, die die Frömmigkeit der Menschen in Estland prägte. Und vor allen Dingen förderte Zinzendorf die estnische Schriftsprache. Es entwickelte sich aus dieser pietistischen Tradition heraus eine sog. estnische Bauernaristokratie, eine Sänger- und Emanzipationsbewegung. 

Bis heute spielen die Sängerfeste mit bis zu 30.000 Chorsänger*innen eine große Rolle in der estnischen Tradition. "Und gerade hier spürt man auch eine tiefe religiöse Prägung - auch wenn bei weitem nur eine Minderheit zur Kirche gehört. Früher waren das die Kirchenchorfeste," sagt Pfarrer Burghardt. "Auch wenn diese Bewegungen mit der Kirche nichts mehr zu tun haben, so haben sie in der Kirche ihre tiefen Wurzeln."

Zur Kirche werden ca. 160.000 getauften Lutheranern gezählt - wobei davon nur 29.000 Gemeindeglieder sind. Die EELK ist aufgeteilt in 12 Propsteien, 166 Gemeinden mit 43 Pfarrerinnen und 169 Pfarrern in Estland sowie in fünf Propsteien und 32 Gemeinden im Auslandsbistum (seit 2010). 

Der erste estnische Bischof wurde gewählt mit der Gründung der Estnischen Lutherische Kirche nach dem 1. Weltkrieg. Dann aber begann eine weitere schwierige Phase: der Weg eines unabhängigen Staates und einer Kirche mit damals 85% Kirchenzugehörigkeit endete abrupt mit dem Hitler-Stalin-Pakt. Es kam zu Flucht, Deportation, Vertreibung - und großem Leid.

"Die aktuellen Fragen drehen sich auch nach der Neugründung Estlands und dem Zerfall der Sowjetunion darum, wie die Kirche nach der Zeit der sowjetischen Unterdrückung aus einer Nischensituation herauskommt im Sinne von: bei uns sind die „wahren Christen“ und Bewahrer der reinen Lehre zu finden und die anderen gehören zu feindlichen Welt. Das ist eine große Versuchung in Osteuropa!" sagt Burkhardt. "Die Sowjets haben die Kirche in die Nische gedrängt. Wollen wir da bleiben oder uns der Welt zuwenden, wie es der Ruf des Evangeliums ist, das uns befreien will von allen ideologischen Abhängigkeiten - auch den eigenen!"

Mit Sanftmut dem Hass begegnen! - Steven Fuite (Belgien)

Steven Fuite (Belgien)
"Die Welt verhärtet sich! Das spüren wir auf verschiedenen Ebenen bis dahin, dass mit Fake-News Politik gemacht wird und Menschen polarisiert. Als Kirche  leben wir mit unserem HERRN der Kirche. Er ist der HERR der Sanftmütigkeit. Als Kirche, die ihm folgt sind wir Kirche seines Wortes. Wir haben den Auftrag mit sanftmütigen Worten Hass in der Welt einzuhegen. Da sind wir in Europa als Kirchen insgesamt gefordert!" das sagt Kirchenpräsident Steven Fuite aus der Vereinigten Protestantischen Kirche Belgiens (VPKB) auf der Tagung der norddeutschen GAW-Hauptgruppen im ostfriesischen Aurich. "Wir sind als VPKB eine offene Kirche mit einem progressiven Blick auf die Welt. Es gibt in Belgien keine andere Kirche, die ähnlich offen und vielfältig ist. In allen ethischen Fragestellungen wie z.B. Homosexualität, Abtreibungsfragen und Sterbebegleitung wird das deutlich. Damit haben wir ein Angebot für die Gesellschaft. Wer sehr konservative Antworten sucht, der hat in Belgien eine große Auswahl an Kirchen. Eine Alternative zu uns gibt es im kirchlichen Kontext nicht. Das macht uns manchmal in Belgien einsam. Aber so verstehen wir unseren Auftrag aus der reformatorischen Tradition: die von Gott angebotene Vielfalt zu umarmen und willkommen zu heißen! Das ist ein Ausdruck der Offenheit unserer Kirche in der Gesellschaft."

Belgien ist zu 75 % katholisch. Religiöse Minderheiten sind 8 % Muslime, 3 % Evangelische und Protestanten (das ist die VPKB mit 1%), Orthodoxe und Juden. 59 % der Bevölkerung sind niederländische Flamen, 40 % französischsprachige Wallonen und 1 % Deutsche.

Ca. 75.000 Gemeindeglieder in 110 Gemeinden hat die VPKB. Davon gibt es 70 wallonische, 35 flämische, drei deutsch- und zwei englischsprachige Gemeinden mit 85 Pfarrerinnen/Pfarrern. Dazu kommen einige Spezialpfarrämter. Die Kirche hat eine 180-jährige Tradition.

Steven Fuite ergänzt dann: "Unsere Kirche selbst wächst nicht. Das bedrückt oft die Gemeinden und Pfarrer*innen, weil sie Dinge aufgeben müssen. Da stellt sich für uns als Kirchenleitung die Frage, wie wir ermutigen können, frei zu werden von Lasten - innerlich und äußerlich. Manche Verantwortliche fragen sich bei uns: Was machen wir falsch, wenn das Evangelium doch so schön ist? Machen wir zu wenig? - Der HERR aber verlangt nicht von uns, dass wir immer mehr machen. Wir müssen uns fragen, was wir verändern müssen, wenn es nicht mehr so wie früher geht. Das Reich Gottes liegt nämlich vor uns und nicht hinter uns! Es geht darum, hinter die selbst errichteten Mauern zu schauen, nach neuen Perspektiven, Chancen und Herausforderungen zu suchen und im Vertrauen auf Gott ein neues Abenteuer als Kirche zu wagen!"

Und er schließt damit, dass die Kirche eine Kirche in unserer Zeit sein will, um darin dem Evangelium Raum zu geben.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Eine Mail aus Bogotá in Kolumbien von Lizbeth

Lizbeth Chaparro
"Ich melde mich mal wieder nach einiger Zeit bei Euch im GAW, um mich noch einmal ganz herzlich für eure Unterstützung für mein Stipendium in den Jahren 2012-2013 zu bedanken.

In den letzten beiden Jahren habe nach einer weiteren Pädagogikausbildung in einem Programm mitgearbeitet, das Bildung für alle sich auf die Fahnen geschrieben hat.Ich habe in einem Armenviertel in Bogotá gearbeitet. Dort habe ich 18 Gruppen begleitet mit insgesamt fast 643 Schülern. Mein Fach war Ethik.

In dieser Zeit begleitete ich auch die Kirche von Vida Nueva beim Aufbau einer Jugendarbeit. In letzter Zeit besuchte ich öfter die deutschsprachige Gemeinde San Mateo Kirche, wo Pastorin Christhild Grafe arbeitet. Gemeinsam wollen wir Taizéandachten in der Gemeinde vorbereiten und im Gemeindeleben installieren. Es besteht auch die Möglichkeit, dass ich in Zukunft in der Konfirmandenarbeit mitmache. Auch besteht die Möglichkeit, dass ich in Zukunft Predigtvertretungen in der Gemeinde übernehme, wenn die Pfarrerin nicht da ist. Dafür hoffe ich, dass die Gemeinde mir bei der Verbesserung der Sprachkenntnisse hilft.

Ich bin sicher, dass ein großer Teil dessen, was ich bisher erreicht habe und machen konnte, Ergebnis dessen ist, was ich in Deutschland erlebt und gelernt habe. Ich denke an Euch und bete für euch. Bitte tut das auch für mich!" 

Lizbeth Chaparro (GAW-Stipendiatin 2012/13)


Freitag, 4. Januar 2019

Gelungene Sanierung des Kirchendaches in Dumbrăveni / Rumänien


"Wir danken dem GAW herzlich für die Unterstützung bei der Sanierung des Kirchturmes unserer evangelischen Kirche in Elisabethstadt! Dank dieser Hilfe konnten wir unsere Kirche instandsetzen!" schreibt Pfrarrer Ulf Ziegler. Im Projektkatalog 2016 wurde die Sanierung, die 22.400 Euro kostet mit 6.600 Euro durch das GAW unterstützt.

Die Stadt Dumbrăveni (deutsch: Elisabethstadt) liegt in Siebenbürgen am Fluss Târnava Mare (deutsch: Großer Kokel). Die evangelische Gemeinde zählt nur wenig über 70 Mitglieder, gehört jedoch zu den aktivsten des Kirchenbezirks. Neben den Gottesdiensten an jeden zweiten Sonntag gibt es verschiedene andere traditionelle Veranstaltungen wie der Nikolausgottesdienst oder das Adventskranzbinden der Jugend. „Die Gemeinde ist flexibel und wegen Konzerten oder Buchpräsentationen gern zu Nachbarn unterwegs“, beschreibt Pfarrer Ulf Ziegler das evangelische Leben in Dumbrăveni. „Fast jedes Jahr gibt es eine Konfirmandengruppe. Die Kinder aus dem Religionsunterricht haben zu Weihnachten zusammen mit der Kantorin ein Musical aufgeführt und sind damit am Heiligabend auch im kirchlichen Altenheim aufgetreten.“ Das alte Pfarrhaus konnte die Gemeinde zu 60 % vermieten. Mit den Einnahmen können verschiedene kleine Arbeiten verrichtet werden. 

Die heutige evangelische Kirche, eine Saalkirche mit Glockenturm, entstand 1771 als armenisch-katholische Privatkapelle. Die evangelische Kirchengemeinde erwarb sie 1925 und baute sie um. Das Dach der Kirche war stark beschädigt. Im Chorbereich fehlten die gesamten Firstziegel. Der einströmende Regen hatte den Dachstuhl und die Elektrik der Kirche beschädigt. Weitere Schäden waren durch Nässe in den Kirchenmauern und im Fußboden entstanden. Die Sanierung des Kirchendaches war für alle anderen Arbeiten unumgänglich. 

Wir danken allen Spendern!!!





Dienstag, 1. Januar 2019

Neun Brasilianer erneut im GAW zu Gast

Mit dem neuen IFPLA-Jahrgang vor der
Leipziger Universitätskirche St. Pauli
Erneut sind neun brasilianische Lehramtskandidaten aus dem Institut IFPLA (Instituto de Formação de Professores de Língua Alemã) zu Gast in der GAW-Zentrale in Leipzig. IFPLA bildet Deutschlehrer für Brasilien aus und ist eng mit der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) verbunden. 

Die IECLB ist Trägerin mehrerer Schulen (ca. 55), an denen Deutsch unterrichtet wird. Das GAW unterstützt auf Bitten der IECLB nun schon zum 25. Mal ein Lern-, Kultur- und Austauschprogramm. 

Mit Unterstützung des GAW können die Lehramtskandidaten zwei Wochen lang am InterDaf e.V. am Herder-Institut der Universität Leipzig an ihren Sprachkenntnissen feilen und erhalten zudem Unterricht in Landeskunde und deutscher Kultur. 

Das Institut IFPLA ist in der Stadt Ivotí (Rio Frande do Sul) ansässig. Viele Absolventen des IFPLA arbeiten heute an kirchlichen Schulen, weil diese aus historischen Gründen Deutschunterricht anbieten. 

Auch auf dem Neujahrsempfang des GAW am 8. Januar 2019 wird der IFPLA-Kurs erneut wieder dabei sein.

Dienstag, 18. Dezember 2018

100 Jahre Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder in Tschechien

Synodalsenior Daniel Zenatý (EKBB)
auf der Konferenz im Dezember
Mitte Dezember feierte die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) ihr 100-jähriges Jubiläum. Nach dem Ende des ersten Weltkriegs und der Gründung der Tschechoslowakischen Republik, für die besonders der Name des ersten Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk steht, gründete sich auch eine rein tschechische Kirche nach dem Zerfall der Habsburger Monarchie.
Die Grundlagen der EKBB wurzeln in der Utraquistischen Kirche (1431–1620) und in der Brüderunität (1457–1620). Die EKBB entstand in ihrer heutigen Gestalt im Jahr 1918 durch den Zusammenschluss der bis dahin selbständigen evangelischen Kirchen Augsburger und Helvetischen Bekenntnisses. Deren Existenz wurde nach dem Ende der Gegenreformation, die von 1620 bis zum Erlass des Toleranzpatens durch Kaiser Joself II. im Jahr 1781 dauerte, erlaubt. Die strengen Beschränkungen mussten die Evangelischen freilich auch danach beachten, bis zum Erlass des Protestantenpatentes im Jahr 1861. In der Zeit ihrer Entstehung hatte die EKBB 250 000 Mitglieder, im Jahre 1938 waren es dann schon 325 000 Mitglieder. Heute ist die Kirche in 14 Seniorate aufgeteilt mit einer Gesamtzahl von 250 Gemeinden und ca. 80 000 Gemeindegliedern. Die Kirche wird vom sechsköpfigen Synodalrat geleitet, der auf sechs Jahre gewählt wird. Repräsentiert wird die Kirche vom Synodalsenior und vom Synodalkurator.
Im Newsletter der EKBB wird berichtet:
„Im Jahr 1918 war Österreich-Ungarn ein Pulverfass, das kurz davor war, in die Luft zu gehen. Die politischen und staatsrechtlichen Veränderungen führten in Böhmen zur Abtrennung vom Wiener Kirchenrecht. Die tschechischen Protestanten spürten die Gunst der Stunde und begannen mit den innerkirchlichen Verhandlungen. Die angestrebte Vereinigung der zwei größten evangelischen Kirchen, der lutherischen (Augsburger Bekenntnis) und der reformierten Kirche (helvetisches Bekenntnis), war Inhalt der Verhandlungen. In der Euphorie über den Zerfall Österreich-Ungarns und zusammen mit den Vorzeichen eines freien tschechischen Staates lösten sich alle theologischen und politischen Bedenken, die einer Vereinigung vorher im Wege gestanden hatten, auf. Schon am 16. Mai 1917 trafen sich die Vertreter der tschechischen Protestanten. Nach den Referaten von Josef Souček und Josef Hromádka wurde folgender Beschluss verfasst: „Die tschechischen Protestanten fühlen eine lebendige Sehnsucht danach, eine selbstständige tschechische nationale evangelische Kirche zu gründen, auf Spuren und Basis der böhmischen Reformation, dass die gegenwärtigen, geschichtlich gewachsenen, tschechischen Kirchen eine Einheit bilden.“ Großes Interesse an einem Anschluss an diese neue Kirche äußerten auch einige Tausend Tschechisch sprechende Protestanten in Schlesien, die sich von der Vereinigung mit der tschechischen Kirche eine Befreiung vom nationalistischen Druck versprachen, dem sie sich als Minderheit in den polnischen und deutschen Gemeinden ausgesetzt sahen. Mit der Gründung der Tschechoslowakei am 28.10.1918 begann die Neuorganisation der evangelischen Kirchen und ihr Zentralausschuss beschloss die Einberufung einer allgemeinen Kirchenversammlung, welche feierlich die Vereinigung der beiden Kirchen auf der Basis des Böhmischen und des Brüderischen Bekenntnisses erklärte. Die konstituierende Generalversammlung wurde am Dienstag, den 17.12.1918 um neun Uhr im Smetana-Saal im Prager Repräsentationshaus Obecní dům abgehalten. In den Reden, die nacheinander von den Vorstehenden beider Konfessionen gehalten wurden, kann man heute das Pathos der Stunde nachempfinden: gesprochen wurde von „tiefer Dankbarkeit“ für die „Befreiung der Nation“, Tomáš Garrigue Masaryk, der erste Präsident der Tschechoslowakei wurde als Instrument von Gottes Gerechtigkeit bezeichnet. Außerdem wurden die protestantischen Ideale gepriesen: Demokratie, Freiheit und Verantwortung. Die Abschlussresolution lasen Ferdinand Hrejsa und Antonín Frinta: die evangelischen Kirchen augsburgischen und helvetischen Bekenntnisses sind vereinigt. Schon einige Jahre vor der Gründung der EKBB war unter den Theologiestudenten der Gedanke gewachsen, in Prag ein Religions- und Kulturzentrum zu gründen, und dieses mit dem Namen von Jan Hus zu verbinden. Der Gedanke sollte zum 500. Jahrestag der Verbrennung von Jan Hus im Jahre 1915 umgesetzt werden. Ab dem Jahr 1902 schaute man sich nach einem Haus zum Kauf um. Am günstigsten zeigte sich im Jahre 1912 schließlich ein zweistöckiges Haus in der Jungmannova-Straße, im Zentrum Prags. Die Zeit drängte, bis zu den Hus-Feierlichkeiten, bei der man das Hus-Haus eröffnen wollte, blieben nur noch drei Jahre. Obwohl das Haus nun gekauft war, konnte es die Kirche nicht sofort vollständig beziehen. Es wohnten noch Mieter dort und für die verabredeten Zwecke gab es nicht genug Platz. Zum Haus aber gehörte ein weiträumiger Innenhof. Auf dem sollte dann das wirkliche Hus-Haus gebaut werden. Im Oktober 1918 wurde neben einem Saal für 200 Personen, eine Bibliothek mit einem Lesesaal eingerichtet. Dort hatte die sogenannte „Konstanzer Vereinigung“ ihren Sitz, die die Zeitschrift „Konstanzer Funken“ herausgab. Nach der Vereinigung der evangelischen Kirchen am Ende des Jahres 1918 zogen der Synodal-Ausschuss und seine Unterabteilungen ins Haus. Im Juni 1923 begann man mit dem Anbau. Gemäß den Plänen des Architekten Bohumir Kozák baute man auf das ursprüngliche Haus drei weitere Stockwerke und vereinheitlichte die Fassade zur Straße hin. Dort wurde auch eine HusStatue von Ladislav Kofránek angebracht wurde, ein Bibelrelief und ein Lamm mit einem Schriftzug. Das vordere Gebäude des Hus-Hauses wurde am 1. Mai 1924 feierlich eröffnet. Über die Baustelle für das Hof-Gebäude wurde im Jahr 1934 entschieden. Man wählte wieder den Architekten B. Kozák. Der Neubau im Hof wurde feierlich am 14.3.1937 eröffnet.
Die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum fand in Pardubice vom 27.-30. September 2018 statt. Diese Feierlichkeiten in Pardubice waren die größte und öffentlichkeitswirksamste Veranstaltung zum 100-jährigen Jubiläum der EKBB dar. Es nahmen evangelische Kirchenmitglieder aus der gesamten Republik teil. Auch Interessierte aus der nichtkirchlichen Öffentlichkeit und ökumenische Gäste aus Tschechien und dem Ausland waren gekommen. Experten schätzen, dass etwa 2000-3000 Menschen teilgenommen haben.
Im Dezember wurden die Feierlichkeiten fortgesetzt u.a. mit einer internationalen Konferenz im Senat des tschechischen Parlaments und eine feierliche Versammlung der EKBB im Smetana-Saal des Prager Repräsentationshauses, also an dem Ort, an dem die Kirche vor 100 Jahren gegründet wurde.
Heute ist die EKBB die größte nicht-katholische Kirche in der Tschechischen Republik. Berühmte Evangelische waren Präsident T. G. Masaryk, Milada Horáková und Jan Palach.“

In einem Grußwort während der Feierlichkeiten im Dezember 2018 wies die Stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Ulrike Scherf, auf die Bedeutung der Versöhnungsarbeit 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg hin: https://www.ekhn.de/aktuell/detailmagazin/news/scherf-verantwortung-fuer-europa-gerecht-werden.html

Ein neues Gemeindehaus in São Lourenço do Sul


"Im Namen der Gemeinde São Lourenço do Sul im Süden Brasiliens bedanken wir uns für die Spende des GAW für die Erweiterung des notwendigen  Gemeindehausbaus! Das hilft uns sehr, denn die Gemeinde wächst und wir brauchen Raum. In diesem Monat werden die letzten Arbeiten verrichtet!" schreibt der Pfarrer der Gemeinde. Und er ergänzt: "Vor 60/70 Jahren hat die Gemeinde für die Kirche eine Glocke geschenkt bekommen, die dreimal täglich läutet. Sie gehört zum täglichen Leben dazu! Von dieser geschenkten Glocke sprechen die älteren Gemeindemitglieder noch heute."

São Lourenço do Sul liegt etwa 200 km südlich von Porto Alegre im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul und ist mit etwa 45.000 Einwohnern eine Kleinstadt und ein Badeort am Westufer der Lagune Lagoa dos Patos. Die Stadt wurde von deutschen Einwanderern gegründet und wird noch heute von zahlreichen Deutschbrasilianern bewohnt. Es gibt eine Menge kleiner Händler, die nur ein geringes Einkommen haben. Viele junge Leute wohnen in der wachsenden Stadt. Auch die lutherische Gemeinde profitiert davon. Jedes Jahr werden ca. zehn Familien, die aus dem ländlichen Bereich kommen, aufgenommen. Inzwischen zählt die Gemeinde ca. 1.200 Gemeindeglieder.
 

In der Gemeinde treffen sich 15 verschiedene Gruppen. Neben Gruppen für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Ehepaare und Senioren gibt es zahlreiche musikalische Aktivitäten. Das Gemeindehaus ist zentral gelegen. Dadurch spielt es auch für die kommunale Gemeinde eine wichtige Rolle. 

Das denkmalgeschützte Kirchgebäude ist 150 Jahre alt und bietet Raum für ca. 200 Gottesdienstbesucher. 

Das Gemeindehaus der Gemeinde war dringend renovierungsbedürftig und war für den gestiegenen Bedarf zu klein. 



Mit 11.000 Euro konnte das GAW den Gemeindehausbau im Projektkatalog 2016 unterstützen. Herzlichen Dank allen Spendern!

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Die evangelische Kirche in Nabik (Syrien) ist wieder eingeweiht!

Tauf in Nabik zur Wiederweinweihung der Kirche
"Am 10. August 2018 konnten wir endlich unsere evangelische Kirche in Nabik wieder einweihen. Der Ort war am Beginn des syrischen Kriegs über ein ½ Jahr in Händen von IS-Terroristen. Sie haben unsere Kirche geschändet und zerstört. Es waren umfassende Sanierungsmassnahmen nötig. Auch das Dach musste komplett ersetzt werden. Nun erstrahlt die Kirche in neuem Glanz. Das freut uns als Kirche (NESSL - National Evangelical synod of Syria and Lebanon) sehr Und wir sind dem GAW und der Württembergischen Landeskirche sehr dankbar für die Unterstützung in Höhe von 21.500 Euro. Ohne diese Hilfe hätten wir es nicht geschafft!" schreibt in einem Dankesbrief Rev. Joseph Kassab. Und er fährt fort: "In dem Einweihungsgottesdienst habe ich sogar ein Kind taufen können! Wenn das kein Hoffnungszeichen ist, dass es Zukunft und Hoffnung in Syrien gibt!!!"
Der Ort Nabik liegt auf halber Strecke zwischen Damaskus und Homs. Vor dem Bürgerkrieg hatte Nabik ca. 50.000 Einwohner. Jetzt sind es noch 32.000 Einwohner. Vor dem Krieg lebten 800 christliche Familien in Nabik, davon waren 80 evangelisch. Viele Familien sind auf Grund des Krieges  in den Libanon, nach Damaskus oder Malula geflohen. 

Die katholische Kirche konnte mit französischer Hilfe wieder aufgebaut werden, die rum-orthodoxe Kirche mit italienischer Hilfe. Mit der Hilfe des GAW konnte nun auch die evangelische Kirche saniert werden.

Zur evangelischen Gemeinde zählen noch 10 Familien mit ca. 40 Personen. Pastoral wird die Gemeinde von Homs aus geistlich betreut. Zu den Angeboten für Kinder kommen sehr oft zahlreiche Kinder aus katholischen und orthodoxen Familien. 

Ursprünglich gehörte zur Gemeinde auch eine Schule, die 280 SchülerInnen besuchten aus allen Religionen und Konfessionen. Diese Schule ist durch den Krieg völlig zerstört worden. 

Die Kirche wurde 1932 erbaut. Sie ist entstanden aus der dänisch-lutherischen Missionsarbeit. Aus dieser Missionsarbeit war auch ein Krankenhaus hervorgegangen, das durch die Regierung 1970 der Gemeinde allerdings wieder genommen wurde. 

Nabik ist jetzt unter Kontrolle der syrischen Regierung. Die Gegend gilt als stabil. Es gab keine Kämpfe mehr. 

Wir sind dankbar, dass wir als GAW den Wiederaufbau unterstützen konnten. Allein durch die Bauarbeiten hatten Familien ein Einkommen und die lokale Wirtschaft konnte gestärkt werden. Zudem ist eine sichtbare und funktionierende Kirche Ausdruck, dass es christliches Leben in Syrien gibt. Die Christen helfen dem Land durch ihre Präsenz, dass es moderater, vielfältiger und bunter ist.

Montag, 10. Dezember 2018

Venezuela in "großer Drangsal"

Schlange stehen in Caracas....
Heute am 10. Dezember 2018 - am Tag der Menschenrechte - ist es wichtig, auf Verletzung der Menschenrechte weltweit hinzuweisen - insbesondere konkret zu informieren. Mit großer Sorge schauen wir als GAW auf Venezuela:

"Wir erleben in Venezuela  eine "große Drangsal"," schreiben die katholischen Bischöfe des Landes. Das erlebt auch die lutherische Kirche so. Kirchenpräsident Gerardo Hands sieht Leben und Zukunft der Venezolaner ernsthaft gefährdet. Auf ökumenischer Ebene ist man sich einig, dass ein Dialog mit dem derzeitigen autokratischen Regime von Nicolás Maduro kaum zu führen ist. Die Einschränkung des Pluralismus und der Abbau institutioneller Kontrollen gehen mit wachsender politischer Verfolgung und Repression einher. Über 100 Tote gab es nach den Protestwellen ab April 2017. Plünderungen und Lynchaktionen haben zugenommen. Zahlreiche Fälle von Folter in Gefangenschaft sind dokumentiert. Bürgerinnen und Bürger haben kaum Möglichkeiten, sich gegen dieses Vorgehen zu wehren, denn sie wurden rechtsstaatlicher Garantien beraubt: Die Justiz ist gleichgeschaltet und Zivilisten werden bisweilen von Militärrichtern verurteilt. Nachdem Maduro die Macht übernommen hat versank Venezuela immer tiefer in einer politischen, sozioökonomischen und humanitären Krise.
Das Missmanagement der Regierung, gekoppelt mit niedrigeren Ölpreisen bei starker
Venezuela
Rohstoffabhängigkeit, führte zu einer Wirtschafts- und Versorgungskrise.  Die Inflationsrate überschritt die 2.000-Prozent-Marke. In Venezuela, dem Land mit den größten Erdölreserven der Welt, leben heute mehr als 60 Prozent der Bevölkerung in Armut. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten ist katastrophal. Der Schwarzmarkt und der grenzüberschreitende Schmuggel florieren. Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist in den letzten zwei Jahren rasant gestiegen. Diese Entwicklung verschärft die strukturell prekäre Sicherheitslage: Venezuela weist weltweit die zweithöchste Mordrate auf. Die Notlage fördert die Emigration, vor allem in die Nachbarländer. Rund drei Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner haben das Land verlassen.
Die Maduro-Regierung negiert die humanitäre Krise, lehnt internationale Hilfe ab und macht einen durch die Opposition geführten Wirtschaftskrieg und „den Imperialismus“ für die sozioökonomische Notlage verantwortlich. Während kubanisches Personal im Sicherheitssektor beratend tätig ist, hängt Venezuela wirtschaftlich stark von den Erdölexporten in die USA und großzügigen Krediten aus China ab. 
Die Konfliktparteien in Venzuela scheinen momentan nicht mehr imstande zu sein, ohne Hilfe von außen einen Weg aus der Krise zu finden. Hier sind die internationale Gemeinschaft und besonders die lateinamerikanischen Staaten als Vermittler gefragt. 
Venezuela darf nicht allein gelassen werden! Es braucht Information, Solidarität, gemeinsame Anstrengungen. 
"Wir dürfen uns angesichts der Herausforderungen einer unsicheren und schwierigen Gegenwart niemals entmutigen lassen: Im Gegenteil, im Vertrauen auf Gott, der uns die Kraft gibt, Zeugnis abzulegen und Gutes zu tun, müssen wir die Forderungen nach Gerechtigkeit und Freiheit unterstützen... In dieser schwierigen Zeit müssen die Hoffnung und das konkrete Engagement uns zu Samaritern für andere werden lassen," schreiben die katholischen Bischöfe des Landes.

Inzwischen  hat sich in Deutschland ein Ökumenisches Netzwerk gebildet zur gegenseitigen Information und zur koordinierten gemeinsamen Hilfe für die Menschen, die in einem der rohstoffreichsten Länder der Welt bittere Not leiden. Und leider bleibt es wohl wahr, was Kirchenpräsident Hands sagt: "Der Rohstoffreichtum des Landes ist eher Fluch als Segen für das Land, denn es hält das System derzeit am leben."

Gebet aus Venezuela:

"Bleib bei uns, Herr, begleite uns,
auch wenn wir dich nicht immer zu erkennen wussten.
Bleib bei uns, denn du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Bleibe in unseren Familien,
erleuchte und unterstütze sie in ihren Schwierigkeiten.
Bleib bei unseren Kindern und unseren Jugendlichen,
in ihnen liegt die Hoffnung und der Reichtum unserer Heimat.
Bleib bei den Leidenden, tröste und behüte sie.
Bleib bei uns, Herr, wenn Zweifel und Erschöpfung drohen
oder Probleme auftauchen;
erhelle unseren Geist durch dein Wort,
nähre uns mit deinem Brot des Lebens.
Hilf uns, die Freude zu erfahren, an dich zu glauben.
Bleib, o Herr, bei der Gemeinde deiner Jünger.
Erneuere in uns das Geschenk deiner Liebe.
Ermuntere uns und bewahre uns in der Treue,
damit wir allen froh verkünden, dass du uns zu neuem Leben erweckt
und uns aufgetragen hast, deine Zeugen zu sein. Amen"

Das GAW hilft der kleinen lutherischen Kirche, Nothilfe zu leisten, Lebensmittel zu beschaffen und den Menschen zu helfen, dass sie bleiben können. Dafür brauchen sie unsere Hilfe. Helfen Sie mit:

Spendenkonto GAW: 
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11, BIC: GENODED1DKD (KD-Bank)
Stichwort: Venezuela

(Texte u.a. aus "Solidarität mit Verfolgten und Bedrängten Christen in unserer Zeit, Arbeitshilfe 302 - Kuba und Venezuela, Eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz")


Dienstag, 4. Dezember 2018

Griechischsprachkurse in Katerini - das GAW unterstützt!

Griechischkurs in Katerini
"In der gleichen Sprache kommunizieren zu können ist entscheidend für eine gute Integration in der griechischen Gesellschaft," schreibt Alexandra Nikolara, die u.a. in der griechischen NGO Perochoresis der Griechischen Evangelischen Kirche die Griechischsprachkurse verantwortet. "Dadurch verbessert sich die Lebensqualität der Flüchtlinge bei uns im Land." 

Das GAW hat mehrfach die Sprachkurse unterstützt, die Perichoresis verantwortet. Dabei ging es neben den Gehältern für Lehrer um Büromiete und Materialkosten. Das Ganze begann Ende 2017. Das Programm wurde im April 2018 auf alle Flüchtlinge ausgeweitet, die von Perichoresis betreut werden. In Katerini, im Norden Griechenlands sind das einige hundert Menschen. Spezielle Sprachförderung erhielten die, die in Katerini eine Arbeit suchten und dafür besondere Vokabeln benötigten. Die Sprachkurse sind ein Schlüssel, Arbeit im Land zu finden, mit
Behörden kommunizieren zu können und das eigene Leben in die Hand nehmen zu können. Nicht ganz einfach ist es für all die, die durch den Krieg in Syrien nicht regelmäßig eine Schule besuchen konnten. Das betrifft vor allen Dingen Kinder und Jugendliche.

"In Perichoresis sind wir sehr dankbar für die großzügige Unterstützung durch das GAW, die wir für dieses Programm erhalten haben," schreibt Alexandra.

Die Flüchtlingssituation in Griechenland ist nach wie vor kritisch. Die Flüchtlingszahlen in Griechenland sind im Sommer 2018 wieder stark gestiegen. Solange es keinen Frieden in Syrien gibt wird sich die Lage nicht verbessert. Europa ist gefordert. Und Griechenland darf nicht allein gelassen werden.
Die Griechische Evangelische Kirche leistet eine enorme Arbeit als kleine Minderheitskirche. Dabei brauchen sie dringend unsere Unterstützung.

Das GAW dankt allen Spendern und bitte weiter um Hilfe für die Flüchtlingsarbeit der evangelischen Kirche im Land. 

Spendenkonto: IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11, BIC: GENODED1DKD (KD-Bank) Stichwort: Griechenland

Freitag, 30. November 2018

Ein neues Diakoniezentrum für Mittelböhmen

Aktivitäten mit Flüchtlingen im umgebauten
Dachgeschoß des Gemeindehauses
"Wir danken dem GAW sehr für die Hilfe, das Gemeindediakonieprojekt in Mladá Boleslav zu realisieren. Das war sehr wichtig! Der Entschluss unser Projekt zu unterstützen, motiviert uns, sowohl das Gemeindeleben, als  auch die Asylbewerberintegration in Tschechien zu unterstützen, die hier geleistet wird. Es regt unsere Hilfsbereitschaft mitten in der tschechischen Gesellschaft an, die immer mehr egozentrischer wird. Wir sind dankbar, dass unser Zusammengehörigkeitsgefühl mit der Familie der europäischen protestantischen Kirchen, zu der wir gehören, auch dank dieser Unterstützung wachsen konnte. Noch einmal, herzlichen Dank!" schreiben die Verantwortlichen der Gemeinde der Böhmischen Brüder in der Skodastadt.

Dachgeschoß vor dem Ausbau
Die eigenständige Pfarrgemeinde in Mladá Boleslav entstand 1919 aus dem Zusammenschluss einer lutherischen und einer reformierten Filialgemeinde. Nur ein Jahr zuvor hatten sich Lutheraner und Reformierte auf der staatlichen Ebene zur Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder vereint. Seitdem hat die Gemeinde in ihrer Entwicklung Höhen und Tiefen durchgemacht. Nach der Petitionsunterzeichnung von Charta 77 ist sie in politische Strudel geraten. In den 1990er Jahren verlor sie viele jüngere Gemeindeglieder an eine charismatische Bewegung. Heute zählt sie 180 Glieder. „Wir organisieren regelmäßig auch größere Veranstaltungen, zu denen wir die Öffentlichkeit einladen“, berichtet Pfarrer Jonatan Hudec von den Ansätzen, auch kirchenferne Menschen anzusprechen. „Zum Theaterfestival für Kinder kamen 2017  250 Besucher. Ein weiterer Anziehungspunkt ist unser Fairtrade-Markt.“ 

Im Jahr 1923 hat die Gemeinde ein größeres Haus gekauft, das seitdem als Gemeindehaus dient. Lange wurde darüber diskutiert, ob es aus Sicht der Gemeindeentwicklung Sinn hat, das Dachgeschoss auszubauen. Durch den realisierten Ausbau hat die Gemeinde u.a. neue Räume für ihre Kinder- und Jugendarbeit. „Dann haben wir noch Platz für eine kleine Wohnung für ein junges Paar mit geistiger Behinderung, das sich nach eigenständigem Leben sehnt“, erzählt Pfarrer Jonatan Hudec. „Außerdem gibt es jetzt ein Büro für eine Mitarbeiterin der Diakonie, die für Flüchtlinge im Bereich Mittelböhmen arbeitet.“

Im Projektkatalog 2018 haben wir 30.000 Euro für dieses wichtige Projekt sammeln können. Den Spendern sei herzlich gedankt!

Donnerstag, 29. November 2018

Brasilien – autoritärer Ex-Militär wird zum Präsidenten gewählt

Jair Bolsonaro
Das evangelische Magazin „Chrismon Plus“ schreibt in seiner neuesten Ausgabe über den neu gewählten Präsidenten und die Wahlunterstützung für ihn durch Pfingstgemeinden: „58 Mio. Menschen wünschen sich einen tiefgehenden Wandel und gaben dem rechtsextremen Ex-Militär Bolsonaro ihre Stimme. Sein Versprechen, Wirtschaftskrise, Korruption und grassierende Kriminalität mit harter Hand zu bekämpfen, überzeugte die Mittelschicht und viele ärmere Brasilianer.

Sein Plädoyer für Religiösität und traditionelle Familienwerte ist Bolsonaros wichtigster Trumpf. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung besucht regelmäßig die unzähligen Pfingstgemeinden oder sieht ihre Fernsehpredigten, in denen zu Bolsonaros Wahl aufgerufen wurde. Pfingstchristen setzen auf individuelle Heilsversprechen, nicht auf Staat und sozialen Ausgleich. Hinzu kamen Verleumdungen wie die, dass der Gegenkandidat Fernando Haddad Kinder zu Homosexuellen umerziehen wolle.“

Wilhelm Wachholz
Der Ex-Militär Jair Bolsonaro profilierte sich im Wahlkampf mit solch autoritären Forderungen wie der nach Folter oder nach der Inhaftierung linker Oppositioneller. Das erinnert an die schlimmsten Zeiten der lateinamerikanischen Militärdiktaturen, wie z.B. der in Argentinien (1976 – 1983), bei der 30.000 Oppositionelle entführt, heimlich gefoltert und umgebracht wurden.

Der Rektor der evangelischen Theologischen Hochschule Faculdades EST in Sao Leopoldo, Wilhelm Wachholz, warnte bereits 2015 auf einer theologischen Konferenz in Deutschland davor, dass die Religionsgemeinschaften in Brasilien zu viel Einfluss und Macht auf die Politik hätten.