Freitag, 2. Dezember 2016

Aus der Enge eigener Interessen in die Weite der Sorgen...

Prälat Hermann Rieß
"Wir müssen aus der Enge eigener Interessen in die Weite der Sorgen kommen, die die Entwicklung unserer Welt betreffen. Was heute alle zu lernen haben, gilt für Christen erst recht: Wir müssen aus dem Egoismus des Kreisens um uns selbst in die Verantwortung für die anderen kommen. Wir müssen den Lernprozess miteinander riskieren. Dabei habe ich den Eindruck, dass uns dieser Lernprozess bisher viel zu wenig gelungen ist... Und nun meine ich, in diesem "Lernprozess" habe das GAW eine wichtige Funktion. In unserer Arbeit können konkrete Ziele gezeigt und mögliche Schritte empfohlen werden. Hier werden persönliche Kontakte angebahnt und ausgebaut. So gelingt es, manche Gemeindeglieder einzuüben in die Aufgabe der Weltverantwortung...
Wenn Diaspora die Ursituation der Kirche ist, dann haben wir allen Grund, von Diasporagemeinden zu lernen, ihnen freilich auch zu helfen.So zu helfen, dass wir sie ermutigen und befähigen, mit dem Evangelium die Isolierung zu überwinden  und das Evangelium ihrer Umgebung weiterzugeben." 
(in: GA-Blatt Heft 1, 1972, S. 20, von: Prälat Hermann Rieß (1914-1990) war von 1979-1988 Präsident des GAW der EKD)

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Keine Gewalt gegen Frauen!

Keine Gewalt gegen Frauen! - Wandmalerei in Lateinamerika
In den Körpern und Seelen der Menschen hat der über 50-jährige Bürgerkrieg in Kolumbien tiefe Spuren hinterlassen.
Da ist Monica. Sie wurde vor 15 Jahren von FARC-Rebellen verschleppt und mehrfach vergewaltigt. Ein Kind ist daraus entstanden, doch keiner weiß, wer der Vater ist. Über zehn Jahre musste Monica mit ihrem Kind unter den Rebellen leben, bis man sie gehen ließ. Und nun? 
Raquel ist 55 Jahre alt. Vor 20 Jahren wurde ihr Mann verschleppt. Von Rebellen oder von Militärs – sie weiß es nicht. Ob er noch lebt, weiß sie ebenfalls nicht. Raquels Mann ist nur einer von tausenden im kolumbianischen Bürgerkrieg  spurlos Verschwundenen, auf Spanisch "Desaparecidos".
Monica und Raquel sind zwei Frauen, die in der Hauptstadt Bogotá in einer lutherischen Gemeinde Zuflucht gefunden haben. Dort gibt es eine Frauengruppe, deren Mitglieder alle etwas gemeinsam haben: Sie tragen Kriegsspuren in ihren Seelen. 
Diese Spuren sitzen tief. Die Leiterin der Frauenarbeit der lutherischen Kirche, Rosaura Buitrago, weiß: „Man muss diesen Frauen Raum geben, damit sie reden können, ihre Geschichten teilen können und damit nicht alleine bleiben. Sie brauchen einen Ort, wo sie Frieden erleben können.
Die GAW-Frauenarbeit unterstützt diese Arbeit der lutherischen Kirche. Zudem sollen ein Sozialfonds eingerichtet werden, damit Frauen nicht mehr finanziell von ihrem gewalttätigen Partner abhängig sind, und Frauenhäuser, um Frauen und ihren Kindern Schutz vor Gewalt bieten zu können. Für die Kirche ist es eine große Herausforderung, die Frauen, die Gewalt erlebt haben, zu stärken und ihnen durch Fortbildungen eine Perspektive für die Zukunft zu eröffnen. 
Die GAW-Frauenarbeit will für diese Initiativen über einen Zeitraum von drei Jahren 35 000 € bereitstellen. Dafür wird noch Hilfe benötigt.
Gleichzeitig ist dieses Projekt aus Kolumbien eine Möglichkeit, die Stimme für Frauen zu erheben, die unter Gewalt leiden. Damit schließt sich die GAW-Frauenarbeit der Kampagne des Ökumenischen Rates der Kirchen an: 16 Tage gegen Gewalt an Frauen! Sie begann am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, und endet am Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember. Seit dem Jahr 2015 kämpft eine interreligiöse Koalition in diesen 16 Tagen für die Würde von Frauen.

Helfen Sie mit:
GAW-Spendenkonto
KD-Bank
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENODED1DKD
Stichwort: Kolumbien – Jahresprojekt der GAW-Frauenarbeit

Mittwoch, 30. November 2016

Eine kleine Diasporakirche am La Plata: Die Waldenser!

Iglesia Valdense von San Carlos Sud
Vor 160 Jahren waren die ersten Familien aus den Waldensertälern in Italien vor Armut und Hunger an den Rio de la Plata ausgewandert. Sie gründeten die heutige Waldenserkirche am La Plata. In La Paz wurde dann 1893 die erste waldensische Kirche der Region gebaut. Auch der Bau von Schulen wurde von den Diasporagemeinden in Uruguay vorangetrieben. Diese Schulen dienten als Orte der Inkulturation und des Zeugnisses für die und in der Gesellschaft. Mit den Schulen hat die Kirche sehr zur Bildung der Bevölkerung in Uruguay beigetragen. Heute betreibt die evangelische Waldenserkirche am Rio de la Plata das Heim für Behinderte „El Sarandi“. 1973 wurde dieses Heim unter Trägerschaft der Waldensersynode am Rio de la Plata gegründet. Heute wohnen hier rund 40 geistig und zum Teil mehrfach behinderte Bewohnerinnen und Bewohnern zwischen 15 und 73 Jahren. Auch unterhält die Waldenserkirche in Colonia Valdense ein Altersheim.

Derzeit werden die 15 Gemeinden von 17 Pastoren - davon 4 Frauen - betreut. Die evangelische Waldenserkirche am Rio de la Plata mit ihren 14.000 nominellen aber nur 2.500 beitragenden Mitgliedern ist eine ökumenisch gut vernetzte Migrationskirche, welche gerade im Bereich Diakonie und theologische Erneuerung auch heute noch in Lateinamerika in dieser Tradition agiert. Um diese Mission zu verfolgen, setzt die evangelische Waldenserkirche vor allem auf die PastorInnenbildung, welche für Austausch und theologische und methodologische Innovation geschaffen wurde. 

Eine besondere Herausforderung für die Waldenserkirche besteht in der zunehmenden Landflucht im Rio-de-la-Plata-Raum. Diese neue Realität führt dazu, dass die Waldenserkirche lernen muss, sich als "Kirche in der Stadt" aufzustellen und sich auf die veränderten Rahmenbedingungen und Bedürfnisse einer Stadtbevölkerung einzustellen. Dabei geht es darum, die eigenen Werte einer (ländlichen) Gemeinde, die in der Liebe Gottes wurzeln, mit den Ansprüchen und Bedürfnissen einer städtischen Gemeinde zu verbinden.
Seit einigen Jahren unterstützt das GAW den sog. Pensionsfonds der Kirche. Die Kirche muss ihren elf pensionierten Pastoren Pensionen zahlen, was die Kirche in ihren Entwicklungsmöglichkeiten einschränkt. In den schwierigen 1960er und 70er Jahren war es nicht möglich, in die Pensionskasse einzuzahlen und vorzusorgen. Auch später konnten die Pastoren von den geringen Gehältern keine Vorsorge leisten. Zudem sind die Pensionen in Lateinamerika allgemein sehr niedrig. Oft erhalten die Pfarrer noch nicht einmal die Hälfte von dem, was sie in aktiver Zeit erhielten. Einige emeritierte Pastoren arbeiten selbstverständlich weiter und unterstützen die Gemeinden. Natürlich gibt es auch einige, die das aus Altersgründen nicht mehr können, wie z.B. Pastor em. Rostan (*1928). Er lebt mit seiner Ehefrau im Altenheim der Kirche und hilft bei der Seelsorge in diesem Haus. Pastorin em. Geymonat (*1938) lebt mit ihrem Mann in Buenos Aires und arbeitet noch aktiv in der Waldensergemeinde mit. Sie vertritt ihre Kirche bei ökumenischen Aktivitäten.
Das GAW unterstützt den Pensionsfonds mit 17.000 Euro und ist dabei auf Hilfe angewiesen:


GAW-Spendenkonto
KD-Bank
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENODED1DKD
Stichwort: Pensionsfonds Waldenser

Dienstag, 29. November 2016

Neuer GAW-Newsletter erschienen!

Der neue Newsletter des GAW ist erschienen! Hier ein Ausschnitt:

„Meine Seele wartet auf den HERRN mehr als die Wächter auf den Morgen.“
(Psalm 130,6 – Monatsspruch Dezember 2016)

Liebe Freunde des GAW, liebe Schwestern und Brüder,
Eine tiefe Sehnsucht spricht aus den Worten des Psalmbeters. Höre doch! Komm doch! Denn die Not ist groß! Er fleht zu seinem HERRN. Bei ihm hat der Beter einen Ort, an dem er seine Sorgen und Nöte lassen kann. Er wartet auf Gott, der lösen und erlösen kann.
Wir gut kann man diesen Psalm mitbeten – gerade wenn man an unsere evangelischen Schwestern und Brüder denkt, die existenzielle Sorgen und Nöte haben.
Ganz nah sind uns die evangelischen Christen in Syrien geworden. Vor einem Jahr konnten Pfarrer Mofid Karajili in Homs und seine Gemeinde wieder Weihnachten in ihrer Kirche feiern, die vorher über zweieinhalb Jahren in der Hand von Islamisten gewesen und zerstört worden war. In Homs atmen die Menschen auf, wagen, wieder Hoffnung zu haben. Wie anders in Aleppo … – Pfarrer Haroutune Selimian kann dort die Worte des Psalmisten inständig mitbeten: „Aus der Tiefe rufe ich zu dir ...“ und dann: „Meine Seele wartet auf den HERRN“.
Die Begegnung mit diesen beiden Pfarrern aus Syrien in der letzten Novemberwoche war bewegend. Sie bleiben an der Seite ihrer Gemeindeglieder. Sie wollen helfen – und bestätigen beide: „Wir sind durch die Not eine bessere Kirche geworden. Wir sind sicher, dass der HERR, der uns allen verheißen ist, uns allen zum Trost kommt, und dass Frieden werden möge!“
Das sei uns allen ein Mut machendes Zeichen in der Erwartung unseres HERRN, der uns alle ermutigt betend und helfend an der Seite derer zu stehen, die in Not sind – das eint uns alle! In Syrien, Griechenland, in der Ukraine, in Österreich und Ungarn, in Kolumbien und Argentinien – und eben auch bei uns!
Gemeinsam lasst uns auf den HERRN warten, der kommt, uns zu erlösen!
Seid behütet in dieser Adventszeit!
Ihr
Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des GAW

Nachrichten

– Gebet für Syrien: Für den 3. Adventssonntag, den 11. Dezember 2016, bereiten die National Evangelical Synod of Syria and Lebanon und die Evangelisch-reformierte Kirche in Deutschland...

Mehr Nachrichten finden sich im Newsletter über die Homepage des GAW. Er kann auch kostenfrei abonniert werden. Jeden Monat erfährt man Neues aus der Diaspoar und der Arbet des GAW!

Freitag, 25. November 2016

Bleiben oder gehen...? - Syrien braucht das christliche Zeugnis

Pfarrer Firas Farah predigt in Qamishly
Die wichtige Herausforderung für die Christen im Nahen Osten ist die Frage, wie sie bleiben können. Zu viele sind gegangen auf Grund der Gewalt und des anwachsenden Fanatismus. Die Gefahr ist, dass der christliche Glaube sich leise aus der Region verabschiedet, ohne dass die Welt es wahrnimmt.
Das erlebt Pfarrer Firas Farah im Nordosten Syriens in der Jasira-Region. Für drei Gemeinden ist er zuständig – Qamishly, Hassakeh und Malkiyah. Ursprünglich gab es an jedem Ort einen Pfarrer. In Qamishly gehören noch 65 Familien zu seiner evangelischen Gemeinde. 40 Familien sind gegangen. In Hassakeh und Malkiyah sind 25 Familien übriggeblieben. In jeder Gemeinde haben 50 Familien die Gemeinden verlassen. „In allen Familien gibt es Angehörige, die darüber nachdenken, zu gehen,“ sagt Faras. „Nur – wenn sie gehen, dann verlieren sie alles, was sie haben.“ Dazu berichtet er, dass bei einigen der Zweifel stärker ist als der Glaube, denn sie haben bei Terroranschlägen Menschen verloren.
Was kann man als Pastor in einer solchen Situation sagen? „Vor einem Jahr habe ich als Pastor noch gesagt, dass die Menschen meiner Gemeinde bleiben sollen. Jetzt hat sich das verändert. Jetzt bitte ich darum, dass sie bleiben. Ich besuche sie, bete mit ihnen und versuche sie zu überzeugen, dass wir in unserem Land bleiben. Syrien braucht das christliche Zeugnis!“ Aber das wird schwerer.
Was predigt ein Pfarrer wie Firas Farah, wenn er an das kommende Weihnachtfest denkt? „Jesus ist mitten in der Dunkelheit der Welt geboren wurde. Mitten in unsere Dunkelheit in der Geschichte unseres Landes will er geboren werden und uns trösten,“ sagt Firas überzeugt. „Die Weihnachtsbotschaft gewinnt für uns an Tiefe!"

Donnerstag, 24. November 2016

Stoppt den Krieg in Syrien!

Pfarrer Haroutune Selimian
„Wir warten darauf, dass die westliche Welt nach Frieden schreit für den Nahen Osten!“ sagt Pfarrer Haroutune Selimian aus Aleppo. „Wir brauchen unsere Schwestern und Brüder in der protestantischen Welt, dass sie auf ihre Regierungen einwirken, dass endlich der Krieg aufhört. Je länger der Krieg dauert, desto schlimmer wird es. Es darf nicht sein, dass Christen aus dem Nahen Osten die Region verlassen. Der Nahe Osten braucht das christliche Zeugnis und Gesellschaften, in der unterschiedliche Religionen miteinander zusammenleben“, betont er. Aus seinen Worten von der Konferenz der Fellowship of Middle East Evangelical Churches (FMEEC), die derzeit in Beirut stattfindet, ist auch Enttäuschung zu hören über die Regierungen in der westlichen Welt. „Wo sind die Stimmen zu hören, wenn unter den
Opfern des Krieges Christen sind? Wer spricht von ihnen?“ fragt er. „Was wir brauchen ist, dass wir mit unseren Klagen gehört werden, dass es Reaktionen gibt, dass auch von den Kirchen in der westlichen Welt Einfluss genommen wird und zu hören ist: Stoppt endlich den Krieg!“ Und er ergänzt, dass der Nahe Osten in Gefahr steht, die christliche Stimme zu verlieren. „Wer ist denn für die westliche Welt als Gesprächspartner noch da, der eine lange Tradition darin hat, im Dialog mit den anderen Religionen zu stehen?“ fragt Selimian. In der Diskussion der Konferenz spürt man die Polarisierung, die die Welt ergriffen hat. Ein anderer Redner gesteht zu, dass in diesen gewaltvollen Zeiten mit den Polarisierungen die Kirchen traumatisiert sind. „Es ist schwer in solchen Zeiten nüchtern zu reflektieren. Jeder spricht sofort aus, was er denkt und erhebt es zur Wahrheit. Das hilft auf Dauer nicht weiter, um wieder dialogfähig zu werden. Es braucht viel Empathie und die Fähigkeit zum Zuhören.“ Und mit Sicherheit braucht es Solidarität. Es braucht Zeichen der Verbundenheit – geistlich und materiell. Dazu gehört auch, dass in Zeiten des Krieges geholfen wird, dass die Protestanten ihre Schulen und Kindergärten weiter offen halten. „Auch wenn kaum ein Tag vergeht, an dem keine Raketen auf unser christliches Viertel in Aleppo fallen, so halten wir die Schulen dennoch offen!“ betont Selimian. „Wenn wir die Schulen einige Tagen schließen, dann verlieren die Menschen bald die Hoffnung.“ Und er berichtet auch, wie notwendig die materielle Unterstützung der Menschen durch die evangelische Kirche ist. „Kirche muss für die Menschen in ihren Nöten da sein! Dann bleiben sie auch! Beten und Tun des Gerechten!"

Mittwoch, 23. November 2016

Welche Zukunft haben evangelische Christen im Nahen Osten?

Roseangela Jarjour
"Wir erleben in unserer Region eine enorme Veränderung der geopolitischen Lage. Radikale und fanatische, muslimische Kräfte sind stärker geworden und bedrohen die christliche Existenz im Nahen Osten. In diesem Kontext erleben wir ein Anwachsen des Ressentiments Christen gegenüber," erläutert Roseangela Jarjour, Generalsekretärin des Fellowship of Middle East Evangelical Churches (FMEEC) in ihrem Eröffnungsstatement der 3. Konferenz des FMEEC vom 22.-26. November 2016 in Beirut zur Zukunft christlicher Existenz in der Region. Über 80 Teilnehmer aus den evangelischen Mitgliedskirchen aus den verschiedensten Ländern des Nahen Ostens nehmen teil. "Als evangelische Christen - in einer doppelten Diaspora - haben wir in der Vergangenheit immer wieder versucht, Brücken zu bauen zwischen den Konfessionen und Religionen. Auch waren wir oft eine Brücke zwischen Ost und West. Insofern haben wir viel Erfahrung im Dialog. Das gilt es in Zukunft zu verstärken. Das darf nicht verloren gehen," führt Roseangela Jarjour aus. Da es um gegenseitiges Verständnis geht, ist der Schwerpunkt dieser dritten Tagung die Frage, wie man sich wahrnimmt als westliche oder östliche christliche Vertreter, wie viel Verständnis füreinander da ist, welche Bilder man voneinander hat - insbesondere wenn man an die Frage der Stellung der Christen zum Staat und den staatlichen Autoritäten denkt. Welche Staatsform brauchen Christen, damit sie existieren können? Und natürlich geht es um die Frage, welche Zukunft die Christen insgesamt in der Region haben, und ob die Christen vergessen sind vom "Westen". "Die Hoffnung der Christen für den Osten ist letztlich auch die Hoffnung der Christen im Westen", sagt Prof. Dr. Paul Haidostian von der armenischen Universität in Beirut. "Wir dürfen uns nicht von Angst leiten lassen oder der Sorge um unsere Sicherheit. Unsere Hoffnung ist der auferstandene Christus, der uns eint!"
Es gibt genügend christliche Vertreter, die dieses leben wollen - trotz der Flucht und Migration vieler Gemeindemitglieder. So hat die arabisch-evangelische Gemeinde in Aleppo von Pfarrer Ibrahim Nseir die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. "Die Hälfte von denen, die geblieben sind, überlegen derzeit ebenso zu gehen - insbesondere wenn Familienmitglieder schon in Europa oder den USA leben," sagt Nseir.

Dienstag, 22. November 2016

Eine neue Kirche in Mallawi

Zerstörte Kirche in Mallawi
„Die evangelische Kirche in Mallawi, in der ich getauft und konfirmiert wurde, gehörte zu den 63 Kirchen, die im August 2013 von Islamisten angegriffen, geplündert und in Brand gesetzt wurden“, erzählt Pfarrer Dr. Kades, der als pensionierter Pfarrer die 300 Familien starke evangelische-koptische Kirchengemeinde in Mallawi mit betreut. Zu der Gemeinde gehören 14 weitere Dorfgemeinden, die von der Stadtgemeinde Mallawi versorgt werden. Vor Kurzem hat das GAW bei der Beschaffung eines Fahrzeuges geholfen, um diese Dörfer zu erreichen und dort die Menschen zu betreuen und zu sammeln. "Wir sind auf Solidarität dringend angewiesen!" sagt Pfarrer Kades. "Dank der 15.000 Euro aus dem GAW-Projektkatalog 2015 konnte an dem zerstörten Kirchgebäude in Mallawi eine Pfarrwohnung errichtet werden und ein Teil der Kirchenbänke angeschafft werden." Im März 2017 soll die Kirche wieder eingeweiht werden. Es konnten genügend Mittel gesammelt werden. Derzeit können die Gottesdienste schon wieder in einem fertiggestellten Gemeinderaum gefeiert werden.  
Die alte Kirche wurde zerstört, als nach der Absetzung des Präsidenten Mursi radikale
Gottesdienst in einem neuen Gemeindesaal
Moslems Kirchen massiv in Ägypten angegriffen haben. Bei den Unruhen kamen laut offiziellen Regierungsangaben mehr als 600 Menschen ums Leben. Mehrere tausend Menschen wurden verletzt. „Nach 2011 haben viele Christen das Land verlassen“, sagt Pfarrer Kades. „Wir erleben, wie Christen, die seit jeher die ägyptische Gesellschaft mitgeprägt haben, an den Rand gedrängt werden. Wir wollen aber bleiben. Es ist unsere Heimat.“ Und er erzählt, dass unter der derzeitigen Regierung Christen wieder in ihre Heimat zurückkehren. "Wir hoffen, dass in unserem Land Frieden und Stabilität weiter wächst. daran wollen wir Christen mitwirken." Er berichtet u.a. von einem Schulprojekt, das in Mallawi geplant ist. 
Ca. 10 % der ägyptischen Bevölkerung gehören der koptischen Minderheit an. Davon gehören ca. 700.000 Menschen zur Presbyterianischen Kirche, die sich im 19. Jahrhundert im Land etablierte und 1958 eine selbständige Kirche wurde. Derzeit gibt es ca. 450 Gemeinden in ganz Ägypten, die sich in acht Dekanate aufteilt.
Pfarrer Dr. Kades betont: „Als evangelische Kirche sind wir reich an der Gnade Gottes, auch wenn wir materiell arm sind. Und trotz allem müssen wir uns immer wieder sagen: Die wahre Kirche ist in unserem Herzen. Die kann keiner zerstören.“


Dienstag, 15. November 2016

Volle Kirche am Friedenssonntag in Aleppo


"Am vergangenen Friedenssonntag haben 250 Menschen unseren Gottesdienst in der evangelischen arabischen Gemeinde in Aleppo besucht", berichtet Pastor Ibrahim Nassir, "Die Menschen kommen vermehrt in die Kirche und suchen Trost, Halt und Gemeinschaft in dieser schweren Zeit." Zu seiner evangelischen Gemeinde gehören noch 140 Mitglieder, Menschen, die noch nicht geflohen sind.  "Aber es wird schwerer, sie zu überzeugen, dass sie bleiben!" ergänzt Ibrahim. Nach seiner Einschätzung überlegt die Hälfte seiner Gemeindemitglieder Aleppo zu verlassen.

Und er erzählt, wie am vergangenen Samstag dutzende Raketen auf das christliche Viertel im Westteil Aleppos abgefeuert worden sind. Es gab Tote und Verletzte. Das Überleben in Aleppo wird immer härter: Es gibt keinen Strom, wenig Medikamente, kaum Geld für Öl zum Heizen. "Das wird ein schwerer Winter", sagt Ibrahim Nassir. "Wenn die Kämpfe aufhören, und die radikalen muslimischen Gruppen Aleppo verlassen würden, dann würden die Christen bleiben", ist er sich sicher.
Ein großes Problem ist, dass die Menschen kaum Möglichkeiten zum Arbeiten und Geld verdienen haben und unter den derzeitigen Bedingungen zerschossene Wohnungen nicht repariert werden können. "Wir brauchen Solidarität! Das würde uns helfen: Unterstützung für Heiz- und Stromkosten, Hilfen bei der Reparatur von Wohnungen."

Die evangelische arabische Gemeinde unterhält eine Schule für 850 Schülerinnen und Schüler. Es ist nicht leicht, die Schule zu erhalten, die Lehrergehälter zu bezahlen und den Unterhalt für die Schule aufzubringen. "Wir brauchen Hilfe!" bittet Pastor Ibrahim Nseir.


Montag, 14. November 2016

Ein Dankeschön nach Seifhennersdorf in Sachsen

158,70 Euro haben die Christenlehrekinder der Kirchgemeinde Seifhennersdorf (Sachsen) für evangelische Gemeinden in Syrien gespendet. Am Reformationstag haben sie nach dem Gottesdienst Kaffee und Kuchen ausgeschenkt und dabei Spenden gesammelt. Gemeindepädagogin Annette Rausendorf schreibt: "Sie waren mit dem Herzen dabei und freuen sich über das Ergebnis. Es ist ihr Wunsch, dass diese Spende zur Unterstützung christlicher Gemeinden in Syrien genutzt wird, die Kindern den Schulbesuch ermöglichen."
Das GAW bedankt sich im Namen seiner syrischen Partner sehr herzlich!

Freitag, 11. November 2016

Aleppo: Film aus einem Gottesdienst in der arabisch-evangelischen Gemeinde

Die arabisch-evangelische Gemeinde in Aleppo hatte vor dem Krieg rund 500 Mitglieder. Dreiviertel der Mitglieder der Gemeinde sind aus der Stadt geflohen. Pfarrer Ibrahim Nassir versucht trotz der prekären Situation in Aleppo das Gemeindeleben aufrecht zu erhalten. Heute sandte er einen kurzen Film aus einem Gottesdienst seiner Gemeinde, aufgenommen vom christlichen Fernsehsender Tele Lumiere aus dem Libanon.
https://m.youtube.com/watch?feature=share&v=eQtGZ6jTcJE

Dienstag, 8. November 2016

Talare für Argentinien und Paraguay

rechts: Pfarrerin Sonja Skupch
"Neun Vikare beginnen jetzt in unserer Kirche ihren Dienst," erzählt Pfarrerin Sonja Skupch, Generalsekretärin der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP). Diese Vikare stehen jetzt der Kirche zur Verfügung und werden auch dringend gebraucht. Anders als in Deutschland übernehmen Vikare gleich eine Gemeinde. Sie werden von einem Seniorpfarrer begleitet und müssen an einigen Vikarskursen der IERP teilnehmen bevor sie ordiniert werden. "Anders würde es bei uns nicht gehen, denn unsere Gemeinden schaffen es nicht ein Pfarrgehalt und ein Vikarsgehalt aufzubringen," sagte Sonja Skupch. Dass diese für IERP-Verhältnisse große Anzahl an Vikaren ihren Dienst beginnt hängt auch damit zusammen, dass die über 50 Jahre existierende ökumenische Ausbildungsstätte ISEDET in Buenos Aires ihre Tore schließt. Das hatte sehr unterschiedliche Gründe. Leider führte an der Schließung kein Weg vorbei. Am 30. November ist für die Studierenden endgültig Schluss. Das ist ein Einschnitt auch im Leben der IERP. Fast alle Pfarrer wurde hier ausgebildet auf gutem theologischen Niveau. Wie es in Zukunft mit der Ausbildung weitergehen soll ist in Arbeit. Die Synode der IERP hatte vor Kurzem beschlossen, dass ab 2018 ein neues Ausbildungssystem gemeinsam mit der Waldenserkirche und der lutherischen Kirche beginnen soll. Er wird sehr wahrscheinlich eine virtuelle Ausbildung geben mit gewissen Präasenzzeiten pro Semester. Es gibt jedoch noch viele offene Fragen. Aktuell haben bei der IERP zwei Studierende ihr Studium aufgenommen - allerdings in Brasilien in Sao Leopoldo. Das ist sicherlich keine schlechte Alternative, denn hier gibt es eine gute theologische Ausbildungsstätte mit einer langen Tradition.  
Sonja Skupch ist auf jeden Fall dankbar, dass alle Vikare mit Talaren vom GAW ausgestattet wurden. Auf dem Besuch in der GAW-Zentrale hat sie drei Talare mit nach Argentinien genommen. Diese Talare wurden von pensionierten Pfarrern gestiftet mit der Bitte um Weitergabe in die Diaspora. Das werden wir auch weiterhin tun und laden ein, nicht mehr gebrachte Talare dem GAW zur Verfügung zu stellen.