Dienstag, 25. Juli 2017

Schulanfängergottesdienst: Kollekte für Roma in Thessaloniki

In der Nähe des Flughafens, neben einem Müllabladeplatz, liegt eine Siedlung ohne Namen. Die Häuser der rund 500 Bewohner sind gezimmert aus alten Brettern, Planen und Wohnwagenteilen. Reguläre Arbeit hat hier fast niemand. Die Bewohner leben zumeist vom Verkauf von Altmetall. Sie sammeln Matratzen und Reifen vom nahegelegenen Müllabladeplatz und lösen durch Verbrennen die Metallbestandteile heraus. Die Schattenseite ihrer Recycling-Methode: Toxische Gase gelangen in die Luft und gefährliche Mikropartikel in den Boden. Die Hälfte der Bewohner der Siedlung sind Kinder.
Es gibt keinerlei öffentliche Versorgung, die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. In der Nacht laufen Ratten herum, die Krankheiten übertragen. Um sie zu vertreiben, braucht man Licht. Dafür zapfen die Menschen die Stromleitungen an, die in der Nähe verlaufen. Wasser kaufen sie in Flaschen oder holen es von öffentlichen Wasserhähnen mit Kanistern.

Für die Kinder gibt es oft kein Entkommen aus diesem Leben. Die nächste Schule ist weit weg und der Schulbus kommt im Winter, wenn die Wege schlammig sind, nicht bis zur Siedlung. Ohne Schule gibt es jedoch keinen Zugang zum Arbeitsmarkt und ohne Arbeit kein Entrinnen aus dem Teufelskreis der Armut.

Die Mehrheit der Gesellschaft schaut weg: Die Roma seien selbst schuld an diesen Lebensbedingungen, hört man immer wieder, vielleicht wollten sie ja gar so leben? Das Ehepaar Papadopoulos - sie Musiklehrerin, er Augenarzt - sind Mitglieder der evangelisch-lutherischen Gemeinde in der angrenzenden Großstadt Thessaloniki. Sie konnten das Leben unter menschenunwürdigen Bedingungen in ihrer Nähe nicht länger ignorieren und gründeten vor einigen Jahren eine kleine Gemeinde in der Roma-Siedlung.

Heute gibt es hier eine Kirche und ein Schulgebäude. Regelmäßig finden Gottesdienste statt. In der Schule lernen Kinder und Erwachsene Lesen und Schreiben. Zusätzlich dazu möchte die Gemeinde eine Lehrerin anstellen, die den Kindern am Nachmittag Griechisch-Nachhilfe gibt, denn ihre Muttersprache ist Romanes.
Im Rahmen der Kindergabe bittet das GAW 2017 um Spenden für die Schule in der Roma-Siedlung in Thessaloniki. Material zur Gestaltung eines Gottesdienstes zum Schulanfang zum Thema "Gott macht mir Mut!" finden Sie ebenfalls auf unserer Seite.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Evangelisch in Ramsau am Dachstein

"Predigtstuhl" oberhalb von Ramsau am Dachstein
Die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung war schon bald nach Beginn der Reformation lutherisch geworden. Das änderte sich dann nach ca. 80 Jahren. Während der Zeit der Gegenreformation (seit 1600) und der Verfolgung des Geheimprotestantismus sollen sich die Ramsauer, die lutherisch blieben, bei dem sog. "Predigtstuhl" oberhalb des Ortes zu gemeinsamen Gottesdiensten zusammengekommen sein. Die versteckte Lage bot einen guten Ausblick auf vermeintliche Häscher. Die Ramsauer Bauern blieben der lutherischen Lehre treu trotz äußerer Anpassung an die Erfordernisse der "katholischen" Staatsreligion.
Das Toleranzpatent von 1781 ließ hier die erste geschlossene evangelische Gemeinde in der Steiermark entstehen. "Seit alters her war nur ein katholischer Bauer an der äußeren Grenze zu finden." Heißt es in den Archiven der Gemeinde.

Bethaus (li.) - Bau der evangelischen Kirche in Ramsau
Schon im Jahre 1783 gelang es der Gemeinde in nur viermonatiger Bauzeit ein eigenes Bethaus zu errichten. Die Räumlichkeiten waren im Grunde am Beginn schon zu klein. "Die evangelische Gemeinde hatte aus Anhänglichkeit an das von den Vätern erbaute Bethaus, aus Bescheidenheit und Furcht vor Verschuldung, sich lange nicht zum Bau einer eigenen Kirch entschließen können. Als sie durch die Notwendigkeit der Errichtung einer Volksschule in den Räumen des Bethauses genötigt wurde, entschloss man sich zum Kirchbau." Heißt es in einem Bittgesuch an den Zentralvorstand des GAW aus dem Jahre 1887 mit der Bitte um Unterstützung. So erhielt die Gemeinde die „große Liebesgabe“ des GAW (ca. 19.000 M). Im Jahre 1892 war der Kirchbau im Wesentlichen vollendet. Danach ging um den Ausbau des bisherigen Bethauses zu einem 2-klassigen Schulgebäude. Die Gemeinde erhielt weiterhin regelmäßig Unterstützung durch den Centralvorstand. Bis 1906 erhielt die Gemeinde ca. 50.000 Mark vom GAW.

Ev. Kirche Ramsau
Am 15. August 1895 war nach achtjähriger Bauzeit Kirchweih unter großer Beteiligung der Bevölkerung.

"Jesus allein" steht über dem Südportal der Ramsauer Kirche aus Matthäus 17,8. Pfarrerin Martina Ahornegger schreibt dazu: 

"Wenn das "allein Jesus" in den Mittelpunkt gerückt wird, dann weil Jesus Christus die Mitte ist. Wer von Reformation sprechen will, der muss zuerst von Jesus Christus sprechen. Ohne ihn wird alles andere zur leeren Hülse. Ohne Christus - wem sollen wir glauben? Ohne Christus - wer begnadigt? Ohne Christus - welche Hoffnung haben wir?... Zu ihm lasst uns die Augen heben."

Die Kirche prägt den Ort. Sie ist weithin sichtbar. Zur Gemeinde gehören ca. 2.500 Mitglieder und über 80% der Einwohner gehören immer noch der Gemeinde an.

Bethaus in Ramsau
Immer wieder hat die Gemeinde Unterstützung vom GAW erhalten - so auch im Jahr 1996, als der Umbau des Bethauses anstand. Seit dem Bau der Kirche beherbergte das alte Bethaus die Schule, die Küster- und Gemeindeschwesterwohnung sowie den Raum für den Konfirmandenunterricht. Nun war ein Umbau dringend geboten. Der östliche Teil des Bethauses mit Pfarrwohnung und Büroräumen blieb erhalten. Der westliche teil wurde völlig umgestaltet mit Gemeindesaal, zwei Räumen für die Kinder- und Jugendarbeit sowie ein Ausstellungsraum für die Geschichte der Gemeinde. Im ersten Stock wurden zwei neue Wohnungen für Mitarbeiter errichtet. Zudem wurde eine neue Heizungsanlage eingebaut und die Wärmeisolierung der Aussenmauern verbessert.
Insgesamt sammelte das GAW 75.000 DM für diesen Umbau.

Auch wenn diese Hilfe schon länger zurückliegen zeigt es doch, wie prägend und stabilisierend die Arbeit des GAW war und wie es kaum eine Gemeinde in der weltweiten evangelischen Diaspora gibt, die nicht schon mal gefördert wurde. 



Montag, 17. Juli 2017

Glaubenskisten in der Ramsau – 1517-2017



Eine Glaubenskiste auf dem Ramsauer Toleranzweg
12 große Holzkisten hat die evangelische Kirchengemeinde Ramsau am Dachstein über den Ort und die umliegenden Wanderwege an gut frequentierten Stellen aufgestellt als ihren Beitrag zum Reformationsjubiläum.  Ausgehend von dem Beginn der Reformation und der Gegenreformation widmen sich diese 12 Kisten der Geschichte der Evangelischen in der Ramsau bis in die Gegenwart: Die harten 180 Jahre des Geheimprotestantismus, der Neubeginn mit dem Toleranzpatent von 1781, Glaube und Brauchtum in der Ramsau, starke protestantische Persönlichkeiten wie Pfarrer Jakob Koch, der früh die Gefahren der NS-Ideologie erkannte und standhaft blieb, der
Evangelische Kirche Ramsau
Geschichte des Kirchbaus in Ramsau, die 1895 auch dank der Hilfe des GAW (umgerechnet heute ca. 150.000 Euro!) eingeweiht werden konnte und die heutige Situation der Gemeinde mit den neuen Herausforderungen und der Verantwortung für das reformatorische Erbe. Ein wunderbarer Beitrag zum Reformationsjubiläum ist so entstanden. In ihr zeigt sich die tiefe Verbundenheit der Ramsauerinnen und Ramsauer mit ihrer Region. „Der Glaube ist nach wie vor identitätsstiftend in unserer Gemeinde, die den höchsten Protestantenanteil in Österreich aufweist,“ schreibt Gemeindepfarrerin Martina Ahornegger. „Das ist für uns Verpflichtung für die Gegenwart.“
Es ist keine große Weltausstellung zum Reformationsjubiläum entstanden, aber auf schlichte und beeindruckende Weise setzt sich die Kirchengemeinde mit ihrer Reformationsgeschichte auseinander und wie diese die Ramsau geprägt hat. Und sie fragt, wie das Motto des Reformationsjubiläums in Österreich – „Freiheit und Verantwortung seit 1517“ – in der Gemeinde  Ramsau mit Leben gefüllt werden und lebendig bleiben kann.
Die Ausstellung ist seit Mai 2017 bis April 2018 zu sehen. Es lohnt!

Mehr: www.zeitroas.at


Donnerstag, 13. Juli 2017

Sehnsucht nach Einheit der Lutheraner in Chile

"Ich wünsche mir, dass sich die beiden getrennten lutherischen Kirchen zu einer einzigen Kirche vereinigen - und das aus Glauben allein und nicht aus Gründen des Machterhaltes!" steht auf einer Postkarte im Himmelszelt des Lutherischen Weltbundes in Wittenberg als Wunsch formuliert. Vertreter der beiden chilenischen lutherischen Kirche waren vor Kurzem dort präsent. Auf einer zweiten Karte heißt es: "Luther zu ehren - das würde jetzt heißen: Lutheraner in Chile -  lasst euren Argwohn und eurer Misstrauen!"
Beide Karten drücken das aus, was sich in zahlreichen lutherischen Gemeinden in den beiden lutherischen Kirchen - der Iglesia Luterana de Chile (ILCH) und der Iglesia Evangélica Luterana de Chile (IELCH) - viele Gemeindemitglieder wünschen: Endlich wieder zusammen eine Kirche in Chile zu sein. Bis heute ist es nicht gelungen, dieses Ziel zu erreichen. Immer noch spürt man Misstrauen einer Seite gegenüber der anderen. Das reicht zurück in die Zeit des Militärputsches in Chile im September 1973. Die Spaltung der Gesellschaft war danach intensiv bis in die lutherische Kirche zu spüren, die dann 1974 in zwei Kirchen zerfiel. Es gab danach immer wieder Versuche, aufeinander zuzugehen. Gemeinsam wurden Kirchentage veranstaltet und Pfarrkonferenzen abgehalten. Es gibt bis heute einen gemeinsamen lutherischen Rat (CILCH). Nur - sobald es konkret wird und es um zukünftige Strukturen, Satzungsfargen, Synodenzusammensetzung, Finanzen und ähnliche Dinge geht, wird es kompliziert. Gerade hat die IELCH auf ihrer Synode im Mai 2017 einem gemeinsamen Kirchenverbund eine Absage erteilt. Das war ein deutlicher Rückschritt insbesondere für die, die sich seit Jahren um Annährungen mühen. So haben es Vertreter aus der IELCH, wie z.B. der Martin-Luthergemeinde in Concepción erlebt. Die Gemeinde hat nun entschieden, die Zusammenarbeit in der eigenen Kirche ruhen zu lassen. Auch Vertreter aus der ILCH waren betroffen von dieser Entscheidung der Synode der IELCH. Man muss aber ergänzen, dass es auch innerhalb der ILCH Gemeinden gibt, die sich sehr schwer tun, mit der IELCH zusammen zu arbeiten. 
Dabei ist trotz unterschiedlicher Prägungen, trotz sozialer Unterschiede, trotz unterschiedlicher sozio-kultureller Herkunft der Wunsch bei engagierten lutherischen Christen da, endlich mit einer Stimme in der chilenischen Gesellschaft präsent zu sein und eine Kirche zu bilden. Das drücken die beiden Postkarten in Wittenberg aus. 
Diesen Wunsch hat das GAW über die letzten Jahrzehnte immer wieder unterstützt. Bei aller Enttäuschung über die aktuelle Entwicklung machen diese beiden Postkarten aus Wittenberg dennoch Mut, dass es Stimmen in beiden Kirchen gibt, die sich nach versöhnter Einheit sehnen. - Enno Haaks

Dienstag, 11. Juli 2017

Religionsfreiheit in Spanien vor 50 Jahren und heute...

Evangelischer Gottesdienst in San Sebastian
Vor 50 Jahren wurde in Spanien ein sog. "Protestantenstatut" durch den spanischen Staat verabschiedet. Alle nichtkatholischen Denominationen in Spanien mussten sich bis zum 31. Dezember 1967 als "Vereinigungen" eintragen lassen, um sich damit dann gesetzlich legitimieren zu können. Die Pfarrkonferenz der Spanischen Evangelischen Kirche lehnte dies damals als Einmischung des Staates in innerkirchliche Angelegenheiten ab und empfahl den Gemeinden die Nichtbeachtung des Gesetzes, denn dieses "Protestantenstatut" über die Religionsfreiheit wurde als völlig unzureichend angesehen. Es war von religiöser Freiheit die Rede, doch wurden gleichzeitig Beschränkungen auferlegt, so dass sich das Gesetz in sich selbst widersprach und der Willkür der Auslegung der jeweiligen Behörden Tür und Tor geöffnet war. So wurde in Nordspanien durch den Zivilgouverneur eine baptistische Gemeinde einfach geschlossen als Folge dieses Gesetzes.
Die proklamierte Freiheit wurde derart relativiert, dass für die nicht-römischen Kirchen in Spanien sich die Lage noch einmal verschlechterte. Eine Bestimmung sah vor, dass sich religiöse Minderheiten als Vereinigungen registrieren lassen sollten. Damit wurden sie dem Vereinsrecht unterworfen und schuldeten dem Staat Einsicht in Mitgliedslisten und die Buchführung. Die Spanische Evangelische Kirche weigerte sich damals, dem Gesetz Folge zu leisten. Die Folge dann war auch die Einrichtung einer "Kommission für Religionsfreiheit", die für die "Durchführung des entsprechenden Gesetzes" sorgen sollte.
Bis heute gibt es keine komplette Gleichstellung, wenn sich auch hier Grundlegendes verändert hat. Noch immer werden pensionierten evangelische Pfarrern ihre ihnen zustehenden Pensionen nicht gewährt auch wenn, die Kirche vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof dafür gestritten hat und Recht bekommen hat. Der Spanische Staat verweigert sich diesem Urteil bis heute. Jeol Cortés - Vorsitzender der Comisión Permanente der Spanischen Ev. Kirche schreibt dazu: "Es ist eine Schande, dass der Staat sich bis heute verweigert, das Urteil aus Strassburg umzusetzen. Und es gibt bis heute keine Neuigkeiten, dass sich etwas bewegt in dieser Frage. Wir werden aber nicht locker lassen und für unsere Rechte uns einsetzen. Das ist ein langer Kampf für uns." Und er ergänzt: "Wir leben im Land der Gegenreformation und der Inquisition..."

Samstag, 8. Juli 2017

Verleihung des vom GAW unterstützten CHRISMON-Gemeindepreises


Gewinner des CHRISMON-Gemeindepreises
Das evangelische Monatsmagazin chrismon sucht alle zwei Jahre mit dem „chrismon-Gemeindepreis“ spannende und kreative Projekte von Kirchengemeinden. Die Preisvergabe ist eine Mischung aus Jurywettbewerb und Publikumsabstimmung. In diesem Jahr haben 160 Gemeinden ihre Projekte eingereicht. Während der einmonatigen Abstimmungszeit wurde die Gemeindepreis-Seite mehr als 500.000 Mal aufgesucht. Die ersten 30 Gemeinden der Publikumsabstimmung wurden anschließend von einer Jury bewertet und prämiert. Alle Beteiligten waren von der Vielfalt der Projekte, dem großen Einsatz aller Teilnehmenden und der atemberaubenden Resonanz auf den Wettbewerb überwältigt. An der Vielfalt der eingereichten Projekte zeigt sich das große kreative Potenzial in evangelischen Gemeinden in Deutschland. Gemeinsam mit chrismon und der KD-Bank hat das GAW Gemeinden in Deutschland bei ihrem missionarischen Engagement und dem Gemeindeaufbau unterstützt und damit innerdeutsche Diasporaprojkete auf diesem weg gefördert - und zusätzlich auf das GAW aufmerksam gemacht.
Arnd Brummer (CHRISOM, Enno Haaks (GAW),
Frau Krause (KD-Bank) mit einem der Preisträger
Ob eine Kirchenrenovierung in Eigenregie, die Gemeinde- und Sozialarbeit für Jung und Alt, die Unterstützung von Flüchtlingen, regionale Kulturprojekte oder auch ausgefallene Themenwochen: Die Projekte, die die Gemeinden für den chrismon-Wettbewerb einreichen, sind zumeist ähnlich, wie die Projekte, die das GAW in der innerdeutschen Diaspora seit dem Jahr 2000 fördert. Der Gewinner des chrismon-Gemeindepreises 2017 ist die Kirchengemeinde Arnsdorf in der Lausitz mit ihrem Kindergartenprojekt. 
Durch die Zusammenarbeit mit chrismon fördert das GAW herausragende Gemeindeprojekte in Deutschland und weist damit auch auf die weltweite Verbindung evangelischer Gemeinden hin.
Am 7. Juli konnte die Gewinnergemeinden in Arnsdorf ihre Preise entgegennehmen.

Mehr: http://www.evangelisch.de/inhalte/144824/07-07-2017/chrismon-gemeindepreis-saechsische-gemeinde-arnsdorf-ueberreicht

Freitag, 7. Juli 2017

Eine neue Kirche in Presidente Venceslau / Brasilien

"Wir danken dem GAW sehr für die Unterstützung des Kirchbaus in Presidente Venceslau," schreibt Natanael Michael Connor. "Das hat  uns geholfen unsere neue Kirche weiter zu bauen." Die Gemeinde in Brasilien hat ca. 100 Mitglieder. Die Anfänge der Gemeinde reichen in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Die alte Kirche musste dringend erneuert werden. Sie reichte nicht mehr aus für das vielfältige Angebot der Gemeinde. Ausserdem war es dringend sanierungsbedürftig.
"Die neue Kirche ist nötig, um unser Gemeinschaftsleben weiter zu bearbeiten, sei es durch den wöchentlichen Gottesdienst als auch durch die Treffen der verschiedenen Arbeitsgruppen (Gebet-, Frauen-, Gesanggruppe, usw.)."
Und Nathanael endet seinen Dankesbrief: "Wir bedanken uns für Ihre großzügige Hilfe!"

Im Projektkatalog 2014 hat das GAW 12.000 Euro gesammelt. Allen Spendern sei herzlich gedankt!

Dienstag, 4. Juli 2017

Ghazal aus Homs zu Gast in Leipzig!

Ghazal aus Homs
"Es ist für mich wunderbar, in Leipzig bei der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformirerter Kirchen (WRK) dabei zu sein!" erzählt erfreut Ghazal aus Homs in Syrien. Sie gehört der Presbyterianisch-Reformierten Kirchengemeinde dort an. Immer schon war sie in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv dabei. So war es nahe liegend, mit ihrer Schwester zu versuchen, in das Stewardprogramm der WRK zu kommen, als die Einladung kam. "Es ist das erste Mal, dass ich in Europa bin!" sagt Ghazal. "Und hier in Leipzig konnte ich zwei Freunde aus Homs treffen - der eine studiert hier, der andere ist geflohen, weil er nicht zum Militär wollte." Ansonsten ist ihre Familie weitgehend in Syrien geblieben. "Ich liebe mein Land und ich möchte nirgendwo anders leben," sagt sie.  Und dann berichtet sie von ihrem Leben. Es sei wesentlich besser geworden. Es gibt keine Kämpfe mehr. Im ganzen Jahr 2017 gab es keinen Anschlag in Homs. "Die Stadt ist sicher!" bekräftigt sie. "Und wir haben große Hoffnung, dass es so bleiben wird!"
Ghazal hat der Konfirmandengabe 2017 ein Gesicht gegeben. Mit ihrer Hilfe haben wir für die evangelischen Schulen in Syrien gesammelt. Es war eine große Überraschung, sie plötzlich in Leipzig zu sehen. Denn vor 1 1/2 Jahren, als sie uns ihre Geschichte aufschrieb, da berichtete sie folgendes:  
„Mein Name ist Ghazal. Ich bin 16 Jahre alt und lebe in Homs in Syrien. Seit ich 11 bin, ist Krieg. Seit ich 11 bin, höre ich jeden Tag und jede Nacht die schrecklichen Stimmen dieses Krieges: Raketen, Schüsse, Geschrei … Homs liegt in Trümmern. Viele Menschen sind tot, auch Menschen, die ich kannte und liebte. Monatelang konnten wir unsere Wohnung nicht verlassen. Meine Schwestern und ich konnten nicht zur Schule gehen. Mein Vater verlor seine Arbeit. Als meine Mutter schwer krank wurde, konnten wir sie nicht ins Krankenhaus und zu keinem Arzt bringen. Wir hatten keinen Strom und kein Wasser. Wir konnten uns und unsere Kleidung nicht waschen. Wir hatten nicht genug zu essen. Für meine Mutter gab es keine Medikamente. Jeden Tag hatten wir Angst, dass wir unsere Wohnung verlieren und sterben würden. Die Situation in Homs hat sich inzwischen etwas beruhigt. Ich und meine Schwestern gehen wieder zur Schule. Doch noch immer leben wir im Krieg und unsere Angst bleibt: vor Raketen, vor Heckenschützen, vor Autobomben. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als Frieden!"
Inzwischen hat Ghazal die Schule beendet. Demnächst will sie Medizin studieren, um Ärztin zu werden wie ihre Mutter, die inzwischen wieder in einem Krankenhaus arbeitet. Eine ihrer Schwestern arbeitet als Lehrerin in der evangelischen Schule in Homs. Die andere studiert Zahnmedizin.
"Ich habe Hoffnung, dass wir eine Zukunft in Syrien haben werden!" sagt sie zum Schluß.

Montag, 3. Juli 2017

Syrien: Das Kirchendach in Malkieh ist wieder dicht! / In Qamishly haben die Bauarbeiten an der evangelischen Schule begonnen.

Das Dach der Kirche in Malkieh
konnte mit Hilfe des GAW neu gedeckt
und isoliert werden.  
Letzte Woche erhielten wir Post aus Syrien: Das Dach der Kirche im nordsyrischen Malkieh ist nun wieder dicht! Die Gemeinde hatte das GAW um Unterstützung bei der Reparatur und Isolierung ihres Kirchendaches gebeten. Pfarrer Firas Farah schreibt nun: "Unsere Gemeindemitglieder in Malkieh bedanken sich herzlich für die Hilfe. Das Dach der Kirche in Malkieh war undicht. Es hat in die Kirche hineingeregnet. Im Sommer war es in der Kirche unerträglich heiß, im Winter viel zu kalt. Jetzt konnten wir das Dach Dank eurer Hilfe reparieren. Die Menschen kommen wieder gerne zum Gottesdienst und zu den Treffen der verschiedenen Gemeindegruppen, die in der Kirche stattfinden." Diesen Dank geben wir gerne weiter an alle Spenderinnen und Spender, die Hilfe in Syrien ermöglichen - in Malkieh, aber auch an vielen anderen Orten.
In Qamishly, einer ebenfalls von Pfarrer Firas Farah betreuten evangelischen Gemeinde im Norden Syriens, wird derzeit mit Hilfe des GAW die evangelische Schule erweitert. Firas Farah: "Es gibt in Syrien zu wenige funktionierende Schulen. In unserer Schule in Qamishly sitzen zum Teil 50 Kinder in einem Klassenzimmer. Das ist eine Notlösung. Auf Dauer überfordert das Lehrer und Schüler." Über die Sommerferien sollen neue Klassenräume gebaut und eingerichtet werden, damit ab dem neuen Schuljahr im September für Schüler und Lehrer wieder normales Lernen und Lehren möglich ist.

Wir brauchen eure Solidarität mit den pensionierten Pfarrern am La Plata! - sagt Carola Tron

v.re.n.li.: Pfr. Dr. D. Barolin (Generalsekr. AIPRAL), Moderatorin Pfrn. Carola Tron,
Christopher Seelbach (Kirchen helfen Kirchen), GS Pfr. Enno Haaks
"Es ist eine große Belastung - aber eine ebenso große Verantwortung für uns, dass wir unseren pensionierten Pastoren eine würdige Pension bezahlen", berichtet Pfarrerin Carola Tron, Moderatorin der Waldenserkirche am La Plata.  Ihr Kirche muss ihren pensionierten Pastoren Pensionen zahlen, was vor allen politische Gründe hat, denn es war lange nicht möglich, dass die Pastoren in die Sozialkassen Beiträge zahlen konnten. Auch das biblisch-theologische Verständnis der Waldenser erlaubt  den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Gehälter zu zahlen, die für das tägliche Leben dringend benötigt werden. Privat vorsorgen kann man damit nicht. "Über 30% unseres gesamten kirchlichen Haushaltes werden für diese Zahlungen aufgebracht", so Tron in einem Gespräch am Rande der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, die derzeitig in Leipzig stattfindet. "Das schränkt die Möglichkeiten der Kirche erheblich ein in missionarische Projekte zu investierenund Kraft zu finden in den Aufbau der Gemeinden."

Insgesamt sind die Pensionen in Lateinamerika sehr niedrig. Oft erhalten die Pfarrer noch nicht einmal die Hälfte von dem, was sie in aktiver Zeit erhielten. Einige emeritierte Pastoren arbeiten selbstverständlich weiter und unterstützen die Gemeinden. Natürlich gibt es auch einige, die das aus Altersgründen nicht mehr können, wie z.B. Pastor em. Rostan (*1928). Er lebt mit seiner Ehefrau im Altenheim der Kirche und hilft bei der Seelsorge in diesem Haus. Pastorin em. Geymonat (*1938) lebt mit ihrem Mann in Buenos Aires und arbeitet noch aktiv in der Waldensergemeinde mit. Sie vertritt ihre Kirche bei ökumenischen Aktivitäten.  Zurzeit sorgt die Kirche für 11 Ruheständler. 
Das GAW unterstützt den Pensionsfonds jährlich, weil sie allein nicht schaffen würde.
Ca. 14.000 Gemeindeglieder gehören zur Waldenserkirche am La Plata. 15 Gemeinden befinden sich in Uruguay, wo in Argentinien. 14 Pfarrer arbeiten aktiv für die Gemeinden. Derzeit gibt es sechs vakante Pfarrstellen, was die aktiven Pfarrer zusätzlich belastet, denn sie müssen diese Gemeinden mitversorgen. Eine große Herausforderung ist es, Kandidaten für ein Theologiestudium zu gewinnen. Zudem sucht die Kirchenleitung gemeinsam mit der IERP (Iglesia Ev. del Rio de la Plata) nach einer tragfähigen Zukunft für eine qualifizierte Theologiesausbildung nach der Schließung der ISEDET.

Sonntag, 2. Juli 2017

Den lebendigen Gott vor der Welt bezeugen!

"Den lebendigen Gott vor der Welt bezeugen" - unter diesem Motto feierte die Generalversammlung der Reformierten Kirchen mit den Delegierten aus 100 Ländern einen Festgottesdienst im Berliner Dom. 
In einem bewegenden Gottesdienst predigte der Generalsekretär der Weltgemeinschaft Pfarrer Chris Furgueson über den Bibeltext aus Lukas 4,16-21. "Inmitten der Nöte der damaligen Welt im Römischen Imperium begann Jesu Wirken und sein Einsatz für die Armen," so Furgueson. "Der Geist Gottes, von dem Jesus damals bewegt wurde, ist es, der uns heute ermutigt in den Nöten unserer Zeit
Pfr. Chris Fergueson
aufzustehen und uns an die Seite der Marginalisierten zu stellen." Er bezog sich dabei auf die Erklärung von Accra aus dem Jahr 20014 der Weltgemeinschaft: "Wir glauben, dass Gott uns dazu aufruft, uns an die Seite der Opfer der Ungerechtigkeit zu stellen. Wir wissen, was der Herr von uns fordert, „das Gerechte zu tun, Liebe zu üben, und demütig zu sein vor unserem Gott" (Mi 6,18). Wir sind dazu aufgerufen, uns gegen jede Form der Ungerechtigkeit in der Wirtschaft und gegen die Zerstörung der Erde zu wenden, damit „das Recht ströme wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach" (Am 5,24)." (http://www.reformiert-info.de/124-0-56-3.html)
Alexandra Nikolara
Um deutlich zu machen, wie sich reformierte Christen sich für Marginalisierte einsetzen, berichtete während der Predigt Alexandra Nikolara aus Katerini in Griechenland von der Griechischen Ev. Kirche von der Flüchtlingsarbeit, die sie verantwortet. In ihrer Stadt im Norden Griechenlands werden von der NGO "Perichoresis" ihrer Kirche 500 Flüchtlinge betreut. Inzwischen ist sie verantwortlich für Flüchtlingsfamilien, die in Griechenland Asyl gewährt bekommen haben. In zehn angemieteten Wohnungen sind sie untergebracht. Neben der Sprache werden sie mit der griechischen Kultur vertraut gemacht. Zudem wird versucht, ihnen mittelfristig zu einem eigenständigen leben zu verhelfen. Das ist unter den derzeitigen Bedingungen in Griechenland nicht einfach. 
Genau solche Geschichten verdeutlichen - so Fergueson - wie wir den lebendigen Gott vor der Welt bezeugen. 
Nach dem Gottesdienst wurden die Delegierten im Auswärtigen Amt empfangen.
Die Generalversammlung der Reformierten tagt nur alle sieben Jahre und ist zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren in Deutschland zusammengekommen. Sie wurde am Donnerstag in Leipzig eröffnet und dauert noch bis zum kommenden Freitag.

Freitag, 30. Juni 2017

Evangelisch-reformiert in Kroatien

rechts: Pfr. Branimir Bukanovic
"Ungefähr 4.000 Mitglieder gehören der Reformierten Christlichen Kirche in Kroatien an. Wobei man ehrlich zugeben muss, dass vielleicht etwas mehr als 25% der Mitglieder aktiv am kirchlichen Leben teilnehmen," berichtet der Generalsekretär der Kirche Pfr. Branimir Bukanovic. Er ist der einzige nur kroatisch sprechende Pfarrer der Kirche. Er betreut eine kleine Gemeinde in der Hauptstadt Zagreb. Die Mehrheit der Gemeinden sind ungarischsprachig und befinden sich an der ungarischen und serbischen Grenze. Im Westen und vor allen Dingen in der Küstenregion gibt es keine reformierten Gemeinden. "Wir müssen missionarisch aktiver sein," sagt Bukanovic. "Wir müssen uns stärker in die kroatische Gesellschaft öffnen. Denn ein Problem ist, dass von den 23 Gemeinden der Kirche einige gar nicht mehr in der Lage sind, ein Gemeindeleben aufrecht zu erhalten." 12 Pfarrer arbeiten in der Kirche. 
Ob eine Öffnung hin in die kroatische Gesellschaft gelingen wird, hängt sehr von der Motivation der Gemeinden ab und ihrer Fähigkeit, neue Wege zu beschreiten. Bei allem wirkt der Balkankrieg noch sehr nach. Kriegsspuren sind nicht nur an Gebäuden und an nicht geräumten Minenfeldern sichtbar. 
"Ich habe die Hoffnung, dass es gelingen kann, dass wir mit unserer Botschaft des Evangeliums die Herzen der Menschen erreichen können!" bekennt Bukanovic.