Montag, 13. August 2018

Venezuela: Dokumentation einer humanitären Tragödie

https://www.dw.com/de/venezuela-flucht-aus-einem-zerstörten-land/av-44903303?maca=de-EMail-sharing
In der Dokumentation der Deutschen Welle "Venezuela - Flucht aus einem
gescheiterten Staat" erzählen Menschen aus Venezuela, was die derzeitige
humanitäre Katastrophe in ihrem Land für sie persönlich bedeutet.
"Mein Baby ist an Unterernährung gestorben. Was ich beschaffen konnte, hat nicht gereicht, um es zu ernähren", erzählt die junge Frau leise. Venezuela 2018: Im erdölreichsten Land der Welt spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab. Millionen Menschen sind bereits geflohen. Die im Land zurückgebliebenen verhungern oder sterben an eigentlich behandelbaren Krankheiten. "Wir haben viele Kinder, die vom Tod bedroht sind, " sagt Janeth Marquez, Direktorin von Cáritas Venezuela, "Wir haben viele Kinder, die sich am Rande des Abgrunds befinden."
In ihrer Mediathek hat die Deutsche Welle einen bedrückenden Dokumentarfilm zur Situation in Venezuela verfügbar. Er analysiert, was in den vergangenen Jahren in Venezuela passiert ist, wie es zur derzeitigen Tragödie kam. Im Film kommen Venezolaner zu Wort - Flüchtlinge und im Land Gebliebene - und erzählen, was ihnen gerade geschieht. Wie die junge Frau, die ihr Baby verloren hat.
Auch Arcadia Herrera wird ihren Sohn verlieren. Das Krankenhaus hat ihn nach Hause geschickt - zum Sterben. Woran leidet er? "Diabetes und ein vergrößertes Herz." Die venezolanische Regierung leugnet den Medikamentenmangel.
Tulio Hernández ist Soziologe. Ihm wurde von der venezolanischen Regierung mit Verhaftung gedroht. Nach seiner Flucht lebt er nun in Bogota in Kolumbien: "Der Chavismus entstand als ein sehr ambitioniertes Projekt, das alle Übel des Landes überwinden wollte. Das Projekt sah vor, Armut und Korruption zu beseitigen. [...] Es wollte Lateinamerika verändern [...] Dann geriet der Chavismus ins Wanken. Er trieb die bereits zu Beginn herrschenden Zustände von massiver Korruption, massivem Populismus, massivem Klientelismus auf die Spitze und erhöhte sie zur Karikatur, zur maßlosen Übertreibung. [...] Und nun etliche Jahre später endet das, was anfangs hoffnungsvolle Begeisterungsstürme der Massen hervorrief, in einer humanitären Tragödie."
Den Film "Venezuela - Flucht aus einem gescheiterten Staat" finden Sie in der Mediathek der Deutschen Welle: https://www.dw.com/de/venezuela-flucht-aus-einem-zerstörten-land/av-44903303
Das GAW ist neben mehreren katholischen Hilfsorganisationen derzeit die einzige evangelische Hilfsorganisation aus Deutschland, die in Venezuela tätig ist. Wir unterstützen insbesondere die Einrichtungen der lutherischen Kirche in Venezuela: das Kinderheim Casa Hogar, den Kindergarten Casa de Amistad, die lutherische Schule in Valencia. Zusammen mit Adveniat unterstützen wir die kirchliche NGO Acción Ecumenica in Caracas, die sich um Gesundheitsversorgung, Aus- und Fortbildung und soziale Arbeit kümmert. Pfarrer Gerardo Hands aus Venezuela: "Wir sind dem GAW so dankbar. Wir wissen derzeit nicht, wie wir ohne diese Hilfe auskommen sollen."

Wir beten für Venezuela:

Gott, wir bitten für die Menschen in Venezuela, die sorgenvoll erleben müssen, wie ihr Land immer mehr ins Chaos versinkt.

Wir bitten dich, dass die, die dafür verantwortlich sind umkehren, und dass dieses eigentlich so reiche Land wieder aufgebaut werden kann.

Wir bitten für die Menschen, die wegen der humanitären Katastrophe ihr Land verlassen haben, weil sie nichts mehr zu essen oder keine überlebenswichtigen Medikamente mehr haben.

Wir bitten dich um das Leben all der Menschen, die unter der schweren Krise leiden. Weil Lebensmittel und Medikamente kaum noch zu bekommen sind, bitten wir besonders für die Kranken und Armen in Venezuela.

Wir bitten dich für die, die wegen fehlender Medikamente oder wegen Unterernährung sterben müssen. Du siehst die Tränen der Angehörigen, die weinen und weh klagen über den Tod ihrer Lieben.

Wir bitten dich um ein Ende der Gewalt und dafür, dass Proteste und Demonstrationen friedlich verlaufen.

Wir beten für die, die nahestehende Menschen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen verloren haben.

Gib, dass die Spaltung der Gesellschaft Venezuelas nicht noch weiter eskaliert und dass neue Brücken zwischen sozialen Gruppen aufgebaut werden können.

Segne Hilfsprojekte, die die Not der Menschen lindern! Stärke die Kräfte,  die versuchen Armut und Hoffnungslosigkeit im Land zu überwinden

Wir bitten um Frieden in Venezuela!
Amen

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Spendenkonto des GAW:
KD-Bank - LKG Sachsen
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENO DE D1 DKD
Verwendungszweck: Nothilfe Venezuela




     

Donnerstag, 9. August 2018

Lutherisch in Slowenien - Themenheft beim GAW bestellbar

Bischof Geza Filo in der Martin-Luther
-Kirche
Seit April 2018 arbeitet der slowenische Pfarrer Aleksander Erniša in Triest. Nach seinem Studium war er zuerst Militärpfarrer im slowenischen Heer. Die kleine lutherische Kirche Sloweniens hat durch einen Staatskirchenvertrag das Recht, Militärgeistliche zu entsenden. Das ist eine Chance, in der Gesellschaft mitzuwirken und präsent zu sein. Jetzt hat Aleksander die Chance bekommen, Pfarrer der italienischen lutherischen Gemeinde in Triest zu werden. Beide lutherischen Kirchen sind partnerschaftlich verbunden. Zudem gibt es in Triest eine slowenische Minderheit, so wie es in Slowenien eine italienische und auch eine ungarische Minderheit gibt.
„Es ist noch aus einem weiteren Grund gut, dass Aleksander nun in Italien Pfarrer ist“, gibt Bischof Geza Filo im Gespräch zu. „Wir haben in unserer Kirche im Verhältnis zu viele Pfarrer. Insgesamt dienen fünf Pfarrerinnen und sieben Pfarrer in der Kirche mit rund 8.600 Gemeindemitgliedern. Das ist auf der einen Seite ein Segen, auf der anderen Seite müssen die Pfarrer bezahlt werden. Und das ist von  Jahr zu Jahr eine immer größere Herausforderung, denn die Gemeinden wachsen kaum. Gerade im Übermurgebiet im Osten des Landes, wo sich unsere meisten Gemeinden befinden, leiden sie eher unter Abwanderung, weil die Region wirtschaftlich schwach ist.“
Filo berichtet von den Herausforderungen der Gemeinden, von der Solidarität der Gemeinden untereinander und von den ökumenischen Chancen im kommenden Jahr, wenn Slowenien Weltgebetstagsland ist.
Die lutherische Kirche Sloweniens genießt trotz ihrer geringen Größe ein hohes Ansehen in der Gesellschaft. Davon zeugt auch die Tatsache, dass in diesem Jahr in Ljubljana der Platz vor der lutherischen Kirche zum Martin-Luther-Platz umbenannt werden soll und zuvor von der Stadt aufwendig umgestaltet wurde. Vor der Kirche wurde eine Gedenkplatte in den Boden gelassen, um auf die Wirkung der Reformation hinzuweisen. „Bei allen Herausforderungen und Sorgen: Wir können doch etwas bewirken und uns in der Gesellschaft zeigen.“

Im Verlag des GAW ist aus Anlass des kommenden Weltgebetstages 2019 ein Themenheft über Slowenien erschienen. Es bietet eine gute Zusammenfassung über das Land und insbesondere das Leben der Evangelischen im Land.
Zu bestellen über: verlag@gustav-adolf-werk.de zum Preis von 5 Euro (zzgl. Versand).   

"Kirche in Slowenien funktioniert anders als Kirche in Deutschland. Wir haben keine Kirchensteuer, keinen Religionsunterricht an den Schulen und unsere Pfarrer haben keine Sekretärin. Nicht einmal ich als Bischof habe eine Sekretärin." Geza Filo, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Slowenien

Dienstag, 7. August 2018

Vor 25 Jahren begann der Umbau der Zentrale des GAW in Leipzig

Franz-Rendtorff-Haus, Pistorisstrasse 6, Leipzig
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands ging es auch mit der Vereinigung der beiden GAWs West und Ost zügig voran. 1992 wurde bei der Vertreterversammlung in Herrnhut die Vereinigung besiegelt. Der Beschluss, die beiden GAW-Zentralen West und Ost in Leipzig zusammenzuführen, musste auch baulich umgesetzt werden. Die Sanierung des Franz-Rendtorff-Hauses begann Ende 1993.
In der Ausgabe des Gustav-Adolf-Blattes 4/1993 heißt es:

"Das Jahr 1993 hat für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des GAW in Leipzig und Kassel tiefgreifende Veränderungen gebracht. Das Franz-Rendtorff-Haus in der Leipziger Pistorisstrasse 6, das in Zukunft die Zentrale des Gesamtwerkes beherbergen wird, ist leergeräumt und wird renoviert. Fünf Mitarbeitende, darunter Generalsekretär Hans Wähner, leben und arbeiten während der Woche in Kassel. Sie sind mit Sack und Pack am 1. September eingezogen und vom Kasseler Team willkommen geheißen worden." 

Ende 1994 nahm die neue gesamtdeutsche Zentrale ihre Arbeit in Leipzig auf.

Freitag, 3. August 2018

Eine neue Kirche für Presidente Venceslau (Brasilien)

Die neue lutherische Kirche in Presidente Venceslau
"Wir danken Ihnen für Ihre Geldspende, die uns sehr geholfen hat, unsere neue Kirche weiter zu bauen. Unsere bisherige Kirche hatte nur 80 Sitzplätze, das waren zu wenig für unsere 100 Gemeindeglieder. Außerdem ist das Gebäude mehr als 50 Jahr alt und baufällig. Zudem wollen wir die Arbeit mit Kindern ausweiten. Das geht mit der alten Kirche nicht. Die neue Kirche brauchen wir dringend, um unsere Gemeinde weiter aufzubauen. Und sie wächst! Wir bedanken uns für Ihre groβzügige Spende aus dem Projektkatalog 2014 in Höhe von 12.000 Euro!" schreibt Natanael Michael Connor, der als Missionar der lutherischen Gemeinde Presidente Venceslau (SP) in Brasilien arbeitet.


Die alte Kirche
Die Anfänge der Gemeinde in Presidente Venceslau reichen in die 1920er Jahre zurück. Damals wurde sie seelsorgerlich von der Gemeinde Colonia Riograndense betreut. Gottesdienste wurden in einer Garage gefeiert. Durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges und des Verbots der deutschen Sprache kam die Gemeinde in Schwierigkeiten. Ein Neuanfang gelang in den 1950er Jahren durch sehr aktive Frauen. Anfang der 1970er Jahre wurde die Gemeinde, der inzwischen ca. 240 Mitglieder angehören, selbstständig. Sie bietet ein umfangreiches Gemeindeleben an, das von Kinder- und Jugendarbeit über diverse Musik- und Singgruppen, Frauen- und Seniorenkreise, eine liturgische Tanzgruppe, Bibel- und Gebetsgruppen bis zu Gemeindediakonie reicht. Bei letzterem werden Lebensmittelspenden, die im Gottesdienst gesammelt werden, an bedürftige Familien verteilt. Die Gemeinde schafft es, für ihre regelmäßigen Kosten aufzukommen. Schwierig ist es, wenn es wie jetzt zu einer größeren Baumaßnahme kommt. Dann ist sie auf Hilfe angewiesen. In der neuen Kirche gibt es nun auch einen behindertengerechten Zugang und Gemeinderäume für die vielen Aktivitäten der Gemeinde.

Mittwoch, 1. August 2018

Eine echte ökumenischen Theologie der Diaspora lehrt Demut

Vor 65 Jahren, im Jahr 1953, wurde das GAW-Jahrbuch "Die Evangelische Diaspora" nach seinem Verbot durch das NS-Regime im Jahr 1941 durch den damaligen Präsidenten des GAW für Ost und West Prof. Franz Lau wiederbegründet. Er fordert in seinem einleitenden Aufsatz zu einer "echten ökumenischen Theologie der Diaspora" auf:

"Mit den Worten "Evangelium von der Herrlichkeit der Gnade Gottes" ist hingedeutet auf Gottes souveräne Macht und Gottes Freiheit. Es gehört zum Inhalt des Evangeliums, dass Gott, ganz wie er will, seine Gnade ausschüttet und sein Heil schenkt. Es gibt niemanden, der für den Glauben an das Evangelium privilegiert wäre. So sehr es dabei bleiben muss, dass nur der Kirche der Reformation in einzigartiger Weise das Evangelium von der Gnade, von der Rechtfertigung aus dem Glauben anvertraut ist, so wenig lässt sich Gott dahingehend binden, dass er nur unter evangelischen Christen Glauben weckt. Der Same des Wortes Gottes geht in wunderlicher Weise auf. Auf dem Acker, auf den er breit ausgeschüttet wird, wird er unter Umständen zertreten und bringt er keine Frucht. Dort, wohin er nur spärlich geschüttet oder wohin er gar nur verweht ist, trägt er möglicherweise und wird fruchtbar. Eine evangelische Diasporagemeinde, die in andersgläubiger Umwelt lebt, wird - bei allem Stolz auf das hochheilige Evangelium, das ihr anvertraut ist - immer demütig dessen gewärtig sein müssen, dass lebendiger Glaube unter den Christen um sie herum aufbricht, unter Umständen in besserer Weise als bei ihr. Es ist durchaus eine Möglichkeit, dass eine evangelische Diasporagemeinde kirchlich erstarrt, während die andersgläubige Umwelt lebt und blüht, auch in der Weise, dass echter Glaube da ist und Früchte treibt... (Deshalb können wir) den anderen christlichen Konfessionen (nur in tiefer Demut begegnen)... Sie haben nach Gottes Freiheit auch aus seiner Fülle empfangen. Hier ist der Ansatz zu einer echten ökumenischen Haltung, auch im Diasporadienst, und der Ansatz zu einer echte ökumenischen Theologie der Diaspora." (Franz Lau, Die Evangelische Diaspora, 24. Jg/Heft 1/April 1953, S.6)

Samstag, 28. Juli 2018

Endlich: ein Sportplatz für Lucas und seine Freunde in Belo Horizonte

Fertiger Sportplatz
Lucas und seine Freunde aus Belo Horizonte/Brasilien können jetzt „ohne Angst kicken“. Endlich konnte der heiß ersehnte Sportplatz fertiggestellt werden - auch dank der Hilfe des GAW. Lucas lebt in der Favela Aglomerado da Serra am Stadtrand von Belo Horizonte. Jeden Tag gehen sie nach der Schule ins „Centro de Integração Martinho (CIM)“, in das diakonische Sozialzentrum in der Nähe der lutherischen Gemeinde. Dort können sie sicher spielen und werden pädagogisch betreut – und kicken, wie es so viele Kinder und Jugendliche in Brasilien tun. Vielleicht träumen sie dabei auch von einer Karriere als Fußballer. In den wenigsten Favelas gibt es die Chance, sicher Sport zu treiben. Die lutherische Gemeinde in Belo Horizonte hat es sich mit ihrem diakonischen Sozialzentrum zur Aufgabe gemacht, hier für Abhilfe zu sorgen. 

Mehrfach hat das GAW – auch dank der Unterstützung von CHRISMON – Gelder zur
Im Bau 
Verfügung gestellt. 

„Der Sportplatz erhöht nicht nur die Quantität, sondern vor allem die Qualität der von uns verantworteten Arbeit, weil jetzt neben den thematischen, künstlerischen und kulturellen, auch vermehrt sportliche Aktivitäten möglich sind. Wir danken allen Spendern ganz herzlich, die es ermöglicht haben, dass unser Traum realisiert werden konnte!“, schreibt der verantwortliche Projektleiter Gert Müller. „Die Jugendlichen lieben den neuen Sportplatz – und sie wissen, dass sie ihn pfleglich behandeln müssen! – Auch die benachbarte Schule nutzt inzwischen den Sportplatz hin und wieder.“ 

Der Sportplatz konnte nach vielen behördlichen Schwierigkeiten von Juli 2017 bis Februar 2018 errichtet werden. Die Konstruktion des Sportlatzes war nicht einfach, weil er in eine Hanglage der Favela integriert werden musste.

Mittwoch, 25. Juli 2018

Kinderheim in Šakiai/Litauen soll geschlossen werden

Zustand der Kirche nach der Rückgabe 1993
Die lutherische Gemeinde in Šakiai in Litauen sollte es eigentlich gar nicht mehr geben. In der Zeit der Sowjetunion war die Kirche umgenutzt worden: Anstatt eines Altars stand ein Basketballkorb vorne im Innenraum der Kirche. 1993 wurde die Kirche in einem sehr schlechten Zustand zurückgegeben, 1998 konnte sie mit Hilfe des Gustav-Adolf-Werks renoviert werden.

Nach der Renovierung
Die Lutheraner bilden in Litauen eine kleine Kirche mit 20.000 Mitgliedern. In ihr tun 19 Pfarrer Dienst, die meisten ehrenamtlich. Der Pfarrer der Gemeinde in Šakiai leitet neben seiner pfarramtlichen Tätigkeit ein Kinderheim und bezieht darüber sein Hauptgehalt. Aufgebaut hat es die Gemeinde, unterstützt von Ehrenamtlichen aus Deutschland. Auch das GAW leistete immer wieder Hilfe. Die Kinder wohnen in Gruppen von jeweils acht Kindern nach dem Prinzip einer Großfamilie. Die meisten von ihnen sind Sozialwaisen, deren Eltern sich wegen Armut oder psychischer Probleme nicht um sie kümmern können. Häufig wurden die Kinder in ihren Familien vernachlässigt oder geschlagen. Andere Eltern arbeiten zeitweise im Ausland und lassen ihre Kinder zurück – die sogenannten „Eurowaisen“. 2014 konnte ein mit EU-Geldern gebautes zweites Haus eingeweiht werden, da der Bedarf an Plätzen immer weiter gestiegen ist.

Kirche und Kinderheim
Nun soll das Kinderheim schließen; aus rechtlichen, nicht aus finanziellen Gründen. Das litauische Parlament will alle Waisenhäuser nach EU-Standard in kleinere Wohngruppen umwandeln. Damit sollen die Waisenkinder besser in die Gesellschaft integriert werden. Pfarrer Virginijus Kelertas sagt: „Wir verstehen es nicht, warum es für die Kinder besser sein soll, in der Enge einer Hochhauswohnung in einem sozial schwierigen Viertel aufzuwachsen als bei uns in den Großfamilien in geräumigen separaten Räumen, mit Garten und Teich vor der Tür.“ Falls der Pfarrer in der strukturschwachen Gegend keine andere Arbeit findet, wird er die Gemeinde verlassen müssen.

Dienstag, 24. Juli 2018

Ein Altar für die evangelische Grundschule in Cammin / Mecklenburg

"Endlich am ersten Tag nach den Osterferien konnte für unsere evangelische Storchenschule in Cammin (Mecklenburg) der vom GAW geförderte Altar für den Andachtsraum der Schule eingeweiht werden. Wir sind dankbar für die 2.000 Euro, die wir dank der Sammlung im Projektkatalog erhalten haben!", schreibt Schulleiterin Simone Scholz. "Der Altar ist in Form eines Holzschiffes gebaut vom Holzbildhauer Felix Anders. Es gibt so viele Geschichten in Bibel, in denen ein Schiff vorkommt. Im Jahreskreis können wir darauf immer wieder Bezug nehmen bei den Andachten mit den Kindern.  Mit dem symbolträchtigen, individuellen und funktionalen Altar - durch Rollen an der Unterseite ist er beweglich -  freuen sich alle auf die Andachten. Es ist die Mitte unseres Schullebens. "

Die Gemeinde Cammin liegt 25 Kilometer von Rostock entfernt und ist von Landschaftsschutzgebieten umgeben. Das ehemalige Gutshaus in der Nähe der Kirche beherbergt seit 2003 eine Grundschule mit Erweiterungsstufe. Sie wird von den Kindern von der ersten bis zur sechsten Klasse besucht. Die Schule wird von einem Förderverein getragen und ist mit der Dorfgemeinschaft eng verbunden. Die Schulkinder organisieren die Dorfbibliothek, pflegen sie und leihen den Dorfbewohnern Bücher aus. Die computergestützte Ausleihe wurde von
Bild der Storchenschule
den Kindern im Informatikunterricht und in einem Projekt erarbeitet. Mit der evangelischen Ortsgemeinde besteht ein Kooperationsvertrag. „Darin sind gemeinsame Feiern im Kirchenjahr, Generationenprojekte und das Leben und Feiern mit der Kirche vor Ort festgehalten“, erläutert Pfarrerin Susanne Attula. „Regelmäßige Andachten und Gottesdienste prägen das Schulleben zu Festen und Feiertagen und beispielsweise zur Interkulturellen Woche im Landkreis.“ 
 
Im Schulkonzept wird festgehalten: „Der christliche Glaube soll den Kindern dabei helfen, sich in unserer pluralistischen Gesellschaft zu orientieren und ihnen Halt in guten und in schlechten Zeiten geben.“ 

Ein gelungenes Projekt, das über das Schulleben hinaus dem christlichen Glauben Raum gibt. Gut, dass wir im GAW auch solche Projekte unterstützen, die in einem weitgehend säkularisierten Umfeld stattfinden!

Donnerstag, 19. Juli 2018

Casa Valdese in Torre Pellice / Italien saniert

Casa Valdese in Torre Pellice / Italien
"Herzlichen Dank für die Solidarität, Freundschaft und Großzügigkeit! Auch dank der Hilfe des GAW konnten wir die Renovierung der Casa Valdese in Torre Pellice durchführen. Die Casa Valdese ist für unsere evangelische Minderheit mehr als nur ein Gebäude. In diesem Haus hat die Tavola Valdese ihren offiziellen Sitz, und seit über hundert Jahren tagt hier jährlich die Synode der Waldenser- und Methodistenkirche. Eure Hilfe stärkt uns, vielen Dank dafür!", schreibt Moderator Eugenio Bernardini von der italienischen Waldenserkirche.

Bei der Einweihung der Casa Valdese in Torre Pellice 1889 war auch ein Vertreter des Königs Umberto I. anwesend. Der König hatte sich sogar am Bau des Gebäudes beteiligt – ein kleiner Beitrag von hohem symbolischem Wert, wenn man an die Jahrhunderte der Verfolgung der Waldenser denkt. Ursprünglich waren im Haus neben dem Synodensaal und den Büros auch die Bibliothek, das Waldensermuseum und das Archiv untergebracht. Inzwischen sind die beiden letzten Einrichtungen umgezogen.

Das dreistöckige Gebäude der Casa Valdese musste dringend saniert werden zum Erhalt der Bausubstanz und für bessere Arbeitsbedingungen. In den Büros werden auch die Einnahmen aus der Mandatssteuer verwaltet, die 400.000 Italiener regelmäßig an die Waldenserkirche zur Unterstützung diakonischer Projekte zahlen. Die Fassade wurde zuletzt vor 40 Jahren gestrichen. Den größten finanziellen Aufwand bedeutete der Austausch der Fenster, die nun mit Isolierglas und Dichtungen versehen wurden, um den Wärmeverlust zu reduzieren. Große historische und denkmalpflegerische Bedeutung haben die Fenster des Synodensaals. Sie mussten restauriert werden, genauso wie die Schiebesonnenblenden.

Im Projektkatalog 2017 hat das GAW 40 000 Euro für die Sanierung gesammelt.


Dienstag, 17. Juli 2018

GAW: Gottesdienst zum Schulbeginn 2018

Auch in diesem Jahr hat das GAW wieder einen Entwurf für einen Gottesdienst zum Schulbeginn herausgegeben. Das Motto des Gottesdienstes 2018 lautet: "Gott hält zu mir". Im Zentrum steht Psalm 91 und das Symbol des Schirmes, das in zwei Aktionen und der Predigt umgesetzt wird. Der Entwurf stammt von Pfarrerin Nicole Oehler aus Santiago de Chile.
Die Kollekte für diesen Gottesdienst erbitten wir für die Schule "Colégio Belén", die sich in einem armen Stadtviertel Santiago de Chiles befindet. Die Schule hat weder eine Turnhalle noch eine Aula. Der Sportunterricht und alle Schulversammlungen finden das ganze Jahr über draußen auf dem Sportplatz statt - der zugleich noch Pausenhof ist. Solange das Wetter gut ist, geht das. Doch oft brennt im Sommer die Sonne unbarmherzig auf den Platz, im Winter regnet es tagelang. Pfarrerin Nicole Oehler: "Unsere Kinder haben oft große Schwierigkeiten sich zu konzentrieren. Bewegung ist deshalb ein ganz wichtiger Baustein im Schulalltag."

Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie hier.
Den Gottesdienst (einschließlich fertiger Liedblätter) können Sie hier herunterladen oder einfach bei uns bestellen: Tel. 0341/490 62 13 oder verlag@gustav-adolf-werk.de .

 

Montag, 16. Juli 2018

Seit 25 Jahren gibt es das GAW-Pixelkreuz

Immer wieder gab es im äußeren Erscheinungsbild des GAW Veränderungen. Dazu gehörte auch das Symbol des GAW: das Pixelkreuz. Als wir vor einigen Jahren unser Logo veränderten, da war klar, dass das Pixelkruez nicht verändert wird, denn es wirkt nach wie vor identitätsstiftend. Es wurde vor 25 Jahren im Rahmen der Zusammenlegung der beiden GAW´s West und Ost neu entwickelt. Seit der Ausgabe des Gustav-Adolf-Blattes 2/1993 ist unser Pixel-Kreuz Erkennungszeichen. Es soll zugleich Zeichen der Zerstreuung der Christen, ihrer weiten Ausbreitung wie auch des Zusammenhalts sein. Damit symbolisiert es gleichzeitig die Arbeitsweise des GAW: Weltweit im Glauben miteinander verbunden!

In der folgenden Ausgabe hieß es dann: 

"Auf der letzten Umschlagseite von Heft 2/1993 des "Gustav-Adolf-Blatts" ist erstmalig das neue Logo (Signet) des neu gegründeten Gesamtwerks abgedruckt worden, das unsere Aktivitäten in Zukunft als Kennzeichen begleiten und hervorheben wird. Auch diesmal  findet es sich wieder an der gleichen Stelle. Das Kreuz aus vielen Punkten (Gemeinden) über dem Rund der Erdkugel soll Sinnbild unserer Arbeit sein und an die Vielfalt unserer bescheidenen, aber sehr zielgerichteten und zielbewußten Hilfe für Christen und Menschen überall erinnern." So heißt es im Gustav-Adolf-Blatt im 39. Jahrgang in Heft 3/1993 auf Seite 2 im Editorial. 

Mittwoch, 11. Juli 2018

Aus der GAW-Stipendiatenarbeit

Socota in Kolumbien

Die Kolumbianerin Adi Martinez war von 2015 – 2017 Stipendiatin des GAW in Leipzig. Im Frühjahr hat sie ihren Abschluss in Kolumbien in evangelischer Theologie gemacht. Jetzt arbeitet sie als Hilfspastorin in Socota. Hier liegen die Anfänge der lutherischen Missionsarbeit im Land, die in den 20er Jahren des 20 Jahrhunderts liegen. In vergangenen Reformationsjubiläumsjahr erinnerte die Lutherische Kirche Kolumbiens (IELCO) in Socota an ihre Anfänge. Nun ist Adi dort Pastorin. Sie schrieb jetzt an das GAW: "Mir geht es gut. Ich arbeite auf einem Dorf. Ich habe selten Internet und wenn, dann habe ich keine gute Verbindung. Ich arbeite als noch nicht ordinierte Pastorin für die lutherische Kirche - und zwar in der ersten lutherischen Gemeinde in Kolumbien, in Socota. Hier ist alles richtig schön und voller Natur, aber leider auch viele arme Leute."

Stipendiaten des Jahrgangs 2017/18
Und eine weitere gute Nachricht haben wir heute erhalten: Helga Sokol Falke hat ihr erstes theologisches Examen bestanden. Helga hat in der lutherischen Kirche in der Ukraine - und insbesondere in der Katharinenkirchengemeinde in Kiew mitgearbeitet. Weil es keine Chance für sie gab, in der Ukraine Pfarrerin zu werden, hat sie ihr Theologiestudieum in Halle an der Saale absolviert. Zwei Jahre lang hat sie dabei eine monatliche Unterstützung des GAW erhalten. Sie schrieb uns jetzt:  "Gott sei Dank und vielen lieben Dank an alle, die an mich gedacht haben! Ich habe mein erstes kirchliches Examen geschafft. Der lange 7-Jährige Weg hat seine Früchte gebracht. Der Weg ist noch nicht zu Ende: Vikariat und das 2. Examen stehen vor der Tür, aber erstmal: Freude!" Eine Rückkehr in die Ukraine als Theologin ist unter den derzeit extrem schwierigen kirchlichen Verhältnissen undenkbar. Helga wird jetzt erst einmal ins Vikariat in der Ev. Kirche in Mitteldeutschland gehen.

In dieser Woche reisen GAW-Stipendiaten in ihre Heimat ab. heute flog Liria nach Kolumbien zurück. Martin fährt am Samstag zurück in die Slowakei.

Zwei neue GAW-Stipendiaten sind inzwischen in Leipzig und nehmen an einem Intensivkurs Deutsch am Herder-Institut teil: Nathali aus der Evangelischen Kirche Spaniens (IEE) und Fabiano von der IECLB aus Brasilien.

So geht die Stipendiatenarbeit weiter. Sie ist ein wichtiger Baustein der Verbundenheit mit unseren Partnerkirchen weltweit.