Freitag, 22. September 2017

Ein Brief aus Venezuela....

Turén / Estado Portuguesa - Die Region galt einmal als
Kornkammer Venezuelas.
JA - es gibt Hoffnung, eine beserer und gerechtere Welt zu bauen!"
VENEZUELA: Was können wir tun? (G. Hands)
"Die Zeit verrinnt in Venezuela und wir sind weit davon entfernt, dass sich irgendetwas verbessert. Im Gegenteil – die Situation im Land verschlimmert sich. 

Ich konnte heute lange Schlangen vor den Tankstellen sehen, wo Menschen versuchen Benzin zu bekommen, obwohl wir das Land mit den reichsten Erdölvorkommen sind.

Ich konnte wiederholt erfahren, wie Menschen auf einen öffentlichen Transport warten, der nicht kommt. Es fehlt an Bussen. Das wird sich verschlimmern, weil es für die Busse keine Ersatzteile mehr gibt.

Ich konnte lange Schlangen vor den Banken und Bankautomaten sehen. Die Menschen wollen Geld abheben, aber es wird immer weniger wert. Und über das Internet kann man kaum noch Überweisungen tätigen, weil es oft genug ausfällt.

Ich konnte lange Schlangen vor den Supermärkten sehen, wo es kaum noch Lebensmittel zu kaufen gibt. Die Regale sind weitgehend leer. Ebenso ist es in den Apotheken. Es gibt kaum noch Medikamente.

Es sterben viele Patienten in den Krankenhäusern, weil sie nicht versorgt werden können. Die Kinder sind mal wieder am Schlimmsten betroffen, ebenso alte Menschen. 

Es steigt die Anzahl derer, die sich nicht mehr ausreichend ernähren können. Wenige Menschen haben drei Mahlzeiten am Tag. Andere wenige haben vielleicht noch zwei Mahlzeiten. 80% der Bevölkerung schafft es gerade noch eine Mahlzeit am Tag zu haben. Die Zahl derer ist enorm gestiegen, die Essen im Abfall suchen. Ich gestehe: Es bricht mir das Herz zu sehen, wie es unseren Menschen ergeht.

Auf der anderen Seite sehe ich, wie Politiker des Landes sich mehr um die Außenpolitik sorgen, weil sie davon ausgehen, dass die schlimme Situation Venezuelas von anderen Staaten abhängig ist. Dabei müssen die Veränderungen im Land direkt erfolgen. Wir sind in Venezuela verantwortlich! Wir brauchen eine funktionierende Wirtschaft, die der Gesellschaft dient, gerechte Gesetze, Respekt vor den demokratischen Instanzen, Achtung der Verfassung. 

Auf Seiten der Regierung gibt es das fast krankhafte Schüren der Angst vor einer ausländischen militärischen Intervention. Das hilft überhaupt in nicht, die realen Problem des Landes zu lösen. Wie kann man aus dieser tödlichen Falle herauskommen, in der sich das Land befindet? Wie kann man etwas verändern, wenn kein Wille dazu da ist, sondern es um Machterhalt geht? Ich habe keine Antwort.

Ich denke, dass gegenüber diesem Widerstand für notwendige Veränderungen die Gefahr besteht, dass es im Land nur noch gewalttätiger wird und die Demokratie dabei unter die Räder kommt. Das wird schwerwiegende Konsequenzen haben.

Derzeit geht es darum, in unserem Umfeld das Beste zu unternehmen, um Gemeinschaften zu stärken, die Familien zu unterstützen, um auf diese Weise einen positiven Einfluss auszuüben. Als Kirche sind wir gerufen vom Glauben her Hoffnung vorzuleben, Solidarität zu stärken – auch wenn unsere Einflussmöglichkeiten gering sind. Das kann aber nicht von außen geschehen. Es muss von uns aus gelebt werden – ohne jede Form der Ideologie! Unser Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern mit unseren Werten des Friedens und der Gerechtigkeit. Gott helfe uns dabei!

Kirchenpräsident Gerardo Hands, Valencia/ Venezuela"


li. Gerardo Hands mit den Kindern und Jugendlichen
von "Casa Hogar" und dem Heimleiter (re)
JA - wir können was tun:

Die lutherische Gemeinde in Valencia ist Trägerin des Kinderheimes "Casa Hogar". Es bietet Jungen, deren Familien nicht für sie sorgen können, ein liebevolles Zuhause. Die wirtschaftlich und politisch schwierige Lage stellt die evangelische Gemeinde in Valencia, vor große Probleme. Im Moment kann das Kindeheim nur mit internationaler Unterstützung aufrecht erhalten werden. Auch das GAW hilft regelmäßig. Im kommenden Jahr 2018 wollen wir unsere GAW-Konfirmandengabe für das Kinderheim "Casa Hogar" sammeln. Informationen und Material zum Download und zum Bestellen finden Sie hier: http://www.gustav-adolf-werk.de/konfigabe_material.html

Ein Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender, die das Kinderheim in den zurückliegenden Monaten bereits unterstützt haben! Hilfe ist auch weiterhin nötig. 

Ihr Konto zum Helfen:
Gustav-Adolf-Werk e.V.
KD-Bank - LKG Sachsen
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC GENO DE D1 DKD
Kennwort: Casa Hogar - Venezuela

Mittwoch, 20. September 2017

20. September ist Weltkindertag

Kinder des Romacamps mit ihrem griechischen Pfarrer
Heute am 20. September ist Weltkindertag. Er steht unter dem Leitwort: "Kindern eine Stimme geben"
Das 20. Jahrhundert sollte ein "Jahrhundert des Kindes" werden. So wünschten es sich die europäischen Reformpädagogen vor 100 Jahren. Doch es wurde ein "Jahrhundert der Widersprüche". Noch immer sterben viel zu viele Kinder vor dem fünften Lebensjahr. Die Gesundheits – und Ernährungsversorgung ist in Entwicklungsländern problematisch. Entscheidend ist ein Bildungszugang für Kinder, um Perspektiven zu haben. Kinder brauchen eine Stimme!
Dafür setzen sich auch viele GAW-Partnerkirchen ein mit ihren Kindergärten, Sozial- und Begegnungszentren und evangelischen Schulen.
So z.B. die griechisch-evangelische Kirchengemeinde in Thessaloniki. Sie hat in einem Romacamp auf einer Müllhalde in Nähe des Flughafens neben einer kleinen Kirche auch eine Schule errichtet. Dort erhalten Kinder Hausaufgabenhilfe und Griechischunterricht. Auch Erwachsene können da Lesen und Schreiben lernen. Eigentlich traut sich sonst niemand in diese Siedlung, in der ca. 500 Bewohner unter absolut prekären Umständen leben. Für die Kinder gibt es oft kein Entkommen aus diesem Teufelskreis von Armut und mangelnden Bildungsmöglichkeiten. Die nächste Schule ist weit weg und der Schulbus kommt im Winter, wenn die Wege schlammig sind, nicht bis zur Siedlung. Deshalb ist die errichtete Schule in dem Camp ein Hoffnungszeichen, das den Kindern eine Stimme gibt!


Helfen Sie mit, dass die Kinder mit ihrer Stimme gestärkt werden.

Ihr Konto zum Helfen:
Gustav-Adolf-Werk e.V.
KD-Bank - LKG Sachsen
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC GENO DE D1 DKD
Kennwort: Griechenland - Arbeit mit Roma

Montag, 18. September 2017

Lutherische Kirche in Astana eingeweiht

Die evangelisch-lutherische Erlöserkirche in Astana, Kasachstan, ist am vergangenen Wochenende eingeweiht worden. 

Bischof Juri Nowgorodow (3.v. re.) und dessen Stellvertreter Pastor Zhanibek Batenow (li. neben dem Bischof) hatten zur Kirchenweihe eingeladen und leiteten den Gottesdienst.
Bischof Nowgorodow machte deutlich, dass der Kirchenbau ein Symbol erfüllter Hoffnung und eines Neuanfangs im Leben der multinationalen evangelisch-lutherischen Kirche Kasachstans darstellt.
Der Neubau war notwendig geworden, weil das alte Bethaus in einem Gebiet der Stadt lag, in dem  Hochhäuser entstehen sollen. Das GAW hat sich am Kauf des Grundstücks und am Bau der Kirche beteiligt.

Neben Bischof Juri Nowgorodow, dem Bischof der lutherischen Kirche in Kasachstan, waren Erzbischof Dietrich Brauer aus Moskau (5.v.re.) und der stellvertretende GAW-Vorsitzende Dr. Johann Schneider (Mitte) anwesend.
Propst Johann Schneider traf dort eine Jugendgruppe aus Siebenbürgen, die derzeit evangelische Gemeinden entlang der Seidenstraße besucht. Das GAW hat auch diese Reise mit einem kleinen Beitrag unterstützt.


Freitag, 15. September 2017

Venezuela: Für die Jungen im Casa Hogar beginnt das neue Schuljahr

Am 18. September beginnt für die Jungen im Kinderheim "Casa Hogar" in Valencia (Venezuela) das neue Schuljahr. "In der gegenwärtigen dramatischen Lage in unserem Land eine besondere Herausforderung", schreibt Pfarrer Gerardo Hands, "danke an alle, die unser Kinderheim unterstützen: mit Lebensmitteln, Schuluniformen, Schulmaterial, Stipendien und mit Gebeten!"
Das Kinderheim "Casa Hogar" in Valencia bietet Jungen, deren Familien nicht für sie sorgen können, ein liebevolles Zuhause. Die wirtschaftlich und politisch schwierige Lage, in der Venezuela sich derzeit befindet, stellt die evangelische Gemeinde in Valencia, die das Kinderheim betreibt, vor große Probleme. Im Moment kann das Kindeheim nur mit internationaler Unterstützung aufrecht erhalten werden. Auch das GAW hilft regelmäßig. Im kommenden Jahr 2018 wollen wir unsere GAW-Konfirmandengabe für das Kinderheim "Casa Hogar" sammeln. Informationen und Material zum Download und zum Bestellen finden Sie hier:   http://www.gustav-adolf-werk.de/konfigabe_material.html .

Ein Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender, die das Kinderheim in den zurückliegenden Monaten bereits unterstützt haben! Hilfe ist auch weiterhin nötig.

Ihr Konto zum Helfen:
Gustav-Adolf-Werk e.V.
KD-Bank - LKG Sachsen
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC GENO DE D1 DKD
Kennwort: Casa Hogar - Venezuela




Donnerstag, 14. September 2017

Kuba braucht unsere Hilfe! Die Not ist groß!

Pfarrer Dr. Patrick Schnabel, Kubareferent des Berliner Missionswerkes, schreibt in einem Aufruf um Hilfe für Kuba und unsere gemeinsamen kirchlichen Partner auf der Karibiklinsel folgende Worte: 

"Am vergangenen Wochenende traf Hurrikan „Irma“ mit der Stufe 4 auf Kuba – und hinterließ auf mehr als der halben Insel eine tiefe Schneise der Verwüstung. Seit einigen Jahren bin ich der Insel durch zahlreiche dienstliche Besuche beim kubanischen Kirchenrat verbunden. Inzwischen erreichen mich von dort schreckliche Berichte und Bitten um Unterstützung. Zahlreiche Häuser haben dem Sturm nichts entgegenzusetzen gehabt. Sie fielen zusammen wie Kartenhäuser, Balkone wurden durch die Luft geschleudert, das Meer drang tief in die Städte ein – auch in die Altstadt von Havanna, wunderschönes Unesco-Kulturerbe.
Während des Wochenendes hatte ich den Eindruck, dass Kuba so lange für die Medien interessant war bis der Sturm Florida erreicht hatte – danach gab es nur spärliche Nachrichten von der Insel, aber viele aus den USA. Das finde ich traurig.
Man kann Leid nicht gegeneinander aufrechnen, aber die Menschen auf Kuba haben deutlich schlechtere Ausgangsbedingungen, ihr Leben wieder zu ordnen. Das Durchschnittseinkommen beträgt umgerechnet 20 Euro im Monat. Die Menschen erhalten zusätzlich Lebensmittelkarten für einige Nahrungsmittel. Das eigene Dach über dem Kopf ist daher für die Kubaner die wichtigste Grundsicherung. Viele haben sie nun verloren.
Und die Chancen auf schnellen Wiederaufbau sind gering. Baustoffe sind ohnehin Mangelware. Neue Häuser fehlen seit Jahren – drei bis vier Generationen wohnen zusammen in kleinsten Häusern. Der Staat hat zudem im Moment genug zu tun, die Infrastruktur wiederherzustellen. Noch sind ca. 80% der Haushalte ohne Strom. Zahlreiche Menschen flüchten sich in Schulen, Turnhallen – und Kirchen.
Meine Landeskirche unterhält als einzige EKD-Gliedkirche verschiedene vertragliche Partnerschaften mit ökumenischen Einrichtungen auf Kuba. Als „Kuba-Referent“ kenne ich die Situation daher gut und weiß, dass es jetzt an wirklich allem fehlt.
Die kubanische Wirtschaft gehört zu den schwächsten der Welt. Nach dem Ende des Kalten Krieges verlor es die Unterstützung aus Osteuropa, die ihm über Jahrzehnte geholfen hatte, einen kommunistischen Musterstaat mit vorbildlicher Bildung, hohen Gesundheitsstandards und lebendiger Kulturszene zu schaffen. Durch das US-Embargo kann das Land seit Jahrzehnten fast keinen Außenhandel treiben. Hinzu kommt, dass die sozialistische Planwirtschaft ineffizient ist und wirtschaftliche Reformen nur zögerlich vorankommen. Die Leidtragenden sind die Menschen.
Dennoch beeindrucken mich die Kubaner durch ihre Lebensfreude: sogar jetzt. Sie wollen anpacken und wiederaufbauen. 
Daher meine Bitte: Wer kann, möge sie dabei unterstützen.
Aufgrund der wenigen Nachrichten aus Kuba (ist es nicht einfach Spenden für die Notleidenden dort zu sammeln)...
Wo die Nachrichten in Radio und Fernsehen ausbleiben, müssen wir andere Wege nutzen. Wer Einfluss auf Kollektenentscheidungen von Kirchengemeinden hat oder Freunde, die schon mal auf Kuba Urlaub gemacht haben und das Land mochten: Dieser Aufruf darf gern weitergeleitet werden!"

Das GAW arbeitet mit dem Berliner Missionswerk zusammen und unterstützt die Presbyterianische Kirche auf Kuba. Wir bitten um Hilfe, um die kirchliche Infrastruktur, die Schaden genommen hat auf Kuba, wieder zu sanieren! 

Wir danken herzlich für Ihre Solidarität, für Ihre Spenden und Ihr Gebet!


Spendenkonto: KD-Bank, IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11, Stichwort: Nothilfe

Mittwoch, 13. September 2017

Flüchtlingshilfe in Ungarn

Die Bilder der langen Menschenschlangen, die durch Ungarn zogen, sind noch deutlich vor Augen. Als nach dem Bau eines Stacheldrahtzauns an der Grenze zu Serbien und Kroatien Ende 2015 der Flüchtlingszuzug nach Ungarn praktisch zum Erliegen kam, fanden wenige Geflüchtete Zuflucht in Ungarn. Zudem ist die Stimmung im Land angespannt im Blick auf Geflüchtete, die im Land sind. Menschenrechtsorganisationen haben wiederholt auf schlechte Bedingungen in den Transitzonen an der Grenze hingewiesen, in denen Asylbewerber bis zur Bearbeitung ihres Antrags ausharren müssen. Dennoch gibt es Flüchtlinge im Land. 
Seit 2006 gibt es ein Flüchtlingshilfswerk der Reformierten Kirche in Ungarn, das sich um eine umfassende gesellschaftliche Integration der Flüchtlinge bemüht. Das Flüchtlingswerk bietet Geflüchteten Bildungs- und Wohnungsprogramme, Sprachkurse, humanitäre Hilfe, Beratung, und was ebenso wichtig ist: Gemeinschaft. Infolge ihrer traumatischen Erlebnisse, wegen sprachlicher und kultureller Hindernisse, oder angesichts der Vorurteile müssen die Flüchtlinge in der neuen Heimat viele Schwierigkeiten überwinden.  Obwohl das Flüchtlingshilfswerk der Reformierten Kirche in Ungarn seit 2006 existiert und auf immer breiterer Basis die Integration anerkannter Geflüchteter fördert, ist seine Arbeit im Herbst 2015 kritisch geworden. Dies ist durch die politisch motivierte negative Kampagne über Migration und Flüchtlinge bedingt, welche die Unsicherheit und ohnehin negative Einstellung der Bevölkerung instrumentalisiert und versucht, aus den Geflüchteten eine sicherheitspolitische und gesellschaftliche Gefährdung zu machen. 
Eine der vielen schweren Folgen ist es, dass staatliche Sozialleistungen an Geflüchtete im Jahre 2016 nochmals gekürzt worden sind.  Dies erschwert die Arbeit mit Geflüchteten. Das Flüchtlingswerk wird von kirchlichen Geldern (Diakonie und Hilfswerk) und privaten Sponsoren unterstützt, die Schul- und Wohnungsprogramme sind wesentlich aus EU-Fördergeldern finanziert. Eine besondere finanzielle Last durch die gekürzte Sozialleistungen besteht darin, die Unkosten für den Lebensunterhalt der in Ungarn Angekommenen zu decken. Das wird immer schwieriger und macht dem Flüchtklingswerk Sorgen.
Hier versucht das GAW, gemeinsam mit anderen Partnern Hilfe zu schaffen!

Samstag, 9. September 2017

Wo ist Santiago Maldonado?

Am 4. September fand aus Anlass des Reformationsjubiläums im Teatro Colón in Buenos Aires (Argentinien) ein Konzert statt. Auch der Staatspräsident nahm an dieser Feierlichkeit teil und bat die Teilnehmenden verschiedenen evangelischen Kirchen - darunter auch die Evangelische Kirche am La Plata (IERP) -, ihren wichtigen sozial-diakonischen Einsatz in der argentinische Gesellschaft fortzuführen. Mit seiner Anwesenheit und seinen Worten bemühte er sich, um Vertrauen zu werden und zu zeigen, dass die evangelischen Kirchen in der Gesellschaft wahrgenommen werden.
Nachdem er seine Rede beendet hatt,e rief einer der anwesenden Pastoren laut: "Wo ist Santiago Maldonado?" In diesem Moment applaudierten zahlreiche Teilnehmende. Andere wiederum mahnten zur Ruhe.
Santiago Maldonado ist der erste Verschwundene in Argentinien seit
1983, seit nach der brutalen Zeit der Diktatur die Demokratie wieder eingeführt wurde. Der 28-jährige politisch engagierte Santiago Maldonado war am 1. August verschwunden, nachdem Gendarmerie- und Polizeikräfte in die indigene Gemeinschaft "Pu Lof de Resistencia" eingedrungen waren. Drei Zeugen gaben der Justiz gegenüber an, sie hätten beobachtet, wie Maldonado in Richtung eines nahe gelegenen Flusses geflohen sei und sich dort versteckt hielt. Danach hätten sie aus der Entfernung gesehen, wie eine Person, die Maldonado ähnelte, von Gendarmen verhaftet auf einen LKW verladen wurde. Wenn auch diese Person nicht mit letzter Gewissheit als Maldonado identifiziert werden konnte, so belegen die Zeugenaussagen dessen Präsenz vor Ort zum Zeitpunkt des Angriffs. Da keine weitere Person der Gemeinde vermisst wird, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei der verhafteten Person um Maldonado handelte. 
Der Einsatz hatte offiziell zum Ziel, die Gleise des touristischen Zuges "La Trochita" von Blockaden zu befreien. Dieser Zug fährt durch ein von Mapuche besetzte Landstück, das größtenteils an die Firma Compañía de Tierras Sud Argentino S.A. de Benetton verkauft worden ist. Die Mapuche fordern die Rückgabe und gründen ihre Besitzansprüche auf die von Argentinien unterzeichneten internationalen Abkommen und auf nationale Normen, wie die UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker von 2007 und das neue Zivil- und Handelsgesetzbuch von 2015. Maldonados Verschwinden weckt schlimme Erinnerungen an die argentinische Militärdiktatur (1976-1983). Bis jetzt weist die Regierung die Verantwortung zurück. Es gibt inzwischen viele Demonstratione, die eine Aufklärung des Falles fordern. Menschenrechtsorganisationen und Kirchen wie die IERP prangern auch die zunehmende Gewalt an, die von Polizeikräften ausgeübt wird.
Der Ruf des evangelischen Pastors während des Konzertes reiht sich ein in die Forderung nach Aufklärung und setzt der Regierung Macri zu. Und man spürt bei dieser tragischen Geschichte die langen Schatten der brutalen Gewalt aus der Zeit der Militärdiktatur.

Dienstag, 5. September 2017

Solidarität mit den Christen in Syrien

Pfr. Mofid Karajili in Homs
„Wir sind verletzt, aber nicht zerstört!“, sagt Pfarrer Mofid Karajili aus Homs, wenn er über seine Gemeinden in Syrien spricht. Seine erste Pfarrstelle als junger Pfarrer befand sich in Idlib. Kurz bevor islamistische Rebellen Idlib einnahmen, bekam er einen Ruf, um als Pfarrer nach Homs zu gehen. Als Idlib dann im März 2015 von der islamistischen Rebellenallianz Dschaisch-al-Fatah gestürmt und erobert wurde, flohen die Christen aus der Stadt und der Region. Ob Mofid Karajili noch am Leben wäre, wenn er in Idlib geblieben wäre? Seine Gemeinde in Idlib gibt es nicht mehr. Seine Kirche ist zerstört.
Mofid Karajili erzählt von einem ehemaligen Gemeindemitglied und Freund. Er lebte mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Idlib. Als die Dschaisch-al-Fatah kam, flohen sie in einer Märznacht 2015 aus der Stadt. Die Familie - die Töchter waren damals zehn und sieben Jahre alt - lief um ihr Leben und versteckte sich in einem Wald 15 Kilometer außerhalb der Stadt. Sie überlebten und konnten sich schließlich bis zu den Schwiegereltern durchschlagen, die in einem anderen Teil Syriens leben.
Als die Christen im März 2015 aus Idlib flohen, wurden viele von ihnen auf ihrer Flucht von Islamisten gestoppt. Diese zwangen sie niederzuknien und ihrem christlichen Glauben abzuschwören. Andere Christen überlebten die islamistische Offensive auf Idlib nicht, wie ein Weinhändler, den man zusammen mit seinem Sohn in ihrem Weingeschäft auf bestialische Weise ermordete. Sie hatten ja Alkohol verkauft. 
Die meisten überlebenden jungen Christen aus Idlib sind in den Westen geflüchtet. Nach Europa zum Beispiel. Die Alten leben heute in anderen Teilen Syriens. Niemand von ihnen möchte nach Idlib zurück, auch wenn die Islamisten eines Tages die Stadt verlassen sollten. Zu traumatisch sind die Erinnerungen an die Tage im März 2015.

Das ist eine bedrückende Geschichte aus dem Krieg in Syrien und ein Beispiel, wie dieser Krieg christliche Gemeinden zusetzt und dazu geführt hat, dass von den ehemals ca. 10% Christen an der Bevölkerung Syriens noch ca. 5% übrig geblieben sind. Dabei braucht Syrien das Zeugnis der Christen und Zeichen der Versöhnung. Solche Zeichen sind z.B. die evangelischen Schulen wie in Homs, Aleppo, Qamishly und Hassakeh, die es immer noch gibt und die offen sind für alle, die lernen wollen und eine andere Zukunft für ihr Land ersehnen.
Diese Schulen hilft das GAW zu erhalten. 
Helfen Sie mit!

GAW
KD-Bank
Konto: 44 99 11
BLZ: 350 601 90
IBAN: DE42 3506 0190 0000 449911
BIC: GENODED1DKD

Stichwort: Nothilfe

Mittwoch, 30. August 2017

Talarspenden für die weltweite evangelische Diaspora

Zwei sehr gut erhaltene Talare haben uns  von einem Ruhestandspfarrer erreicht, der sie gerne an junge Pfarrerinnen oder Pfarrer weitergeben möchte. Eine wunderbare Spende, denn die Herstellung eines Talares ist mit Kosten verbunden.
In Brasilien benötigen angehende Theologen spätestens mit Antritt des ersten Gemeindepraktikums einen Talar. Diesen können sie jedoch kaum selber finanzieren, denn die meisten von ihnen kommen aus armen Familien. Für sie ist es schon mühsam, das Studium zu finanzieren, selbst dann, wenn sie mit viel Glück einen Job bekommen haben, der ihnen etwas Geld für das Studium einbringt. Die Kirchenleitung gibt zwar einen Zuschuss zur Anschaffung eines Talares, was jedoch die Kosten nicht abdeckt. Zahlreiche Studierende verschulden sich und müssen mit dem Einstieg in den Pfarrberuf diese Schulden abbezahlen. Hier ist eine Talarspende ein große Entlastung.
Vor Kurzem konnte das GAW fünf Talare nach Argentinien weitergeben für angehende Vikare, die ihren Dienst aufnahmen. Im vergangenen Jahr erhielt die lutherische Kirche in Polen vier Talare für junge Theologen. Und immer mal wieder bekommt ein GAW-Stipendiat, der in Leipzig studierte, einen Talar.
Gerne nimmt das GAW gebrauchte und gut erhaltene Talare entgegen! Die Freude und Dankbarkeit in der Diaspora ist groß und gleichzeitig ein besonders starker Ausdruck der weltweiten evangelischen Verbundenheit!

Talarspenden können geschickt werden an:
GAW der EKD
Pistorisstrasse 6
04229 Leipzig

Montag, 28. August 2017

Flüchtlingszahlen steigen wieder in Griechenland

2.v.li.: Moderator Meletis Melitiadis
im Flüchtlingscamp Volos
"Große Sorgen mache ich mir um die Situation der Flüchtlinge, die Griechenland jetzt wieder erreichen," berichtete heute der Moderator der Griechischen Evangelischen Kirche Meletis Melitiadis. "Es werden mehr! Allein am Montag kamen auf der Insel Chios 397 Flüchtlinge aus der Türkei über das Meer an. Die Zahl der Flüchtlinge auf Chios hat sich auf 2.800 erhöht. Das Flüchtlingscamp hat aber wesentlich geringere Aufnahmekapazitäten." Nach griechischen Medienberichten warteten bis zum 23. August 10.500 Flüchtlinge auf den ägäischen Inseln darauf, dass ihr Asylantrag bearbeitet wird und sie die Inseln verlassen können. Das läuft allerdings scheinbar bewußt sehr schleppend. Die Flüchtlingszahlen sind jetzt weiter angestiegen. Allein auf Lesbos leben derzeit 5.111 Flüchtlinge, die um Asyl nachsuchen. Die Infrastruktur des Flüchtlingscamps ist nur auf 2.300 Menschen ausgelegt. "Man kann sich gut vorstellen, was das für die Menschen bedeutet und welche Probleme das mit sich bringt," berichtet Meletiadis.
Wer in Griechenland Asyl gewährt bekommt, hat nur im Rahmen des EU-Abkommens Chancen, in andere EU-Länder zu gelangen. Da sich viele Staaten der EU weigern, ihren Verpflichtungen nachzukommen, Flüchtlinge aufzunehmen, steht Griechenland vor großen Herausforderungen, Asylsuchenden Schutz zu gewähren. Die Situation in vielen Flüchtlingscamps sind schlimm. Wer Asyl gewährt bekommt, der hat wenige Jahre Zeit sich im Land zu integrieren und sein leben aus eigener Kraft zu gestalten. Wer es nicht schafft, dem droht die Abschiebung. 
Um diesen Menschen, die Asyl gewährt bekommen, kümmert sich ein Projekt der Griechischen Evangelischen Kirche in Katerini. In Sprach- und Integrationskursen sollen die Menschen gefördert und gefordert werden. Das ist die einzige Chance, dass sie dauerhaft in Griechenland eine Zukunft haben. "Nichts ist schlimmer, als keine Perspektive zu haben!" betont Meletis. Und zum Schluss sagt er: "Es ist besorgniserregend, dass aus der Türkei vermehrt wieder Flüchtlinge auf die griechischen Inseln gelangen. Welche Strategie verfolgt die türkische Regierung? Will sie Europa und damit insbesondere Deutschland und Österreich unter Druck setzen oder sich rächen? Und das alles auf Kosten der Schwächsten, die alles verloren haben - aber nicht ihre Menschenwürde?" 
Das GAW unterstützt die Griechische Evangelische Kirche dabei, Flüchtlinge unterzubringen und bei der Integration zu helfen - insbesondere in Serres, Katerini, Mylotopos, Thessaloniki, Volos und Athen. Helfen Sie mit!


Donnerstag, 24. August 2017

Es braucht lebendige Gemeinden, die die GAW-Arbeit tragen

Evangelischer Gottesdienst in Damaskus/Syrien
"Für alle GAW-Arbeit gilt, die Fundamente der Arbeit in den Gemeinden fester zu bauen, denn das Existenzrecht der kirchlichen Werke überhaupt ist darin begründet, dass lebendige Gemeinden ihr Anliegen tragen," stellte vor 50 Jahren Prof. Dr. Franz Lau fest, der nach dem 2. Weltkrieg lange Jahre Präsident des GAW war. Das gilt für das GAW ebenso wie für Missionswerke oder auch Ökumenezentren.
Und man müsste den Satz von Franz Lau weiterführen: Lebendige Gemeinden, die in dem Glauben an Jesus Christus in Freiheit gegründet sind, haben den Blick frei, in die Welt zu schauen. Sie schauen nicht nur auf den eigenen Kirchturm und darauf, das eigene zu bewahren. Ihnen ist es nicht egal, ob es Regionen in der Welt gibt, wo es schwer ist, auf evangelische Weise zu glauben oder wo Christen verfolgt oder bedrängt werden. Sie solidarisieren sich mit den Glaubensgeschwistern und stehen ihnen bei, weil sie mit ihnen im Glauben verbunden sind. Zudem ist diese Solidarität auch ein Akt der Befreiung.
Das ist einer der Gründe für die bleibende Notwendigkeit des GAW, des Diasporwerkes der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Mittwoch, 23. August 2017

Kircheninventar für eine neue Kapelle in Slowenien

Der Altar wird verladen; 2.v.li.:
Aleksander Ernisa
Es begann mit einem Telefonat. Die Ev. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Hagen (Westfalen) bot dem GAW für eine Diasporagemeinde Kircheninventar als Spende an. Eine Kapelle war entwidmet worden. Was machen mit den liturgischen Gegenständen - Altar, Taufbecken etc.? Es hat ein wenig gedauert, bis der evangelische slowenische Militärseelsorger Aleksander Erniša sich an das GAW wandte, ob es eine Chance gäbe, für eine Kapelle in Slowenien liturgische Ausstattung zu bekommen. Schnell wurde der Kontakt hergestellt. Im Juli diesen Jahres konnten Pfarrer Aleksander Ernisa mit seinem Vater, dem ehemaligen Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Slowenien, Pfarrer Geza Erniša die Kapellensausstattung abholen. 

In Slowenien sollen sie in der neu eingerichteten Kapelle in der Kaserne von Murska Sobota im Nordosten des Landes wieder gottesdienstlich genutzt werden.
Hier entsteht die neue Kapelle in Murska Sobota

„Mit einem lachenden und einem weinenden Augen geben wir sie ab“, so formulierte es eine Teilnehmerin, die sich zum Abschied und zur Übergabe in der Paul-Gerhardt-Kirche Hagen eingefunden hatte. Es gab eine kleine Feierstunde zur Übergabe. „Wir geben nicht nur Kircheninventar ab, sondern wir geben auch ein Stück unserer Tradition und unseres Glaubens weiter.“ Man wisse sie aber in guten Händen und freue sich, dass die Tradition fortgeführt werde, dass an ihnen weiter gebeten, gesungen, gelacht, geweint, Hoffnung und Glauben gepflegt werde, kurz: dass sie weiter Leben umgebe und Gottes Wort verkündigt werde. Zu der kleinen Feierstunde waren auch Superintendentin Verena Schmidt vom Evangelischen Kirchenkreis Hagen und Pfarrer Manfred Wuttge als Vertreter des Gustav-Adolf-Werkes gekommen. 

Pfarrer Aleksander Erniša zeigte sich begeistert: „Die Gestaltung der Prinzipalstücke passt genau in unsere geplante Kapelle, denn auch dort werden wir vorwiegend Holz verwenden.“ Auch sein Vater Geza Erniša, bis 2013 Bischof der slowenischen Kirche, zeigte sich überzeugt: „So schöne Stücke verleihen dem Raum eine ganz besondere Würde und helfen uns, die Soldaten zum Gottesdienst einzuladen.“