Dienstag, 28. Februar 2017

Ökumenisches Fürbittgebet aus Belgien

Synodengottesdienst November 2016
In dieser Woche richtet das Ökumenische Fürbittgebet seinen Blick nach Belgien. Hier unterstützt das GAW die Vereinigte Protestantische Kirche (VPKB). 

Im Raum des heutigen Belgien, der im 16. Jahrhundert unter spanisch-habsburgischer Herrschaft stand (Belgien bestand als Staat noch nicht) fiel die Lehre Luthers auf besonders fruchtbaren Boden. Aber die katholische Kirchenleitung und der spanische König waren nicht bereit, auch nur einen Zentimeter zu weichen. Das Ergebnis war ein verheerender Glaubenskrieg, der mit der Ausweisung aller Protestanten aus den „südlichen Niederlanden“ endete. Das ganze 17. und 18. Jahrhundert lang konnten sich die wenigen im Raum des heutigen Belgien übrig gebliebenen Protestanten nur heimlich an mehr oder weniger verbotenen Orten treffen. Erst nachdem Napoleon 1815 in Waterloo besiegt war, konnten sie ihren Glauben wieder ohne Gefahr für Leib und Leben ausüben. Die Religionsfreiheit wurde 1830 sogar in die Verfassung des gerade unabhängig gewordenen Belgien aufgenommen. Langsam aber sicher begannen die Protestanten, sich zu organisieren. Es kam zur Gründung der „Protestantischen Kirche in Belgien“(VPKB), die heute rund 200 lokale Gemeinden umfasst. Die VPKB ist eine Kirche des calvinistischen oder „reformierten” Typus. 

Pfarrerin Yolande C. Bolsenbroek sagt über ihre Kirche: "Gerade heutzutage kommt den Protestanten und der protestantischen Kirche eine wichtige Rolle in der Gesellschaft zu. Denn sie ist eine ‚offene Kirche‘ und stellt keine religiösen Anforderungen an die Leute, die zu ihr kommen. Im Zusammenhang mit den Glaubensbekenntnissen schrieb Calvin, dass man nicht „jenes Beispiel von Tyrannei einführen darf, nämlich dass jeder, der sich nicht die etablierten Formeln zu eigen machen kann, ein Ketzer ist“. Im Mittelpunkt steht die Freiheit des Gläubigen, des einzelnen Menschen.
Für uns ist die Kirche ein Ort der Ruhe, eine Oase, eine Herberge. Sie dient der Gesellschaft, indem sie eine Quelle neuer Kraft ist, ein Ort, an dem wir zusammen nach dem Sinn des Lebens suchen. Eine Kirche, die eine Antwort gibt auf die Bedürfnisse der Gesellschaft. In einer materialistischen, rationalen und individualisierten Welt gibt es mehr als je zuvor ein Bedürfnis nach Spiritualität, Mysterium und Verbundenheit. Die Kirche gibt jeder Frau und jedem Mann, wer sie oder er auch sein mögen, jeder Frau und jedem Mann, die oder der nach dem Sinn des Lebens und des Mysteriums sucht, einen Ort, der eine Beziehung zu Gott ermöglicht – zusammen mit anderen und im Dienst der Welt. Das ist die Diakonie, das ist ihr Engagement in der Welt. Wir kämpfen mutig für eine bessere Welt. Seit jeher hatten die protestantischen Kirchen eine gute, wohlwollende, aber auch kritische Beziehung zur Gesellschaft. Diese Beziehung müssen sie weiterentwickeln, auch, indem sie ein Ort der Begegnung der unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen sind."

Im Ökumenischen Fürbittgebet heißt es:

Lasst uns für den Glauben beten: 
Dass er die Frucht des richtigen Hörens des Wort Gottes sei. 
Dass es zu allen Zeiten Menschen gebe, 
die aufgeschlossen sind und ein offenes Ohr haben, 
die genau deinen Worten zuhören 
und darauf achten, welche Bedürfnisse andere haben. 
Wir beten: Lass uns diese Menschen sein. 

Lasst uns für die Hoffnung beten: 
Dass sie die Frucht eines lebendigen Glaubens sei. 
Dass es zu allen Zeiten Menschen gebe, die zum Licht streben, 
immer guten Mutes und immer voller Hoffnung. 
Wir beten:  Lass uns diese Menschen sein. 

Lasst uns für die Liebe beten: 
Dass sie die Frucht eines lebendigen Glaubens und einer lebendigen Hoffnung sei. 
Dass es zu allen Zeiten Menschen gebe  die nie aufhören, sich Sorgen zu machen 
um den Fortbestand der Erde: 
Die Sorge für die Tiere und die gesamte Umwelt, 
die Hilfe in Freundschaft bietet, 
die die Einsamkeit überwindet, 
die hilft, mit Sorge und Schmerz zurechtzukommen, 
die Sympathie mit Freude zeigt. 

Wir beten zu dir, oh Herr, dass wir uns gegenseitig erkennen in unseren Taten des Glaubens und der Hoffnung, aber besonders durch die Liebe. (Pfr. Pieter Post)

Lieber Gott, 
es gibt so viele Menschen in Not! 
Wie alle Menschen auf dieser Welt 
brauchen Flüchtlinge einen Platz zum Leben, 
ein warmes Bett, Nahrung, Kleidung, eine Waschgelegenheit. 
Lieber Gott, Du weisst, dass wir all diese Dinge brauchen, 
aber noch mehr brauchen wir Menschen, die sich kümmern, 
die mit uns unsere Liebe, Hoffnung und Zukunft teilen. 
Wir brauchen es, gebraucht zu werden. 
Lieber Gott, du weisst, dass wir bedürftig sind. 
Komm und steht uns bei! Amen.  (Von http://www.ccme.be/members-info/)

Samstag, 25. Februar 2017

Glaubensfreiheit ein Menschenrecht - Toleranzkirche in Libis

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verbürgt in ihrem Artikel 18 die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Dieses Recht ist und war keineswegs selbstverständlich. davon können evangelische Glaubensgeschwister wie in Tschechien erzählen. Nach dem Tode von Jan Hus im Jahre 1415 bis zum Jahr 1620 war die Bevölkerung von der Reformatorischen Bewegung geprägt. Weitgehende Landstriche waren evangelisch. Die Niederlage im 30-jährigen Krieg und der Sieg der katholischen Habsburger veränderte alles. Für viele hieß es, die Heimat zu verlassen, zu konvertieren oder als Geheimprotestanten versuchen zu überleben. So war es in Libis in Mittelböhmen. Hier konnte sich der Geheimprotestantismus durch die gesamte Zeit der Gegenreformation halten. Nach dem Erlass der Toleranzpatents durch Kaiser Joseph II im Jahre 1781 wählten sie die lutherische Konfession. Einige Jahre später wechselten sie zur reformierten Kirche. Gegen viele Widerstände der Obrigkeit gelang es der Gemeinde, ihr Toleranzbethaus schließlich zu bauen. Im Jahre 1792 wurde es geweiht.
Heute gehören der evangelischen Gemeinde ca. 200 Gemeindemitglieder an. Zum Gottesdienst kommen zwischen 20 und 30 Personen. Die Region ist sehr stark säkularisiert. Viele Menschen lassen sich kaum für Glaubensfragen gewinnen.
Und dennoch ist es gerade in solchen Gesellschaften notwendig, dass auch kleine Kirche das Recht auf Religionsausübung leben. Zudem gibt es kaum andere  gesellschaftlichen Gruppe, die nach Umfang und Qualität sich so stark für andere Menschen engagiere. Wer könnte das übernehmen, wenn nicht Kirchen. Vom Glauben her tun sie viel dazu bei, Gesellschaften zu humanisieren.

Freitag, 24. Februar 2017

Eine Kirche in der Prager Südvorstadt


 Im Jahre 2003 wurde der Grundstein gelegt für eine neue Kirche in der Prager Südvorstadt. Das GAW hat in den Jahren 2004 und 2005 insgesamt 50.000 Euro für dieses Gemeindezentrum gesammelt. Nur mit Hilfe vieler weiterer Spender konnte der Bau realisiert werden. Der Bau war dringend notwendig geworden. Vor mehr als sechzig Jahren entstand in Prag Spořilov eine Gemeinde der EKBB. Die Gemeindemitglieder errichteten damals unter sehr ungünstigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen ein Bethaus, das nicht mehr saniert werden konnte. Seit dieser Zeit weitete sich zudem der Einzugsbereich der Gemeinde durch den Bau der Prager Südstadt aus, wo mittlerweile die Hälfte der Gemeindemitglieder leben. In der Südstadt leben heute etwa 90 000 Menschen. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung lebt in kleinen Wohnungen in vielgeschossigen Plattenbauten. Mit den Bau der Siedlungen löste der Staat die akute Notsituation vieler Familien, die keine Wohnungen hatten. So entstand ein ausgedehnter Stadtteil, der aber für viele kein richtiges Zuhause wurde, sondern nur eine Unterkunft für die Woche von Montag bis Freitag. Zahlreiche Familien fahren an den freien Tagen ins Grüne. Das Leben ist sehr anonym.

Der Gemeindevorstand trug sich bereits Ende der siebziger Jahre ernsthaft mit dem Gedanken, neu zu bauen. Das gelang jedoch nicht. Schließlich konnte mit Hilfe der Partner der EKBB ein Projekt entwickeln, das der Gemeinde mit einem neuen Zentrum eine neue Perspektive bietet. 2006 wurde das neue Zentrum eingeweiht. Ein freundlicher und einladender Kirchbau ist entstanden. Das braucht es in einer nicht immer freundlichen Umgebung. Auch gegenüber der Kirche und ihrem sozialen Engagement gab es in der Vergangenheit immer wieder Vorbehalte. Der Pfarrer und seine 200 Gemeindemitglieder lassen nicht locker, um Menschen auf unterschiedliche Weise und manchmal pragmatischen Angeboten zu interessieren. Anders wird es nicht gehen. 



Vom Glauben her unsere Gesellschaften humanisieren!


Pfarrer Mikuláš Vymětal ist seit über zwei Jahren gesamtkirchlicher Pfarrer für humanitäre Aktivitäten, Minderheiten und sozial Ausgegrenzte in der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder. Eindrücklich berichtet er von zahlreichen Aktivitäten und Herausforderungen in einer Gesellschaft, die es Minderheiten oft nicht leicht macht. Es gibt in bestimmten Gesellschaftsschichten starke homo- und xenophobe Tendenzen.
Als er noch Jugendpfarrer war, organisierte er mit Gleichgesinnten einen Gottesdienst, der als Blockade gegen die Extremisten aus der Partei „Sociální spravedlnost“ gedacht war. Damals – im Jahr 2011 - gab es heftige Auseinandersetzungen und Angriffe gegen Roma. Die Polizei ging sehr brutal vor. „In dieser Zeit sind in Nordböhmen die Märsche gegen die Roma ausgebrochen und von da an habe ich angefangen, mit den Aktivisten, die schon länger auf der Seite der Roma standen, zusammenzuarbeiten. Wir mussten dem Hass etwas entgegensetzen“, berichtet Pfarrer Vymětal.
Er berichtet weiter, dass ab 2013 sich der schwer fassbare Hass der Gesellschaft gegen die Muslime und danach gegen Flüchtlinge im Allgemeinen gewendet hat. „In Zusammenarbeit mit Roma-Freunden, aber auch Menschen aus der Kirche fingen wir dann an, in verschiedenen Städten Versammlungen für ein friedliches Miteinander zu veranstalten. Viele Muslime haben sich schnell angeschlossen. Diese Versammlungen ermöglichten es ihnen, öffentlich zur eigenen Verteidigung aufzutreten.“
In Tschechien gibt es wenige Flüchtlinge. Sie sind in Sammelunterkünften untergebracht. Andere versuchen sich unauffällig zu integrieren. Ein Teil der Gesellschaft, unterstützt durch manche Politiker, zeigt sich sehr aggressiv in Bezug auf Flüchtlinge. „Ich denke, dass sich Christen darauf konzentrieren sollten, den paar tausend Flüchtlinge zu helfen, die wir versprochen haben aufzunehmen. Zugleich sollten sie sich bemühen, in der Gesellschaft eine freundliche Atmosphäre schaffen, damit das Leben hier überhaupt möglich ist,“ betont er.
Engagiert erzählt Pfarrer Vymětal von seiner Arbeit, seinen Erfahrungen und davon, als evangelische Kirche auf Seiten der Schwachen, der Minderheiten und der Ausgegrenzten zu stehen. Nur so kann gegen Verrohung der Gesellschaft angegangen werden. „Mit unserem Glauben müssen wir zur Humanisierung der Gesellschaft beitragen.“

Donnerstag, 23. Februar 2017

Säkularisierung in Tschechien und die Kirchen

Prof. Jan Roskovec (li) und Peter Stephens
"In kaum einem Land ist in Europa ist die Säkularisierung so weit fortgeschritten wie in der Tschechischen Republik," erläutert Prof. Jan Roskovec, von der Theologischen Fakultät an der Prager Karls-Universität. "Wie in einem Laboratorium lässt sich bei uns beobachten, was es heißt, wenn die Religion aus dem öffentlichen Raum verschwindet und immer weniger Menschen sich zu einem Glauben bekennen. Das spürt man auch in der gesellschaftlichen Entwicklung. Christliche Werte werden kaum mit Leben gefüllt. Ein Beispiel ist die Haltung zu Fremden und Flüchtlingen. Obwohl es in Tschechien kaum Flüchtlinge gibt ist eine Mehrheit der Bevölkerung gegen Fremde eingestellt."
Im Gespräch mit den Studierenden aus Deutschland
Prof Roskovec sieht die Wurzeln der Säkularisierung in Tschechien tief verwurzelt in der Geschichte. Der Bedeutungsverlust der christlichen Religion lasse sich nicht alleine mit der kommunistischen Kirchenverfolgung erklären. Die Wurzeln der Säkularisierung reichen tiefer. Bereits die frühe tschechische Nationalbewegung definierte die nationale Identität in bewusster Abgrenzung zur römisch-katholischen Kirche, die sie im Wesentlichen als Instrument zur Germanisierung der österreichischen Monarchie verstand. Und obwohl in der Reformationszeit weite teile Böhmens und Mährens evangelisch waren, wurde im 30-jährigen Krieg diese Entwicklung zurückgedrängt. Die katholische Gegenreformation stellte die Evangelischen vor die Wahl entweder zu emigrieren oder die katholische Religion anzunehmen. Für die Mehrheit der Bevölkerung wurde der evangelische Glaube entweder im Geheimen weitergelebt oder man emigrierte innerlich. Der Glaube entfremdete sich von der kirchlichen Institution. Über zwei Jahrhunderte war das so und hat die Mentalität geprägt. "Glaube wurde ins Innere des Menschen verlegt. Was ein Mensch glaubt ist folglich Privatsache," so Prof. Roskovec.
In solch einem Kontext Menschen für Glauben UND Kirche zu interessieren und sie zu binden ist sehr schwer. Auch an der Fakultät analysiert man die Entwicklung gut, aber missionarische Konzepte in einem solchen Umfeld zu entwickeln sind eine große Herausforderung.
Derzeit sind 19 Theologiestudenten aus Deutschland zu Besuch bei der Ev. Kirche der Böhmischen Brüder. Besuche bei der Fakultät, der Kirchenleitung und vom GAW geförderten Projekte stehen auf dem Programm.

Dienstag, 21. Februar 2017

Kircheninnenausstattung für Garliava in Litauen


Kircheninnenausstattung aus Trier
Entladung in Garliava
Im Oktober 2016 erreichte uns im GAW folgende Nachricht: "Unsere evangelische Kirchen Gemeinde in Trier hat nach der Entwidmung der Kirche folgende Kircheneinrichtung abzugeben: Altar, Taufstein, Kanzelstein, Orgel und Bänke. Alle Gegenstände liegen in Niedersachsen transportfähig eingelagert." Das GAW konnte diese Kircheninnensausstattung weitervermitteln und hat dabei die Transportkosten übernommen. Der Diakoniepfarrer der litauischen lutherischen Kirche Mindaugas Kairys, ehemaliger Stipendiat des GAW, war begeistert von der Idee, sie für seinen Kirchraum in Garliava in Litauen zu bekommen. Er hat zügig mit der Gemeinde in Trier Kontakt aufgenommen und den Transport organisiert. Nun hat er in dieser Woche freudestrahlend von der Ankunft der Kircheninnenausstattung in Litauen berichtet und erste Fotos zugesandt.

Im Hintergrund das Diakoniezentrum
Die Kleinstadt Garliava (deutsch: Godlau) liegt nur wenige Kilometer südlich von Litauens zweitgrößter Stadt Kaunas. 2015 begann hier der Bau eines Diakoniezentrums mit einer Kapelle für Gemeindegottesdienste. „Den Ort haben wir wegen der sehr komplexen sozialen Situation in der Region Kaunas gewählt“, sagt Kairys. „In einem Teil des Hauses werden Suchtkranke während der Endphase ihrer Rehabilitation und der Wiedereingliederung wohnen. Der andere Teil ist für die Arbeit mit Kindern aus Risikofamilien vorgesehen mit Platz zum Schulaufgaben machen und zum Spielen.“ Die Küche des Diakoniezentrums soll sowohl der Gemeinde als auch den verschiedenen Gruppen dienen, die in dem Gebäude betreut werden. Das GAW will das Diakoniezentrums im Projektkatalog 2017 mit 4.500 Euro unterstützen.

Das alte Kirchgebäude konnte die Gemeinde nicht zurückerhalten. So wurde ein Kirchraum in das Diakoniezentrum integriert.

Freitag, 17. Februar 2017

Ein offenes Pfarrhaus - Ort der Begegnung in Přeštice

Offenes Pfarrhaus - Ort der Begegnung in Přeštice
"Mit Hilfe der Unterstützung des GAW konnten wir das Pfarrhaus der Gemeinde der böhmischen Brüder in Přeštice renovieren. Dafür haben wir die Fassade isoliert und renoviert und die alten Fenster und Türen gegen neue ausgetauscht, die gleichzeitig besser isoliert sind. So sieht das Pfarr- und Gemeindehaus schön einladend nach außen hin aus. Es hilft der Gemeinde sehr auf dem Wege zum „offenem Pfarrhaus“ in einem missionarischem Umfeld!" schreibt Pfarrer Jan Satke. 
Die Stadt Přeštice liegt südlich von Plzeň (deutsch: Pilsen) und hat 6.412 Einwohner. Der erste evangelische Gottesdienst fand hier 1921 statt. 1948 kaufte die Gemeinde die ehemalige Synagoge und das jüdische Gemeindehaus und hatte damit endlich eigene Räume. Im Rahmen des Stadtumbaus wurden die beiden Gebäude jedoch später abgerissen. 1974 kaufte die Gemeinde ein Haus in der Nähe des Bahnhofs und weihte es als neues Pfarrhaus ein. Eine neue Kirche gab es nicht. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Pfarrhaus der Böhmischen Brüder in Přeštice zu einem offenen Haus verwandelt. Trotz ihrer mit 64 Gliedern relativ geringen Größe ist die Gemeinde sehr aktiv. Kinder und Jugendliche haben im Dachgeschoss ihr eigenes Zentrum bekommen. Projekte wie das Mütterzentrum oder das Angebot einer Kinderbetreuung während der Behördengänge bringen kirchenferne Menschen in Kontakt mit der Gemeinde. Auch andere Aktivitäten wie das Adventssingen oder Vorträge und Seminare nehmen Menschen ihre Berührungsängste vor dem Glauben.
„Wir leben in einem Missionsumfeld. Das Einladen der Leute in ein kirchliches Gebäude ist nicht einfach in Tschechien. Mit dem sanierten Pfarr und Gemeindehaus wollen wir nach aussen zeigen, was wir innen glauben, und dass der Glaube schön ist!" betont Pfarrer Satke.
Das GAW hat im Projektkatalog 2014 25.000 Euro für die Sanierung gesammelt.

Donnerstag, 16. Februar 2017

Griechenland: Brief aus Milotopos


Heute erreichte uns ein Brief von Meletis Meletiades, dem Moderator der Griechisch-Evangelischen Kirche. Er schreibt:

"Liebe Freunde, letzte Nacht wurde unser erstes 'Flüchtlingsbaby' im Krankenhaus in Yiannitsa geboren. Die Eltern leben zusammen mit ihrer zwei Jahre alten Tochter in einer unserer Wohnungen für geflüchtete Menschen hier in Milotopos. Die Familie stammt aus Syrien und hat bis letzten November im Flüchtlingscamp in Volos gelebt. Wir danken dem GAW und allen Spenderinnen und Spendern, die es uns ermöglichen, dass wir geflüchtete Menschen aufnehmen können!"
In Griechenland leben zehntausende geflüchtete Menschen unter katastrophalen Bedingungen in Camps oder unter freiem Himmel. Die Griechisch-Evangelische Kirche ist sehr aktiv in der Flüchtlingsarbeit und schafft Wohnraum für geflüchtete Menschen in ihren Gemeinden. Das GAW unterstützt sie dabei. Bei der Renovierung und Einrichtung der Flüchtlingswohnungen in Milotopos haben u.a. Freiwillige aus dem GAW Württemberg in drei Workcamps mitgeholfen. Derzeit sammelt das GAW Spenden für die Renovierung und Einrichtung einer Flüchtlingswohnung in der evangelischen Gemeinde in Serres. 18.000 € werden benötigt.

Dienstag, 14. Februar 2017

Glaube, der nicht bis zum Geldbeutel reicht, ist kein christlicher Glaube!

Vor 50 Jahren wurde zum Tode von Prälat Wilfried Lempp aus Heilbronn an folgende Aussage zum GAW zitiert: "Die Diasporaarbeit ist eine so große und gewichtige Aufgabe, dass sie nicht nur auf bürokratischem Weg zu bewältigen ist. Da muss die Freiwilligkeit zur Bruderhilfe in den Gemeinden geweckt werden. - Ich verdanke es dem GAW, dass ich nicht der törichten Meinung sein kann, in der Kirche dürfe das Geld keine Rolle spielen. Geld ist verkörperte Liebe. Der Glaube, der nicht bis zum Geldbeutel reicht, ist kein christlicher Glaube. - Nach meiner Erfahrung bedeutet die Mitarbeit im GAW auch eine theologische Entkrampfung, ganz einfach, weil man es da mit der konkreten Wirklichkeit zu tun hat, auf einem Gebiet, wo man es sich nicht leisten kann, mit feiner Studierstubenweisheit durchkommen zu wollen. Auf der anderen Seite aber hat mich die GAW-Arbeit gerade in die Theologie hineingetrieben, und ich habe zu meinem Erstaunen erlebt, wie man in der Bibel fast auf jeder Seite es mit der Diasporasituation der Kirche zu tun hat und wie die biblischen Aussagen auf diesem Hintergrund erst recht plastisch werden." 

(Prälat Wilfried Lempp, in: Gustav-Adolf-Blatt, 13. Jg, April 1967, Heft 2)

Montag, 13. Februar 2017

Diaspora und Moderne

Reformierte Kirche in Káposztásmegyer-Budapest
Der Religionssoziologe Gert Pickel schreibt in einem Beitrag für das im März erscheinende Jahrbuch des GAW "Die evangelische Diaspora": "Die westliche Welt und speziell Europa wird immer säkularer, die Welt aber wird religiöser." Die Säkularisierung, d.h. der Abbruch des Religiösen und der Mitgliedschaft in Kirchen und religiösen Gemeinschaften hat dabei vielfältige Gründe. Einer der Gründe liegt in der Geschichte des christlichen Glaubens im 19. und dann besonders im 20. Jahrhundert - einem "Jahrhundert der Extreme". "In kommunistischen Ländern wurde die Verfolgung des Christentums mit der Moderne identifiziert. Die hier wiedererstarkten Christentümer distanzieren sich daher rigide von der Kultur der Moderne. Das Phänomen ist heute weltweit zu beobachten. Das Christentum wächst entweder als Traditionalismus in Osteuropa oder als Fundamentalismus in anderen Erdteilen. Das ist eine Radikalisierung und auch Vereinseitigung der im 19. Jahrhundert bestehenden Optionen für einen Umgang des Christentums mit der Moderne. Die Radikalisierung gilt auch für die andere Seite,... für die säkulare Option. Denn nicht nur der kommunistische Atheismus, sondern auch Mentalitätsverschiebungen im Westen haben einen gewaltigen Säkularisierungsschub eingeleitet." Es ginge dabei nicht nur um eine Entchristianisierung, sondern um eine Aufkündigung aller Transzendenzbezüge, schreibt Jörg Lauster in seinem Buch "Die Verzauberung der Welt". In einem solchen Kontext auf die Bedeutung des Glaubens für eine Gesellschaft hinzuweisen und dafür einzustehen, ist eine große Herausforderung. In all diesen Prozessen befinden sich auch kleine evangelische Diasporakirchen. 

Freitag, 10. Februar 2017

Lutherisch in Russland heute


Im Reformationsjubiläumsjahr werden Aktivitäten der Lutherischen Kirche im Europäischen Russland (ELKER) mit 2 Millionen Rubel vom Staat durch das Präsidialamt unterstützt. Diese Unterstützung ist ein Zeichen der Anerkennung der Präsenz der lutherischen Kirche in Russland und ihres Einsatzes in der Vergangenheit und Gegenwart. In diesem Jahr wird es Veranstaltungen in Moskau als auch in den Regionen Russlands geben. Das erste wichtige Ereignis in diesem Jahr war die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. Für eine Diasporakirche wie der ELKER ist die Unterstützung nicht hoch genug zu schätzen.

Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor Probleme, die das Leben der Kirche erschweren. Im Sommer 2016 wurde ein Religionsgesetz verabschiedet, dass zum Ziel hatte, Gewalt, die von religiösen Fundamentalisten ausgehen, einzudämmen. Allerdings werden kleine Diasporakirchen von dem generalisierten Gesetz stark betroffen, denn ihnen wird verboten, sich in Büros, Geschäftsräumen oder Wohnungen zu Gottesdiensten zu treffen. Ebenso sind jede Arten von Missionierungsversuchen unterbunden. Sobald eine Diasporakirche im Besitz eines eigenen Kirchengebäudes eines eigenen von außen sichtbaren Kirchengebäudes ist, dann gelten die Beschränkungen nicht mehr. Erschwert wird insofern für Gemeinden der ELKER der Gemeindeaufbau, wenn historische Kirchengebäude nicht zurückgegeben wurden. Dieses Gesetz kollidiert insofern auch mit einem älteren Gesetz, das historischen Kirchen zugestand, entweder ihren Kirchen zurückzuerhalten oder einen Ausgleich zu bekommen durch ein alternatives Gebäude. Die Gesetze scheinen sich gegenseitig zu behindern und obendrein sind sie abhängig von den jeweiligen Behörden in den Regionen. Zudem ist der Einfluss der Zentralregierung von Region zu Region unterschiedlich, je nachdem welche politische Partei das Sagen hat. Es ist teilweise nicht durchschaubar, nach welchen regeln Entscheidungen getroffen werden. Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn Verwaltungen und Bürgermeister wechseln. Oft genug beginnen dann für Diasporakirchen die Verhandlungen völlig neu. Auf was kann man sich verlassen? Ein weiteres Gesetz aus der ersten Hälfte des Jahres 2016 erschwert die Arbeit einer kleinen Kirche - das "Gesetz gegen die Verletzung der Gefühle der Gläubigen", um den Missbrauch von Kirche und deren Verletzung zu unterbinden. Aber auch hier zeigt sich, dass die Frage der Auslegung des Gesetzes dehnbar ist und eine Frage der Umsetzung durch die jeweilige Verwaltungsbehörde. 
Deutlich ist es, dass eine historische Kirche wie die ELKER in den verschiedensten Regionen nur eine Zukunft hat, wenn sie ein sichtbares Kirchengebäude und einen gut ausgebildeten Pastor oder Pastorin hat. Ohne das geht es nicht, in Russland Kirche zu sein. Kirche muss sichtbar sein. menschen müssen wissen, wo sie hingehen können. Es zeigt sich, dass dort Gemeinden zusammenschrumpfen, wo das nicht gegeben ist. 
Ein Hoffnungszeichen ist es, dass in Moskau es in der Fort- und Ausbildung von Theologen zu einer Kooperation mit dem katholischen St- Thomas-Institut gekommen ist. Prädikaten und Prediger werden hier ausgebildet und lernen hier ebenso lutherische Theologie. Die beiden Diasporakirchen - lutherisch und katholisch - arbeiten eng zusammen, um ihre Gemeinden versorgen zu können. Beide profitieren von dieser Kooperation. Dieses könnte ein gutes Modell für die weitere Ausbildung von Theologen in Russland sein. Für die Zentrale Propstei funktioniert es derzeit gut und ist ein Hoffnungszeichen.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Ein Film aus Aleppo

Vor den Ruinen der arabisch-evangelischen Kirche in Aleppo liegen Raekten, die nicht explodiert sind. Im November 2012 wurde letztlich die Kirche so schwer getroffen, dass sie zerstört wurde.
Dank der Hilfe vieler war es möglich, die evangelische Kirche an einem sichereren Standort im Westen Aleppos aufzubauen. Das GAW hat dabei auch geholfen.

In einem bewegenden Film vor den Ruinen seiner ehemaligen Kirche berichtet Pfarrer Ibrahim Nseir von der Situation seiner Kirche und seiner Gemeinde: