Dienstag, 17. Januar 2017

Griechenland: Brief aus Volos

Die evangelischen Gemeinden in Griechenland engagieren
sich nach wie vor in der Flüchtlingsarbeit.
In Griechenland leben tausende Flüchtlinge bei eisigen Temperaturen und Schnee in Zelten. Meletis Meletiades, Pfarrer in Volos und Moderator der Griechisch-Evangelischen Kirche, schreibt an das GAW: "Die letzten beiden Wochen waren sehr kalt in Griechenland und wir hatten viel Schnee. Leider versorgt der griechische Staat die Flüchtlinge nicht sehr gut. Sie kennen die Bilder aus den Medien und dem ist nichts hinzuzufügen. Die Bilder sind nicht übertrieben. Sie spiegeln die Realität wieder. [...] Unsere Kirchgemeinden sind weiterhin nach Kräften in der Arbeit mit Flüchtlingen engagiert. Hier in Volos beherbergen wir zwei Flüchtlingsfamilien und helfen regelmäßig im Flüchtlingscamp. Vor Weihnachten haben wir die Flüchtlinge aus dem Camp zu einem Weihnachtsessen eingeladen. Sie alle sind gekommen. Es war ein sehr schönes Fest und wir hatten sogar einen Weihnachtsmann, der Geschenke für die Kinder gebracht hat. Letztes Wochenende luden die Flüchtlinge mich und meine Frau für abends um 19 Uhr ins Camp ein. Wir wunderten uns, was wir so spät dort sollten. Als wir ankamen, warteten schon alle auf uns. Sie hatten Getränke vorbereitet und übergaben uns einen riesengroßen Blumenstrauß, um der Gemeinde für alles, was sie für die Flüchtlinge tut zu danken. Es war sehr bewegend. Aber auch die anderen Gemeinden sind sehr engagiert. Die Gemeinde in Milotopos beherbergt 14 Flüchtlinge und baut gerade noch zwei Wohnungen für weitere Flüchtlinge aus. In Katerini hat die Gemeinde eine NGO gegründet und arbeitet zusammen mit der UN. Sie kümmern sich um 535 Flüchtlinge. Die Gemeinde in Serres baut ebenfalls gerade eine Wohnung für Flüchtlinge aus. Im Moment installieren sie die Duschen. Und auch die Athener Gemeinde hilft Menschen, die auf der Flucht in der Hauptstadt gestrandet sind."

Das GAW unterstützt die evangelische Gemeinde in Serres beim Ausbau einer Wohnung für Flüchtlinge. Helfen Sie mit Ihrer Spende!

Spendenkonto:
KD-Bank - LKG Sachsen
IBAN DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC GENO DE D1 DKD
Kennwort: Flüchtlingswohnung Serres

 
 
 

Montag, 16. Januar 2017

Europa braucht die friedensstiftende Kraft der Kirchen

Pfarrerin Agnes von Kirchbach auf der Tagung der
Norddeutschen Hauptgruppen in Bad Bentheim (Jan 2017)
"Unsere französische Gesellschaft ist tief verunsichert und auch verängstigt", beschreibt die Pariser Pfarrerin Agnes von Kirchbach die Situation in ihrem Land. Die verschiedenen Anschläge der letzten Jahre hätten das zudem verstärkt. Obendrein gibt es in Frankreich eine tief verwurzelte Skepsis allem Religiösen gegenüber.
Agnes von Kirchbach begründet das mit den Ereignissen um die "Französische Revolution" von 1789 bis 1799 herum. Sie gehört nicht nur zu den folgenreichsten Ereignissen der neuzeitlichen europäischen Geschichte. Sie habe auch grundsätzlich das Verhältnis der Franzosen zum Religiösen verändert. In dem zentralistischen Staat hatte die katholische Kirche bis dahin eine herausragende Stellung. Machtpositionen und Schlüsselstellungen wurden von Kirchenvertretern mitbestimmt. Die Macht der katholischen Kardinäle war enorm. Die Revolution änderte das. "Es war wie ein Explosion!", beschreibt von Kirchbach die Ereignisse damals.
10-20 Jahre nach der Revolution änderte sich das wieder. Stück für Stück holte sich die Kirche ihren Einfluss zurück. Allerdings konnte das kirchenkritische Potenzial auf Dauer nicht zurückgehalten werden. 1905 brach in einer zweiten "Explosion" der Widerstand gegen den zu starken Einfluss der katholischen Kirche hervor. Auch unter aktiver Mitarbeit von Protestanten, die von katholischer Seite bekämpft worden waren, wurde ein neues Religionsgesetz verabschiedet, das die Laizität des Staates festschrieb und alles Religiöse in den privaten Bereich verbannte.
Pfarrerin von Kirchbach sieht in diesen beiden Ereignissen die tiefverwurzelte Skepsis allem Religiösem gegenüber, das in der derzeitigen weltpolitischen Lage und den islamistischen Anschlägen in Frankreich und im übrigen Europa zur einer Angst vor der Religion führt. Davon seien auch Minderheitskirchen wie die Vereinigte Protestantische Kirche betroffen. Ein positives Verhältnis zwischen Staat und Kirche / Staat und Religion kann man in einem solchen Kontext schwer aufbauen. 
Dabei sei der positive und friedens- und versöhnungsstifentende Beitrag der Kirche in der derzeitigen Lage in Frankreich und Europa so wichtig.

Freitag, 13. Januar 2017

Aleppo: Wir brauchen weiterhin eure Hilfe und Fürbitte


Einen neuen Generator konnte die armenisch-evangelisch Gemeinde in Aleppo mit Hilfe des GAW kaufen. "Wir sind sehr dankbar, dass wir einen neuen Generator anschaffen konnten. Elektrizität ist wichtig für uns, damit unsere Gemeinde, unsere Schule und unsere Hilfsangebote für die Menschen hier funktionieren", schreibt Haroutune Selimian, Pfarrer der armenisch-evangelischen Kirche in Aleppo. Dank des neuen Generators können u.a. die Schule der Gemeinde und die Kirche während des Winters zuverlässig geheizt werden."Endlich sind die Kämpfe um Aleppo zur Ruhe gekommen", schreibt Selimian, "dass sie wirklich ganz vorbei sind, das sehe ich noch nicht."
Pfarrer Ibrahim Nassir von der arabisch-evangelischen Gemeinde bestätigt: "Die Rebellen haben sich zwar aus der Stadt zurückgezogen. Aber es stehen Rebelleneinheiten an der westlichen Stadtgrenze. Unsere Wohnviertel werden von dort aus noch immer regelmäßig mit Raketen beschossen." Sorgen treiben Ibrahim Nassir auch hinsichtlich des Wiederaufbaus der Stadt um. Mehr als die Hälfte der Stadt, schätzt er, liegen in Trümmern. "Wir beteiligen uns an der Verteilung von Lebensmitteln an die Menschen, die monatelang in Ostaleppo eingeschlossen waren. Wie kann man die Menschen dazu bewegen, hier zu bleiben? Sie brauchen Arbeit, ein Einkommen, damit sie leben können. Wir brauchen auch weiterhin eure Hilfe und Fürbitte", schreibt er.

Mittwoch, 11. Januar 2017

Gibt es einen "Weltverfolgungsindex" für Christen?

Kirchenneubau in Astana / Kasachstan
Am 11. Januar hat das christliche Hilfswerk "Open doors" ihre neueste Erhebung herausgebracht zum Thema "Bedrängte und verfolgte Christen". Demnach hätte sich die Zahl der verfolgten Christen in den vergangenen Jahren verdoppelt. Weltweit mehr als 200 Millionen Christen seien "einem hohen Maß an Verfolgung ausgesetzt", heißt es in dem veröffentlichten "Weltverfolgungsindex 2017". 50 Länder werden aufgelistet, in denen Christen am stärksten verfolgt und benachteiligt werden. Für ihren "Weltverfolgungsindex" hat die Organisation eigene Methoden und Kriterien entwickelt, die in der Vergangenheit von Menschenrechtsorganisationen und anderen immer wieder kritisiert wurden. Erfasst werden mit Hilfe von Fragebögen Einschränkungen für und Gewalt gegen Christen im Privatleben, in Familie und Gesellschaft sowie auf nationaler und politischer Ebene. Die Fragebögen werden nach Angaben von Open Doors sowohl von sogenannten Feldquellen wie Kontaktleuten und Mitarbeitern des Hilfswerks als auch von externen Experten ausgefüllt. 
Schwierig erscheint uns im GAW diese Vorgehensweise. Denn: Niemand kann behaupten, er wisse, wie viele Menschen aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. Dazu müsste  genau definiert werden, was man unter Verfolgung versteht. Die EKD z.B. orientiert sich am Verfolgungsbegriff der Genfer Flüchtlingskonvention: jemand wird verfolgt, wenn Gefahr an Leib und Leben besteht und er aufgrund einer bestimmten Zugehörigkeit, zum Beispiel zu einer Nation oder zu einer sozialen Gruppe, nicht auf den Schutz des Staates zählen kann. Es gibt bei all dem bisher schlicht und einfach keine seriösen und offiziellen Angaben über die Zahl der Menschen, die aufgrund ihres Glaubens oder Unglaubens verfolgt werden.
Schaut man sich die aufgelisteten Länder an, so fragt man sich, wie z.B. Kolumbien und Mexiko auftauchen, zwei Länder die katholisch geprägt sind. Die Gewalt, um die es hier geht, hängt wohl eher mit Drogenkämpfen und Bedrückungen von Menschen zusammen, die unter diesen Kämpfen leiden. In Kasachstan gehört zu einem Beraterteam des Präsidenten in religiösen Fragen auch der lutherischen Bischof des Landes. Wenn es hier um Bedrängung von Christen geht, dann liegt das eher an Religionsgesetzen, die zum Ziel haben, islamistische Gruppen zu bekämpfen. 
Auch in Syrien, das auf Platz 6 gelistet ist, muss differenziert die Situation betrachtet werden. In Regionen, in denen Islamisten das Sagen haben, haben Christen keine Chance ihren Glauben in Freiheit zu leben. Es gibt aber auch Regionen, in denen Christen glauben und leben können, evangelische Schulen offen halten, in dem Kinder und Jugendliche aller Glaubensrichtungen unterrichtet werden.
Positiv ist es, dass es Open Doors gelungen ist, auf die Situation von verfolgten Christen hinzuweisen, die in bestimmten Kontexten unter problematischen Bedingungen  existieren müssen. Zu bezweifeln ist, ob es um eine konkrete Christenverfolgung geht. Oft gehe es darum, dass Christen in ihrer Religionsausübung beschränkt sind oder keine Religionsfreiheit haben. Aber dann geht es immer meist auch gesamtgesellschaftlich um die Verletzung anderer Menschenrechten, um die Verletzung von Bewegungsfreiheit, die freie Meinungsäußerung, um das Recht auf Bildung für Minderheiten.
Wichtig ist ein Thema, das Open Doors anspricht: Konversion. Hier ist es in der Tat so, dass es muslimischen Menschen in ihren Heimtländern quasi unmöglich gemacht wird, ihren Glauben zu wechseln. Das kommt einem sozialen Selbstmord gleich. Verlässliche Zahlen gibt es hierzu jedoch auch nicht. 
Dem GAW ist die protestantische Solidarität ein zentrales Anliegen – gerade bezogen auf evangelische Christen, die bedrängt und verfolgt sind. Kirche braucht dafür das wache Auge füreinander. Wenn evangelische Gemeinden in Not sind, sind wir zur Solidarität aufgerufen. 
Das GAW  hat seit dem Projektkatalog 2010 einen Fonds für „Bedrängte und verfolgte Christen“. Für unser evangelisches, konfessionell gebundenes Werk ist das ein selbstverständlicher Ausdruck der Solidarität. Ob ein Weltverfolgungsindex hilft, differenziert diese Thematik anzusprechen, erscheint dem GAW schwierig.

Montag, 9. Januar 2017

Ökumenisches Fürbittgebet für Syrien, Irak und Iran

Ökumenisches Gebet in der Reformierten Kirche in Aleppo
(am Lesepult Pfarrer Haroutune Selimian)
In dieser Woche richtet das Ökumenische Fürbittgebet, das vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) koordiniert wird den Blick in die Region, in der Gewalt und Krieg die Situation für Christen immer mehr erschwert hat. Unsere Geschwister im Glauben brauchen unsere Solidarität in Gebet und Tat.

In dem Fürbittgebet heißt es:

Wir danken für:
- alle Anstrengungen für den Frieden und das Wohlergehen der Menschen in Syrien und im Irak, durch Kirchen und andere Organisationen, sowie für die Zusammenarbeit zwischen Menschen aus verschiedenen ethnischen und religiösen Hintergründen.
- humanitäre Organisationen, die Syrerinnen und Syrer, Irakerinnen und Iraker, die in ihrem Land oder in Flüchtlingslagern leben, unterstützen und versorgen.
- politische Führungspersönlichkeiten, die danach streben, den Krieg in Syrien und im Irak zu beenden.
- die Ausdauer der gläubigen Christen in der Region, die unter Verfolgungen leiden.
Erweckungen unter Jugendlichen, inmitten von Drohungen und dem Elend des Krieges.
friedliche interreligiöse Beziehungen und die Gottesdienst-Freiheit der Christen im Iran.

Wir bitten um/für:
- unerschütterlichen Glauben für die verfolgten Christen und den Willen der Kirchen aus verschiedenen konfessionellen Hintergründen, zur Umsetzung von Gottes Liebe für alle in der Region zusammenzuarbeiten.
- das Entfachen von Gottes Weisheit und Liebe in den Herzen derer, die Verantwortung tragen für Menschen in Syrien, im Irak und im Iran, damit sie in diesen Ländern nach Frieden und Gerechtigkeit und nach dem Wohlergehen ihrer Völker streben.
- den Willen der verschiedenen Parteien und aller Menschen, einen nachhaltigen Frieden in der Region zu schaffen und für die Hoffnung auf einen neuen Anfang, um eine Gemeinschaft aufzubauen, die sich auf Liebe, gegenseitigen Respekt und Gerechtigkeit stützt.
- die Opfer von Kriegen: mögen die Verwundeten geheilt und die Verschleppten in Sicherheit gebracht und befreit werden, die Vertriebenen einen sicheren Ort zum Leben finden und an diesen neuen Orten herzlich willkommen sein; mögen die trauernden Familien getröstet werden. Möge Gott ihren Glauben stärken, sie schützen und ihnen Freude und Frieden schenken.
- neues Leben und Regenerierung der Umwelt, die während des Kriegs beschädigt und verschmutzt wurde.

Klagegebet

Unser Vater im Himmel, geheiligt sei dein Name -
möge er wieder geheiligt werden.
Wir rufen dich an, in deiner Gegenwart stehend, 
und uns an deine Verheißungen erinnernd -
mit deinen eigenen Worten, Herr und Gott, erklären wir: 
Syrien ist dein Volk, der Irak ist deine Handarbeit.
Doch sind unsere Herzen ohnmächtig geworden.
Wir werden unterdrückt. 
Wir brauchen deine Liebe und deine Vergebung, wir müssen sie sehen.

Wie wir auch deinen Trost jetzt brauchen -
Mehr denn je müssen wir deine Liebe spüren.
Wie lange, oh Herr?
Wie lange wirst du dein Volk noch 
in diesem Zustand der Schwäche lassen, in diesem Abgrund von Boshaftigkeit?
Wie lange wirst du deine Schöpfung noch alleine lassen, 
und die Verdorbenheit des Bösen sich verbreiten lassen?
Wie lange müssen wir noch von unseren Lieben getrennt bleiben? 
Wie lange werden wir noch Fremde sein unter den Lebendigen?
Erbarme dich unser, oh Gott, erbarme dich.
Erbarme dich der Kinder deiner Kinder, 
erbarme dich derer, die deinen heiligen Namen verkünden.

Vergib uns jede Sünde, bringe unser Seufzen zum Schweigen, 
und bringe die Freude deiner Rettung wieder in unseren Mund zurück.
Vergib unsere Mitschuld an allen Unterdrückungen, 
und unsere jahrelange geistliche Hungersnot und ungläubige Angst.
Vergib uns, vergib unseren Vätern und Müttern, 
vergib unseren Freunden und Leitenden, vergib unseren Feinden.
Gieße nun deinen Geist aus, oh Herr – wie im Himmel, 
dein Reich komme.

Gib uns Glauben statt Zögern, entfache unsere Hoffnung, 
und lass die Erde deine neue Herrlichkeit erkennen.
Mache, wofür wir nicht bitten, und was wir uns nicht vorstellen können, 
und bringe unserem Land richtige und dauerhafte Heilung.
Öffne die Augen der Blinden, jetzt, 
und entzünde Reue und Bußfertigkeit in den Herzen der Schuldigen.
Heile den Geist deiner Kirchen, 
und lass deine Gläubigen richtig in Erinnerung bleiben.
Mache den Namen Christi bekannt, 
dass sein Licht den Morgen bringe in unsere Nacht.

Sei für uns derselbe, oh Gott, der du
für die Israeliten im Exodus und in der Wildnis des Sinai warst.
Damit Gärten des Friedens wachsen können, in diesen durch Krieg verwüsteten Landstrichen, 
und dein Name hoch erhoben werde.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, 
beten wir dies –
Ein Gott, sei gelobt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen. (von Naji Umran)

Freitag, 6. Januar 2017

Neugestaltung von Kirche und Kindergarten in Temuco (Chile)

Lutherische Kirche in Temuco 
Die lutherische Gemeinde in Temuco hatte ein Problem: der mit stattlichen Mitteln geförderte kirchliche Kindergarten musste mit der Kirchengemeinde einen gemeinsamen Eingang teilen. Die Bereiche der Nutzung waren dort nicht voneinander getrennt, wie es die staatliche Behörde vorschreibt. Dadurch war die Gemeinde gezwungen, Umbaumaßnahmen durchzuführen. Das ist gelungen - und gleichzeitig wurde einiges unternommen, um die Kirche umzugestalten. So wurde der Altar "ge-ostet", so wie es sich für eine Kirche gehört, die Gemeindebänke in einem Halbkreis darum gruppiert, die Kirche besser isoliert und der Außenbereich verschönert. Die Neugestaltung und ästhetische Verbesserung wirkt gleich anziehend. "Nach der gelungenen Renovierung kamen plötzlich Menschen in den Gottesdienst, die sich angezogen fühlten. Da spürt man, dass man auch nach außen von der Schönheit des Evangeliums etwas zeigen muss, was man drinnen verkündet und glaubt!" schreibt Pfarrer Eduard Rojo.
Die lutherische Gemeinde in Temuco wurde 1907 gegründet. Deutschsprachige Siedler
Gottesdienst zur Wiedereröffnung der Kirche
ließen sich Ende des 19. Jahrhunderts hier nieder. Der erste eigene Pfarrer kam 1908 aus Leipzig. 1932 konnte eine einfache Holzkirche eingeweiht werden. Als diese später immer mehr verfiel und viele Gemeindeglieder nicht mehr in unmittelbarer Nähe wohnten, entschied sich die Gemeinde, den Standort zu wechseln. 1972 konnte die neue Kirche – vom Gustav-Adolf-Werk kräftig unterstützt - eingeweiht werden. Hier entstanden das Pfarrhaus und ein Gemeindezentrum. Heute hat die Gemeinde 210 Glieder mit einer lebendigen Kinder-, Jugend- und Frauenarbeit. Die Gemeinde bemüht sich im Konflikt um die Landrückgabe an die indigenen Mapuche vermittelnd zu wirken. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Situationen, in denen auch Gemeindeglieder betroffen waren. Die Gemeinde lädt u.a. zu Friedensgebeten ein. „Insgesamt befindet sich die Gemeinde im Aufbruch“, schreibt Pastor Rojo. „Sie will wachsen und besonders für Familien mit Kindern attraktiver werden. Dazu gehört die wichtige Arbeit mit dem Kindergarten.“ Seit 1982 gibt es den gemeindeeigenen Kindergarten. Er erfreut sich großer Beliebtheit und spielt eine wichtige Rolle. „Für die Zukunft der Gemeinde ist es wichtig, hier zu investieren.“ 
Der notwendig gewordene Umbau hilft der Gemeinde nun bei der Umsetzung ihrer Gemeindeaufbaupläne.
"Wir sind dem GAW dankbar für die Hilfe, die wir bekommen haben!" schriebt Pfarrer Rojo. 15.400 Euro konnte das GAW zu den Baumaßnahmen dazugeben. Zu Weihnachten haben wir ihm zudem einen gut erhaltenen Talar geschickt. Der alte Talar war schon sehr abgenutzt.

Dienstag, 3. Januar 2017

Für den neuen GAW-Projektkatalog 2017 wird gesammelt

Mit seinen Projekten 2017 widmet das GAW evangelischen Christen, die im Nahen Osten und in Zentralasien in einer islamisch geprägten Umgebung leben, besondere Aufmerksamkeit.
In Zentralasien sollen die lutherischen Kirchen in Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan insgesamt mit 92 800 Euro unterstützt werden. Einen großen Anteil daran hat die Frauenarbeit im GAW, die diakonische Projekte in Kirgisistan und Kasachstan zu ihrem Jahresprojekt bestimmt hat. Diese Projekte sind sehr wichtig, weil sie den evangelischen Christen helfen, die Anerkennung der muslimischen Gesellschaft zu erhalten. Auch die EKD macht im Jahr 2017 mit dem Sonntag Reminiscere auf die prekäre Situation der Christen in diesen Ländern aufmerksam.
In den Ländern des Nahen Ostens und in Nordafrika werden über den Fonds für „Bedrängte und verfolgte Christen“ und mit der Konfirmandengabe vor allem evangelische Gemeinden und ihre Schulen in Syrien bedacht, aber auch ein Krankenhaus in Ägypten und die ökumenisch-theologische Ausbildungsstätte „Al Mowafaqa“ in Marokko. Aufgrund der großen Not in dieser Region hofft das Diasporawerk der EKD, das Spendenziel von 60 000 Euro wie schon im vergangenen Jahr zu übertreffen. „Der Nahe Osten ist die Wiege des Christentums. Schon seit 2.000 Jahren leben dort Christen, die aber immer wieder in existentielle Bedrängnis geraten. So auch heute wieder. Wir Christen in Europa dürfen unsere Schwestern und Brüder nicht allein lassen“, betont Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks.
Im Jahr des Reformationsjubiläums ist im Projektkatalog zum letzten Mal die „Mutterkirche der Reformation“, die Predigtkirche Luthers St. Marien in Wittenberg vertreten. Das GAW hat die Sanierung der Kirche seit 2011 unterstützt. Insgesamt werden dafür 70 000 Euro gesammelt. Die Spenden stammen vorwiegend aus den weltweiten Partnerkirchen des GAW, die mit Spendensammlungen unter ihren Mitgliedern auf diese Weise ihre Verbundenheit mit der Reformation zeigen.
Der Projektkatalog 2017 des Gustav-Adolf-Werks enthält Daten zu insgesamt 49 Partnerkirchen und deren Einrichtungen, davon gehören 39 zu Europa und Zentralasien und zehn zu Lateinamerika. Ziel ist, für die 130 Projekte aufgenommenen Projekte insgesamt 1,6 Millionen Euro Spenden zu sammeln.

http://www.gustav-adolf-werk.de/projekte.html

Montag, 2. Januar 2017

Wiederaufbau einer Kirche in Uruguay nach einem Tornado 2016


"Im neuen Jahr 2017 danken wir dem GAW von

ganzem Herzen für die 10.000 Euro, die wir als Sofort- und Nothilfe erhalten haben, um unsere Kirche in Dolores (Uruguay) wieder langsam aufbauen zu können", schreibt die Moderatorin der Waldenserkirche am La Plata, Carola Tron. 

"Auch wenn es noch sehr viel zu tun gibt, so war diese Hilfe eine große Motivation für uns und ein Zeichen erlebter Solidarität im evangelischen Glauben! Das GAW war die erste Organisation, die nach dem fürchterlichen Tornado im April 2016, der über unsere Stadt hinwegfegte, Hilfe angeboten hat und gesendet hat. Im Gemeindesaal finden derzeit noch alle Aktivitäten der Gemeinde statt bis hin zu den Gottesdiensten."

Inzwischen konnte dank weiterer Spenden und Unterstützungen ein neuer Kirchbau errichtet werden. Dafür wurden ca. 75.000 Euro ausgegeben.

Samstag, 31. Dezember 2016

Worte der Präsidentin des GAW zur Jahreslosung 2017

Dass die Kirche „eine immer wieder zu erneuernde“ sei (ecclesia semper reformanda), ist eine Forderung, die wir – auch wenn sie fälschlicherweise Martin Luther zugeschrieben wurde – im Jahr des Reformationsgedenkens wohl noch häufiger als sonst hören werden müssen.
Und alle, die schon immer meinten, Kirche müsse moderner, frischer und ansprechender daherkommen, werden – davon bin ich fest überzeugt – gerade im Jahr 2017 nicht müde werden, diesen Satz immer und immer wieder zu wiederholen und dabei auch die Erneuerung der vermeintlich verkrusteten Strukturen in unserer Landeskirche einzufordern.
Auf diesem Hintergrund hat mich die diesjährige Jahreslosung zuerst einmal sehr erheitert und dann auch sehr entlastet. Wenn alle Welt sich anschickt, von der (evangelischen) Kirche, ihrer Geschichte und Gegenwart, ihrer Bedeutung und ihres Bedeutungsverlusts zu reden, dann redet der Prophet im Auftrag Gottes von den Herzen der Menschen und damit von dem, was jede einzelne Person im Innersten ausmacht. Auf diesem Hintergrund wird mir das zur Herausforderung im neuen Jahr: Nicht die Kirche muss sich wandeln, sondern wir in ihr. Jeder, jede einzelne.
Die vielfältigen Aktivitäten, mit denen wir im Jahr 2017 den Protestantismus in seiner gestaltenden und verändernden Kraft einer interessierten, zuweilen auch gleichgültig-indifferenten Öffentlichkeit anschaulich machen wollen, finden in der Jahreslosung aus dem Buch des Propheten Hesekiel eine heilsame Relativierung. 
Denn Neuanfang, Umkehr, Veränderung sind nicht unsere Möglichkeiten, sondern nur denkbar, wenn Gott selbst eingreift und anstelle des „steinernen Herzens“ und des „trotzig und verzagten Dings“ (Jer 17, 9) ein neues, ein fleischernes Herz in uns legt. Erst dann hat die Zerrissenheit des menschlichen Wollens und Tuns, die Abgründigkeit unseres Begehrens und offensichtlich unstillbaren Lust der Menschheit an der Zerstörung ein Ende.
Im 36. Kapitel lernen wir den Prophet Hesekiel noch einmal anders kennen. Vom „tiefen Weh und Ach“, das in den früheren Kapiteln bis ins Körperliche hinein schmerzhaft und verstörend zu spüren war, erleben wir hier in diesem Kapitel die Rückkehr ins Leben. 
Es gibt eine Hoffnung und es gibt ein Ende der Gewalt, weil der Gott Israels sein Volk nicht für immer verlässt, sondern die Treue hält. Über Zerstörung, Vernichtung und Tod hinaus.
So wird der Prophet zum Zeugen für Gottes unbedingten Willen zum Leben und zum Heil. Mit dem einzelnen Menschen fängt es an. Mit jedem einzelnen Herzen, das neu und lebendig wird, kommt ein neuer Geist, ein frischer Wind in die Welt. So wird von unten nach oben die neue Stadt und der neue Tempel gebaut. Von dort geht dann Heil und Segen in die ganze Welt.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr 2017!
Ihre
Prälatin Gabriele Wulz, Präsidentin des GAW

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Ein Weihnachtsgeschenk für den Pfarrer in Temuco / Chile

"Seit 11 Jahren benutze ich schon den Talar des ehemaligen Kirchenpräsidenten und Pfarreres aus Ñuñoa/Santiago. Er hat ihn vor mir schon mindestens 30 Jahre  in Gebrauch gehabt. Nach über 40 Jahren sieht er dementsprechend aus. Es ist schwer, hier in Chile einen schwarzen Talar zu bekommen. Deshalb meine Frage an das GAW: Gibt es die Chance, dass ich einen gebrauchten und gut erhaltenen Talar mit Beffchen vom GAW bekommen kann?" schrieb kurz vor Weihnachten Pastor Eduardo Rojo Vogel aus Temuco im Süden Chiles an uns.

Dank der Unterstützung und Spenden von pensionierten Pfarrern in Deutschland ist es uns immer wieder möglich schnell helfen zu können und gut erhaltene gebrauchte Talare in die weltweite evangelische Diaspora zu senden. Erst kürzlich konnten wir allen neun Vikaren der evangelischen Kirche am La Plata (IERP) für ihren Dienst Talare zukommen lassen. 

Pastor Eduardo ist schon jetzt in Vorfreude auf seinen neuen Talar dankbar, wissend, dass das Weihnachtspacket unterwegs nach Chile ist: "Danke! Das kommt wirklich wie vom Himmel gefallen! Ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk!"


Das GAW nimmt gerne gebrauchte, gut erhaltene Talare an und vermittelt sie weiter in die Diaspora!

Dienstag, 20. Dezember 2016

Weihnachtsgrüße aus der weltweiten evangelischen Diaspora

Aus der weltweiten evangelischen Diaspora haben wir im GAW zahlreiche Advents- und Weihnachtsbriefe erhalten, die berührend sind in unseren bewegten und erschütternden Zeiten. Selten war es wichtiger zu entscheiden, aus welcher Hoffnung wir alle leben wollen. Angst, Hass und Ausgrenzung bestimmt viele Auseinandersetzungen. Das kann nicht mit der christlichen Botschaft übereinstimmen. Wir Christen leben aus einer uralten guten Nachricht von Hoffnung, die uns erfüllen will mit Freude. Denn die zentrale Botschaft heißt: Fürchtet Euch nicht! Friede auf Erden! Das ist die Botschaft des Engels zu Weihnachten. 

So schreibt der Kirchenpräsident der lutherischen Kirche Brasiliens Nestor Friedrich: "Zu Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu und singen den ganzen Lobgesang Marias mit. Er stöβt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen (Vers 52). Der errettende Gott stellt die Logik der verdorbenen Gesellschaft auf den Kopf, auch die Schlechtigkeit, die sich in der Gesellschaft eingebürgert hat! Die weihnachtliche Botschaft zeigt an, was nicht sein soll, und ist die Ankündigung dessen, was sein kann, deshalb lasst uns hoffen! Lasst uns diese Hoffnung verkündigen und uns engagieren!" 
Propst Manfred Brockmann aus dem fernen Wladiwostok schreibt: "Wir müssen nur wie Maria all diese Worte vom Himmel und den armen Menschen hören, behalten und in unserem Herzen bewegen. Dann sind wir reich, im Leben und im Sterben." Er zielt auf das Wesen der Weihnacht: Es geht um Empathie, sich einfühlen in den anderen, um zu spüren, was es heißt, das Gott Mensch werden will in jedem von uns. 
"Hier findet sich letztlich das große Weihnachtsgeheimnis: Gott-ist-mit-uns! Weihnachten ist, wenn Gott sich uns hingibt. Das ist ein Geschenk, das nicht vergeht, sondern ewig andauert. Lasst uns nicht unser Herz verschließen, sonst entleeren wir Weihnachten. Und es gilt, dieses Geschenk in das ganze neue Jahr mit hineinzunehmen!", schreibt der Moderator der Presbyteriansichen Kirche auf Kuba Francisco Marrero. 
"Diese Wahrheit wurde vor 500 Jahren von den Reformatoren der Kirche Jesu Christi wieder ans Licht gebracht. Allein mit Jesus Christus und in seiner Nachfolge leben wir als geliebte Gotteskinder und lichtbringende Glaubensgeschwister", schreibt Bischof Reinhart Guib von der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien.
Das sind nur einige wenige Stimmen aus der weltweiten evangelischen Diaspora, die aber uns allen gut tun zu hören, zu bewegen und mit guten Taten zu füllen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete letzte Adventstage und ein frohes Weihnachtsfest in diesen schweren Tagen.
Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des GAW


Freitag, 16. Dezember 2016

Weihnachten feiern in Aleppo?!

Flüchtlingskind im Westen Aleppos
„Am Donnerstag habe ich ein Flüchtlingscamp besucht, in dem allein 25.000 Menschen aus dem Ostteil Aleppos untergebracht sind. Ich konnte mit den Menschen reden. Sie sagten, dass sie froh seien, der Hölle Ost-Aleppos entflohen zu sein. Eine Familie erzählte mir, dass in der letzten Zeit fünf Brote für drei Tage reichen mussten - einer achtköpfigen Familie. Ost-Aleppo ist einer der schrecklichsten Orte der Welt! Die Rebellenkämpfer mit ihren Familien harren aus und hoffen, dass sie die Region von Idlib erreichen können“, berichtet der evangelische Pfarrer Ibrahim Nseir aus Aleppo heute.

„Die Situation ist angespannt. Immer noch werden auch Raketen auf den Westteil Aleppos abgeschossen. In der vergangenen Nacht schlug eine Rakete sehr nah an der Schule „Aleppo College for Boys“ ein, die zur evangelischen Kirche gehört.“ Nseir berichtet, dass die Rebellen über Raketen verfügen, die bis an die 20 Kilometer Reichweite haben. „Um sicher leben zu können in Aleppo muss verhindert werden, dass diese Raketen weiter abgeschossen werden!“ Und er fährt fort: „Es wird schwer sein, dass die Menschen hier wieder hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Der Krieg ist nicht vorbei, wenn die Rebellen Aleppo verlassen. Wovon sollen die Menschen leben? Sie brauchen Arbeit und eine ökonomische Basis. Derzeit leben viele von den Hilfslieferungen, die über Kirchen und Moscheen verteilt werden.“

Auf die Frage, was seine Botschaft zu Weihnachten in diesem Jahr sein wird, antwortet Pfarrer Nseir: „Gott ist nicht auf der Seite der Finsternis! Wir suchen nach Hoffnung und Licht. Deshalb müssen wir Versöhnung leben und uns für alle Menschen in der Stadt einsetzen, um Frieden Raum zu geben. Weihnachten ist deshalb zutiefst ein Fest der Solidarität mit allen Menschen. Wir wollen der wahren Weihnacht hier in Aleppo mitten im Krieg Raum geben: Frieden auf Erden!“ Er schließt das Gespräch mit der dringenden Bitte: „Betet für uns! Vergesst uns nicht!“