Freitag, 17. Mai 2019

Wir machen uns große Sorgen wie wir unsere Kinder versorgen können... - Gerardo Hands in Venzuela

Kinder des Kindergartens "Casa de amistad" in Valencia
„Es macht mir derzeit große Sorgen, dass es im Moment nicht möglich ist, Lebensmittel- und Hygieneartikel aus Miami direkt zum Straßenkinderheim nach Valencia zu senden. Bis Ende Juli reichen derzeit noch unsere Vorräte. Und dann müssen wir sehen, was wir tun können. Und weiter: Es gibt derzeit an kaum einer Tankstelle Benzin. Das heißt, dass das ganze Land quasi blockiert ist. Wie sollen Lebensmittel, Medikamente etc. transportiert werden..? Die Situation bleibt dramatisch – und wir haben wenig Hoffnung auf Besserung,“ schreibt Kirchenpräsident Gerardo Hands von der lutherischen Kirche Venezuelas. 

Mitten in der politischen Krise hält die lutherische Gemeinde ihren Kindergarten „Casa de amistad“ (Haus der Freundschaft) offen. Und mitten in der Hoffnungslosigkeit machen die Kinder dennoch Mut, die Hoffnung nicht zu verlieren, sich für sie einzusetzen, zu helfen, solidarisch zu sein und zu beten. 

Inzwischen hat die US-Regierung alle Passagierflüge von den USA nach Venezuela und umgekehrt verboten. Außerdem wird von der US-Regierung empfohlen, nicht in das Land zu reisen 

Das venezolanische Militär gilt als entscheidender Faktor im Machtgefüge. Ein Großteil steht nach wie vor hinter Maduro. Er hatte im vergangenen Jahr eine umstrittene Wahl gewonnen und war im Januar als Präsident für eine zweite Amtszeit vereidigt worden. 

Seit August 2018 geht Venezuelas Regierung gegen Oppositionelle im Land vor. Bei mehreren Massenprotesten gegen den Präsidenten hat es Tote gegeben. 

Die im Juli 2017 gebildete verfassungsgebende Versammlung hat dem Präsidenten noch mehr Macht verliehen. Oppositionelle kritisieren, dass er über die Institution der Versammlung die Rechte des Parlaments aushebelt und Venezuela diktatorisch regiert. 

Ein durch Massenproteste herbeigeführter Machtwechsel ist bisher gescheitert. Der Parlamentspräsident Guaido hat es bisher nicht geschafft wesentliche Teile der Militärführung für sich zu gewinnen. Zudem spielen Kuba, China, Russland und der Iran eine wichtige Rolle im Kampf um die Macht im Land - und um Einfluss in der Region.

Bei all dem: Das GAW unterstützt die kleine lutherische Kirche in Venezuela. Dabei geht es derzeit um Nothilfeleistungen. Wir hoffen, dass die gerade weitergereichten Spenden dazu beitragen, Lebensmittel und Medikamente beschaffen zu können.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Wann hört der Krieg in Syrien endlich auf...? Die Not ist groß!

Angriff auf Kessab
„Die vergangenen Tage haben wir in Kessab und Aleppo Raktenangriffe erlebt. Das war heftig. Und in Aleppo in dicht besiedelten Stadtteilen gab es mindestens 38 Todesopfer. Auch in Kessab – im Nordwesten an der türkischen Grenze – fielen Raketen in der Nähe des armenischen ev. Sommerlagers. Es soll renoviert werden. Ich wollte gerade dorthin aufbrechen von Aleppo, aber das war nicht möglich durch die Bombardements,“ berichtet am 15. Mai Pfarrer Haroutune Selimian aus Aleppo. 

Seit zwei Wochen bombardieren syrische und russische Kampfjets wieder die Provinz Idlib im Norden Syriens, wo seit September 2018 ein Waffenstillstand herrschte. Der Regierung Assad wird ein Bruch des vereinbarten Waffenstillstandes vorgeworfen. Die verschiedenen islamistischen Rebellengruppen sollen den Angreifern unterlegen sein. Angeblich sind
Angriff auf Kessab -
Nähe armen. Sommercamp
tausende ausländische islamistische Kämpfer in der Region um Idlib. Al-Kaida Anführer haben alle waffenfähigen Männer zum Widerstand aufgerufen. So sind die Raketenangriffe auf Kessab und Aleppo zu erklären. 

Den Regierungstruppen wird vorgeworfen Schulen und Gesundheitszentren gezielt zu bombardieren. Seit Ausbruch der Kämpfe sind über 300 Tote zu beklagen. Mehr als 200.000 Menschen sind derzeit auf der Flucht ins syrisch-türkische Grenzgebiet. Die Türkei hat dabei die Grenze geschlossen und vorsorglich Truppen dort zusammengezogen. Die Flüchtlinge, die teilweise schon aus anderen Regionen Syriens geflohen sind, campieren jetzt im Nirgendwo und wissen nicht weiter. Die Not ist in der Region Idlib/Hamaa groß. 

Die Not ist auch für die Menschen groß, die in den Gebieten leben, die von der syrischen Regierung kontrolliert werden. Gerade in diesen Regionen leben die evangelischen Christen - und überhaupt die Christen aller anderen Denominationen. In islamistisch besetzten Gebieten wie Idlib gibt es so gut wie keine christliche Präsenz mehr.  

„Der Benzinmangel in Syrien hat weitreichende Auswirkungen bis hin zum Anstieg bei den Lebensmittelpreisen. Die wirtschaftliche Not ist immens in den Gebieten, die unter der Kontrolle des syrischen Regimes stehen. Die iranische Unterstützung wurde vor einem
Lebensmittelhilfe in Aleppo - links: Pfr. Selimian
halben Jahr gestoppt, was die Versorgungskrise verschärfte. Täglich bilden sich lange Schlangen mit Hunderten von Autos vor den Tankstellen. Leider stiegen die Preise für Kochgas oder Treibstoff um mehr als dreimal so hoch wie der offizielle Preis ist. Heute besteht unsere Hauptpriorität darin, unseren bedürftigen Familien zu helfen beim Nötigsten für den Alltag. Um Menschen das Dableiben zu ermöglichen sind wir auf Solidarität und Hilfe angewiesen,“ schreibt Pfarrer Haroutune Selimian.

Freitag, 10. Mai 2019

Das GAW hilft beim Aufbau einer Krankenhausseelsorge in Brasilien

Treffen der brasilianischen Krankenhausseelsorger
Eine fundierte Krankenhausseelsorge gibt es in Brasilien nicht. In der lutherischen Kirche gab es deshalb in den vergangenen Jahren verstärkt Bemühungen, mit Krankenhäusern und Pflege- und Altenheimen zusammenzuarbeiten. Das ist für die Kirche ein relativ neues Arbeitsfeld, weil sie sich zunehmend Menschen zuwendet, die nicht zum Umfeld der lutherischen Kirche gehören. Die Kirche folgt dabei der Option für die Schwachen und der Verteidigung ihrer Würde. Diese Arbeit ist sehr vielschichtig. Die Begleitung und Beratung im Kontext von Krankheit, Schwäche, Grenze und Tod bedarf besonderer Aufmerksamkeit und Fortbildung. Zielgruppe der Krankenhausseelsorge sind der kranke Mensch, seine Angehörigen und das Personal des Krankenhauses. Darüber hinaus soll die Krankenhausseelsorge die Kultur einer menschenwürdigen, multidimensionalen Krankenversorgung fördern. 

Die Ausbildung für Krankenhausseelsorger hat in der lutherischen Kirche (EKLBB) begonnen in Zusammenarbeit mit der Theologischen Hochschule EST in Sao Leopoldo. Fünf Module werden dazu verpflichtend angeboten  – drei fanden 2018 statt und zwei in diesem Jahr 2019. An diesem Kursus nimmt je ein Vertreter von den 18 Synoden der EKLBB teil. Im Laufe des Kurses wenden die erworbenen Kenntnisse bei den Besuchen in den Krankenhäusern erprobt und eingeübt.  

"Viele Patienten konnten so schon erreicht werden. Auch waren die Reaktionen, die die Seelsorger erfahren haben sehr positiv. Gerade Glaubensfragen spielen dann auch in dem brasilianischen Kontext und der Kultur eine große Rolle. Die Menschen sind dafür sehr ansprechbar. Gerade Neupfingstler geben ganz andere Angebote als wir es tun," schreibt Pastor Volkmann vom brasilianischen GAW (OGA). "Die Genesung der Menschen wird dabei oft erschwert, da ihnen gesagt wird, dass ihre Krankheit Konsequenz ihrer Sünde ist und dass sie nicht genügend Glauben haben, um gesund zu werden. Gerade deswegen ist es wichtig eine gut fundierte Ausbildung zu haben, um die kranken Menschen zu begleiten, ihnen zu helfen, dass sie sich von Gott auch in der Krankheit begleitet fühlen."

Inzwischen gibt es von der lutherischen Kirche acht Krankenhausseelsorgestellen. Zudem sind etliche Pfarrer*innen an verschiedenen weiteren Krankenhäusern tätig. Über die Kirchenleitung wurde schon zwei mal zu überregionalen Treffen eingeladen, um sich als Krankenhausseelsorger auszutauschen und zu vernetzen und gemeinsam Sorgen, Nöte und Herausforderungen zu teilen.

"Wir sind dem GAW sehr dankbar für die Förderung dieses Projektes!" schreibt Martin Volkmann.

Das GAW fördert in einem dreijährigen Programm den Aufbau der Krankenhausseelsorge der EKLBB in Brasilien: 2018/15 000 €; 2019/14 500 €; 2020/13 960 €.

Brot für die Welt ohne das "Brot der Welt in der Krippe von Bethlehem" kann es nicht geben!

Hans Katz (1900-1974)
Als Hanz Katz seinen Dienst als GAW-Präsident im Jahre 1968 antrat schrieb er ein Jahr später - vor 50 Jahren - folgende Worte im GAW-Blatt vom April 1969. Auch heute durchaus lesenswert und aktuell:

"In der Diaspora ist der einzelne Christ ständig nach dem Grund seines Glaubens und seiner fröhlichen Hoffnung gefragt und angehalten, sich Rechenschaft über diesen Glauben zu geben...

Bei aller Wandlung bleibt die unaufgebbare Aufgabe des GAW die Verkündigung des Evangeliums und die Gründung der Gemeinden auf das Evangelium Jesu Christi. Darin wird der ökumenische Charakter dieses Werkes, den es von Anfang an hatte, deutlich. Es gilt theologisch zu sehen und deutlich zu machen, dass wir Menschen ... allein von der freien Gnade Gottes in Jesus Christus leben...

Die Kirchen müssen alle Kraft daran setzen, dass sie nicht durch den Druck von außen her zu Sozialinstitutionen werden. Da die theologische Arbeit, die der Ökumenismus stellt, sehr viel zeit, Geduld und Kraft erfordert, weicht man auf den sozialen Sektor aus, der der Welt einleuchtend zu machen ist und auf dem man ohne Schwierigkeiten zusammenarbeiten kann. Wenn wir aber vergessen, dass es Brot für die Welt ohne das "Brot der Welt in der Krippe von Bethlehem" nicht geben kann , werden wir kläglich Schiffbruch leiden. Das GAW hat und wird es nie vergessen, dass es vom Brot in der Krippe zu Bethlehem lebt und dieses Brot auszuteilen hat. Hier ist der Quellort wahrer Diakonie, die nicht verstopft werden darf. ...

Das GAW kann nicht ein Kirchbauverein sein... Wir mühen uns um den Bau von Gemeindezentren und auch um die Einrichtung von diakonischen Diensten und Stationen und Unterrichtmöglichkeiten. Alles was eine Gemeinde zum Leben braucht, wird von uns ins Blickfeld genommen. Dafür benötigen wir die Liebe und Hilfe der Gemeinden, die uns nicht ohne Information und Werbung in den Schoss fällt."

Hans Katz studierte Theologie in Heidelberg, Tübingen und Marburg. Er war Pfarrer der Badischen Landeskirche. 1935 wurde er Dekan in Lörrach, 1946 Mitglied des Oberkirchenrates in Karlsruhe, ab 1958 ständiger Vertreter des Landesbischofs. Von 1968-1974 war er Präsident des GAW der EKD in der Bundesrepublik Deutschland.

Donnerstag, 9. Mai 2019

Gelungene Sanierung des Jugendfreizeitzentrums im ungarischen Rábcakapi

Jugendfreizeitzentrums im ungarischen Rábcakapi
"Vielen Dank für die Hilfe bei der Renovierung unseres Jugendlagers im ungarischen Rábcakapi! Das hat uns auch viel Ansehen in dem Dorf gebracht. Die Dämmung der Gebäude konnte verbessert werden und insbesondere das äußere Erscheinungsbild verschönert werden. Alle aus dem Dorf, der lutherischen Kirchengemeinde und der Gesamtkirche freuen sich über das nun Erreichte!" schreibt Pfarrer Miklós Kiss. Im Projektkatalog 2014 wurden 10.000 Euro für dieses Projekt gesammelt. Der GAW-Vorsitzende aus Bayern Pfr. Wolfgang Layh vertrat das GAW bei der Feier zum Abschluss der Arbeiten. 136.000 Euro kosteten die Sanierungsarbeiten insgesamt. Die Lokalgemeinde, die Kirche und die ungarische Regierung halfen bei der Finanzierung.

Zum nordwestungarischen Kirchenbezirk Győr-Moson gehören 14 Gemeinden. Für die Mitarbeiter des Kirchenbezirks ist es ein wichtiges Anliegen, gemeinschaftsbildende und identitätsstiftende Veranstaltungen für dieses Gebiet zu organisieren. Eine wichtige Rolle spielen dabei die sommerlichen Freizeiten für Jugendliche. Seit 1986 finden diese im früheren Pfarrhaus und in der früheren Schule im Dorf Rábcakapi statt. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass solche Freizeiten die kirchliche Bindung von Jugendlichen stärken. Viele frühere Teilnehmer sind heute als Kirchenvorsteher oder Pfarrer in der Kirche aktiv. „In einer Gemeinde haben sogar sechs Mitglieder des Vorstands ihre ersten kirchlichen Erfahrungen in Rábcakapi gesammelt“, unterstreicht der Leiter dieser Arbeit, András Rátz. An den vom Kirchenbezirk organisierten Freizeiten nehmen jeden Sommer 100 bis 150 Jugendliche teil. Viele Gemeinden veranstalten auch ihre eigene Freizeiten oder Konfirmandenwochenenden in diesem Freizeitheim. 

Das Gebäude des Jugendfreizeitheims in Rábcakapi bietet in fünf Zimmern Platz für ca. 40 Teilnehmer. In den vergangenen 32 Jahren wurde es nur einmal grundsaniert. Damals wurde das Dach erneuert. Mit den Jahren war nun eine erneute Sanierung unumgänglich geworden. Die Einrichtung der Küche und der Zimmer sowie die Sanitäranlagen mussten dringend erneuert werden. Zudem wurde die Isolierung der Gebäude verbessert, damit das Freizeitzentrum länger im Jahr als bisher genutzt werden kann.

Allen Spendern sei gedankt!

Dienstag, 7. Mai 2019

"Ich bin trotz allem gerne Pastor auf Kuba!" sagen Liudmilla und Yoelcis

Liudmilla Hernandez (re.), Yoelcis González (2. v.li.)
Liudmila Hernandez Retureta ist Vize-Moderatorin der Presbyterianisch-Reformierten Kirche auf Kuba, einer der ca. 50 Partnerkirchen des GAW weltweit. Sie ist mit 30 Jahren die jüngste Pastorin der Kirche. 2014 wurde sie ordiniert. Seit 2018 ist sie Pastorin der ersten, ältesten und größten Gemeinde der Kirche in der Hauptstadt Havanna. Hier wurde auch die erste presbyterianische Kirche im Jahre 1906 gebaut. 


"Ich bin mit Leib und Seele Pastorin," erzählt sie bei einem Besuch mit zwei Pastorenkollegen in der GAW-Zentrale. "Ich identifiziere mich sehr mit meiner Kirche und ihren Aufgaben und Herausforderungen. Das ist mein Leben!" Ihr ist es wichtig, die Kinder- und Jugendarbeit der Kirche zu stärken. "In meiner Gemeinde liegen mir die 40 Kinder und 10 Jugendlichen am Herzen, die sich in Gruppen der Gemeinde in Havanna organisieren. Das macht mir Hoffnung, dass es diese jungen Menschen gibt, die zur Kirche kommen, auch wenn die meisten ihrer Eltern sie nicht zur Kirche begleiten. Hier spüre ich, dass es Hoffnung und Zukunft in der Kirche gibt. Auch hoffe ich, dass das das Leben in den Familien positiv beeinflusst."


Kinder- und Jugendgruppe in Cardenas
Yoelkis Sierra González ist ebenfalls Pastor der Kirche. Er ist 43 Jahre alt und arbeitet in Havanna im Stadtteil Guanabacoa. Bevor er Theologie studierte hat er einen Studienabschluss in Betriebswirtschaft gemacht und arbeitete dann eine zeit lang als Professor an einer Universität. 2012 schloss er sein Studium der Theologie ab. Im Juni 2013 übernahm er seine Pfarrstelle. "Pastor zu sein bedeutet mir sehr viel in meinem Leben. Gottes Wort zu verkünden und mit den verschiedenen diakonischen Programmen mit Leben zu füllen zeigt, dass die Kirche Bedeutung hat. Mein Traum ist es, dass wir in Guanabacoa einen Kindergarten einrichten können. Das wäre notwendig!"


Und dann berichtet er von den großen Herausforderungen für die Kirche inmitten einer tiefgreifenden Krise, in der sich der Inselstaat befindet.

Das hat mehrere Gründe: Ein großer Teil der Lebensmittel muss eingeführt werden, denn 50% der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen liegen brach. Dabei ist der Boden sehr fruchtbar. Die Brachflächen sind mit Dornengestrüpp übersät. Die Energieversorgung ist 
Presbyteriansiche Kirche in Cardenas
schwierig, weil u.a. venezolanische Öllieferungen erheblich durch die Krise dort eingeschränkt wurden. Die USA haben weitere Embargomassnahmen getroffen, die die Lage verschlimmern. Verträge, die Brasilien zur ärztlichen Versorgung in armen, ländlichen Regionen mit Kuba geschlossen hatte, wurden gekündigt. Dadurch fehlen weitere Devisen. Die Lage hat sich durch den politischen Wandel erheblich verschlechtert. 

"Inmitten all dieser Krisen, die wir auch als Pastoren am eigenen Leib erfahren, wollen wir dennoch Kirche sein, Hoffnung säen und unsere prophetische Stimme erheben. Wir wissen, dass wir dabei auf die Solidarität unserer Partner angewiesen sind!" sagen Liudmilla und Yoelcis zum Abschluß. "Für eure Hilfe im GAW danken wir euch sehr!"

In diesem Jahr fördert das GAW die Sanierung der presbyteriansichen Kirche in Cardenas. 


Helfen Sie mit, diese Kirche zu sanieren: https://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html

Mittwoch, 1. Mai 2019

An der Grenze - ein kleines Stückchen Hoffnung...

Heiliges Abendmahl an der
US-Grenze zu Mexiko
"Wisst ihr, was wir hier gerade feiern?" fragte Pastor Dario Barolin, Waldenserpfarrer aus Uruguay und Vorsitzender der AIPRAL (Alianza de Iglesias Presbiterianas y Reformadas de América Latina), Flüchtlingskinder aus Zentralamerika. Sie standen auf der mexikanischen Seite der hochbewachten Grenze zu den USA. Auf der nordamerikanischen Seite der Grenze zu Mexiko feierte Dario mit einer Delegation reformierter Kirchen das Heilige Abendmahl. "Ja - klar!" antworteten sie durch den trennenden Grenzzaun. "Wollt ihr mitfeiern?" - "Ja - sehr gerne!" antworteten die Kinder. "So feierten wir mit den Kindern gemeinsam das Mahl Jesu Christi. Es hat uns verbunden, auch wenn der Grenzzaun uns trennte!" Ursprünglich war geplant, dass die Delegation einen Gottesdienst beidseitig der Grenzen feiern wollte. Die US-Polizei erlaubte dies nicht, so dass man sich auf dem nordamerikanischem Boden traf.

"Die Situation an der Grenze zwischen Mexiko und den USA ist komplex!" sagte Pfarrer Dario. Die Delegation der reformierten Kirchen Lateinamerikas und Nordamerikas wollten sich gemeinsam vor Ort informieren. "Wir sind als Christen verpflichtet, ungerechte Strukturen wahrzunehmen und auf sie hinzuweisen. Es kann uns nicht egal sein, was mit den Menschen geschieht, die an der mexikanischen Grenze stranden und nicht weiter wissen. Und es kann uns nicht egal sein, dass in den USA auf Kosten der Menschen, die vor Gewalt, Chaos und Korruption in ihren zentralamerikanischen Ländern fliehen, Wahlkampf gemacht wird."

In der mexikanischen Grenzstadt Juarez traf sich die Delegation und sprach mit den Flüchtlingen, die die Strapazen des langen und gefährlichen Weges auf sich genommen hatten. Immer wieder hörten sie, dass der Fluchtweg und ihre Situation an der Grenze oft erträglicher sei als die Situation in ihrer Heimat, die immer bedrohter sei.

Die Delegation kam zu dem Schluss: "Migration ist eine globale Krise, der mit Mitgefühl und Gerechtigkeit begegnet werden muss. Das christliche Zeugnis fordert uns, den Fremden wahr- und aufzunehmen. Hauptursachen für Migration liegen in den ungerechten Strukturen, in der Gewalt, im Imperialismus und im Kolonialismus. Wiedergutmachende Gerechtigkeit ist der Schlüssel zum globalen Wohlergehen und zur Sicherheit. Wir fordern die Demontage von Mauern, Grenzen und Einrichtungen, die zur Entmenschlichung, Ausgrenzung und Isolation von Menschen beitragen. Wir fordern unsere Nationen auf, gerechte Gesetze zu erlassen, die Menschenrechte und Gerechtigkeit zulassen, die die Menschenwürde, Gerechtigkeit und Mitgefühl ausmachen."

"Diese groß angelegte Fluchtbewegung von Menschen zeigt deutlich die kritischen lebensbedrohlichen Situationen, in denen viele Menschen in Zentralamerika, leben", sagte zum Schluß Dario Barolin. 

Das Heilige Abendmahl unter diesen Bedingungen zu feiern... - das zeigt die Kraft, die im christlichen Glauben liegt, der Grenzen überwindet.

Donnerstag, 25. April 2019

Der Glaube beansprucht keine definitiven Antworten. Interview mit Jakub S. Trojan - EKBB

Jakub Trojan
Jakub Trojan ist Theologe, Pfarrer der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) und ehemaliger Dekan der Theologischen Fakultät. Am 25. Januar 1969 bestattete er Jan Palach, den Studenten der Karlsuniversität, der sich selbst angezündet hatte, aus Protest gegen die Gleichgültigkeit, die die tschechische Gesellschaft nach der Okkupation der sowjetischen Armee im August 1969 gefangen hielt. Seitdem sind 50 Jahre vergangen. Um an Jan Palach zu erinnern, führte  die Kirchenzeitung der EKBB ein Interview mit Trojan.  Hier ein Auszug aus dem interessanten Interview: 

In der Zeit des Prager Frühlings waren Sie Pfarrer der EKBB und in diesem Amt haben Sie im Januar 1969 Jan Palach bestattet. Er gehörte zu Ihrem Gemeindegebiet. Kannten Sie ihn persönlich? 

Ich kannte ihn kaum. Als ich in Libiš (30 km nördlichen von Prag) Pfarrer wurde, studierte er bereits in Prag. Seine Mutter wohnte in Všetaty, einem Ort der zur Gemeinde Libiš gehörte. Sie kam häufig mit dem Zug in unsere Gottesdienste. Aber am Sonntag vor seiner Tat kam auch Jan in den Gottesdienst. Ich fand ihn interessant, er hatte ein konzentriertes Gesicht und einen herrlichen Blick. Nach dem Gottesdienst unterhielten wir uns. Man merkte, dass er ein geistreicher Mensch war.

Worüber sprachen sie denn? 

Es störte ihn, dass sich die Menschen anpassen und resignieren. Er war der Meinung, dass es nötig ist, sie aufzurütteln. Er wäre glücklich, wenn sich die Kirche mehr am Kampf mitten im Besatzungssystem beteiligen würde. Es schien ihm, dass die Kirche nicht darauf reagierte, wie die Menschen sich anpassten und die Hoffnung auf Wandel zum Besseren verlören. Ich gab ihm da Recht. 

Ließ sich da etwas machen – aus Ihrer Situation eines seelsorglichen Predigers, der selbst mit dem System seine Schwierigkeiten hatte? 

Die Kommunisten hatten die Meinung, dass die Kirche und die Religion nicht mehr lange überleben würden und aussterben. Sie lehnten es ab, dass die Kirche auf die Geschehen in der Gesellschaft reagierte. Ich war damit nicht einverstanden. Ich war überzeugt, dass das Evangelium eine Botschaft ist, die nicht nur das Individuum und seine Lebensrichtung betrifft, sondern die ganze Gesellschaft. Im Hinblick auf Jan Palach: Er beging seine Tat kurz nach unserem Gespräch, für eine tieferes Gespräch war keine Zeit. Ich habe ihn nicht mehr getroffen. 

Im Jahr 1977 waren Sie unter den Ersten, die die Charta 77 unterschrieben. Hatte das etwas mit dem Tod von Jan Palach zu tun? 

Ja, unter anderem. Aber ich habe mehrere solcher Texte unterschrieben, wenn mir der Inhalt entsprechend anregend erschien. Es gab etwa zehn solcher Veröffentlichungen. Niemand ahnte, dass das Papier Charta 77 solch eine Wirkung haben sollte. 

Jan Palach
Die Mutter von Palach kam nach seinem Tod zu Ihnen, damit Sie ihren Sohn bestatten. Haben Sie erwartet, dass sie Sie bittet? 

Nachdem Jan Palach sich durch die Selbstverbrennung das Leben genommen hatte, sprach ich lange mit Palachs Mutter. Direkt nach Palachs Tod habe ich nicht gewusst, dass es sich um ein Mitglied aus meiner Gemeinde handelt. In der Zeitung schrieben sie nur J.P. Ich wusste nicht, dass das Kürzel für Jan Palach stand. Wir haben es erst durch unsere Tochter erfahren, die mit Jans Cousin zur Schule ging. Das hat uns alle erschüttert. Aber da wusste ich noch nicht, dass ich ihn bestatten würde. 

In der kirchlichen Agende zur Bestattung unterscheidet man zwischen einem selbstherbeigeführten und einem natürlichen Tod. Die Frage, ob der Tod Palachs ein Suizid war, mussten Sie sich vor seiner Bestattung stellen. War die Antwort auf diese Frage schwierig?

Ja, das war ein Problem, das ich erst theologisch lösen musste. Die Mehrheit von Suiziden ist ein Akt der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. War der Tod von Jan ein Selbstmord oder ein Opfer? Ich sagte mir: Das war keine Verzweiflungstat. Er wollte mit seiner Tat die ganze Gesellschaft aufrütteln. Er wollte Menschen mobilisieren, dass sie darüber nachdenken, wie sie mit der aktuellen Besatzungssituation umgehen. Er dachte nicht an sich, sondern an den Nächsten. Und er wählte ein Mittel, das unvorstellbar wirkungsvoll ist. 

Sie sagen „wirkungsvoll“. Wie haben die Menschen denn auf den Tod von Jan Palach reagiert? 

Es war unglaublich, was für eine Welle sein Tod nicht nur in Prag, sondern im ganzen Land ausgelöst hat. Sogar die Köpfe des Regimes waren aus der Bahn geworfen, das Regime war einige Wochen wie betäubt. Es war auch deswegen ein Schock, weil es kein feindlicher Akt war. Es war eine Selbstvernichtung, die eine Botschaft hatte. Palach hat sich, glaube ich, vorgestellt, dass sich die Leute sagen: „Wenn so ein junger Mensch so weit geht, sein Leben zu opfern, was muss dann ich erst machen?“ Nicht das nachzuahmen, aber kleinere Opfer zu bringen. Die Situation, in der die Gesellschaft steckte, zu ändern, in kleinen Dosen. Bei seiner Bestattung zog eine unglaublich große Menge Menschen durch die Prager Straßen. Es war still, die Menschen weinten. Sie waren betroffen, und zugleich war es eine würdevolle Stimmung. 

Wie ging es dann weiter, wenn Sie sagen, das Regime war „aus der Bahn geworfen“? 

Einige Tage waren sie vollkommen ratlos. Die „Normalisierung“ hatte begonnen, viele Politiker waren unsicher. Die würdevolle Bestattung mit dem Beerdigungszug durch Prag haben sie noch erlaubt. Als sich die Regierung wieder gefasst hatte und die gesamte Begebenheit etwas verhallt war, versuchte die Regierung eine neue Deutung für die Tat zu finden. Sie begannen zu sagen, dass Palachs Tod ein tragischer Unfall war. 

Vilem Novy, kam damals mit der Erklärung, dass der Tod von Jan Palach ein Unfall bei dem Versuch mit der sogenannten „kalten Flamme“, mit der auch Feuerschlucker ihre Tricks machen, war. Dass er sich gar nicht verbrennen wollte, es ihm aber nicht gelungen war, die richtige Mischung der „kalten Flamme“ zu mischen. Glaubte das damals jemand? 

Niemand. 

Welche Reaktion rief Palachs Tod in der Kirche hervor? 

In der Kirche begann eine Diskussion darüber, ob es ein Opfer war. Auch die Katholiken stimmten mit dieser Sichtweise überein. Der katholische Bischof bot der Familie sogar an, dass er die Bestattung machen würde. Aber die Palachs waren evangelisch. 

Sehen Sie eine Gemeinsamkeit zwischen Palachs Selbstverbrennung und Jan Hus Tod 1415? 

Palach liebte die tschechische Geschichte. Der Unterschied liegt aber darin, dass Hus verbrannt wurde, es handelte sich bei Jan Hus um eine Strafe. Während Palach sich eine Frage stellen musste – bzw. ich hoffe, dass er sie sich gestellt hat - ob diese Selbstzerstörung einen Sinn hat. 

Jan Hus musste nicht sterben, es war sein Opfer für Gottes Wahrheit. Bei Palach scheint es, als ob Gott in Palachs Sterben keine Rolle spielt. Dass es ein Opfer für die Gesellschaft war. Was denken Sie, wie Gott auf Palachs Tat blickt? 

Palachs Motive haben wir schon oben besprochen, aber niemand weiß es mit Sicherheit. Ich möchte keine definitive Antwort geben. Es gehört zum Glauben, dass er nicht den Anspruch hat, definitive Antworten zu geben. Und Palach hat das Ganze bis zu dem Punkt verschoben, wo wir mit unseren theologischen und biblischen Antworten an unsere Grenzen kommen. Aber das ist gut. Denn unser ganzes Sein stellt uns immer wieder von Neuem vor Fragen, auf die wir keine Antwort haben. Wir sind dazu berufen, dass wir die Fragen stellen, damit wir uns im Angesicht der Probleme vorwärts bewegen. 

Das führt uns zurück zu Palachs Mutter. Sie musste damit zurechtkommen, dass sie nicht nur ihren Sohn verloren hatte, sondern dass auch weitere Mütter ihre Kinder verloren. Palachs Tod zog eine Welle von Selbstverbrennungen nach sich. Von Januar bis April 1969 haben sich sieben weitere Menschen selbst verbrannt und 19 zogen sich schwere Brandverletzungen zu. Wie hat sie das ertragen? 

Über die weiteren Verbrennungsopfer berichtete die Presse schon gar nicht mehr und viele Menschen wusste davon gar nichts. Nur Jan Zajic ist noch bekannt. Der Tod von ihrem Sohn hat Frau Palach in eine tiefe Krise gestürzt. Aber jeden Tag hat sie viele Briefe bekommen, in denen Menschen ihre Solidarität und ihren Dank aussprachen. Sie begann zu begreifen, dass die Familie den Tod von Jan überstehen wird. Es war für sie wie eine Erscheinung – dass die gesamte Gesellschaft zu so einer Anteilnahme erwachte. Sie erhielt auch von der jungen Frau Unterstützung, die mit Jan zusammen war. 

Die geheime Staatspolizei setzte dann Frau Palach unter Druck. Hatten Sie ebenfalls nach der Bestattung Probleme dieser Art

Nicht sofort. Aber im September, neun Monate nach der Beerdigung kamen sie damit, dass Palach diese Tat nur durchführen hatte können, weil er von jemandem vorbereitet worden war. Und dass das der Pfarrer gewesen sein musste. Sie hätten Zeugen, die sagen, dass ich es gewesen sei. Sie wollten das deswegen so drehen, damit sie hätten sagen können: „Seht, die Kirche hat eine schlimme Wirkung auf unsere Jugend!“ Ich bat darum, dass sie mir die Zeugen vorführten. Aber sie meinten, das könnten sie nicht. Sie wollten meinen Kalender sehen, um zu sehen, ob es nicht Notizen zu einem Treffen mit Palach gäbe. Ich hatte keine, weil ich außer dem Gespräch im Anschluss an den Gottesdienst Palach nicht getroffen hatte. Dann wollten sie mein Tagebuch sehen, aber ich gab es ihnen nicht. Direkt im Anschluss bin ich zum Synodalrat gegangen und habe mein Tagebuch in meiner Aktentasche fest unter meinen Arm geklemmt. Ich hatte Angst, dass jemand sie mir wegnahm. Drei Jahre später bekam ich dann die staatliche Erlaubnis entzogen, als Pfarrer zu arbeiten. 

Jan Palach wurde, nachdem Sie ihn auf dem Olšany Friedhof in Prag bestattet haben, kurze Zeit später nochmal umgelegt, auf den Heimatfriedhof in Všetaty. 

Ja, die Familie kam zu mir und fragte, was sie machen sollten. Man hatten ihnen gesagt, dass sie ihn entweder auf dem Friedhof in Všetaty begraben werden oder dass sie ihn in einem Gemeinschaftsgrab verscharren ohne Angabe des Ortes. Also lag er dann bis 1989 in Všetaty. 

Damit hatten die Kommunisten nicht viel gewonnen, die Menschen pilgerten jetzt zu zwei Gräbern... 

Auf dem Prager Olšany- Friedhof haben sie das Grab von Palach umbenannt, der Name einer fremden Frau stand dort. Aber die Leute stellten trotzdem dort Kerzen ab. In seinem Heimatort Všetaty hatte es die geheime Staatssicherheit einfacher. Dort fingen sie die Menge an jungen Leuten, die am Jahrestag zum Grab wollten, schon am Bahnhof ab. 

Auch wenn das Opfer Jan Palachs die Nation erschütterte, das System änderte es nicht. Das, was Palach bezwecken wollte, geschah erst 20 Jahre später – 1989. Die Samtene Revolution begann im Januar mit der Palach-Woche. Haben Sie sich dabei an Jan erinnert? Was dachten Sie? 

Ich dachte, er ist tot und er spricht doch noch immer zu uns. Das ist wie in der Bibel. Die Bindung zu seiner Tat war unverkennbar. In den Menschen war sie geblieben, die Menschen hatten sie die ganze Zeit in ihren Herzen getragen. Für mich ergab sich daraus, dass wir unser Leben jeden Tag verantwortungsvoll führen sollen. Und so wächst der Mensch. Es kultiviert ihn, es macht ihn einfühlungsvoll in die Probleme anderer in der Gesellschaft. Verantwortung ist für mich der Eckstein des Glaubens. Im Wort „Verantwortung“ kann man das Wort „Beantwortung“ hören – Antwort auf das, was uns in diesem Spruch überliefert ist: „Du sollst so handeln.“. So spricht uns Gott an, durch seinen heiligen Geist. 

Kann man in der Bibel ähnliche Opfer finden, wie das von Palach? 

Als ich die Beerdigungspredigt für Jan Palach vorbereitet habe, habe ich so ein Opfer bei Samson gefunden. Es war auch kein Suizid – er gab sich hin, damit seine Brüder leben könnten. Suizid ist ein Akt aus Hoffnungslosigkeit, Palach hatte aber Hoffnung, dass Menschen seiner Tat eine Bedeutung zumessen. Jan Palach habe ich nicht als jemand verstanden, der sein Leben zerstört, sondern der ein Zeuge ist. 

Das Interview wurde aus der Zeitschrift „Brana 1/19“ übernommen, die von der EKBB herausgegeben wird. Redaktionell gekürzt

Donnerstag, 18. April 2019

Ein besonderer Karfreitag 2019 - in Frankreich, Syrien und Österreich

Diese im Syrienkrieg zerstörte ev. Kirche konnte
mit Hilfe des GAW wieder aufgebaut werden
In vielen Kirchen in Deutschland und Europa wird am Karfreitag zur Solidarität mit der Kathedrale Notre Dame in Paris aufgerufen. Es wird zahlreiche Kollekten geben als Zeichen der Solidarität und der europäischen Verbundenheit über Konfessions- und Glaubensgrenzen hinweg. Die brennende Kathedrale im Herzen der französischen Metropole hat geschmerzt. Die Bilder und die Vorstellung, dass die Kathedrale nicht mehr das Herz von Paris sein könnte, dass man hier keine Kerzen zum stillen Gebet aufstellen kann berührt emotional. 

Inzwischen gab es eine große Spendenwelle für die Kathedrale. 1 Milliarde Euro wurden schon gesammelt - insbesondere von schwerreichen Franzosen, die hoffentlich die damit verbundenen großzügigen Steuervorteile nicht für sich in Anspruch nehmen werden. Denn das würde allein jetzt schon 450.000.000 Euro aus dem Staatshaushalt herausziehen - wie spiegel-online berichtete - und wahrscheinlich würde es Sozialausgaben mit beeinträchtigen.

Der katholische Erzbischof Schick besuchte gerade Syrien. Er zeigte sich bewegt von dem was er dort erlebte und von den Leidensgeschichten der Menschen. Ebenso berührt ihn, was mit Notre Dame geschieht. Wie wäre es, wenn man beides nicht gegeneinander ausspielt? Wie wäre es, wenn in diesem Zusammenhang eben auch auf die Not der vielen Marginalisierten und Vergessenen hingewiesen wird. Der Generalsekretär der "National Evangelical Synod of Syria and Lebanon" Joseph Kassab wies ebenso darauf hin, dass die Not der Menschen in Syrien langsam in Vergessenheit gerät. "Die Menschen leiden. Das Syrien, wie es vor dem Krieg bestand gibt es nicht mehr und wird es wohl nie wieder geben. es ist fragmentiert. Und in den Gebieten, wo die evangelischen Gemeinden sich befinden, ist die Not am Größten, denn hier herrscht die syrische Regierung, die massiv unter Druck gerät durch Sanktionen, Embargos. Und letztlich leiden die Menschen vor Ort am meisten!"

Wenn für jeden Euro für Notre Dame ein weiterer Euro für notleidende Menschen in Syrien am Karfreitag in der Kollekte gegeben wird... 

Ein weiteres Thema bewegt uns in diesem Jahr am Karfreitag: in Österreich ist der Karfreitag für evangelische Christen kein geschützter Feiertag mehr. Ein ganz normaler Arbeitstag, wenn nicht Urlaub genommen wird... 

"Der Karfreitag ist der Tag der Besinnung auf das Leiden in der Welt“ sagt Bischof Michael Bünker. Für Evangelische gilt er als zentraler Feiertag, „weil er den Blick schärfen kann für Menschen, die ohnmächtig sind, die unter Gewalt oder Krieg leiden.“ Der ganzen Gesellschaft würde ein solcher Tag gut tun. Für Christinnen und Christen sei der Blick auf den Karfreitag wichtig, „weil er den Weg Gottes bis ans Kreuz zeigt“ und ihn als einen ausweise, der sich mit den Leidenden identifiziere und solidarisiere. Der Abschaffung des Karfreitags als Feiertag für Evangelische und Altkatholiken kann der Bischof daher nicht zustimmen. Kritik äußert er insbesondere daran, dass Angehörige der betroffenen Kirchen nun einen Urlaubstag heranziehen müssten, um den Karfreitagsgottesdienst am Vormittag zu besuchen.

Spenden für Notleidende in Syrien: https://www.gustav-adolf-werk.de/spenden.html

Mittwoch, 17. April 2019

Den Armen Gerechtigkeit!


Schülerinnen einer luther. Schule in einem Armenviertel
in Santiago de CHILE
In dieser Karwoche erreichte mich ein Brief meiner Freundin Schwester Karoline Mayer aus Santiago de Chile, die seit Jahrzehnten in chilenischen Armenviertel arbeitet. Mit meiner lutherischen Versöhungsgemeinde war sie seit der Gründung nach dem Militärputsch im September 1973 eng verbunden. Insbesondere das Engagement für die Armen und Ausgegrenzten in der chilenischen Gesellschaft hat uns ökumenisch verbunden. Sie schreibt nun in ihrem Ostergruß:

"Mich persönlich beschäftigt seit Monaten das Thema „Aporophobie“ („aporoi“ im Griechischen „die Armen“): der Hass oder die Ablehnung des Armen. Eigentlich ist es ein Thema, das mich seit 50 Jahren beschäftigt und das in den meisten Kulturen, die ich kenne, gegenwärtig ist. Adela Cortina, eine bekannte spanische Rechtsprofessorin aus Valencia, hat diesen Begriff geprägt und verlangt, dass er in Spanien in den Diccionario der „Real Academia Española“ aufgenommen wird. Sie geht das Thema von vielen verschiedenen Ausgangspunkten an und will alle Länder und Gesellschaften zu einem würdigen Umgang einladen – auf Augenhöhe mit allen Armen unserer Welt und zur Zusammenarbeit bei der Überwindung der Aporophobie – letztlich zu einem guten Leben in Frieden aller Völker unserer Welt. Das ist für mich Mitarbeit am Reiche Gottes auf Erden zusammen mit allen Menschen guten Willens. Ich bin fasziniert von ihrem Aufruf, denn wir wollen ihn verwirklichen durch unseren Dienst an den Armen...
Dazu entspricht unser Einsatz der Einladung durch Jesus aus dem Herzen Gottes, den Armen die Frohe Botschaft verkünden, Kranke zu heilen, Unterdrückte zu befreien und das Gnadenjahr der Gerechtigkeit anzusagen."

Dem kann ich nur aus Herzen zustimmen, wenn mich heute sowohl aus Venezuela und aus Syrien Nachrichten erreichen über die Not und das Elend, unter dem, die Menschen leiden, weil Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeit die Menschen gefangen halten und in Armut und Elend stoßen. Der Überwindung von Armut - sowohl geistig als auch leiblich - dient auch unsere Arbeit im GAW. 

Pfr. Enno Haaks, Generalsekretär des GAW

Dienstag, 16. April 2019

Eine neue Kirche in Rio Aparecida - auch dank des GAW!

Neue lutherische Kirche in Rio Aparecida 
Am 8. Mai 2018 konnte die evangelisch-lutherische Gemeinde in Rio Aparecida (Brasilien) ihren Kirchenneubau beginnen. Am 15. April 2018 war die Grundsteinlegung. Schließlich konnte die Kirche im November 2018 unter großer Beteiligung eingeweiht werden. Um die Baukosten zu reduzieren haben die Gemeindemitglieder vieles in Eigenarbeit geleistet. In weniger als 10 Monaten konnte das Projekt vollendet werden.
Es ist die jüngste Gemeinde der Gesamtgemeinde in Rio Possmoser, die sich Ende November 2016 selbständig machen konnte. 15 Jahre zuvor war sie als Predigtort gegründet worden. Bislang traf  sich die Gemeinde in einer Garage zu ihren Gottesdiensten, Bibelstunden und Kinder- und Jugendgruppenstunden - ebenso der Posaunenchor.

Derzeit besteht die Gemeinde aus 45 Familien, d.h. dass ca. 200 Personen der Gemeinde angehören. Die Gemeindeglieder sind zumeist Kleinbauern pommerscher Herkunft. Sie leben weitgehend von der Landwirtschaft. Nach wie vor spielt dieser Dialekt im Gemeindeleben eine große Rolle und wirkt auch identitätsstiftend. Das religiöse Gemeindeleben spielt für die Gemeinschaft eine große Rolle. Die Teilnahme an Gottesdiensten und Gruppenangeboten ist sehr hoch. 

Dank der Spende zweier Gemeindemitglieder erhielt die Gemeinde ein Grundstück für den Kirchenbau.

In einfacher Bauweise wurde auf dem geschenkten Baugrund eine Kirche gebaut. Der Kirchraum ist so konzipiert, dass er auch für andere Gemeindeaktivitäten genutzt werden kann. "Wir wünschen, dass der Gottesdienstraum Menschen zueinander bringt, sie aufeinander weist - über das Kirchengemeindeleben hinaus!" schreibt der Vorsitzende der Gemeinde.

Die Gemeinde dankt insbesondere dem GAW für die erhaltene Spende von 13.000 Euro aus dem Projektkatalog 2018!

Freitag, 12. April 2019

Über die Not der evangelisch-presbyterianischen Kirche in Portugal

Frauengruppe in Palmela / Portugal
Kleine Diasporakirchen haben es schwer, sich in Erinnerung zu rufen und auf sich aufmerksam zu machen – gerade auch wenn sie aus verschiedenen Gründen unter Druck geraten. Ein Beispiel dazu ist die „Presbyterianische Kirche in Portugal“ (IEPP). Die Kirche beschreibt ihre derzeitige Situation: 

Die Presbyterianische Kirche in Portugal (IEPP) ist eine kleine Minderheitskirche mit 19 Kirchengemeinden, zwei diakonische Zentren. 8 Pastor*innen betreuen ca 2.000 Gemeindemitglieder. Sie ist bunt und vielfältig. Ökumenisch sehr engagiert und setzt sich für Menschen ein, die unter Ungerechtigkeit und Unterdrückung leiden. Sie will eine offene Kirche sein, die sich nicht abschottet. – So beschreibt sich die IEPP selbst. Gerade in den diakonischen Zentren bemüht sich die Kirche darum, das Leben von Menschen in sozialer Not zu verändern. 

Nur - die finanzielle Situation der Kirche ist schwach. Die Gehälter der Pastor*innen mussten erneut gekürzt werden. Sie bewegen sich am Niveau des Mindestlohnes im Land. Für einen jungen Menschen ist es sehr schwierig, sich für den Pfarrberuf zu entscheiden. Eine Familie ist davon nicht zu ernähren. Im vergangenen Jahr konnte die Kirche für 3 Monate die Pfarrer*innen nicht bezahlen. 

Gottesdienst in Ponta Delgada
Die portugiesische Wirtschaftslage ist nicht gut: Eine halbe Million Portugiesen wandern aus. Laut Statistiken der EU sind 23,3% der Bevölkerung vom Armutsrisiko in Portugal betroffen. Die wirtschaftliche Kluft zwischen armen und reichen Menschen wird größer. Der Stundenlohn in Portugal ist die Hälfte des Durchschnitts in der Eurozone. Viele Familien leben in prekären Situationen und verwahrlostem Zustand. 

Kinderarbeit ist in den nördlichen und zentralen Teilen Portugals verbreitet. Viele Kinder verlassen die Schule auf der Suche nach Arbeit. Fast eine halbe Million der in Armut lebenden Bürger ist unter 18 Jahre alt. Portugal hat den niedrigsten Mindestlohn in Europa (580,00 € / Monat) 

Die wirtschaftliche Krise hat die IEPP stark getroffen. Viele Mitglieder sind verarmt – dadurch auch die Kirche. Presbyterianische Mitglieder verloren ihre Arbeit, ihre Häuser und ziehen manchmal an Orte, wo es keine reformierte Kirche gibt. Einige sind in andere Länder ausgewandert. Es gibt in den Gemeinden zahlreiche Euro-Waisen-Kinder. „Als die Krise kam, hatten wir immer noch junge Leute in der Kirche, aber jetzt sind 80% von ihnen in viele verschiedene europäische und afrikanische Länder gegangen, um eine Stelle zu finden. In unserer Kirche sind auch alte Menschen sehr betroffen: 48% der alten Menschen in Portugal erhalten eine Sozialversicherungsrente von weniger als 300 €. 30% der alten Menschen sind allein, da die Familien ausgewandert sind.“ 

Der Ruf der IEPP am Ende der Beschreibung lautet: „Wir brauchen Hilfe, um Gottes Mission fortzusetzen. Das ist unser Schrei.“