Donnerstag, 18. Oktober 2018

Organisationsname mit politischer Sprengkraft

Skurril und zugleich erschreckend – so kann man das Erlebnis bezeichnen, das ein Taxifahrer hatte, als er am Flughafen von Buenos Aires im Auftrag der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP) auf einen Vertreter der deutschen Entwicklungshilfe-Organisation "Brot für die Welt" wartete.

Er tat nichts weiter als ein Schild hoch zu halten mit der spanischen Übersetzung von "Brot für die Welt": "Pan para el mundo". Innerhalb von wenigen Minuten kamen zwei Polizisten auf den Taxifahrer zu, führten ihn ab und beschuldigten ihn eines unerlaubten politischen Protestes. Sie nahmen ihm, nicht gerade freundlich, das Schild weg und er musste sich ausweisen. Zudem untersuchten sie ihn auf Waffen. Anscheinend war sein Schild von den Sicherheitskameras erfasst worden, woraufhin sofort die Flughafenpolizei alarmiert wurde.

Nachdem der Fahrer den Polizisten erklärt hatte, dass es sich um ein Missverständnis handelte, durfte er an seinen Platz zurückkehren, jedoch nur unter der Bedingung, nicht mehr den Namen der Organisation auf das Schild zu schreiben. Zum Glück wusste er den Namen des Passagiers, auf den er wartete. Dies sei durchaus nicht immer der Fall, erklärte Nicolás Rosenthal, Direktor der Diakoniestiftung "Hora de Obrar". Seine Einschätzung zu dem Vorfall: "Die Episode könnte man als lächerlich ansehen, wenn sie nicht die Verletzung mehrerer Verfassungsgarantien beinhalten würde. Daher erwägen wir, einen formellen Protest gegen das Verhalten der Polizei einzulegen. Nicht zuletzt zeigt es das restriktive politische Klima, das momentan in Argentinien herrscht." In diesem Klima kann ein einfacher Organisationsname politische Sprengkraft entfalten.

Wie das Gustav-Adolf-Werk ist auch "Brot für die Welt" eine Partnerorganisation von "Hora de Obrar". Deren Vertreter nahm an der Synode der IERP teil, die in der letzten Woche stattfand.
Sarah Münch, Mitarbeiterin für Frauenarbeit

Freitag, 12. Oktober 2018

Erinnern an Oscar Romero

Oscar Romero (1917-1980)
Am kommenden Sonntag wird Oscar Romero in der katholischen Kirche im Vatikan heilig gesprochen. Auch ein Grund für evangelische Kirchen, an ihn zu erinnern wie es im Augsburger Bekenntnis im 21. Artikel heißt: „Vom Heiligendienst wird von den Unseren so gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und auch wie ihnen durch den Glauben geholfen worden ist; außerdem soll man sich an ihren guten Werken ein Beispiel nehmen…“ 

In den evangelischen Kirchen Lateinamerikas wird Romero sehr geschätzt.


Romero, der am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes von Todesschwadronen erschossene Erzbischof von San Salvador, gilt für die Armen in der Kirche schon lange als heilig. Lange wurde der Prozess der Seligsprechung verzögert. Als "Stimme der Unterdrückten" ist sich der lateinamerikanische Theologe bewusst gewesen, dass erst der Rückhalt der einfachen Leute und Basisgemeinden ihn stark gemacht hat. Als Märtyrer bietet er auch heute Orientierung für evangelische Christen. 

Romero ist zudem ein Vorbild für die politische Dimension des Glaubens und für eine öffentliche Theologie, die ihren Auftrag am Dienst für die Armen orientiert. Hier wird die Beziehung zwischen Glauben und Politik deutlich. Der Glaube ist es, der den ersten Anstoß gibt, sich in die Welt der Armen hinein zu begeben und Befreiungsprozesse in Gang zu setzen. Dieses Hineingehen und praktische Handeln führt dann zu einer Konkretisierung fundamentaler Glaubensinhalte. 

„Die ersten Christen sagten: Gloria Dei, vivens homo. Wir könnten konkreter sagen: Gloria Dei, vivens pauper - die Ehre Gottes ist der Arme, der lebt. Wir glauben, dass wir - von der Transzendenz des Evangeliums her - sagen können, was wirkliches Leben für die Armen ist, und wir glauben auch, dass wir wissen werden, was die ewige Wahrheit des Evangeliums ist, wenn wir an der Seite der Armen stehen und versuchen, ihnen Leben zu ermöglichen. Die politische Dimension des Glaubens entdeckt man (nur) im praktischen und konkreten Dienst an den Armen.“ (Oscar Romero)

Mehr: https://www.evangelisch.de/inhalte/152767/12-10-2018/spaete-ehre-fuer-den-bischof-der-armen

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Ein neuer Kirchbau in Rio Aparecido in Brasilien

Der zukünftige Kircheninnenraum
Die evangelisch-lutherische Gemeinde in Rio Aparecida im brasilianische Bundesstaat Espiritu Santo ist die jüngste Gemeinde der Gesamtgemeinde in Rio Possmoser, die sich Ende November 2016 selbständig machen konnte. 15 Jahre zuvor war sie als Predigtort gegründet worden. Derzeit trifft sich die Gemeinde in einer Garage zu ihren Gottesdiensten, Bibelstunden und Kinder- und Jugendgruppenstunden. Auch der Posaunenchor probt hier.
Derzeit besteht die Gemeinde aus 45 Familien, d.h. dass ca. 200 Personen der Gemeinde angehören. Die Gemeindeglieder sind zumeist Kleinbauern pommerscher Herkunft. Sie leben weitgehend von der Landwirtschaft. Nach wie vor spielt dieser Dialekt im Gemeindeleben eine große Rolle und wirkt auch identitätsstiftend. Das religiöse Gemeindeleben spielt für die Gemeinschaft eine große Rolle. Die Teilnahme an Gottesdiensten und Gruppenangeboten ist sehr hoch. Die Gemeinde erhielt ein Grundstück als Schenkung zweier Gemeindeglieder. 

In einfacher Bauweise entsteht derzeit  auf dem geschenkten Grundstück eine Kirche. Der Kirchraum ist so konzipiert, dass er auch für andere Gemeindeaktivitäten genutzt werden kann. 

Ca. 72.000 Euro kostet das Bauvorhaben. Das GAW fördert in diesem Jahr die Kirche mit 13.000 Euro.
"Die Kirche ist praktisch fertig. Am 18.11. soll sie eingeweiht werden. Ein Kredit wurde aufgenommen, so dass mit den Arbeiten begonnen wurde. Man konnte nicht mehr warten. Mit der Beihilfe vom GAW zahlt die Gemeinde dann das Kredit wieder zurück," schreibt Pfarrer Martin Volkmann, Generalsekretär des GAW-Brasilien (OGA).

Allen Spendern, die in diesem Jahr dieses Kirchbauprojekt unterstützen sei herzlich gedankt.

Sonntag, 7. Oktober 2018

"Es geschah ein Wunder" im November ´89 (Pavel Smetana)

Pavel Smetana
"Es geschah ein Wunder!" Diese Worte schrieb Pavel Smetana, Synodalsenior der Evangelischen Kirche der Böhmische Brüder (1991-2003) in Tschechien im Jahre 1991, als er Rückblick hielt auf die dramatischen Ereignisse, die sich in der damaligen Tschechoslowakei im Jahr 1989 abspielten. Als "Samtene Revolution" gingen die Ereignisse des November/Dezember in die Geschichte ein. Am 16. November gab es eine große Studentendemonstration in Brastislava. Am 17. November gab es dann eine große Demonstration in Prag, die die Polizei gewaltsam zerschlagen wollte. Etwa 600 Personen wurden von den Sicherheitskräften verletzt. Am nächsten Tag riefen die Prager Studenten zu einem zeitlich unbegrenzten Studentenstreik auf; die Schauspieler der Prager Bühnen schlossen sich an. Diese Aktionen werden allgemein als Anfang der Revolution gesehen.
Pavel Smetana erinnerte sich: "Kurz vor Abschluss der abendlichen Sitzung der 26. Synode berichteten junge Mitglieder der Kirche am Freitag, 17. November 1989, von dem grausamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstration anlässlich des fünfzigsten Todestages des Studenten Jan Opletal, der am Beginn des Zweiten Weltkrieges von den Besatzern getötet worden war. Die berichtenden Jugendlichen trugen Spuren von Gewalttaten und erzählten von rücksichtsloser Gewalt gegenüber der wehrlosen Jugend. In schrecklicher Not und im Moment der Ratlosigkeit beauftragte die Versammlung ihren Vorsitzenden zu versuchen, sich mit den höchsten Repräsentanten des Staates in Verbindung zu setzen und um Hilfe zu bitten. Und dann traten unvergessliche Momente ein. Im Angstgefühl über das Schicksal der jungen Leute, unter denen viele Kinder von Delegierten waren, und sich der menschlichen Machtlosigkeit bewusst, begannen die Synodalen in Gebeten um Hilfe zu bitten. Sie sangen Lieder und vergegenwärtigten sich die biblischen Verheißungen. Und hier entstand die Überzeugung: Die Regierung hat endgültig das Recht auf die Verwaltung des Landes verloren. Es ist unbedingt notwendig, Widerstand zu leisten, ohne Rücksicht auf die Folgen, die dies für die Kirche haben wird...  In der Tschechoslowakei (hatte die Polizei eine) unglaubliche Macht zur
Verfügung: eine gut organisierte Polizei und Geheimpolizei, eine große Armee mit kommunistischen Offizieren, eine eigene Parteipolizei in den Betrieben sowie eine große Schar von Spitzeln und Provokateuren. Außerdem 100 000 sowjetische Soldaten im Lande. Auf der anderen Seite standen anfangs nur junge Leute mit leeren Händen, ein paar Schauspieler und eine kleine Gruppe von Dissidenten. Wie einfach war es für die kommunistische Führung, die Demonstration blutig zu unterdrücken. Trotzdem ist die Partei mit ihren Machtansprüchen nach nur zwei kurzen Wochen zurückgetreten. Da bleibt die Frage: Was geschah da eigentlich? Und ich antworte: Es geschah ein Wunder!"
Pavel Smetana wusste auch nüchtern die Wende in seinem Land zu interpretieren: 
"1. Nicht nur die Leitung, sondern auch die Mitglieder der kommunistischen Partei hatten bereits alle ihre Ideale verloren. Sie hatten nichts mehr, für das sie leben und sterben konnten.
2. Die ökonomische und ökologische Situation des Landes hatte sich in solch einem Ausmaß verschlechtert, daß es keine Hoffnung mehr gab, die Probleme im Rahmen der sozialistischen Strukturen zu lösen.
3. In den meisten Nachbarstaaten war es schon zu tiefgreifenden Veränderungen gekommen. Und besonders darf die Rolle der neuen Parteileitung in Moskau nicht übersehen oder vergessen werden."
Nüchtern sieht er auch die Rolle der Kirche, die nicht tapfer genug auf der Seite der Verfolgten stand. Sie habe nicht intensiv die Mächtigen daran erinnert, dass sie sich für ihre Taten verantworten müssen. Sie habe sich oft genug in ihr Ghetto zurückgezogen. Sie habe zu wenig auf Gottes Wort vertraut.  (Die Evangelische Diaspora, 60. Jg., 1991, Pavel Smetana, Erfahrungen einer ev. Diasporakirche vor und nach der Sanften Revolution, S. 39-47)

Pavel Smetana wird am 8.Oktober 2018 in Prag beerdigt. Er hat die Leitung seiner Kirche in schwieriger Zeit übernommen und segensreich gewirkt.

Am 9. Oktober wird in Leipzig das sog. "Lichtfest" gefeiert. Es erinnert an das entscheidende Friedensgebet in der Nikolaikirche mit den großen Demonstrationen, die zum Umsturz des DDR-Regimes führten. Auch hier war es gewaltlose Widerstand mit Gebeten, Kerzen und Demonstrationen, die zum Wandel führten. Ein Wunder! 

Mittwoch, 26. September 2018

Antonio Herrezuelo - evangelischer Märtyrer in Spanien

Verbrennung der Verurteilten am 21. Mai 1559 in Valladolid
Die römisch-katholische Kirche und das spanische Königshaus sahen in der Reformation  die religiöse Einheit des Abendlandes in Gefahr. Ab etwa 1518 verfolgte die Inquisition die - angeblich - häretischen Protestanten brutal. Der Protestantismus nach wenigen Jahren 'ausgerottet'. Einer der sog. "evangelischen Märtyrer, dessen Gedenktag der 26. September ist, ist Antonio Herrezuelo. Er war Mitglied der protestantischen Gemeinde von Valladolid, die um 1551 von dem Italiener Carlos de Seso gegründet worden war und inzwischen mehr als 50 Mitglieder hatte. De Seso war unter dem Einfluss von Schriften von Juan Valdes zum evangelischen Glauben konvertiert. Die reformatorische Bewegung im Raum Valladolid - damaliger Sitz des spanischen Hofes - mit ihren geheimen Gottesdiensten blieb zwei oder drei Jahre unentdeckt. Im Januar 1559  beauftragte Papst Paul IV. auf spanischen Wunsch den Großinquisitor, Ketzer zu finden und zu verurteilen. Am Gründonnerstag 1559 wurde die Versammlung der Gemeinde entdeckt, die meisten ihrer Mitglieder wurden gefangen genommen und vor die Inquisition gestellt. Am 21. Mai fand die öffentliche Verhandlung statt; mehr als 200.000 Menschen sollen ihr beigewohnt haben. Eine Reihe von Protestanten widerrief und ließ sich wieder in die katholische Kirche aufnehmen, darunter auch Antonius' Frau Leonor de Cisnere; andere bereuten und wurden deshalb nur erwürgt; Antonio dagegen blieb standhaft und wurde verbrannt.

San Fernando
Der Protestantismus in Spanien hatte dann erst wieder im 19. Jahrhundert in Spanien Fuss fassen können. Auch diese Anfänge waren nicht einfach. Ebenso schwierig war es im 20. Jahrhundert, in dem – bis auf die Ausnahme in der 2. Republik – die Protestanten nie über eine wahre Freiheit ihrer Religionsausübung verfügten. Erschwert wurde die Stellung des Protestantismus durch den spanischen Bürgerkrieg und die Folgen in den Jahren danach, in denen die Protestanten jede Art von Beeinträchtigungen, Verfolgungen, Verbannung und Tod erlitten haben – nur weil sie Protestanten waren. 

Eine schwierige Geschichte... - teilweise bis heute...- dennoch setzen sich die evangelischen Christen der Iglesia Evangélica Espanola (IEE) bis heute für Menschen ein, die auf Solidarität angewiesen sind. 

Die IEE ist Partnerkirche des GAW.

In diesem Jahr fördert das GAW die Sanierung des Gemeindzentrums in San Fernando:


Dienstag, 25. September 2018

Deutschland: Konfis sammeln zum Erntedankfest Spenden für GAW-Projekt in Venezuela

Kirchencafé im sächsischen Spremberg
zugunsten der GAW-Konfirmandengabe 2018.
Die angehenden Konfirmanden der evangelischen Kirchgemeinde im sächsischen Spremberg veranstalteten zum Erntedankfest am 9. September ein Kirchencafé zugunsten des Kinderheims "Casa Hogar" in Venezuela. Sie hatten Kuchen gebacken, Kaffee und Tee gekocht, stellten Bänke und Tische auf der Kirchenwiese auf und luden nach dem Gottesdienst zum gemütlichen Beisammensein. Schon im Gottesdienst hatten die Konfirmanden die Arbeit des GAW und das Kinderheim "Casa Hogar", das ein Projekt der 2018er GAW-Konfirmandengabe ist, vorgestellt. So spendeten die Cafébesucher gerne. 192 Euro konnten die Konfirmanden sammeln.

Für die Jungen im Kinderheim "Casa Hogar" in Venezuela
kamen 192 € zusammen. Herzlichen Dank!
Das Kinderheim "Casa Hogar" in der venezolanischen Stadt Valencia fängt Jungen aus sehr schwierigen sozialen Verhältnissen auf und ermöglicht ihnen einen guten Start ins Leben. Im Namen der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde in Valencia, die mit ihrer Stiftung "Liebe-Glaube-Hoffnung" Trägerin der Kinderheimes ist, bedanken wir uns sehr herzlich bei den Spremberger Konfirmanden.

Freitag, 21. September 2018

Kirchenglocken in Homs und überall auf der Welt rufen zum Frieden!!! Heute ist Weltfriedenstag!

Kirchenglocke in der evangelischen Kirche
in Homs / Syrien

Ende vergangenen Jahres war ich in Homs in Syrien. An einem Sonntag im Oktober feierten wir in der evangelischen Kirche in der Altstadt einen Gottesdienst in einer vollen Kirche. Die Altstadt war über zwei Jahre besetzt von islamistischen Kämpfern. Die evangelische Kirche war in der Zeit Rekrutierungszentrum von Islamisten – zudem war sie schwer beschädigt. Am Sonntag läutete ein Kirchenvorsteher per Hand die Glocke. In der ganzen Altstadt ist diese Glocke zu hören. Und sie ruft zum Frieden, zum Hören auf das Friedenswort: „Suche Frieden und jage ihm nach!" (Psalm 34,15) 

An diese Szene erinnere ich mich am heutigen Weltfriedenstag, an dem in ganz Deutschland um 18 Uhr die Glocken aller Kirchen zum Frieden rufen sollen. 

Der Weltfriedenstag soll nach Willen der Vereinten Nationen (UN) genutzt werden, um die Idee des Friedens sowohl innerhalb der Länder und Völker als auch zwischen ihnen zu stärken und insbesondere da hinzuschauen, wo der Frieden brüchig und bedroht ist. 

In der Bibel begegnet einem keine Formulierung so oft wie "Der Friede sei mit dir!" oder "Der Friede sei mit euch!". Danach sehnen wir uns alle – bei uns – in Syrien, in Venezuela… Frieden ist dabei nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts! Frieden ist  mehr als die Abwesenheit von Krieg und Gewalt. Unsere Sehnsucht nach Frieden ist mehr als der Wunsch, von Krieg verschont zu bleiben. Frieden ist – das realisieren wir heute mehr denn je – zuerst ein Geschenk. Wer im Frieden leben kann, ist mit Kostbarem beschenkt, vielleicht mit dem Kostbarsten, das ein Menschenleben zu bieten hat. Dafür müssen wir uns einsetzen, daran müssen wir arbeiten und immer wieder neu nach Wegen zum Frieden suchen. 

Wenn heute Abend um 18 Uhr die Glocken läuten, dann werde ich an unsere Glaubensgeschwister in Homs denken und für sie beten. Meine Gebete gehen auch nach Venezuela, wo eine humanitäre Katastrophe die Menschen aus dem Land drängt. Meine Gebete gehen nach Italien und all den Menschen, die sich für ein offenes Europa einsetzen. Meine Gebete gehen zu unseren griechischen Glaubensgeschwistern, dass sie Kraft und Ausdauer behalten, sich für Heimatlose und Vertriebene einsetzen. So viele Orte auf dieser Welt, wo der Frieden bedroht ist! 

Für wen betete Ihr heute Abend, wenn um 18 Uhr die Glocken läuten und zum Frieden rufen?



Enno Haaks, Pfarrer und Generalsekretär des GAW



Mittwoch, 19. September 2018

Ein Traum wird wahr... - eine Kirche in Brasilien saniert

Dachstuhlsanierung
"Die Evangelische Gemeinde aus Bom Retiro do Sul (Brasilien) bedankt sich ganz herzlich beim GAW für die großzügige Spende in Höhe von 12.000 Euro, die für das Restaurationsprojekt des evangelischen Kirchengebäudes zur Verfügung gestellt wurden. Durch diese finanzielle Unterstützung wurde ein Traum wahr. Der Erhalt unseres Kirchengebäudes symbolisiert auch das Leben in unserer Gemeinde, zu dem sich alle Mitglieder zusammen für ein gemeinsames Ziel eingesetzt haben. - Gott segne alle, die uns geholfen haben!" schreibt Pfarrerin Maria Grenzel Gressler, die die Gemeinde leitet

neu gedecktes Dach
110 km nordwestlich von der Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Sul, Porto Alegre, befindet sich die Stadt Bom Retiro do Sul. Zu ihr gehören 250 Familien, d.h. ca. 650 getaufte lutherische Gemeindeglieder. Die Geschichte der Gemeinde beginnt im Jahr 1889. Deutschstämmige Siedler gründeten den Ort. 1906 konnte die Gemeinde dann endlich eine eigene Kirche bauen, die inzwischen unter Denkmalschutz steht. Neben der Kirche gibt es ein Pfarr- und Gemeindehaus. Hier treffen sich die verschiedenen Gemeindegruppen. Es gibt eine aktive Kinder- und Jugendarbeit. Auch die aktive evangelische Frauenhilfe – OASE – trifft sich hier. Der Gemeindesaal bietet genug Raum für Gemeindefeste. 

Innenraumsanierung

Die Gemeinde hat sich in den vergangenen Jahren aktiv mit einem missionarischen Gemeindeaufbau auseinandergesetzt. „Die Gemeinde soll nach innen und außen wachsen“, schreibt Pfarrerin Maria Gressler. „Uns ist wichtig, dass sich die Gemeinde untereinander in Jesus Christus verbunden weiß, und dass sie mit frohem Mut das Evangelium weitergibt im Respekt vor anderen und der eigenen lutherischen Tradition. Wir wollen auch Zeichen setzen gegen jede Form der Diskriminierung.“ Bekannt ist die Gemeinde in der Umgebung für ihre aktive ökumenische Arbeit. 
Erster Gottesdienst in der sanierten Kirche

„Die Kirche mit Uhr und Glocke“ – so ist die Kirche der lutherischen Gemeinde weithin bekannt. Damit ist sie für alle Bewohner der Stadt ein Referenzpunkt. Der Erhalt der denkmalgeschützten Kirche war für die Gemeinde eine große Herausforderung. Die Kirche musste saniert werden – ebenso die Uhr und die Halterung für die Glocke. Der Dachstuhl und Holzboden waren von Termiten befallen, Uhr und Glockenwerk funktionierten nicht mehr. Zudem musste die Außenfassade saniert und neu gestrichen werden. Das ist jetzt gelungen. Im GAW-Projektkatalog 2016 wurde dafür gesammelt.

Dank allen Spendern!!!

Freitag, 14. September 2018

Syrien: Evangelische Emmanuelkirche in Aleppo wird wieder aufgebaut

Die Emmanuelkirche in Aleppo wird wieder aufgebaut.
Am 27. Januar 2016 wurde die armenisch-evangelische Emmanuelkirche in Aleppo von einer Mörsergranate getroffen. Das Dach der Kirche stürzte ein. Zum Glück waren zu diesem Zeitpunkt keine Menschen in der Kirche, sodass niemand verletzt wurde.
Heute schickte uns Pfarrer Haroutune Selimian aus Aleppo eine Nachricht: "Wir stehen hier und verladen die neuen Dachziegel für die Emmanuelkirche. In zwei Stunden sind wir fertig!"
Heute werden die neuen Ziegel für das Dach
der Emmanuelkirche verladen.
Mitte Juni dieses Jahres haben die Arbeiten zum Wiederaufbau der Emmanuelkirche in Aleppo begonnen: Das zerstörte Dach wurde abgetragen, wieder verwendbare Steine und Ziegel gesäubert, Wände wurden gemalert, die zerstörte Elektrik und die zerstörten sanitären Anlagen erneuert. "Die Menschen, die zur Emmanuelgemeinde gehören, sind so glücklich darüber, dass ihre Kirche wieder aufgebaut wird. Und auch für andere Christen in Aleppo ist der Wiederaufbau der Kirche ein Symbol der Hoffnung", schreibt Pfarrer Haroutune Selimian.

Wir danken allen Spenderinnen und Spendern, die den Wiederaufbau der Emmanuelkirche unterstützen. Hilfe wird auch weiterhin benötigt! Spenden Sie für den Wiederaufbau der Emmanuelkirche in Aleppo!

Spendenkonto:
Gustav-Adolf-Werk e.V.
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENO DE D1 DKD
Kennwort: Emmanuelkirche Aleppo

Donnerstag, 13. September 2018

Minderheitskirchen als Brückenorte – In der Schweiz beginnt die Vollversammlung der GEKE

Die Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) trifft sich ungefähr alle sechs Jahre, um die Arbeitsergebnisse der vergangenen Legislaturperiode zu besprechen und die zukünftige Ausrichtung der Arbeit festzulegen.

„Befreit – verbunden – engagiert“: Unter diesem Leitspruch findet vom 13.-18. September 2018 in Basel die achte Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE statt. 

Die Zusammenkunft der über 100 Mitgliedskirchen aus mehr als 30 Ländern will die
Basel
Kirchengemeinschaft untereinander stärken. Unter dem Titel „Gemeinsam Kirche sein“ werden Maßnahmen diskutiert, wie die Kirchengemeinschaft durch theologische Weiterarbeit vertieft werden kann. Dazu soll eine Charta zur Kirchengemeinschaft in der GEKE erarbeitet werden. Gleichzeitig will die GEKE den Mitgliedskirchen helfen, sich zu verschiedenen gesellschaftlichen Entwicklungen zu positionieren und öffentlich zu Wort zu melden. Weitere Schwerpunkte der Tagung sind Bildungsthemen und Herausforderungen für die Kirchen. 

Wichtig für die Vollversammlungen sind Impulse von außen, traditionell als „Zeitansage“ bezeichnet. Bei der Ansprache geht es darum, die Sicht einer außenstehenden Persönlichkeit auf ein aktuelles Thema kennenzulernen. Dazu konnte diesmal als Hauptredner Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft Sant‘Egidio, gewonnen werden. Mario Fischer, der designierte neue Generalsekretär der GEKE, erklärt: „Professor Riccardi setzt sich konsequent für eine Hinwendung der Kirchen zu den Rändern der Gesellschaft ein. Wir sind als Kirchen dazu herausgefordert, unsere Komfortzone zu verlassen und den Menschen das Wort der Hoffnung zuzusagen: dass ihr Leben eine Zukunft hat!“ 

In diese Richtung zielt auch die Beschäftigung mit dem Studiendokument zur „Theologie der Diaspora“, mit der sich die GEKE seit der vergangenen Vollversammlung auseinandergesetzt hat. Das Hauptanliegen des Dokuments ist es, die Diaspora nicht als Mangel zu verstehen, sondern als Gestaltung von Beziehungsfülle im Sinne der Nachfolge Christi. Es käme darauf an, die Netzwerke zu entdecken, in denen Gemeinden und Kirchen existieren. Im Dokument heißt es: „Christliche Minderheitenkirchen verfügen über ein sehr reiches Beziehungsnetzwerk; ein wichtiges davon ist die GEKE selbst. Auf diese Weise können Kirchen in Konflikten vermitteln, um Verständnis für andere nationale Perspektiven werben und so zum Frieden beitragen wie sie in früheren Zeiten leider oft zum Krieg beitrugen. Minderheitenkirchen sind so Brückenorte vielfältiger Art: zwischen Ost- und Westeuropa, zwischen Konfliktparteien, zwischen Christen und Nichtchristen.“ 

Wichtig ist die Perspektive, dass Minderheitenkirchen nicht nur Opfer, sondern auch Akteure gesellschaftlicher Prozesse sind und damit einen wichtigen Beitrag in ihrem jeweiligen Land und in ihrer jeweiligen Umgebung leisten. Ambivalente Erfahrungen, die sich mit der Diasporasituation verbinden, werden ausdrücklich benannt: Erfahrungen der Fremdheit und des Fremdseins und die daraus sich ableitende Herausforderung, eine Brückenfunktion zwischen dem Eigenen und dem Anderen wahrzunehmen. Es heißt: „Zum Brückesein gehört, das Getrennte zu verbinden, ohne ihre Verschiedenheit aufzuheben.“ 

In verschiedenen Zukunftsateliers geht es auf der Vollversammlung auch um die Frage der Stärkung der Dienstgemeinschaft. Unter welchen Schwerpunktthemen kann die GEKE zeichenhaft Projekte fördern, die deutlich machen, dass aus dem Glauben her die engagierte Tat erfolgt? Das GAW ist im Gespräch mit der GEKE, um die Zusammenarbeit an diesem Punkt auszubauen. Die Mittel für diese Projekte stellt die italiensiche Waldenserkirche über die OPM-Steuer zur Verfügung.

Bei allem soll auf der Vollversammlung das gemeinsame gottesdienstliche Leben gestärkt werden. „Die GEKE ist vor allem gottesdienstliche Gemeinschaft“, erinnert Generalsekretär Bischof Michael Bünker in seinem Vorwort zum „Europäischen Gottesdienstatlas“ an die Feststellung des Präsidiums der GEKE. Der Atlas, der rechtzeitig zur Vollversammlung erschienen ist, sei „ein Ergebnis der guten Zusammenarbeit mit und zwischen den Mitgliedskirchen, die sich im Bereich Liturgie in den letzten Jahren erfreulich intensiviert hat“, so Jochen Arnold, Liturgiebeauftragter der GEKE. 

Am Sonntagabend, dem 16. September, wählt die Vollversammlung zudem einen neuen Rat – das oberste Leitungsgremium der GEKE –, der die Kirchengemeinschaft in den kommenden sechs Jahren lenken wird. Ebenso wird über den künftigen Sitz der GEKE abgestimmt. Die Amtszeit von Bischof Dr. Michael Bünker endet mit dieser Vollversammlung. Der designierte neue Generalsekretär ist Pfr. Mario Fischer.

Dienstag, 11. September 2018

Losungen für Spanien und Lateinamerika

Spanische Losungen zum Versand bereit
Ein wichtiger Dienst des GAW ist es, Losungsbüchlein in die weltweite evangelische Diaspora zu verschicken. Derzeit werden an die spanischsprachigen  Partnerkirchen in Lateinamerika und Spanien  Losungen verschickt. 

Mit Hilfe des sog. GAW-Schriftendienstes - ein spröde klingendes Wort - wird diese Arbeit geleistet. Der Schriftendienst ist eine wichtige Unterstützung der pastoralen Arbeit und der Bildungsarbeit in der Diaspora. Das GAW stärkt damit den Bildungsanspruch evangelischer Kirchen. Heutzutage ein so wichtiger Auftrag der Kirchen, um sich gegen jegliche Form von Extremismus zu wenden und differenziertes Denken und Handeln zu ermöglichen. Die Losungen sind ein Teil dieser Arbeit. 

Dazu unterstützt das GAW die Bibliotheken Evangelischer Theologischer Fakultäten in der Diaspora, um die Qualität der Aus- und Weiterbildung zu stärken. Dafür braucht es theologische Fachliteratur. 

Helfen Sie mit, den Bildungsauftrag durch den Schriftendienst zu stärken: 


Montag, 10. September 2018

Ein Diakoniezentrum für Garliava in Liatauen

Diakoniezentrum Garliava
Am 18. August 2018  konnte unter Anteilnahme vieler Gäste und Förderer das Diakoniezentrum der lutherischen Kirche Litauens in Garliava eingeweiht werden.

Es soll mehrfach genutzt werden:

Zunächst soll es als Unterkunft für ehemalige Drogenabhängige dienen, die nahe der Stadt wohnen sollen, um wieder in die Arbeitswelt integriert zu werden. Es handelt sich vor allem um ehemalige Bewohner des Projektes „Gabrielius“ in Vyžiai, wo in einem renovierten Pastorat in einer sehr ländlichen Gegend Drogenabhängige bis zu 1 ½ Jahre wohnen und Unterstützung bei ihrer Befreiung von der Sucht bekommen können. Zu ihrer Rehabilitation stehen im Zentrum in Garliava sieben Zimmer mit jeweils ein bis zwei Betten zur Verfügung.

Dann soll es ein Tageszentrum für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien sein. In eigenen Räumen sollen Kinder an jedem Werktag zwischen 12 und 18 Uhr die Möglichkeit bekommen, Hausaufgaben zu machen, zu duschen, Wäsche zu waschen, Kleidung zu erhalten und soziale Fähigkeiten wie Kommunikation und Haushaltsaufgaben zu erlernen und zu vertiefen. Noch immer gibt es viele sogenannte „Euro-Waisen“ in Litauen, deren Eltern ins Ausland gegangen sind und ihre Kinder bei Verwandten oder Nachbarinnen und Nachbarn oder allein zurücklassen.

Festgottesdienst zur Eröffnung
Und schließlich soll es als  Gottesdienstraum für die lutherischen Christinnen und Christen in Garliava dienen. 


Das Diakoniezentrum in Garliava steht auf dem Gelände eines alten Pastorats, das der Lutherischen Kirche vom Staat zurückgegeben wurde. Die Kirche neben dem Grundstück gehört einem Privatmann. Die Kirche wurde nicht zurückgegeben.


Seit der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit hat Litauen eine beachtliche wirtschaftliche Entwicklung geschafft – die jedoch wie in vielen Transformationsländern auch große soziale und psychologische Probleme mit sich brachte. Zugleich fehlen im Land vielfach Einrichtungen, in denen z.B. suchtkranke Menschen und ihre Familien Hilfe suchen könnten. Die litauische Diakonie „Sandora“ leistet in diesem Bereich mit ihren Diakoniestationen sowie dem Rehabilitationszentrum für Suchtkranke „Gabrielius“ eine beispielhafte Arbeit. 
Insofern ist das neue Zentrum eine wichtige neue Einrichtung für die lutherische Kirche.

Das GAW hat in den Projektkatalogen 2016 und 2017 Mittel gesammelt für die Errichtung. Zudem wurde die Ausstattung des Gottesdienstraumes über das GAW vermittelt.

Allen Spendern sei gedankt!