Dienstag, 21. März 2017

Ein Fahrstuhl für Catania

Pastor Andreas Latz (ELKI)
 "Ohne die Hilfe des GAW wäre es schwer geworden, den Fahrstuhl in den Wohnblock, in dem sich unser Gemeindezentrum in Catania befindet, einzubauen", berichtet Pastor Andreas Latz von der kleinen lutherischen Gemeinde.
Die Gemeinde ist eine von sechs Gruppen der ca. 250 Gemeindemitglieder der lutherischen Kirche (ELKI) auf Sizilien. Zu Catania gehören ca. 50 Mitglieder. Die Gemeinde Sizilien wurde 1996 gegründet. Der Pfarrbezirk umfasst die gesamte Insel Sizilien sowie die Provinz Reggio Calabria. Die Gemeindeglieder sind größtenteils  sogenannte „Heiratsmigrantinnen“. Eine wichtige Aufgabe der lutherischen Gemeinde ist es, das Leben dieser Frauen in und zwischen den verschiedenen Kulturen, Sprachen, Traditionen und religiösen Prägungen zu begleiten. Die Gemeindemitglieder sind älter geworden. Umso wichtiger war der Einbau des Fahrstuhls. Nach längeren Verhandlungen mit den anderen Besitzern des Hauses waren diese Arbeiten vor zwei Jahren möglich geworden. Das GAW hat 16.000 Euro zur Verfügung gestellt im PK 2006.
"Nun sind die Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen für alle Gemeindemitglieder wieder gut zu erreichen, denn das Gemeindezentrum befindet sich im 1. Stock", sagt Pastor Latz. Mitten im Zentrum von Catania befindet sich das alte Stadthaus, in dem die Gemeinde ihre Räume hat.

Sonntag, 19. März 2017

Flüchtlinge in Vittoria auf Sizilien

Waldenserkirche in Vittoria
"Der italienische Staat ist alleine überfordert mit der Unterbringung und Begleitung von Flüchtlingen", sagt Paolo Naso, der für die Tavola Valdese die Flüchtlingsarbeit koordiniert. "Vor allen Dingen geht es dabei um die Unterbringung der Flüchtlinge. Institutionen, Kirchen, Organisationen können sich beim Staat bewerben. Für die Unterbringung bekommt man dann durchschnittlich 35 Euro. Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gibt es 10 Euro mehr." Natürlich reicht dieses Geld nicht, wenn man sich kompetent und professionell um die Flüchtlinge kümmern will und helfen will, sie zu integrieren.
Die Waldenserkirche betreibt neben dem Haus der Kulturen von Meditteranaen Hope in Vittoria (Sizilien) eine weitere Aufnahmeeinrichtung in einem zur Kirche gehörenden Altersheim.
1933 wurde das Altersheim gegründet. Anlass war, dass evangelische Senioren, die auf eine Unterbringung in einem Heim angewiesen waren, nicht in katholischen Heimen aufgenommen wurden. Im Laufe der Jahre wurden so Plätze für 75 Senioren geschaffen. Lange Zeit wurde das Heim, das direkt an die Kirche angebaut wurde und mit der Kirche einen Komplex bildet, von dem Pastor der Gemeinde begleitet. Bei der Vielfalt der Arbeit musste die Gemeindearbeit zurückstecken. Jetzt sind nur noch wenige Mitglieder übrig geblieben.
Als im Altersheim Plätze frei waren und die Not bestand, Flüchtlinge aufzunehmen, entschloss sich die Waldenserkirche, Flüchtlinge gemeinsam mit Senioren im Altersheim unterzubringen. Die ersten Erfahrungen zeigen positive Effekte für beide Bewohnergruppen. 25 Senioren wohnen noch im Heim nun mit 50 Flüchtlingen unter einem Dach. Dazu hat die Kirche weitere Wohnungen angemietet, so dass sie ca. 100 Flüchtlinge aufgenommen hat für die Zeit, in der ihr Aufenthaltsrecht geprüft wird. Das kann von 9 Monaten bis zu 1 1/2 Jahren dauern.
Die Waldensergemeinde ist durch ihr Engagement inzwischen mit 45 Angestellten ein guter Arbeitgeber.

Samstag, 18. März 2017

Hoffnung "Europa"


"All die Flüchtlinge die auf Lampedus ankommen sind keine Nummern. Sie sind Menschen und angewiesen wie wir, dass sie als solche angesehen werden", sagt Alberto, einer von vier Mitarbeitern von Mediterranean Hope (MH). Sie leben auf Lampedusa, der Insel, die für viele Flüchtlinge zur Hoffnung geworden ist auf dem Weg nach Europa. Es ist quasi die einzig verbliebene Route übers Mittelmeer, nachdem der Weg über Griechenland geschlossen ist.
Auslöser für MH war der 3. Oktober 2013. Damals ertranken 368 Menschen vor Lampedusa. Darauf beschlossen die Waldenser, zusammen mit anderen protestantischen Kräften in Italien, auf Lampedusa eine Beobachtungsstelle aufzubauen.
Paolo Naso (li.), daneben Alberto
Mediterranean Hope ist ein Projekt der Föderation der Evangelischen Kirchen Italiens zusammen mit der Tavola Valdese, das angesichts der Abschottungspolitik der Europäischen Union und des damit verbundenen ständigen Sterbens von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer entstanden ist. Die Mitarbeiter von MH haben die Erlaubnis, im abgesperrten Teil des Hafens bei der Ankunft der Bootsflüchtlinge anwesend zu sein. "Wichtig ist, dass die Flüchtlinge nicht nur von Polizisten in Uniform und medizinischem Personal mit Mundschutz empfangen werden, sondern auch von Menschen, die ihnen zuhören", sagt Alberto. "Und wichtig ist es, dass wir ihre Geschichten sammeln und weitererzählen, denn die meisten haben guten Gründe den lebensgefährlichen Weg übers Meer anzutreten. Beim Ankommenden gibt es eine Erstversorgung mit Wasser, Keksen und Wärmedecken. Oft müssen die Flüchtlinge drei oder mehr Stunden auf der Mole warten. Anschließend werden die Flüchtlinge mit einem Bus ins nahe Durchgangszentrum gefahren. Mehr als 72 Stunden sollte der Aufenthalt der Flüchtlinge auf Lampedusa nicht dauern, bis sie in Schiffen in die Empfangszentren auf Sizilien gebracht werden. Dennoch verbringen manche über einen Monat auf der Insel, in der es eigentlich nichts gibt. 
MH konzentriert sich auf zwei eng miteinander verknüpfte Bereiche, die sich in zwei Einrichtungen auf Lampedusa und in Scicli konkretisieren:
Da ist auf der einen Seite das „Beobachtungsstation (Osservatorio)“ auf Lampedusa mit dem Team, zu dem Alberto gehört. Hier werden zum einen Beziehungen unterschiedlicher Art gepflegt: zu den relevanten Institutionen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene, zur lokalen Bevölkerung sowie zu Vereinen und Nichtregierungsorganisationen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene
Daneben werden Informationen gesammelt und verbreitet über die Situation der ankommenden Flüchtlinge, eventuelle Menschenrechtsverletzungen und das Funktionieren oder Nicht-Funktionieren geregelter Asylverfahren. Ziel ist es eine nationale Vernetzung zu erreichen zum Informationsaustausch, zur Aufnahme der Flüchtlinge, zur politischen Mobilisierung und kulturellen Sensibilisierung.
Als zweite Einrichtungen ist da das Haus der Kulturen in Scicli auf Sizilien. Hier werden ca. 30-40 Flüchtlinge in einer Erstaufnahmeeinrichtung aufgenommen, die Orientierung und Bildung bietet, Vor allem werden hier interkulturelle soziale Angebote für die Flüchtlinge und die ortsansässige Bevölkerung gemacht, die der Integration dienen sollen.
Ein wichtiger Baustein der Flüchtlingsarbeit von MH sind zudem die Humanitären Korridore. Durch ein Abkommen mit dem italienischen Staat ist es gelungen, auf legalem Wege Flüchtlingen in Not im Libanon und in Marokko ein humanitäres Visum für Italien auszustellen . 1.000 Flüchtlinge sollen so auf diesem Wege nach Europa kommen dürfen. Schleppern soll so ihr Geschäft genommen werden. "Die humanitären Korridore, durch die MH für Flüchtlinge eine sichere, legale und kontrollierte Einreise nach Italien organisiert, sind ein zwar kleines, aber wegweisendes Mittel, um Menschlichkeit zu zeigen", sagt Paolo Naso, der für die Waldenserkirche MH leitet. "Uns leitet bei unserer Arbeit ein Ausspruch von Martin Luther King", sagt Paolo Naso. "Die Feigheit fragt ‚Ist es sicher?‘ Der Opportunismus fragt ‚Ist es diplomatisch?‘ Die Eitelkeit kommt dazu und fragt ‚Ist es populär?‘ Doch das Gewissen fragt nur ‚Ist es richtig?‘ und es kommt eine Zeit, in der man eine Position einnehmen muss, die weder sicher, noch diplomatisch, noch populär ist, die man jedoch einnehmen muss, weil einem das Gewissen sagt, dass sie richtig ist.“

Donnerstag, 16. März 2017

Flüchtlingshilfe in Catania

Pastorin Silvia Rapisarda (2.v.l.), Pastor Andreas Latz (1v.r.)
"Für uns als evangelische Gemeinden in Catania war der 18. April 2015 der entscheidende Tag, dass wir gesagt haben: Wir müssen als evangelische Christen mehr tun für die Flüchtlinge, die die lebensbedrohliche Fahrt über das Mittelmeer von Nordarfika nach Italien antreten", sagt Pastorin Silvia Rapisarda, die die baptistiche und waldensische Gemeinde in Catania betreut. "Gemeinsam mit Pastor Andreas Latz von der lutherischen Kirche in Catania sind wir am 20. April zum Hafen von Catania gegangen, wo die 28 Überlebenden einer der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen an Land gekommen sind. Wohl mehr als 800 Menschen sind im Mittelmeer ertrunken."
"Das hat uns dazu gebracht, gemeinsam zu überlegen, was wir tun können"; sagt Pastor Latz. "Zudem bat der Lutherische Weltbund (LWB) bald danach darum, dass wir als Kirche Zeichen setzen und hat Unterstützung zugesagt."
In der Wohnung für Flüchtlinge in Catania
Zunächst haben die Gemeinden geholfen, Flüchtlinge zu versorgen, sie zu begleiten bei den legalen Fragen und auch psychologische Hilfe zu organisieren. Bald war aber klar, dass die evangelischen Gemeinden zusätzlich helfen wollten, Flüchtlinge unterzubringen und sie zu unterstützen, sich zu integrieren. Denn: Kommt ein Flüchtling in Sizilien an, dann wird er zunächst in einem Hotspot registriert. Häufig werden hier schon die Flüchtlinge nach Ländern eingeordnet, in der Hoffnung einige zurückschicken zu können. Ist die Registrierung erfolgt, dann beginnt die Verteilung auf die Kommunen in ganz Italien. Hier gibt es für mindestens 90-180 Tage finanzielle Unterstützung. Nun gilt es auf den Bescheid zum Asylantrag zu warten. Fällt der negativ aus, dann müssten sie zurück. Viele tauchen dann aber ab. Wer eine Aufenthaltserlaubnis bekommt - das kann ein halbes Jahr oder auch fünf Jahre sein, muss er/sie sehen, wie es weitergehen kann. Da fehlt es dann an konkreten Hilfen.
Die evangelischen Gemeinden in Catania versuchen hier anzusetzen. Sie haben in der Nähe ihrer Gemeindezentren in der Stadtmitte eine Wohnung gemietet für acht Flüchtlinge, die eine befristete Aufenthaltserlaubnis bekommen haben. Mit Hilfe des LWB und Unterstützung der Kirchen und Gemeinden sollen die Flüchtlinge Sprachunterricht bekommen und versucht werden, ihnen die Chance auf Arbeit zu vermitteln. "Die meisten Flüchtlinge auf Sizilien kommen aus Westafrika - derzeit mit Schwerpunkt aus Gambia. Sie haben auf ihrer oft mehrjährigen Flucht durch den Kontinent Traumatisches erlebt. Hier braucht es auch psychologische Hilfe", sagt Pastorin Silvia. "Für uns sind es Menschen mit ihren Geschichten. Es sind unsere Nächsten, um die wir uns kümmern müssen. Und wir hoffen, mit unserem Projekt ein Zeichen setzen zu können."

Flüchtlingen Perspektiven geben

"Mediterranean Hope" heißt eine Initiative der evangelischen Kirchen in Italien (FCEI) und der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio. Die Initiative ist auf verschiedene Weise in der Flüchtlingshilfe aktiv. Über die humanitären Korridore sind bis jetzt tausend geflüchtete Afrikaner und Syrer vom Libanon nach Italien eingereist, um dort ein humanitäres Visum zu beantragen. Durch dieses Projekt soll die lebensgefährliche Flucht über das Mittelmeer vermieden und den Schleusern die Geschäftsgrundlage entzogen werden.
Besonders schutzbedürftige Menschen wie unbegleitete Minderjährige, allein reisende Frauen mit kleinen Kindern oder Kranke sind dabei im Blick. »Ziel ist außerdem, die Einreise nach Italien auf sichere Art und Weise auch für alle anderen zu gewährleisten, denn wer ein humanitäres Visum erhält, wird vorher genau kontrolliert«, erläutert Pastor Jens Hansen von der Tavola Valdese. Die beteiligten Kirchen haben sich gegenüber dem italienischen Staat verpflichtet, ein halbes Jahr für die Eingereisten zu sorgen. 
An diese beispielhafte Hilfe, die gleichzeitig ein politisches Signal ist, will die Waldensergemeinde in Messian auf Sizilien mit einem Projekt Ende diesen Jahres anknüpfen. Über "Mediterranean Hope" sollen drei Familien gefunden werden. Voraussetzung ist, dass sie in ihrer Heimat in der Landwirtschaft tätig waren. In einem ersten Jahr sollen sie die italienische Sprache lernen und psychologische Hilfe erhalten. Im zweiten und dritten Jahr soll mit Hilfe der Präfektur ein Ort gefunden werden, wo sie sich ansiedeln und Land zum Bewirtschaften erhalten können. Durch italienische Fachkräfte sollen sie angeleitet werden, ihr Land zu bebauen.
Das Projekt will der Landflucht etwas entgegensetzen und zeigen, dass man im Süden Italiens von seiner Hände Arbeit leben kann. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Dörfer leeren sich. Das Land verödet. "Das kann doch eine Chance sein auch für die Menschen, die alles verloren haben. Und gleichzeitig hilft es der Region", so Pastor Hansen. Mit Politikern wurde Kontakt aufgenommen. Es sieht so aus, dass das Projekt bald starten kann. Die Begleitung durch die Kirchengemeinde in Messina ist jedenfalls sicher.

Mittwoch, 15. März 2017

Waldenser in Calabrien

Pastor Hansen vor seiner Kirche
 
In Calabrien, im Süden Italiens, gibt es noch drei Waldensergemeinden. Ursprünglich gab es  im 13. Jahrhundert eine Besiedlung durch Waldenser im Süden . Sie hatten mehrere Städte gegründet und konnten relativ frei ihren Glauben leben. Das änderte sich, nachdem sich im 16. Jahrhundert die Waldenser der reformatorischen Bewegung anschlossen und sie einen evangelischen Pfarrer  bekamen. Auf einmal wurden sie sichtbarer. Das weckte die Aufmerksamkeit der Inquisition. Die letzten Waldenser wurden schließlich nach blutigen Verfolgungen 1561 aus der Region vertrieben. Erst mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts siedelten sich wieder evangelische Christen an und gründeten Gemeinden. Eine Besonderheit  bildet da die Gemeinde in Catanzaro. Sie wurde von Methodisten aus Nordamerika 1912 gegründet, dann an die Baptisten übergeben und schließlich, nachdem diese aus Nordamerika keine Unterstützung mehr bekamen den Waldensern anvertraut. Seit 1954 gehört sie zur Waldenserkirche. In den letzten Jahren ist die Mitgliederzahl bei 85 Mitgliedern – mit Sympathisanten ca. 130 Personen – relativ stabil geblieben, weil immer wieder auch Katholiken  und Pfingstler den Weg zu der ökumenisch offenen Gemeinde finden. Und das bei sinkender Bevölkerungszahl…   Calabrien gilt als strukturschwache Region. Die Jugendarbeitslosikgkeit liegt bei  über 30%. Viele junge Menschen wandern ab. Das wird wahrscheinlich so anhalten.  Man schätzt, dass von den 1,5 Millionen Einwohnern Calabriens  bis 2025 noch zahlreiche Menschen gehen werden. In diesem Kontext evangelische Kirche zu sein ist eine Herausforderung.
Dennoch verzagt die kleine Waldensergemeinde  nicht. Giampiero,  Gemeindepräsident In Catanzaro, ist dennoch nicht mut- und hoffnungslos. „Es gibt doch so viel zu tun. In meinen Kindergottesdienst kommen immer über 10 Kinder.  Und außerdem sind wir gerufen hier und jetzt unseren Glauben nach außen zu zeigen. Für mich heißt das in jedem Menschen egal welcher Hautfarbe, welcher Herkunft und welchen Glaubens den Nächsten zu sehen, den Gott liebt. Und wenn wir weniger werden, dann gilt es, das anzunehmen und Glauben zu bezeugen.

Montag, 13. März 2017

Venezuela in Not

Es ist weiterhin sehr schwierig unter den derzeitigen katastrophalen politischen und wirtschaftlichen Umständen in Venezuela zu leben und zu arbeiten. Laut der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ befindet sich das südamerikanische Land Venezuela im freien Fall. Es besteht durchaus die Gefahr, dass das derzeitige Regime mit Gewalt und Unterdrückung auf die fortschreitenden sozialen Spannungen reagiert. Venezuela kämpft mit einer systembedingten Wirtschaftskrise, die sich im Jahr 2014 mit dem Fall der Ölpreise verschlechterte und von einem Mangel an Lebensmitteln und Medizin gekennzeichnet ist. Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) könnte die Inflation in diesem Jahr 1.660 Prozent erreichen. Die Produktion von Lebensmitteln im eigenen Land ist in den vergangenen Jahren immer stärker eingebrochen. Nur noch 1/3 des eigenen Bedarfes kann im eigenen Land abgedeckt werden. Der Rest muss importiert werden. Die Teuerung im Land und der massive Einbruch der Kaufkraft ist ein enormer sozialer Sprengstoff.
Wie kann man unter den derzeitigen Bedingungen als kleine lutherische Kirche noch arbeiten? 
„Unsere Pfarrgehälter liegen im Vergleich zu 2011 nur noch bei ca. 10 % dessen, was wir heute damit anfangen können“, schreibt der lutherische Kirchenpräsident Gerardo Hands. „Derzeit zehren wir noch von Ersparnissen und davon, dass wir uns stark einschränken.“ Drei der vier Pfarrer – einer davon von der EKD entsandt für die deutschsprachige Gemeinde in Caracas – leisten unter den derzeitigen Bedingungen eine wichtige und notwendige Arbeit in ihren Gemeinden mit ihren stark verringerten Bezügen. Pfarrer Hands betreut neben seiner Gemeinde eine Schule, ein Straßenkinderheim und ein Sozialzentrum mit einem Kindergarten. „Dank der Hilfe des GAW und finnischer Partner haben wir jetzt wieder Lebensmittel in den USA beschaffen können für unser Straßenkinderheim. Das hilft erst einmal wieder für zwei Monate“, sagte Hands. „Absolut schwierig ist die Beschaffung von Medikamenten. Hier herrscht totaler Mangel. Das Zentrum „Acción Ecumenica“ mit deinem Medizinzentrum versucht Not zu lindern, ist aber sehr beschränkt durch die fehlenden Arzneien.“ 
Die Arbeit der Pfarrer ist unter diesen Bedingungen immens wichtig, um Hoffnung angesichts so großer Hoffnungslosigkeit zu leben und zu verkünden, um die Gemeinden zusammen zu halten, um zum Dialog aufzurufen und bei allem den Glauben zu stärken.

Das GAW wird für den Kauf von Lebensmitteln 2.000 Euro überweisen. Die drei Pfarrer erhalten über die Ökumenische Pfarrerhilfe eine Sonderhilfe von 500 Euro je Pfarrer.

Spenden für die lutherische Kirche in Venezuela für die Unterstützung der Gemeindearbeit, der diakonischen Arbeit und der Mitarbeitenden werden gebraucht: 

KD-Bank
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENODED1DKD
Stichwort: Venzuela

Freitag, 10. März 2017

Eindrücke einer Reise nach Tschechien

Rivka Schunk, Theologiestudentin aus Tübingen, nahm an der GAW-Reise nach Tschechien zu der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder teil und schildert ihre Eindrücke:
"Wieder mal bin ich froh, dass ich die Einladung des GAW wahrgenommen habe und mit etwa zwanzig anderen Studierenden und Herrn Haaks in Prag war. Ich hatte ähnliche Eindrücke wie in Warschau erwartet und musste feststellen, dass ich die Vielfältigkeit der osteuropäischen evangelischen Kirchen unterschätzt habe. 
Insgesamt schien mir die evangelische Kirche der Böhmischen Brüder sehr homogen in ihrer Glaubenseinstellung/-Praxis, sehr liberal und sehr aktiv zu sein. 
Auffällig war, wie oft auf ihre ereignisreiche Geschichte, insbesondere auf Hus, verwiesen wurde. Aber ich hatte dennoch das Gefühl, dass sich die Kirche gerade aus dieser Geschichte heraus mehr in der Verantwortung sieht, öffentlich als politisches Korrektiv – wirklich aktiv - zu agieren, als ich das hierzulande oft wahrnehme. In diesem Zusammenhang beeindruckte mich besonders der Vortrag des Minderheitenpfarrers, der uns einen kleinen Eindruck von der erstarkenden rechtsorientierten Politik Tschechiens vermittelte. 
Sehr eindrücklich war für mich auch der von Anfang an menschliche, direkte und offenherzige Umgang der Studenten und kirchlichen Mitarbeiter – mit uns, aber auch vor allem untereinander, selbst von Seiten des Bischofs. 
Es waren wirklich vier wunderbare, interessante Tage. Wobei ich es auch wieder erstaunlich und bereichernd fand, wie gut sich die Gruppe der deutschen Studierenden untereinander verstanden hat. Einen solchen „interdeutschen“ Austausch zwischen Theologiestudierenden könnte es ruhig öfters geben."
Im März hatte das GAW zum vierten Mal eine Diasporareise für Theologiestudierende angeboten. Besucht werden Städte mit einer evangelisch-theologischen Fakultät, um einen Austausch zwischen Theologiestudierenden verschiedener Kirchen anzuregen. Im kommenden Jahr wird Cluj/Klausenburg in Rumänien das Ziel der Besuchsreise sein.

Donnerstag, 9. März 2017

Beten für Christen in Zentralasien

Artikel in der Sächsischen Kirchenzeitung "DER SONNTAG" vom 9. März 

Der Sonntag Reminiszere am 12. März 2017 ist den Christen in Zentralasien gewidmet. Das GAW will im Jahr 2017 seine Partnerkirchen in Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan mit insgesamt 92 800 Euro unterstützen. Einen großen Anteil daran hat die Frauenarbeit mit ihrem Jahresprojekt.

Unsere Materialien:
Beilage des Magazins „Evangelisch weltweit" 1/2017 Download

Materialheft der GAW-Frauenarbeit (52 Seiten über Kirche, Gesellschaft und Menschen in Kasachstan und Kirgisistan) kostenlose Materialbestellungen

Die Materialsammlung der EKD: 

https://www.ekd.de/themen/material/reminiszere2017/index.html

Mittwoch, 8. März 2017

Bischof Fabiny zur Flüchtlingspolitik in seinem Land

Bischof Dr. Tamás Fabiny
Auf evangelisch.de gefunden:

Der ungarische Bischof Tamás Fabiny hat die Flüchtlingspolitik seines Landes kritisiert. Insbesondere die Entscheidung des ungarischen Parlamentes vom Dienstag, Asylbewerber künftig in Grenznähe zu internieren, sieht der Theologe mit Sorge. Der Evangelische Pressedienst (epd) befragte den Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Ungarn während eines Besuches in Brüssel.

Wie sieht die aktuelle Situation von Flüchtlingen in Ungarn aus?

Tamás Fabiny: Die Regierung und das Parlament haben die Asyl- und Fremdengesetze in den letzten zwei Jahren systematisch verschärft. Im Dezember wurde das vielleicht beste Flüchtlingslager Ungarns in der Nähe von Budapest geschlossen, und viele von denjenigen, die dort auf das Ende ihres Asylverfahrens warteten, wurden in ein Zeltlager überstellt - bei Temperaturen bis minus 15 Grad. Ich befürchte, dass die Regierung alle Flüchtlinge an der Grenze stoppen will. Nunmehr werden alle Flüchtlinge in sogenannte Transitzonen gebracht werden, die sie bis zur Entscheidung über ihren Asylantrag nicht verlassen dürfen.

Noch besorgniserregender ist es, dass der Schutz der unbegleiteten Minderjährigen und der Familien größtenteils abgeschafft wird.

Fabiny: Die Regierung sagt: Hilfe muss dorthin exportiert werden, wo das Problem entsteht. Damit kann man natürlich einverstanden sein. Die Regierung hat also Hilfsprogramme in Syrien und im Irak angekündigt, zugunsten - in erster Linie - christlicher Gemeinschaften.

Wie sieht Ungarn die deutsche Flüchtlingspolitik?

Fabiny: Ministerpräsident Viktor Orban stellt es so dar, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Meinung geändert habe und die "Willkommenskultur" für keinen Erfolg halte. Ich sehe das ein bisschen anders. Ich habe verschiedene erfolgreiche Integrationsprojekte für Flüchtlinge in Deutschland besucht. Wenn wir der ungarischen Bevölkerung diese konkreten Beispiele vermitteln könnten, gäbe es dort weniger Angst vor Migranten.

Wie gehen die Kirchen in Ungarn heute mit Flüchtlingen um?

Fabiny: Die wichtigste Aufgabe der Kirche ist es, den Hass gegenüber Migranten zu bekämpfen. Die Kirchen haben zum Beispiel viele Schulen. Unsere Kirche hat in den Schulen eine Null-Toleranz-Politik bei Hass gegen Ausländer, Juden, Homosexuelle oder Flüchtlinge eingeführt. Wir können auch positive Beispielen von Integrationsprojekten geben, dadurch können wir das Denken in der ungarischen Öffentlichkeit positiv beeinflussen. Die Kirchen sind auch in einem Gremium der Regierung tätig, um die Christenverfolgung in anderen Ländern zu bekämpfen. Unsere Hilfe für Flüchtlinge ist nur glaubwürdig, wenn wir unsere Stimme auch gegen die Verfolgung von Christen anderswo auf der Welt erheben - und umgekehrt.

Dienstag, 7. März 2017

Ein Talar für Temuco

Pastor Eduardo mit seinem neuen Talar
Aus Temuco in Chile erreicht uns dieser Brief von Pastor Eduardo Rojo:
"Die Gemeinde von Temuco und ich haben uns sehr über den Talar gefreut, den wir vom GAW erhalten haben. Hier in Chile sind kirchliche Symbole sehr wichtig für die Menschen, die ihren Glauben in ihrer Tradition gelernt haben. Dazu gehört bei uns auch der schwarze Talar. Das hilft, sich in der Kirche spirituell zu Hause zu fühlen.
Der Talar ist wunderschön und angenehm zu tragen.Der Talar ist aus Bayern und  bedeutet eine willkommene Wiederbegegnung mit der Tradition, in der selber im Glauben groß geworden bin. Einerseits wurde ich in meiner Heimatstadt Punta Arenas von einem Pfarrer aus Bayern konfirmiert. Andererseits verbrachte ich die meiste Zeit meines Theologiestudiums in München. So ist das sicherlich kein Zufall, sonder ein Geschenk Gottes, dass ich diesen Talar jetzt tragen kann.
Dabei bin ich aber dem Pastor sehr dankbar, der bereit war seinen eigenen Talar zu schenken und ihn so weit reisen zu lassen, auf dass er einem unbekannten Amtsbruder weiter dienen würde. Andererseits bin ich dem GAW sehr dankbar dafür, dass es so etwas möglich macht. Denn das stärkt letztendlich die Kirchen in der Diaspora, und den Austausch zwischen den Christen und den Gemeinden. - Nochmals vielen, vielen Dank! Euer Pastor Edaurdo aus Temuco”

Das GAW vermittelt gebrauchte und gut erhaltene Talare in die Diaspora! Sie können in die GAW-Zentrale gesendet werden: GAW, Pistorisstrasse 6, 04229 Leipzig

Sonntag, 5. März 2017

Bei den Kongregationalisten Bulgariens

Im Gespräch mit den Vertretern der Kongregat. Kirche
Die Union der Kongregationalistsichen Kirche in Bulgarien gehört zu den ältesten evangelischen Denominationen in Bulgarien.
Sie ist Mitgliedskirche der Weltgemeinschaft Refomierter Kirchen und erhält für die Unterstützung der Pfarrer auch Hilfen von der Evangelischen Partnerhilfe.
Insgesamt hat sie ca. 3.700 Mitglieder in 35 eigenständigen Gemeinden und noch einmal entsprechend 35 Missionsgemeinden, die jeweils abhängig sind von den eigenständigen Gemeinden. 20 Pfarrer begleiten die Gemeinden, die unterschiedliche Größen haben.

Noch vor dem Ende der 500-jährigen osmanischen Herrschaft 1878 kamen 1856 die ersten protestantischen Prediger aus der Schweiz, Dänemark und Norwegen nach Bulgarien. 1857 folgten Methodisten (im Norden Bulgariens) und Kongregationalisten (im Süden Bulgariens) aus den USA. 
Der erste Fürst Bulgariens nach der Befreiung ALEXANDER von BATTENBERG war Lutheraner. Nach dem russisch-türkischen Krieg 1877/1878 erlangte Bulgarien die Selbständigkeit. Mit dem Frieden von San Stefano wurden die Grundlagen für den modernen bulgarischen Staat gelegt.

Seit 1909 agieren Methodisten, Kongregationalisten und Baptisten in Bulgarien gemeinsam im Bund Evangelischer Kirchen. 

Insgesamt soll es schätzungsweise 200.000 "Evangelische" geben, wobei die Kongregationalisten mit ihren 3.700 Mitgliedern und die Methodisten mit ca. 1.500 Mitgliedern auch auf Grund ihrer strikten Mitgliederzählung zu den kleinen evangelischen Kirchen. Historisch sind sie am Längsten im Land vertreten.

Beide Kirchen arbeiten in der Evangelischen Allianz mit. Wichtig ist diese Zusammenarbeit, um gegenüber dem Staat mit einer Stimme aufzutreten, insbesondere wenn es um gemeinsame Interessen geht. In der Theologischen Ausbildung arbeitet man nicht zusammen, obwohl es sich anbieten könnte, in einem gemeinsamen ökumenischen Institut für die eigene Pastorenausbildung zu sorgen. Es gibt scheinbar lehrmäßig so große Differenzen, dass das derzeit nicht denkbar ist. So haben sich die Methodisten für ihren Theologenausbildung entschieden, sich in einer dreijährigen Ausbildung an die orthodoxe Fakultät in Sofia anzuschließen. Gekoppelt damit ist eine virtuelle Fernausbildung im methodistischen europäischen Kontext. Die Kongregationalisten haben sich einem Fernausbilungsprogramm der Presbyterianischen Kirche der USA angeschlossen und koppeln das in einer fünfjährigen Ausbildungsphase mit Präsenz und Begleitungsphasen in Bulgarien.

Auch die kleinen Kirchen sind konfrontiert mit den großen gesellschaftlichen Herausforderungen:
Landflucht, Migration ins Ausland, Integration der Roma, Armutsbekämpfung, Korruption im Land.