Donnerstag, 11. September 2008

Georgien. Ein "Fünf-Tage-Krieg", der noch andauert

Es ist seltsam, dass manche Medien den Konflikt um Südossetien und Abchasien schon als „Fünf-Tage-Krieg“ bezeichnen. Er dauert doch immer noch an. Eben besuchte eine Delegation des Ökumenischen Rats der Kirchen Georgien und Russland. 40 Kilometer aus Georgien in die Südossetische Provinzhauptstadt Tskhinvali erwiesen sich als ein unüberwindbares Hindernis. 4000 Kilometer Umweg über Moskau waren nötig, um dort anzukommen. Und russische Soldaten stehen weiterhin auch auf dem Gebiet, das man als „georgisches Kernland“ bezeichnet.
Riesige Aufgaben der Katastrophenhilfe stehen Georgien noch bevor. Denn die Vertriebenen aus Ossetien und Abchasien werden kaum eine reale Chance haben, je in ihre Dörfer zurückzukehren.

Dieser Krieg ist eindeutig kein Glaubenskrieg gewesen. Leider konnte der gemeinsame Glaube ihn auch nicht verhindern. Zu hoffen bleibt, dass die mäßigenden Äußerungen der beiden orthodoxen Kirchenoberhäupter Ilija II. (Georgien) und Alexi II. (Russland) und ihre Zusammenarbeit trotz der Kampfhandlungen den einen oder anderen Menschen auf den verschiedenen Konfliktseiten doch zum Nachdenken gebracht haben.

Unser Partner, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Georgien, hat im Krieg nicht direkt gelitten. Dr. Henrich Scheffer, der als Propst diese Kirche leitet, hat uns bestätigt, dass die Gebäude und Gemeindeglieder den Konflikt ohne Schaden überstanden haben. Allerdings besteht zu der Gemeinde in Suchumi, Abchasien, gegenwärtig kein direkter Kontakt.

Beinahe alle lutherische Gemeinden haben kleine Hilfsprojekte gestartet, indem sie den Menschen helfen, die mit leeren Händen vor dem Krieg geflüchtet sind. Dr. Scheffer schreibt:
„In der Nachbarschaft von fünf Gemeinden sind Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht. Zum Teil in zumutbaren Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen, zum Teil auch in menschenunwürdigen Behauseungen. Die Grundversorgung mit den erforderlichen Mitteln zum Leben durch staatliche Stellen ist schwach und bedarf vielfältiger Ergänzung. Die Gemeindeglieder haben sich aufgemacht, diese Menschen zu besuchen und mit dem Notwendigen zu helfen. Dabei erleben Gemeindeglieder Diakonie ganz neu: als Hilfe für den fremden Nächsten im Not – vor der eigenen Haustür. Diese Erfahrung ist gerade dort heilsam, wo – wie in unserer Kirche – Diakonie heißt, Dienste und Unterstützung für sich selbst zu erbitten.“
Georgische Lutheraner werden bei ihrem Einsatz auch aus Deutschland unterstützt.