Sonntag, 12. Dezember 2010

Advent- und Weihnachtsgruß aus Argentinien

René Krüger
René Krüger, Theologieprofessor an der ISEDET in Argentinien schreibt uns einen nachdenklichen Advents- und Weihnachtsgruß:
"Zum 3. Advent und als Vorweihnachtsgruß erlaube ich mir, euch ein einfaches Krippenspiel zu schicken, das ich 1991 (auf Spanisch) geschrieben habe. Damals arbeitete ich im Pfarramt Gualeguaychú, Provinz Entre Ríos, Argentinien. Wir haben das Krippenspiel mit den Kindern und Jugendlichen eingeübt und in vielen Gemeinden aufgeführt. "Erlebt" müsste man eigentlich sagen, denn überall schlossen sich interessante Gespräche und auch Aussprachen mit der zu Heiligabend oder zum Weihnachtsgottesdienst versammelten Gemeinde an. Obwohl das Krippenspiel fast 20 Jahre alt ist, finde ich die behandelte Thematik immer noch aktuell. Eigentlich noch viel aktueller als vor zwei Jahrzehnten, denn in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde in ganz Lateinamerika das globalisierte, neoliberale System eingeführt und durchgeboxt, mit dem Ergebnis, dass auf der einen Seite die egoistische Verschwendung bei der oberen Mittelschicht und der Oberschicht unheimlich angestiegen ist und auf der anderen Seite die Verarmung der Mittelschicht und die Verelendung der Unterschicht sämtliche Statistiken gesprengt hat. Gerade zu Weihnachten machen sich diese gravierenden Gräben sehr schmerzhaft bemerkbar. Die Gegensätze können nicht größer sein: Proppenvolle Schaufenster, eine Verschwendung ohnegleichen, sinnlose Fresserei und Sauferei, Luxusreisen, totale Sinnentleerung des Festes. Dazu alkoholisierte Jugendbanden, die grölend am 24. Dezember die Straßen verunsichern; inhaltsleere Talkshows, in denen sich Prominente gegenseitig zuprosten. Zugleich halb verhungerte Kinder, die sich die Nasen an den Schaufenstern der Luxusstraßen in Buenos Aires platt drücken; in ein paar Lumpen gehüllte Gestalten, die die Mülleimer auf der Suche nach etwas Essbarem durchwühlen; von ihrem Stammesland rausgeschossene Indigene, denen auch noch die ärmlichen Hütten angezündet wurden; Fremdenhass...
Möge Gott uns zu all dem verrückten Kommerzrummel und zur Gewalt ganz klar und eindeutig Nein sagen lehren und uns Augen, Ohren, Herz, Verstand, Hände und Taschen für das Kind in Windeln und in der Krippe öffnen. Möge er uns Friedens- und Segensalternativen für diejenigen zeigen, die überhaupt nichts zu feiern haben. Möge er unsere Gemeinden in ihrem Entschluss bestärken, allein auf unseren Herrn zu hören und zu vertrauen. Mit herzlichen Grüßen, René Krüger"
P.S.: Das Krippenspiel kann per mail in der Zentrale des GAW abgerufen werden! (info@gustav-adolf-werk.de)

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