Mittwoch, 5. Januar 2011

Nachricht aus Griechenland

Seit 2010 arbeit Pfarrer René Lammer in der deutschsprachigen Auslandsgemeinde inAthen/Griechenland. In Deustchland haben wir die Wirtschaftskrise und den harten Sparkurs der griechischen Regierung intensiv verfolgt und damit einhergehenden politischen Spannungen. Zudem wird immer bewußter, wieviele Menschen über Griechenland nach Europa illegal einwandern. Pfarrer Lammer, der insgesamt 14 Jahre in Lateinamerika gearbeitet hat, schreibt uns:
"Manches erinnert durchaus an Santiago zu unserer Zeit. Ausnahmezustand und dann doch wieder über weite Strecken Normalität, dass man sich fragt: Na und? Die Griechen sitzen nach wie vor gerne in den Cafés und plaudern ohne Unterbrechung, und andererseits geht dann wieder vor lauter Streiks und Blockaden gar nichts mehr und alle werden mehr als kribbelig. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Lage hier immer weiter eskaliert und schließlich und endlich auch bürgerkriegsartige Zustände erreicht werden. Und genauso natürlich, dass davor autoritär durchgegriffen wird, mit allem, was dazu gehört. Griechenland ist ja auch in dieser Beziehung Schwellenland, mit langer Partisanen-, Kommunisten- und Militärregierungstradition. Wenn man dazu noch die immensen Probleme durch die illegale Einwanderung wahrnimmt (90% der Immigranten in Europa kommen mittlerweile über Griechenland) lässt sich erahnen, wie viel Sprengstoff hier vorhanden ist. Die Zustände von Bettlern auf den Straßen, Müll der nicht abgeholt wird und sich türmt etc. erinnern wirklich sehr an ein Entwicklungsland. - Aber natürlich kann sich die ganze Spannung auch wieder langsam und allmählich auflösen. Ein paar Zugeständnisse beim Schuldenabbau, Migration der Griechen nach Nord- und Westeuropa und alles läuft auf einem niedrigen Level weiter. Letztlich ist das ja das wahrscheinliche Szenarium. In jedem Fall erleben die stolzen Griechen diese Situation als sehr kränkend."

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