Freitag, 7. Oktober 2011

Estland - eine schwierige Geschichte

In der kommunistischen Zeit, als Estland Teil der Sowjetunion war, hatte der lutherische Bischof 1975 eine Dienstreise in den Westen genutzt, um die „Leuenberger Konkordie“ zu unterschreiben. Seitdem gehört Estland zur Gemeinschaft Europäischer Kirchen in Europa (GEKE) – Leuenberger Kirchengemeinschaft. Diese Verbindung hat Estland ein Stück aus der Isolation geführt und Aufmerksamkeit gebracht.

Durch den Einfluss ihrer Oberschicht deutscher Herkunft hat Estland die Reformation so rasch angenommen wie sonst kaum ein Land in Europa. Unter der schwedischen Herrschaft hat sich die lutherische Kirche etablieren können. Und auch als unter dem russischen Einfluss Peter des Großen die orthodoxe Kirche zur Staatskirche erhoben worden ist, hat sich die Mehrheit zur lutherischen Kirche gehalten. „Wir Lutheraner“, so Erzbischof Põder, „verstehen uns in einer kirchlichen Linie von der Christianisierung über die Reformation bis in die Neuorganisation der Volkskirche im 20. Jahrhundert.“ Bis zur russischen Besetzung 1940 sind 85 Prozent der Esten Lutheraner gewesen. Durch den kommunistischen Terror hat Estland ein Fünftel seiner Bevölkerung verloren. Es gab mehrere Deportationswellen. Kaum eine estnische Familie hat kein Opfer zu beklagen. Die vielen deutschen Pfarrer sind schon 1939 ausgesiedelt worden und andere geflohen. In dieser schweren Zeit bis zur politischen Wende war das kirchliche Leben auf den Gottesdienst in den Kirchen beschränkt gewesen und alles andere verboten.
Von den 1,3 Millionen Einwohnern Estlands sind 300.000 Russen überwiegend orthodoxen Glaubens, aber nur noch 160.000 getaufte Lutheraner in 166 Gemeinden. 35.000 Mitglieder zahlen Beiträge. - Pfarrer Enno Haaks

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