Donnerstag, 22. Dezember 2011

Wie geht es in Kaliningrad weiter?

Propstei Kaliningrad
In diesem Jahr feierte die Propstei Kaliningrad der Evangelischen Lutherischen Kirche im Europäischen Russland ihr 20-jähriges Bestehen. Im Anfang war es Pfarrer Kurt Beyer aus Sachsen, der aufopferungsvoll als Propst lutherisches Leben wieder aufgebaut hat. Danach hat er sich sehr rege um Kontaktpflege zu Spendern bemüht und dafür gesorgt, dass das geistliche Leben weiter wachsen konnte. Dabei ging es am Anfang um den Aufbau „aus Ruinen“. „Es gab dort absolut k e i n e Gemeinden! Es war Stalins atheistisches Musterland. Die Leute, die dann aus Kasachstan usw. kamen, nutzen das Gebiet als Absprung nach Deutschland,“ erzählt Vera Gast-Kellert, Vorsitzende der GAW-Frauenarbeit. „Kaliningrad ist mit nichts anderem zu vergleichen!“ 
Von Anfang an war es nicht leicht, diese Arbeit zu finanzieren. Zum Glück hat die Nordelbische Kirche geholfen und eben das Gustav-Adolf-Werk, vor allem aus Sachsen. Ohne diese beiden Partner wäre es nicht möglich gewesen, neben der Gemeindearbeit auch eine diakonische Arbeit aufzubauen. Keiner war darauf vorbereitet, und die Lage dort war grauenhaft. „Als mein Mann und ich 1993 zum ersten Mal da waren, waren wir nur erschüttert, obwohl wir beide schon viel von der Welt gesehen hatten“, fährt Vera Gast-Kellert fort. „Wir haben immer gesagt, dass man an diesem Gebiet die Sünden des letzten Jahrhunderts in konzentrierter Form erlebt: Folgen des Nationalsozialismus und Stalinismus und Krieg, Militarismus, Umweltsünden wie kaum woanders, ethnische Säuberungen, extreme Verarmung.“ 
Viele Menschen sehnten sich nach geistlicher Erbauung. Vera Gast-Kellert erzählt: „Ich erinnere mich an einen Sonntagmorgen, als nach dem Gottesdienst eine Frau auf mich zukam und sagte: 'Vera, was wäre unser Leben ohne diese Gottesdienste.'“ Es gab nichts! Und jetzt ist es wieder möglich, Gottes Wort zu hören und Glauben zu leben – eben auch auf evangelische Weise. Das kirchliche Leben ist nicht einfach aufrecht zu halten. Es gibt viele Probleme. Geschätzt gehören zur Propstei in Kaliningrad ca. 2000 Mitglieder. Dabei gibt es zahlreiche Pfarrer und Angestellte. Wie sollen die Gehälter bezahlt werden? Wie muss sich die Propstei verändern, damit sie nachhaltig lebensfähig ist? Wie können eigene Mittel generiert werden? 

Das bewegt die Menschen zur Zeit sehr, die sich für die Propstei einsetzen. Und vor allem ist das ein Thema das den zuständigen Bischof Brauer in Moskau umtreibt. - Pfarrer Enno Haaks

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