Freitag, 20. Januar 2012

Kinderheim in Šakiai

Kinderheim in Šakiai/Litauen
Mitten im Winter in Litauen, im alten Memelgebiet steht ein barfüßiges, vierjähriges Mädchen vor der Tür des Kinderheimes der lutherischen Gemeinde in Šakiai. Sie bittet um Einlass. Sie hat an die 10 km allein zurückgelegt, nur um in dieses Kinderheim zu kommen. Sie hatte sich erinnern können, denn sie war als dreijähriges Kind schon einmal dort. Das ist nur eine von 38 Geschichten von Kindern und Jugendlichen, die dank der lutherischen Gemeinde ein Dach über dem Kopf  haben, eine sichere Unterkunft, wo sie nicht geschlagen werden oder verwahrlosen, wo sie regelmäßig zu essen bekommen und auf sie aufgepaßt wird. Schlimm sind diese Geschichten der Halb- und Vollwaisen, von denen es noch viel mehr gibt. 
Mühsam hat die Gemeinde es geschafft mit Hilfe des GAW und des unermüdlichen Einsatzes einer lutherischen Gemeinde in Sachsen, in Brünlos, diese Arbeit ins Leben zu rufen und zu erhalten. Der Staat bezahlt die Gehälter der Angestellten, die in drei Schichten sich der Kinder annehmen. Ihre Gehälter bewegen sich zwischen 250 und 300 Euro. Das ist nicht viel, denn die Lebenshaltungskosten sind hoch. Zwei Frauen der Mitarbeiterschaft arbeiten hin und wieder als Pflegekraft in Deutschland, um das Gehalt aufzubessern. Da sind sie keine Ausnahme. In der strukturschwachen Region im Memelland ist es nicht leicht, Arbeit zu finden. An die 45% Arbeitslosigkeit soll es geben. Die offiziellen Zahlen sind niedriger, jedoch geschönt. Viele sind in den vergangenen 10 Jahren ausgewandert. Man spricht von 500.000 Litauern, die im Ausland neue Arbeit gesucht haben. 
Unter all diesen Problemen leiden Kinder häufig zuerst. Wenn Hoffnung und Perspektive fehlt - was kann man dann machen? Wie kann man Hoffnung weitergeben? Das Kinderheim ist eigentlich für 30 Kinder ausgelegt. Inzwischen sind 38 Kinder aufgenommen worden. Dank eines EU-Projektes soll nun ein zweites Haus angebaut werden für 30 Kinder. Die Kommune hat zugesichert, dass sie die laufenden Betriebskosten für sieben Jahre absichern wird. Denn - es fehlen Plätze für Kinder, die zu Hause keine Hoffnung mehr haben.- Pfarrer Enno Haaks

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