Samstag, 26. Mai 2012

Lutheraner in Russland

Altarraum der luth. Kirche in Uljanowsk
"Die lutherische Kirche ist kein einheitliches Gebilde", erklärte Propst Matthias Zierold aus St. Petersburg am Beginn der Delegationsreise des GAW in das Ev.-Lutherische Kirche im Europäischen Russland (ELKER). "Und die den Gemeinden übergeordnete Kirchenstruktur mit dem Zentralen Kirchenamt, dem Amt des Erzbischofs, der Generalsynode wird oft als nicht passend zu den Kirchengemeinden empfunden." Das können wir inzwischen gut nachempfinden: Wir haben Brüdergemeinden kennengelernt mit ihrer ganz eigenen Tradition, in der ein Prediger, der viel erlitten hat, Predigten von Carl Blum vorliest. Daneben existieren evangelikal ausgerichtete Gemeinden, die sich Unterstützung und Begleitung aus Nordamerika oder Norwegen holen. Hier gibt es klare Moralvorstellungen, aber auch einen bewundernswerten diakonischen Einsatz. Dann gibt es traditionelle lutherische Gemeinden wie in St. Petersburg. Dann gibt es ordinierte Pastorinnen, die um ihre Rechte kämpfen mussten. Losgelöst davon erscheint die Ausbildungsstätte Nowosaratowka. Je nachdem, wo man sich befindet, sieht man die ELKER in einem anderen Licht. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Gelingt es, die Kirchenstrukturen an die Realität einer kleiner gewordenen Kirche anzupassen? Wird das Kircheneigentum vom Staat zurückgegeben, und hat man die Menschen, die sich um die Bewirtschaftung kümmern können, um eine nachhaltige Kirche zu entwickeln, deren Abhängigkeit aus dem Ausland mehr und mehr weniger wird? Schaffen es die Verantwortlichen, für ihre Kirchengebäude vernünftige Nutzungskonzepte zu entwickeln? Und wie bildet man die Gemeindeleiter fort? Schaffte man es, ein gemeinsames Konzept zu entwickeln und das Seminar in Nowosaratowka dahingehend einzubinden?
Je nachdem, wo man ist und mit wem man spricht, ergeben sich neue Aspekte, die helfen zu verstehen, dass nach einer langen Diktatur Kirche ganz neu gegründet werden muss. Dabei gehört die Erinnerung an die schwere Vergangenheit ebenso dazu wie eine Wertschätzung der verschiedenen Traditionen. - Pfarrer Enno Haaks

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