Mittwoch, 23. Mai 2012

Rückgabe von Kircheneigentum in Russland


Der russische Staat hat im vergangenen Jahr ein Restitutionsgesetz erlassen. Es erlaubt u.a. Kirchen, ihre ehemaligen Liegenschaften wieder als Besitz zu erlangen. Das ist für viele Kirchengemeinden überlebensnotwendig. „Für 12 Liegenschaften haben wir in St. Petersburg einen Antrag auf Rückübertragung gestellt“, erzählte uns der Verwaltungsleiter Valentin Dovgan in St. Petersburg. „Damit könnten wir bei guter Bewirtschaftung u.a. die Ausbildungsstätte finanzieren.“ Über das Zentrale Kirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche (ELK) wird jetzt schon eine Buchhandlung am Newski Prospekt geführt, das Gewinne erwirtschaftet. In Moskau ist man ebenfalls dabei, die Papiere zusammenzutragen, um die Kirche und die verschiedenen Nebengebäude zu erhalten. Danach stünde wohl ein größeres Investitionsprogramm an. Jedoch könnte man bei guten Vermietungen auch hier die Kirchengemeinde finanzieren und die Kirche erhalten. Überhaupt spielt die Frage des Konzeptes eine große Rolle. Nur dort, wo zusammen mit der Kirche bewirtschaftbares Eigentum zurückgeben wird, lohnt sich die Rückgabe. Das ist an den verschiedenen Orten unterschiedlich. In Sarepta kommt ein weiteres Problem hinzu. Hier gibt es alte historische Gebäude, auf die das städtische Museum Anspruch erhebt. Sie kämpft  mit der Kirchengemeinde um die Rückgabe. Zudem wird argumentiert, dass die lutherische Gemeinde ursprünglich nicht Nutzerin der Kirche war, sondern die pietistische Herrenhuter Bewegung. Wobei die Herrenhuter Ende des 19. Jahrhunderts Teil der lutherischen Kirche wurden. Einzig in Samara ist die Rückübertragung bisher gelungen.
Problematisch bei der Restitutionsfrage sind weiterhin die Schwierigkeiten zwischen den Gliedkirchen und der ELK, die sich als Rechtsnachfolgerin der alten ELKRAS-Kirche sieht. Wer ist zuständig? Wer darf Anträge stellen? Wie regelt man die Zuständigkeiten? Für die Zukunft der Kirchen und ihrer Gemeinden ist es wichtig, dass man dem Staat gegenüber vereint auftritt. – Pfarrer Enno Haaks

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