Freitag, 22. Juni 2012

100-Jahr-Feier der lutherischen Kirche in Grodno/Belarus




Pastor Tatarnikow
Kirche in Grodno
Anläßlich der 100-Jahr-Feier der lutherischen Kirche in Grodno in Weißrußland besuchte der Btschafter der Bundesrepublik, Christof Weil, am 10. Juni den Festgottesdienst der Lutherischen Kirche in Grodno.1912 wurde das Kirchengebäude völlig rekonstruiert und erhielt sein heutiges Aussehen. Das Gebäude war erheblich sanierungsbedürftig. Der Botschafter hat sich sehr für die Renovierung eingesetzt. U.a. hat sich auch das GAW mit einer guten Summe beteiligt. Der Botschafter hielt eine bewegende Ansprache:
"Mein erster Besuch bei Ihnen, lieber Wladimir, Ihrer Gemeinde und in Ihrer Kirche anlässlich meiner ersten Dienstreise in die schöne Stadt Grodno im Herbst 2010 berührte mich tief. Sie hielten damals in dieser geschichtskundigen Kirche im Kreis einer kleinen Zahl von Gläubigen für meine Delegation eine Andacht in deutscher Sprache. Als Botschafter Deutschlands und als evangelischer Christ werde ich jene mich sehr bewegende Stunde der Einkehr und der Reflektion nie vergessen. Mit Erschütterung gedachte ich des Schicksals dieser Kirche und ihrer Gläubigen in unserem schrecklichen 20. Jahrhundert mit seinen totalitären Ansprüchen an die Menschen, in denen kein Raum mehr war für Religion – buchstäblich kein Raum, da die Gotteshäuser entweiht worden waren. Zu dieser meiner Erschütterung trat Scham und Entsetzen, als ich damals unmittelbar nach der Kirche die Grodnoer Synagoge besuchte. Ein Wort des jungen Rabbis, der mir den einst prächtigen Tempel zeigte, wird mich ebenfalls mein Leben lang begleiten. Er sagte über die grauenvollen Verbrechen der Deutschen in diesem Land und an seiner jüdischen Bevölkerung: „Die Menschen hatten Gott und deshalb ihr Gewissen verloren.“ Seit jenem Besuch, der mich so beeindruckt und bereichert hat, fühle ich mich der Stadt Grodno, ihren Menschen und ihrer wechselvollen, auch schweren Geschichte sehr verbunden. Ich freue mich, lieber Wladimir, dass Ihre Gemeinde, der ich – wie Ihnen – in herzlicher Zuneigung zugetan bin, beständig wächst und deshalb eine gute Zukunft haben wird. Ich freue mich, dass wir heute im Jahre 2012 so zahlreich und gemeinsam, Belarussen, Deutsche und Vertreter anderer Nationen, Christen verschiedener Konfessionen, Gläubige und Nichtgläubige, zusammengekommen sind, um den einhundertsten Geburtstag dieser Kirche in ihrer jetzigen architektonischen Form zu feiern, deren Mauern so viel Trauriges gesehen haben, die aber auch eine Wiedergeburt erlebt. Ich freue mich, dass wir uns heute in unserem zusammenwachsenden Europa ohne nationale Überhebungen auf unser gemeinsames kulturelles, philosophisches und religiöses Erbe berufen können, um miteinander für die nachfolgenden Generationen ein besseres Europa zu bauen. Und ich bin froh, in Herrn Gouverneur Schapiro und seinen Mitarbeitern, wie auch in der Verwaltung der Stadt Grodno, Partner gefunden zu haben, die die Bedeutung dieser lutherischen Kirche als unser gemeinsames belarussisch-deutsches Kulturerbe hoch schätzen und jede Anstrengung zu ihrer Bewahrung unterstützen. Haben Sie herzlichen Dank dafür! Ein Kollege in Berlin sagte neulich mit Blick auf die Unterstützung dieser Kirche in Deutschland: „Viele Hände bauen eine Kirche!“ Vielfältig ist daher auch der Dank, den ich aussprechen möchte insbesondere der Evangelischen Kirche Deutschlands und ihren Gliederungen..."
(Quelle: Deutsche Botschaft in Minsk / Belarus)

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