Samstag, 5. Januar 2013

Protestantismus in Frankreich



Prof. Parmentier in Bremen
„Gott müsste aufpassen, sich in Frankreich öffentlich zu zeigen,“ sagte Frau Prof. Dr. Parmentier auf der Tagung der Norddeutschen Hauptgruppen, als sie das protestantische Leben der GAW-Partner in Frankreich vorstellte. „Er wäre bei uns inkognito unterwegs, denn sich religiös in Frankreich zu zeigen macht verdächtig. Man wagt es nicht.“ Die Trennung von Staat und Kirche, vollzogen am Beginn des 20. Jahrhunderts, zieht eine völlig weltanschaulich freie Situation nach sich. Das macht es den Kirchen schwer. Man darf sich nicht in das politische Leben einmischen . „Man würde z.B. nie einen protestantischen Politiker in einer Kirche sehen, der eine biblische Lesung im Gottesdienst liest,“ sagt Parmentier. Der Protestantismus Frankreichs ist klein und zerstreut. Man ist auf Hilfe angewiesen. Die Kirchen sind arm und klein. Eine Ausnahme bildet das Elsass. Es gibt vier größere Kirchen – 2 lutherische und 2 reformierte. Das hängt mit der Sondersituation in Elsass-Lothringen im Vergleich zum übrigen Frankreich zusammen. In beiden Teilen gibt es inzwischen Unionen. Im übrigen Frankreich wird sie im Mai endgültig vollzogen.
Es gibt als Gegenüber zum Staat die Federación Protestante. Es ist ein Dachverband, der 22 Kirchen verbindet mit ca. 1 Millionen Mitgliedern. 2/3 der Protestanten Frankreichs sind hier verbunden. Es ist jedoch keine Kirchengemeinschaft. Viele wollen hier rein, um nicht als Sekte abgestempelt zu werden. Sechs Überzeugungen liegen der Federación zugrunde: Gott allein die Ehre, allein aus Gnade und Glaube, allein die Schrift, immerwährende Reformation, allgemeines Priestertum.
"Eine unserer großen Herausforderungen in Frankreichs ist es, sprachfähiger im Glauben zu werden. Viel zu lange sind wir stumm gewesen," sagt Parmentier. "Zudem sind wir zu sehr auf Frankreich fixiert. Wir müssen als Protestanten europäischer werden." Als weitere Herausforderung ist die Integration der evangelischen Migrantenkirchen zu nennen. 
Frau Parmentier schließt ihren Vortrag: "Evangelische Zukunft in Frankreich ist nur möglich, wenn wir aus der Fixierung aus der Vergangenheit herauskommen, die die Verfolgung idealisiert. Und - Evangelische Zukunft in Frankreich ist nur möglich, wenn wir über unsere französischen Grenzen hinausdenken."

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