Mittwoch, 13. Februar 2013

Menschenrechte und Kuba

„Wir müssen das von uns so wertvoll geachtete Konzept mit neuem Leben erfüllen, das durch unseren Companero Ernesto Che Guevara entwickelt wurde, als er bekräftigte, dass es „ohne Transformation des Gewissens keine sozialistische Gesellschaft geben wird … Wir müssen diesem Ideal Ches nachstreben, das sehr dicht an dem neutestamentlichen Konzept vom neuen Menschen liegt!“ Das sagte in einer Parlamentssitzung Kubas ein evangelischer Pastor, der über 20 Jahre diesem höchsten Gremium des Landes angehört. Er ist einer, mit dem es nicht einfach ist, über Menschenrechte zu diskutieren. Denn schnell ist man in so einem Gespräch bei der Unterscheidung von kollektiven und individuellen Menschenrechten. „Wir haben in Kuba viel erreicht“, argumentiert er. „Es gibt Bildung für alle umsonst, eine gute Gesundheitsversorgung, eine gesicherte Grundversorgung. Ich bin viel in Lateinamerika herumgekommen und habe gesehen, wie es dort im Bildungsbereich aussieht. Das möchte ich so in Kuba nicht.“ Da hat er Recht, denn eine gute Bildung muss man sich in der Regel kaufen. Die Fragen der individuellen Rechte werden in solchen Gespräche gegen die Errungenschaften der Revolution ausgespielt und auf die Erfolge verwiesen. „Das macht es schwer, in differenzierter Weise über die Menschenrechte zu sprechen“, bekennt ein anderer Gesprächspartner offen – und bittet zugleich, vorsichtig mit seiner Meinungsäußerung umzugehen. „Die Menschen haben Angst, offen ihre Meinung zu sagen. Aber wir müssen lernen, zu unterscheiden zwischen schwarz und weiß. Und Kritik zu üben heißt nicht, dass wir andere schlecht machen. Das passiert aber leicht in Kuba, wenn man nach den individuellen Rechten der Menschen fragt.“ Und dann erzählt er, dass u.a. die US-Blockade dazu führt, Fehler und Versäumnisse, die im eigenen Verschulden liegen, der Blockade zuzurechnen. „Das geht nicht!“ betont er. „Und den neuen Menschen kann der Mensch nicht schaffen. Das liegt in Gottes Hand und in der Verkündung der Gnade Gottes und im Leben der Liebe. Alle menschlichen Versuche, den neuen Menschen zu kreieren, endeten in Gewalt und Unterdrückung.“

Keine Kommentare: