Donnerstag, 7. Februar 2013

Besuch im ökumenischen Martin-Luther-King Zentrum in Havanna



Pastor Raul  Suarez (Mitte)
„Seit 20 Jahren gehöre ich dem kubanischen Parlament an,“ erzählt Pastor Raul Suarez, Gründer und Präsident des Martin-Luther-King Zentrums in Havanna. „Ich bin einer von drei protestantischen Pastoren im Parlament,“ fährt er fort. „Aber ich gehöre nicht der kommunistischen Partei an.“ Am vergangenen Sonntag wurde Raul Suarez für weitere fünf Jahre wieder ins Parlament gewählt. Pastor Suarez hat das Ökumenische Zentrum 1987 mit begründet und ist seit dieser Zeit der Präsident. Sicherlich helfen ihm bei vielen Themen seine politischen Verbindungen, denn das Zentrum arbeitet im Wesentlichen in der Gemeinwesenarbeit. Für seinen Sohn Joel, der das Zentrum derzeit leitet, ist die Arbeit immens wichtig. „Wir stehen in Kuba vor radikalen Veränderungen. Unsere Aufgabe ist es, aus der Sicht des Evangeliums Werte zu vermitteln, Orientierung zu geben, damit die Menschen nicht in falsche Abhängigkeiten geraten.“ Ein bisschen wirkt Joel bei seinem engagierten Vortrag wie ein alter „kubanischer Revolucionario“. Er schildert die Gründung des Zentrum, was erreicht wurde und macht sich große Sorgen um die Zukunft. „Wir stehen in Kuba vor der Herausforderung, dass wie in der gesamten globalisierten Welt sich alles um Wirtschaftsfragen dreht. Der Mensch muss aber im Zentrum stehen. Und wir haben als Kirche die Verantwortung, ethische Orientierung zu geben.“ Und ein wenig resignierend fährt er fort:“ Nur – wollen sie es hören…? Wie werden die wichtigen Anstöße der kubanischen Gesellschaft in die Zukunft getragen und an die nächste Generation weitergegeben?“ Und stolz schließt Pastor Raul Suarez: „Wir können als Kirche uns frei in die Gesellschaft einbringen. Wir haben eine Trennung von Staat und Kirche. Das haben wir in den 90er Jahren geschafft. Denn da wurde aus der kubanischen Verfassung gestrichen, dass wir ein atheistischer Staat sind.
Parallelen gibt es zu Deutschland. Wie nah kommt man einem totalitären Staat, der auch Kirchen Raum genommen hat? Wie unterscheidet man sich bei seinen Aktionen und Programmen vom Staat. Wichtig ist, dass immer deutlich wird, dass man vom Evangelium aus her sein Handeln begründet und nicht von einer politischen Ideologie sich bestimmen lässt. – Pfarrer Enno Haaks


„Unidos para servir“ / Vereint zum Handeln“ – Der Kubanische Kirchenrat

Kubanischer Kirchenrat
„Am Ende diesen Jahres werden wir 31 protestantische Mitgliedskirchen haben,“ berichtet der Präsident des Kubanischen Kirchenrates Pastor Joel Ortega Dopico stolz. „Inzwischen repräsentieren wir ca. 1 Million protestantische Kubaner,“ fährt er fort. „Sogar die jüdische Gemeinde ist assoziiertes Mitglied. Und die ca. 4.000 Mitglieder starke muslimische Gemeinde möchte es der jüdischen Gemeinde gleich tun. Es ist sehr wichtig, dass die bunte Welt des Protestantismus mit einer Vertretung gegenüber dem Staat auftreten kann. „Leider gibt es keine gemeinsame Stimme mit der katholischen Kirche,“ sagt Dopico. „Die katholische Kirche will viele Zugeständnisse vom Staat haben. Das wollen wir nicht. Wir wollen, dass der Staat laizistisch ist, den Menschen aber Religionsfreiheit gewährt. Das ist der Fall! Aus dieser Sicht ist in Kuba viel geschehen,“ fährt Dopico fort. Wesentliche Errungenschaften des Rates sind das Streichen des Wortes „atheistisch“ aus der kubanischen Verfassung. Desweiteren werden in vier Arbeitsbereichen 17 verschiedene Programme im gesamten Land angeboten. Dabei geht es um Fragen der religiösen Bildung, um den Umgang mit Behinderung, Genderfragen etc.
Was den Rat in jüngster Vergangenheit bewegt hat war die notwendige Verschiebung der CLAI-Vollversammlung, die jetzt in Havanna stattfinden sollte. Durch die Blockadepolitik der USA wurden notwendige Gelder eingefroren. Auch in diesen Fragen ist Dopico aktiv. Selbst ist er presbyterianischer Pastor in Varadero, dem Touristenbadeort auf Kuba.
Zum Rat gehört auch die Kubanische Bibelgesellschaft, die u.a. von Deutschland mit unterstützt wird. Jetzt hat man sich im Rat vorgenommen, eine Million Bibeln in Kuba zu verteilen. Ambitioniert, aber mit einer wichtigen Ausstrahlung für die Gesellschaft. – Pfarrer Enno Haaks

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