Freitag, 8. Februar 2013

Notwendiges diakonisches Engagement der Presbyterianischen Kirche auf Kuba

Tai Chi Presbyterianer
„Der Fall der Mauer und der Zusammenbruch des Ostblocks hatte große Auswirkungen auf unser Land,“ erzählt Pastor Daniel Izquierdo, Generalsekretär der Presbyterianischen Kirche auf Kuba. Bis vor Kurzem war er Moderator der Kirche. „Unser Land kam in eine große Krise. Wir waren sehr vom Ostblock abhängig.“ Und dann erzählt er, wie Anfang der 90er Jahre die Presbyterianische Kirche begann, sich sozial zu engagieren. „Im Grunde wurde das aus der Not geboren. Sie war gefordert. Die Kirche hatte internationale Beziehungen und bekam Hilfe von Partnerkirchen aus dem Ausland. Der Staat war angewiesen, dass die Kirche sich jetzt diakonisch einsetzte.“ So wurden Verbote gelockert, denn bis dahin erhob der Staat den Anspruch, für alle diakonischen Aufgaben verantwortlich zu sein. Unter diesem Hintergrund hört es sich anders an, wenn Daniel schildert, was in seiner Kirchengemeinde in Luyano, einem marginalisierten Stadtteil Havannas, sich an Aktivitäten und diakonischem Engegement entwickelt hat. Neben Tai Chi, reinem Wasser aus einer Filteranlage (es gibt wiederholt Cholerafälle!!!), gibt es Garten- und Tierhaltungskurse, Handarbeitsgruppen, Anonyme Alkoholiker u.a. Aktivitäten. Die Kirche hat sich mit diesen Programmen einen Namen gemacht. „Unser Einsatz wird von den Menschen wertgeschätzt,“ sagt Daniel. „Eine große Herausforderung ist jedoch, dass wir noch stärker in die Gesellschaft wirken müssen. Da fehlt es noch.“ Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass die kommunistische Regierung der Kirche viel zu lange nur ein Randdasein zugestand.
Daniel hat im ersten Beruf Architektur studiert. Er ist fest entschlossen, seine Gemeinde aufzubauen und zu stärken. Und die Menschen kommen. „Wir haben 96 aktive Mitglieder. Mit Kindern kommen jeden Sonntag ca. 100 Menschen zum Gottesdienst. Dazu gibt es eine größere Gruppe von Sympathisanten,“ fährt er fort und schließt etwas traurig: „Leider verlassen uns immer wieder mal Gemeindemitglieder. Sie wandern aus, um im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden.“ – Pfarrer Enno Haaks


Sorgen um den Pfarrernachwuchs auf Kuba

„In den letzten fünf Jahren haben wir pro Jahr einen Pfarrer verloren,“ erzählt Daniel Izquierdo, Generalsekretär der Presbyterianischen Kirche. „Noch haben wir 21 PastorInnen für 41 Gemeinden. Einige Pfarrer betreuen dadurch mehrere Gemeinden,“ sagt er. „Und oft müssen die Studierenden der Theologie auch schon mit herangezogen werden. Am Wochenende versorgen sie vakante Gemeinden.“
Pastor Daniel Izquierdo
Der Pfarrernachwuchs ist ein großes Problem. „Vielleicht müssen wir das Studienprogramm anpassen und verschlanken, denn derzeit ist es schwer unter diesen Bedingungen zügig Nachwuchs zu bekommen.“
Die Frage der Pfarrausbildung ist eine große Herausforderung der Kirche. Auswanderungen von Pfarrern, oft ohne Ankündigung, setzen den Gemeinden zu. Manche kommen dadurch in eine Krise, denn "wie kann ein Hirte seine Herde verlassen,“ fragt Daniel Izquierdo. Dennoch muss dieses Problem stärker in den Fokus der Kirche kommen. „Wir müssen sehen, dass wir wirkliche Berufungen haben!“, sagt er – und im Stillen denke ich, dass das in Deutschland im Grunde ähnlich ist.
Derzeit müssen die angehenden Theologen fünf Jahre in Matanzas, zwei Autostunden östlich von Havanna, studieren. Danach kommt eine praktische Phase mit anschließender Abschlussprüfung. Das dauert. Und die Gemeinden brauchen jetzt fähige Menschen. – Pfarrer Enno Haaks

Keine Kommentare: