Freitag, 12. Juli 2013

Heimat finden


In der ständig wachsenden Stadt El Alto – oberhalb von La Paz auf dem Altiplano gelegen – gibt es die Gemeinde „El Sinai“. Seit der Gründung sind hauptsächlich Migranten dort Mitglieder geworden. Menschen, die ihre Heimat aufgegeben haben oder aufgeben mussten, weil die Lebensbedingungen in ihren Heimatorten katastrophal wurden. Sie sind in die Stadt geflohen, wo sie hoffen, bessere Lebensumstände vorzufinden. Heute gehören zur Gemeinde Aymara, Quechua und spanischstämmige Mitglieder. Manche halten noch Kontakt zu ihren Heimatorten in den verarmten ländlichen Regionen. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Gemeindearbeit besteht in dem Versuch, Zugewanderte vom Lande in der Stadt zu integrieren. Auch unsere Sonntagsgottesdienste sind u. a. von diesen Bemühungen geprägt. Vorwiegend sind es Menschen, die viele Nöte und Schicksalsschläge hinter sich haben, wenn sie in der Stadt angekommen sind. Hier ist es dann für sie ganz schwer, z. B. Arbeit zu finden. Mehrheitlich sind es Jugendliche und junge Erwachsene, die hoffen, dass es ihnen in der Stadt besser geht, dass sie studieren und arbeiten können und sie eine Zukunft haben. Und oft sind sie dann überrascht, wenn sie mit den völlig anderen Realitäten konfrontiert werden. Diesen Menschen will die Gemeinde Heimat geben. Wie schwer das ist…
Was ist eigentlich Heimat? „Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde,“ sagt der Philosoph Karl Jaspers (1883-1969). D.h. Heimat ist der Ort, de nahe und vertraut ist, an dem wir uns sicher und wohl fühlen, an dem wir Gemeinschaft erleben. Der Gegensatz von Heimat ist das Fremde. Heimat, Migration und Fremdsein – das sind in vielen Partnerkirchen wie z.B. in Bolivien ein Thema, was den Alltag der Gemeinden prägt. Zudem ist es ein genuine kirchliches Thema. Die biblischen Traditionen erzählen – von kurzen Phasen abgesehen – die jüdisch-christliche Geschichte als eine Wanderungs-, Flucht-, Anpassungs- und auch Widerstandsbewegung in der Fremde. Die Kirche ist sehr oft mit Migrationsfragen konfrontiert. Sie weiß sich durch die biblische Botschaft verpflichtet, Menschen in ihrer Suche nach und in ihren Ängsten vor dem Verlust von Heimat zu begleiten. Die Kirche ist im Migrationsbereich vor allem diakonisch und gesellschaftspolitisch engagiert.
Zahlreiche Projekte wie die diesjährige Konfirmandengabe gehen auf diese Problematik ein: http://www.gustav-adolf-werk.de/konfigabe_material.html

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