Donnerstag, 26. September 2013

Arbeitsmigration und die Auswirkungen auf die litauischen Gemeinden


Pfarrhaus und Kirche in Plikiai
Ludvikas Fetingas
"Zu meiner Gemeinde in Plikiai gehören noch ca. 100 Gemeindemitglieder," sagt der fast 80jährige Pfarrer Ludvikas Fetingas. "Vor vier Jahren waren es noch zwischen 160-180 Mitglieder." Und dann berichtet er davon wie die Suche nach Arbeit die Menschen aus dem Land treibt. "Hier gibt es keine Arbeit oder sie ist sehr schlecht bezahlt, so dass man seine Familie nicht ernähren kann," sagt Ludvikas. Und er berichtet von den Problemen, die das mit sich bringt. "Nicht alle gehen mit der ganzen Familie. das hängt von ihrer Bildung ab. Die ärmeren einfachen ArbeiterInnen lassen dann oft ihre Kinder zurück, die dann zu den Großeltern gehen." Und dann erzählt er von einer jungen Frau, deren Mann nach Norwegen ging und sie mit den beiden Kindern zurücklassen musste. Sie gehörten zur Gemeinde. Das Ehepaar entfremdete sich. Die Frau lernte einen neuen Partner kennen. Und nach der Konfirmation der Kinder blieben alle weg und kamen nicht wieder. "Wohl auch aus Scham," meint Ludvikas. Er berichtet dann von einer anderen Geschichte, wo die Einsamkeit des zurückgelassenen Ehepartners zur Alkoholsucht führte. Die Problematik der Arbeitsmigration ist sehr vielschichtig. Sie hat Auswirkungen auf alle Generationen. Das Gefühl bleibt, dass keiner so recht weiß, wie mit den vielschichtigen sozialen Problemen und Herausforderungen umzugehen ist. "Wir wollen als Diakonie der lutherischen Kirche hier das Thema im Land bewußter zur Sprache bringen. Wir müssen etwas tun und die Sorgen und Nöte der Kinder, Eltern und Großeltern zunächst einmal wahrnehmen lernen. Dann ist schon viel gewonnen," sagt Mindaugas Kairys, Diakoniepastor in Litauen.

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