Mittwoch, 18. September 2013

Die lutherischen Kirchen in Chile und die Menschenrechte

Der Sänger Victor Jara, der kurz nach dem Putsch durch Folter umkam
40 Jahre liegt der Militärputsch von Augusto Pinochet in Chile zurück. Wenige Tage vor dem chilenischen Nationalfeiertag, dem 18. September, änderte sich die politische und gesellschaftliche Situation im Lande schlagartig. Viele Menschen verschwanden in den Folterlagern. Immer noch gibt es Menschen, von denen man nicht weiß, wo sie sind. Als ich in Chile Pastor war, da wurde mir schnell deutlich gemacht, dass allein das Wort "Menschenrechte" politisch belastet sei. "Wer von Menschenrechten redet, der ist links," sagte mir jemand. Ein anderes Mal sagte einer, als ich wieder die Menschenrechtsanfrage ansprach: "Ach so - du gehörst wohl zur roten Frenz-Kirche..." Helmut Franz setzte sich als Bischof der damals einen luthersichen Kirche für die Verfolgten des Regimes ein, rettete zahlreiche Menschenleben und prangerte Menschenrechtsverletzungen an. An dieser Frage zerbarch die Kirche. Bis heute ist diese Wort für viele Menschen gefärbt. Nun schreibt der lutherische Bischof Siegfrid Sander der sog. ILCH (Iglesia Luterana de Chile): "Die Menschenrechte sind universal und übergreifend. Die Kirche kann nicht akzeptieren, sie zu ignorieren. Auch können wir bei Verletzung der Menschenrechte nichts schweigen." Diese Sätze sind ein wichtiger Impuls im Gespräch beider Kirchen und ihrer unterschiedlichen Mitglieder miteinander. Das war vor etlichen Jahren noch nicht denkbar. Dass es möglich ist, zeigt, dass sich viel getan hat, dass sich beide luthersichen Kirchen miteinander, mit ihrer Geschichte und der ihres Landes aktiv auseinandersetzen. das ist nicht leicht. Das beschreibt Sander eindrücklich: "Es nützt nichts, die Geschehnisse der Vergangenheit zu übergehen. Das heilt nicht. Es nützt nichts, zu sagen, dass die andere Seite ja auch Menschenrechtsverletzungen begangen hat. Das verlängert die Hass und die Gewalt. Drüber hinwegzugehen schafft keine Versöhnung." Und dann fordert es einen offenen und ehrliche Dialog in einem Land, in dem der gewaltsame Putsch das Leben veränderte. Und er fordert von seiner Kirche, sich mit diesen Fragen auseinander zu setzen.
Der Kirchenpräsident der IELCH (Iglesia Ev. Luterana de Chile) Luis Alvarez begrüßt sehr die Initiative seines Kollegen und hofft, dass es in dieser Frage Fortschritte gibt und die Annäherung beider Kirchen stärkt. Auch wenn es Widerstände gibt, so sind sich beide einig: Wir müssen uns diesen Fragen stellen! - Enno Haaks

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