Donnerstag, 5. September 2013

Frieden in Kolumbien?


„Wir befinden uns an einem wichtigen Punkt des Friedensprozesses mit der Guerilla (FARC),“ sagte am heutigen 4. September Präsident Santos von Kolumbien. „Die Gespräche können nicht ewig fortgesetzt werden, aber wir stehen derzeit vor wichtigen Entscheidungen. Diese sind schwierig zu treffen, denn die Unterschiede zwischen der Guerilla und der Regierung sind enorm.“ Dennoch hofft man in Kolumbien sehr, dass es zu konkreten Abmachungen kommen wird, um endlich Frieden zu erreichen und das Land weiter zu entwickeln. „Der Krieg hat uns sehr geschadet,“ sagt Santos. „Er hat verhindert, dass sich insbesondere die ländliche Region weiter entwickeln konnte.“ Geht es nach dem Willen von Santos, dann sollen die Verhandlungen mit der FARC bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Das erscheint schwierig. Santos knüpft sein politisches Überleben an den Erfolg der Verhandlungen. Die Gespräche in Havanna, die seit November andauern, erweisen sich als sehr schwierig und als Kampf um Kompromisse, in dem beide Parteien bemüht sind, nicht das Gesicht zu verlieren. Es geht um Land- und Bodenfragen, um Rückgaberegelungen, um politische Einbeziehung in der Zeit nach dem Krieg, um Amnestieregelungen. Schätzungsweise kamen 220.000 Menschen in dem Konflikt ums Leben. 5,7 Millionen Flüchtlinge hat der Krieg hervorgebracht. Das Volk ist müde und will endlich Frieden. Davon zeugen viele Demonstrationen. Bauern und Landarbeiter hielten etliche Zeit Strassen des Landes blockiert. Zynischerweise sind ihre Forderungen praktisch noch dieselben wie in den sechziger Jahren, als aus der Bauernbewegung die Farc hervorgingen. Mit dem Friedensprozess hat sich auch die Ende August in Bogotá/Kolumbien stattfindende Pastorenkonferenz der Lutherischen Kirche (IELCO) auseinandergesetzt. „Wir spüren den Wind der Veränderung in unserem Land,“ heißt es in
Pfarrkonvent der IELCO
einer Erklärung der Pastoren. „Es ist ein leichter Wind, kein Sturm, aber man spürt eine Veränderung im Land. Als IELCO sind wir gefordert, diesen Prozess zu begleiten und gerade den vom Bürgerkrieg Betroffenen zur Seite zu stehen. Wir sind auf jeden Fall gefordert in der Zeit nach dem Konflikt, aber ganz besonders in dem Fall, sollte es keine Beendigung der bewaffneten Auseinandersetzung geben. Mit der Spirale der Gewalt ist es nicht möglich an einer besseren Welt mitzuarbeiten. Unsere Anstrengungen sind gefordert, als Pastoren/Pastorinnen, als Mitglieder in diakonischen Zentren, als Kandidaten der Theologie an der Escuela Luterana de Teología (ELT), als normales Gemeindemitglied. Wir alle müssen mit einer Stimme sprechen als Teil des einen Leibes Jesuchristi.“ Im Zusammenhang der Tagung gab es so auch einen intensiven Austausch über die diakonische Arbeit der Kirche und ihre Vernetzung mit den Kirchengemeinden. Die IELCO ist u.a. Träger einiger Schulen. Und es gab Gespräche mit den Studierenden an der ELT, deren Studium virtuell geregelt ist.


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