Donnerstag, 30. Januar 2014

Der Generalsekretär des LWB besucht Estland

Martin Junge (re) und Bischof Pöder
Der Lutherische Weltbund berichtet über den Besuch des Generalsekretärs Martin Junge in Estland und bei der lutherischen Kirche: "Die Stärkung der lutherischen Identität in einer säkularisierten Gesellschaft und die Ermutigung der lutherischen Kirchenmitglieder gehörten zu den wesentlichen Zielen einer Estland-Reise von Pfr. Martin Junge, dem Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB). „Wie viele andere Kirchen in Europa lebt auch die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche (EELK) in einem zunehmend säkularisierten Kontext“, resümierte Junge nach seinem Besuch vom 18. bis 22. Januar, in dessen Rahmen er auch mit dem Präsidenten sowie dem Premierminister des Landes zusammentraf. „Von entsprechend grosser Bedeutung ist die Frage, welchen Platz und welche Rolle [die Kirche] in der Gesellschaft hat.“ Auch mit dem estnischen Präsidenten diskutierte Junge diese Thematik. „Der Besuch des Generalsekretärs sowohl bei Präsident Toomas-Hendrik Ilves als auch bei Premierminister Andrus Ansip hat bestätigt, dass der estnische Staat die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche nach wie vor als eine der wichtigsten Sprecherinnen der estnischen Christinnen und Christen betrachtet“, bemerkte hierzu Pfr. Urmas Viilma, Kanzler des Konsistoriums der EELK.
Der Besuch in Estland stellte für den LWB eine Reise in die Vergangenheit wie in die Zukunft dar. Den zahlreichen estnischen LutheranerInnen, die ab 1944 aufgrund des Zweiten Weltkriegs als Flüchtlinge im Ausland lebten, lag die Fortführung ihrer eigenen gottesdienstlichen Tradition am Herzen und so hatten sie bedeutenden Anteil an der Gründung des LWB im Jahr 1947.
„Das Eintreten des LWB für Flüchtlinge weltweit kam bei meinem Besuch immer wieder zur Sprache“, so Junge. „In der estnischen Bevölkerung gibt es ein deutliches Bewusstsein dafür, dass der LWB sie unterstützt hat, als viele Flüchtlinge aus Estland Hilfe suchten.“ Im Rahmen seines Zusammentreffens mit dem Premierminister thematisierte Junge zudem die Unterstützung, die der estnische Staat Flüchtlingen in aller Welt heute leistet – auch über den LWB und seine Arbeit.
Estnische lutherische Gemeinden auf dem Land leiden aufgrund von Urbanisierung, allgemeiner Säkularisierung und Auswanderung unter schrumpfenden Mitgliedszahlen, erläuterte Viilma. Zwar freue sich die Kirche darüber, dass die in der Sowjetzeit verstaatlichten Kirchengebäude inzwischen an die Gemeinden zurückgegeben wurden. Diese historischen Gebäude baulich zu erhalten stelle jedoch eine zusätzliche Belastung für die kleinen Gemeinden dar.
Estland gilt als eines der weltweit am wenigsten religiösen Länder. Über 75 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich als nicht religiös. LutheranerInnen stellen mit etwa 14 Prozent bzw. knapp unter 160.000 Kirchenmitgliedern in 164 Gemeinden nach wie vor die grösste konfessionelle Gruppe im Land. „Pfarrer und Pfarrerinnen, Diakoninnen und Diakone brauchen Ermutigung und einen objektiven Eindruck von der weltweiten Rolle des Luthertums und seiner Lebenskraft auf der Weltebene“, betonte Viilma. Nach seiner Einschätzung hat der Besuch des LWB-Generalsekretärs im Vorfeld des Reformationsjubiläums 2017 „Mut und Optimismus“ vermittelt.
Anlässlich der EELK-Pfarrkonferenz referierte Junge zum Thema „Leben in der Freude des Glaubens“: „Ich bringe der EELK ein Wort der Ermutigung, damit sie sich nicht isoliert, sondern sich aktiv und voller Freude in die Gesellschaft einbringt und das weitergibt, was sie weitergeben soll: Glauben, Hoffnung und Liebe.“ Weiter betonte Junge: „Die Macht eines solchen Zeugnisses war noch nie abhängig von der Größe und der Mitgliederzahl einer Kirche, sondern erwächst aus ihrer Berufung zur Teilhabe an der Mission Gottes.“ Ebenfalls im Rahmen der Pfarrkonferenz leitete Junge einen Workshop mit dem Titel „Der Lutherische Weltbund: Mission, Entwicklungen und Herausforderungen“.
Katrin-Helena Melder, Pfarrerin der Gemeinde Järva-Jaani, nahm an dem Workshop teil: „Für mich persönlich war es sehr ermutigend, bewusster wahrzunehmen, dass ich Teil einer weltweiten lutherischen Kirchengemeinschaft bin, und zu hören, dass die lutherischen Kirchen in der südlichen Hemisphäre wachsen.“"
(Quelle: www.lutheranworld.org)

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