Freitag, 14. März 2014

Aus dem Gelebten lernen als Verantwortung und Herausforderung - von Vera Gast-Kellert

Hanna Schramm hat uns einen Tipp für das Tagesprogramm gegeben: das „Museo de la Memoria y los Derechos Humanos“, das Museum des Gedenkens und der Menschenrechte, direkt im Metro-Gelände an der Station Quinta Normal. Es erstreckt sich über mehrere Etagen und widmet sich den Menschenrechten, einerseits der Zeit der Militärdiktatur unter Pinochet Chile, aber auch allgemein der Situation der Menschenrechte weltweit mit aktuellen Ausstellungen. Es ist gut zu erleben, das viele junge Menschen aufmerksam durch die Ausstellung gehen, die Texte lesen, und die Filme und Ausstellungsstücke betrachten und konzentriert den Ausführungen der meist jungen Führer und Führerinnen lauschen. Chile arbeitet diese Zeit auf und kann sich aus dieser Kraft der Zukunft zuwenden. In der Eingangshalle findet sich eine Tafel mit einem Wort von Michelle Bachelet, der gerade eingeführten Präsidentin, die das Museum am 11.1.2011, damals auch als Präsidentin, eröffnete: 
„Wir können unsere Vergangenheit nicht ändern, 
es bleibt uns nur, aus dem Gelebten zu lernen, 
das ist unsere Verantwortung und Herausforderung“ - Michelle Bachelet 
In der lutherischen Erlöserkirche trifft sich am Abend eine kleine, sehr gemischte Gruppe zum Gespräch. Unterschiedlich wie die Menschen sind ihre Fragen. Da ist Marlies, die als Fünfjährige mit ihren Eltern nach Chile kam. Die lutherische Gemeinde ist ein Teil ihrer Identität. Nach dem Tod ihres Mannes engagiert sie sich ehrenamtlich in der diakonischen Einrichtung des Altersheims der Gemeinde. - Und da ist das Professorenehepaar, beide Naturwissenschaftler, die schon viele Gemeinden im Norden Chiles, aber auch in den USA kennengelernt haben und ihren Platz und den Weg zum Glauben suchen. Zentrale Fragen treiben sie um. „Wie kommt man zum Glauben? Wie verhalten sich Glauben und Naturwissenschaft zueinander?“ Er ist inzwischen Mitglied der Gemeinde geworden, seine Frau nimmt zum ersten Mal am Gesprächskreis teil. In der lutherischen Kirche gefällt ihnen die Einfachheit. Wenn ich an das pompöse Tedeum in der Kathedrale am Tag zuvor denke, dann lässt sich das leicht nahvollziehen. - Und da ist David, an seinem Akzent leicht als Amerikaner zur identifizieren. Er ist aus gesundheitlichen Gründen in Chile. Das Klima hier ist günstig für seine Frau, und er lernt nun Deutsch und Spanisch und sucht eine geistliche Heimat in der Erlösergemeinde. - Monika interessiert sich für die Situation der Frauen weltweit, auch die der ordinierten. Aufmerksam hört sie zu, was wir aus anderen Ländern und Kirchen berichten. Hier in Chile im Süden Lateinamerikas fühlt man sich doch manchmal etwas abgeschnitten. Sie wird am Samstag auf jeden Fall bei der Ordination von Hanna Schramm dabei sein und freut sich. 
Es ist ein fröhliches und lebendiges Gespräch. Vielleicht ist diese kleine Gruppe eine Antwort auf die Frage: „Was ist typisch lutherisch?“ Die Gemeinde, die miteinander auf dem Weg ist und nach Antworten sucht, geht es mir durch den Kopf, und diesen Weg unterstützt das Gustav-Adolf-Werk.
Im Gedanken an die Herausforderungen der lutherischen Diasporakirchen in Chile geht mir das Wort von Michelle Bachelet wieder durch den Kopf. „Es bleibt uns, aus dem Gelebten zu lernen als Verantwortung und Herausforderung“. Das trifft auch für die Arbeit des GAW zu meint
Vera Gast-Kellert, Vorsitzende der Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk

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