Dienstag, 25. März 2014

Durch die Barrios von Montevideo 1.: Centro Ecuménico im Barrio Borro - von Vera Gast-Kellert



Die Fahrt mit Pfarrer Armin Ihle zum Centro Ecuménico im Barrio Borro entwickelt sich zu einem Suchspiel. Aber dadurch sehen wir viel von diesem größten Elendsviertel Uruguays vor den Toren der Hauptstadt Montevideo. Die Lastwagen und Pferdewagen, die den Abfall abtransportieren, können die schier unglaublichen Müllmengen an den Straßenrändern nicht bewältigen. Die Straßen sind mal asphaltiert, mal unbefestigt, die kleinen Häuser mal in besserem, mal in schlechterem Zustand. Aber der Stadtteil ist quirlig und lebendig. Viele Kinder kommen in ihren weißen Schulkittelchen aus der Schule, ganz junge schwangere Mütter schieben Kinderwagen. „Nirgendwo in Uruguay gibt es so viele Kinder wie hier“, meint Armin Ihle.

Nach einigem Fragen und Achselzucken der Befragten erreichen wir dann doch unser Ziel. Dort empfängt uns die Leiterin Lucia Baros, eine junge Sozialarbeiterin, die aber auch Sozialmanagement und in Barcelona Religionspädagogin studiert hat. Ihre geistliche Heimat ist die Methodistenkirche, die eine der sieben Trägerorganisationen dieses Zentrums ist. „Hier im Centro haben wir verschiedene Programme für 120 Teenager, für 55 Kinder, 25 Frauen und 200 Familien. Für die Teenager wird ein Jahr formale Bildung der Sekundarstufe angeboten. Die Frauen machen in diesem Jahr Lederarbeiten, die sie dann auch verkaufen können, um sich ein kleines Einkommen zu schaffen“, erklärt Lucia.

Als nächste begrüßt uns Julia, eine Freiwillige aus Baden. Sie hat ihr Lehramtsstudium in Freiburg unterbrochen für dieses freiwillige Jahr und bereut es überhaupt nicht. „Hier lerne ich sehr viel für meinen späteren Beruf als Pädagogin“, ist sie sich ganz sicher.
Die Frauenarbeit im GAW hat die Arbeit des Zentrums mehrfach mit ihren Jahresprojekten gefördert. „Der Barrio Borro ist die ärmste Gegend in Uruguay, aber wir glauben, dass durch unsere Arbeit Veränderung bewirkt werden kann“, meint Lucia. Allerdings gibt es auch immer wieder Schwierigkeiten. Zurzeit muss ein eingestürztes Dach erneuert werden. Außerdem sind mindestens zwei weitere Gruppenräume nötig. Während wir durch das Centro gehen, spielen im Hof fröhliche Kinder und warten Mütter auf Beratung. Ob für sie das Centro, das 2013 sein 35-jähriges Bestehen feierte, der Schritt aus dem Teufelskreis von Armut und Gewalt bedeutet? Über dem Eingang steht der Vers: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ – mögen, die Menschen, die hier ein- und ausgehen diesen Weg für ihr Leben finden.
Vera Gast-Kellert, Leiterin der Fauenarbeit im GAW

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