Freitag, 28. März 2014

Lebendig und jung – das pädagogische Institut in Ivoti (Brasilien) - von Vera Gast-Kellert


Der Nachtbus hat uns in zwölfstündiger Fahrt von Montevideo nach Porto Alegre im Bundesstatt Rio Grande do Sul in Brasilien befördert, wo Pastor Noberto Willrich schon auf uns wartet und mit uns weiter nach Novo Hamburgo fährt. Nicht weit von Novo Hamburgo liegt Ivoti, mir immer schon als evangelische Schule bekannt. „Stipendien für Ivoti“ stehen regelmäßig im Projektkatalog des GAW. Außerdem kommt jedes Jahr eine Gruppe angehender Deutschlehrer und –lehrerinnen nach Leipzig zum Gustav-Adolf-Werk (GAW). So nehme ich das Angebot von Noberto dankbar an, mit uns nach Ivoti zu fahren.

Ruben Werner Goldmeyer
Ich bin erstaunt über die Größe des Campus. Aber in Brasilien gibt es eben genug Platz! „Am 5. April 2014 feiern wir das 105-jährige Jubiläum dieses renommierten Instituts“, erzählt uns der Direktor, Ruben Werner Goldmeyer, stolz. „Begonnen wurde es nicht hier, sondern zunächst in Taquari, später in São Leopoldo. Seit 1966 ist die Schule in Ivoti. Hier 900 Schüler und Schülerinnen der Sekundarstufe und 200 Studierende der Pädagogischen Hochschule. Die Schüler der Sekundarstufe können mit dem Abschluss auch schon die Qualifizierung als Grundschullehrer erwerben. 100 Schüler und Studierende wohnen im Internat. Sie kommen von weit her, sogar von Mexiko und Argentinien und dem Nordosten Brasiliens. Ein Junge stammt aus Bahia. Er hatte überhaupt keine Beziehung zur lutherischen Kirche und fand die Schule über das Internet.“

Direktor Manfredo Wachs, den wir zufällig auf dem Flur treffen, berichtet, dass die Schule sich finanziell selber trägt, aber: „Wir sind sehr dankbar für die Stipendienhilfe über das GAW.“ Der zuständige Schulpfarrer betont, dass der Religionsunerricht ein wichtiger Teil der lutherischen Erziehung sei. „Da es hier in Ivoti die größte japanische Ansiedlung in Rio Grande do Sul gibt, haben wir auch eine Reihe Schüler und Studierende, die nicht christlich sind. Aber es hat sich noch nie jemand beschwert oder ideologisch vereinnahmt gefühlt.“

Aus manchen Räumen klingt Musik, da wird geübt. Die Schule hat ein bekanntes Kammerorchester, das auch 2014 eine Deutschlandtournee unternommen hat, u.a. auch in Markkleeberg bei Leipzig konzertierte. Irving Feldens, der Leiter, der auch selber 1. Violine im Orchester spielt, erinnert sich noch gut an Pfarrer Arndt Haubold, Vorsitzender des GAW Sachsen.

Zahlreiche Schüler treiben auf dem Gelände Sport, im Kindergarten üben sich die Kleinen. Mehr als 200 Lehrkräfte sind hier tätig, die Schule ist bekannt und begehrt. Mit 105 Jahren ist sie lebendig und jung wie am Anfang!
Vera Gast-Kellert, Leiterin der GAW-Frauenarbeit

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