Dienstag, 1. April 2014

Besuch bei der OGA – Obra Gustavo Adolfo in São Leopoldo / Brasilien - von Vera Gast-Kellert

Pfarrer Martin Volkmann
Bei meinem letzten Besuch vor einigen Jahren stand das Haus der Obra Gustavo Adolfo, des Gustav-Adolf-Werkes der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB), noch im Rohbau und ließ nur erahnen, dass es sehr schön werden würde. Davon konnten wir uns bei unserem Besuch, zu dem uns der Generalsekretär Pastor Martin Volkmann herzlich willkommen hieß, selbst überzeugen. Schon gleich im Eingang begrüßt uns ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift: „Igreja de Lutero“ (Kirche Luthers) und einem Bild von Martin Luther. Dann zeigt mir Martin Volkmann einen ganzen Stapel roter T-Shirts mit dem Bild von Martin Luther. Das ist eine Initiative der Jugend, sie verkaufen sie in den Gemeinden und der Gewinn kommt der OGA zugute. 
Unter dem gleichen Leitspruch wie das GAW on Deutschland (Galater 6,10) hat sich die Obra Gustavo Adolfo in Brasilien seit 1910, also über 100 Jahre, der Unterstützung bedürftiger Gemeinden und kirchlicher Arbeitszweige verschrieben und entwickelt hierzu kreative Möglichkeiten. An der Wand hängt ein symbolischer Check, aus dem hervorgeht, dass die evangelische Kirchengemeinde in Montenegro, eine etwa 50 km von Porto Alegre entfernten Gemeinde, 832,00 Reais – das sind etwa 280 EUR - gesammelt und der OGA übergeben hat. „Nur die Jugend“, berichtet Martin Volkmann stolz. 
Schräg gegenüber vom Haus der OGA liegt der Sitz der Synode „Rio do Sinos“ um Porto Alegre. Die EKLBB ist in 18 Synoden aufgeteilt, die jeweils von einem Synodalpfarrer bzw. einer Synodalpfarrerin geleitet werden. Wir treffen Synodalpfarrer Edson Streck, der uns vor den Photographien der kirchlichen Gründungsväter vom Leben der 38 Gemeinden und kirchlichen Werke seiner Synode „Rio do Sinos“ berichtet. „Ein Drittel der Gemeinden kann die notwendigen Mittel für ihr Gemeindeleben nicht selbst aufbringen. Das sind Gemeinden in den Armutsgürteln der Städte, aber auch Gemeinden, die durch die Spaltungen vor einigen Jahren in sehr große Schwierigkeiten geraten sind. Damals trat ein charismatischer Flügel mit sehr vielen Pfarrern und Teilen der Gemeinden aus der Kirche aus. Es folgten oft schwierige Gerichtsprozesse um die Gebäude. Heute hat sich zwar diese Sache beruhigt, aber die wirtschaftlichen Folgen fühlen die Gemeinden immer noch. Auch die menschlichen Beziehungen sind zerstört.“ Dann erklärt uns Edson Streck anhand eines Schemas die derzeitigen Prioritäten der Synode. Neu hinzugekommen ist der Bereich „Mobilização de Recursos“, was so viel bedeutet wie „Mittelbeschaffung“. Dabei geht es darum, Gemeinden zu kreativem Tun zu befähigen, finanzielle Mittel zu gerieren. „Bei den Pfingstlern – und davon gibt es in Brasilien sehr viele – ist die Abgabe des Zehnten selbstverständlich“, berichtet Edson Streck, „davon können unsere Gemeinden viel lernen.“ So unterschiedlich sind die Themen zwischen Brasilien und Deutschland doch nicht, geht es mir durch den Kopf. - Vera Gast-Kellert, Vorsitzende der Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk

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