Donnerstag, 3. April 2014

„O Governo não tem plano“ – die Regierung hat keinen Plan Evangelische Kirche am Rio Uruguay - von Vera Gast-Kellert

Pastor Renato Kuentzer
In Tres de Maio/Brasilien treffen wir Pastor Renato Kuentzer. Renato ist Pastor Synodal der Sínodo Noroeste Riograndense der EKLBB (Nordwestsynode in Riogrande), jenes lang gestreckten westlichsten Teils der Kirche am Fluss Uruguay, einer der 18 Synoden des Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB). 
Politisch und auch kirchlich beschäftigen Renato und auch seine Synode besonders die riesigen Staudammprojekte am Rio Uruguay. Elf Projekte an diesem Fluss sind geplant, sieben bereits fertig, und vier stehen noch an. Alle sollen vornehmlich der Energiegewinnung dienen. Dabei stellt sich die Frage, ob es nicht auch andere Energiegewinnungsmethoden, etwa Windenergie oder Sonnenenergie gibt, die weniger stark in die Natur und das Leben der Menschen eingreifen. Strom zu sparen scheint auch hier kein Thema zu sein. „Wir stehen als Kirche auf der Seite der etwa 12.000 Personen, die von der Umsiedlung betroffen sind“, sagt Renato. Diese Menschen haben sich im Movimento de Atingidos por Barragens – Bewegung der vom Staudamm Betroffenen (MABI) zusammengeschlossen und kämpfen gegen die Pläne der Regierung und für ihr Recht. MABI gibt es schon 25 Jahren und ist die Frucht der Auseinandersetzung um das riesige Staudammprojekt ITAIPU der 70er Jahre. „Die Frage ist vor allem“, so Renato, „was aus den Menschen nach der Umsiedlung wird. Die Regierung sagt ihnen eine Entschädigung zu, aber sie hat keinen Plan für die Menschen, das ist das Hauptproblem. Wer jetzt Kleinbauer ist, verliert erst einmal alles und kann mit dieser Entschädigung keine neue Existenz gründen. Er wird landlos und bevölkert die Favelas der Städte. Denn wohin sollen die Menschen ziehen? Das betrifft nach Berechnungen 70% der Menschen.“ 
Die Staudammprojekte am Uruguay betreffen auch Argentinien und damit die Evangelischen Kirche am Rio de la Plata (IERP). Auch da wurde betont, dass dies ein Thema der Kirche ist. Einmal im Jahr treffen sich Länder übergreifend die Pfarrer und Pfarrerinnen der am Uruguay liegenden Kirchenkreise und Synoden der Evangelischen Kirche am Rio de la Plata (IERP), der Unierten Evangelischen Kirche (IELU) (beide aus Argentinien) und der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB) aus Brasilien. Das ist schon eine gute Tradition und das Thema „Staudammprojekte“ spielt inhaltlich dabei auch eine große Rolle. In Argentinien gibt es allerdings den Vorteil, dass im Falle einer Ablehnung durch eine Volksabstimmung dies auch Gesetz werden muss. Das trifft so für Brasilien nicht zu.
Eins wird mir deutlich – Kirche und Gemeinde gehören an die Seite der Menschen. Und die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses (EKLBB) hat das in den vergangenen Jahrzehnten beeindruckend verwirklicht. Sie hat landlose Kleinbauern begleitet auf ihrer Suche nach einer neuen Existenz. Ich erinnere mich an unsere Besuche bei den Landlosen der „Sem Terra-Bewegung“ und bei den Neusiedlern in Rondônia. Wenn auch sehr spät, so hat sie doch inzwischen den fast ausgerotteten indigenen Völkern bei der Vermessung ihres Landes und der Geltendmachung ihrer Rechte beigestanden. Ich denke dabei an die Fahrt mit Pfarrer Walter Sass zu dem Volk der Deni im Amazonasgebiet und auch an das Thema der EKLBB für 2011, das auf dem Generalkonzil 2010 verabschiedet wurde: „Paz na Criação de Deus- Friede in Gottes Schöpfung“. Mit all dem will sie vermitteln: „Gott hat einen Plan, du hast einen Platz – „aqui voce tem lugar“ – wie das Motto der EKLBB vor einigen Jahren und 2001 auch das Jahresprojekt der Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk lautete: „Hier ist ein Platz für dich“. - Vera Gast-Kellert

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