Montag, 19. Mai 2014

Der Islam in Kirgisistan

Behelfsmoschee in Bischkek
Pünktlich zu den muslimischen Gebetszeiten ertönen aus verschiedenen Richtungen des Wohnhauses des lutherischen Bischofs in Kirgisistan die Rufe der Muezzine. "Seit einem Jahr gibt es auch gegenüber meines Hauses eine behelfsmäßige Moschee," berichtet Bischof Eichholz, der für die ca. 1.000 registrierten lutherischen Christen in dem zentralasiatischen Land zuständig ist. Zwei Schiffscontainer wurden an der Straßenecke aufgebaut und mit einem behelfsmäßiges Minarett gekrönt. "Inzwischen werden die Bewohner der Siedlung direkt angesprochen, doch zu den Gebetszeiten zu kommen," berichtet Eichholz. Meist werden solche Initiativen mit Hilfe ausländischer Geldgeber unterstützt. besonders der strengere sunnitische Islam aus Saudi-Arabien hat es sich zur Aufgabe gemacht, Moscheen in Kirgisistan zu bauen.
80 Prozent der Kirgisen bezeichnen sich als Muslime. Seit den 1990er-Jahren hat sich die Zahl der Moscheen verdoppelt. Rein statistisch gesehen, nimmt die Bedeutung des Islam in Kirgisistan deutlich zu, denn es gibt heutzutage mehr als 2000 Moscheen in Kirgisistan. Allein im Jahr 2010 wurden etwa 100 neue Gebetshäuser registriert.  
Die zentralasiatische Republik ist zwar ein säkularer Staat, doch Glaubensfragen gewinnen mittlerweile in der Politik wie auch in der Wirtschaft zunehmend an Gewicht. Darunter hat auch die lutherische Kirche zu leiden.
Laut Angaben der Staatskommission für Religionsfragen gibt es in dem Land mit rund 5,5 Millionen Einwohnern etwa 1700 offiziell registrierte Moscheen, neun islamische Hochschulen, etwa 60 Religionsschulen, rund 60 islamische Zentren, Stiftungen und Vereinigungen. 
Die Bedeutung des Islam wird auch aus Sicht der lutherischen Kirche in Kirgisistan weiterhin zunehmen. Das macht die Stellung religiöser Minderheiten schwierig. Für Toleranz wirbt Bischof Eichholz. Dafür bräuchte es aber auch eine gewisse Rechtssicherheit, für die sich die Kirche einsetzt.

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