Freitag, 26. September 2014

Kirche als Diaspora - Gott will Vielfalt

Bischof Dr. Michael Bünker hielt auf der Vertreterversammlung einen beeindruckenden Vortrag zum Thema "Kirche als Diaspora":
Die Diaspora insgesamt steht durch Migrationsbewegungen vor besonderen Aufgaben. Bünker zitiert Zinzendorf aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, in dem er von Diaspora als Salz der Erde spricht. Das steht im Gegensatz zum biblischen Beispiel, wo die Diaspora nicht positiv besetzt ist. Das entspricht der Terminologie von Prof. Lux, der dem Diaspoarbegriff des jüdischen Glaubens eine zentripetrale Kraft zuweist. Letztlich sei das Ziel des jüdischen Glaubens der Bezug und auf Jerusalem. Das Diasporaverständnis des christlichen Glaubens sei immer zentrifugal gewesen: von Jerusalem in die Welt hinaus soll Zeugnis gegeben vom christlichen Glauben.
Wilhelm Dantine hat für den österreichischen Kontext den Diasporabegriff positiv formuliert. Für das Selbstverständnis der Kirche spielt der Diasporabegriff in Anlehnung an das johanneische Bild vom Weizenkorn, das ausgestreut ist in die Welt, eine große Bedeutung. Kreuzestheologisch wird der Begriff zugespitzt. Eine Zukunftswillige und -fähige Kirche sei in dieser Hinsicht eine sterbende Kirche. Auch Karl Rahner hat in diesem Sinne Diaspora auf die heutige Kirche angewandt. Er spricht von einem heilgeschichtliche Muss für die Kirche, aus dem wir für unser christliches Verhalten Konsequenzen ziehen dürfen und müssen. Kirche ist demnach immer ausgestreutes Saatgut.
In diesem Sinn wird die Gefahr der doppelten Diaspora beleuchtet, also die konfessionelle Diaspora, die zugleich in einer ethnischen Minderheitensituation sich befindet. Es gibt immer das Problem des Missbrauchs durch politische Ideologien. Franz Lau sprach z.B. von der schweren Versuchung der doppelten Diaspora. Gleichzeitig ist diese doppelte Diaspora ein Fakt. Es spielt für das Leben und den Glauben der Menschen eine Rolle. Hilfreich ist eine Anregung von Rüdiger Lux. Er spricht von der Gnade der Diaspora. Die Zerstreuung ist keine Strafe, sondern Gnadenhandeln Gottes. Gott will Vielfalt.
In dem Buch "Unruhe des Glaubens" von Michael Bünker finden sich zu diesem Thema ergänzende Texte. Das Buch ist beim GAW zu beziehen über verlag@gustav-adolf-werk.de. Es kostet 18 € (zzgl. Versand).

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