Freitag, 28. November 2014

Die Schlesische Evangelische Kirche A.B. in Tschechien

Kirche in Český Těšín
Die Braunschweiger Landeskirche ist die Partnerkirche der Schlesischen Kirche A.B. in der tschechischen Republik, eine der Partnerkirchen des GAW. Geschichtlich und traditionell gibt es eine enge Verbindung in das Teschener Gebiet in Polen. Ihr gehören rund 15.357 Gemeindeglieder in 22 Gemeinden. Neben 32 Pfarrern, drei Vikaren und drei Diakonen kümmern sich drei Hilfsgeistliche in Krankenhäusern und Dutzende von ehrenamtlichen Mitarbeitern um das geistliche Leben der Gemeindeglieder. Das höchste Gremium der Schlesischen Kirche ist die Synode. Die Kirche wird durch einen aus neun Mitgliedern (vier Ordinierte und fünf Nichtordinierte) bestehenden Kirchenrat geleitet. An der Spitze der Kirche steht Bischof Mgr. Jan Waclawek.
Die Schlesische Kirche ist auf einem verhältnismäßig kleinen Territorium - etwa 100 km lang und etwa 40 km breit - tätig. Die Region des zu Teschen gehörenden Teils von Schlesien liegt im Nordosten der Tschechischen Republik. Auch in Prag und Brünn gibt es kleine Gemeinden.
Noch zu Lebzeiten Luthers fasste die Reformation in dem zu Teschen gehörenden Teil Schlesiens Fuß. Bereits um 1550 war das gesamte Land evangelisch geprägt. Der Teschner Fürst Václav Adam aus dem Geschlecht der Piasten war ein eifriger Befürworter der Reformation, er verhalf den Evangelischen zu einem ersten organisatorischen Aufbau ihrer Kirche und begründete eine liturgische Ordnung. Der Sohn Václav Adams, Adam Václav, jedoch wurde katholisch und begann die Evangelischen zu verfolgen. Seit 1617 wurden den Evangelischen Kirchen weggenommen, und im Jahr 1654 wurden ihnen die letzten 50 Kirchen geraubt. Die evangelischen Pfarrer verwies man aus dem Land und das Abhalten von Gottesdiensten wurde verboten.
Erst nach 50 Jahren schwerer Verfolgung erhielten die Evangelischen dank der Bemühungen des schwedischen Königs und „aus Gnaden“ des Kaisers in Wien die Kirche in Teschen am Höheren Tor (1709). Im Jahr 1781 erließ Kaiser Josef II. ein Toleranzpatent, das den Evangelischen in den Habsburger Länder die Gründung neuer Gemeinden und den Bau von Bethäusern ermöglichte (ohne Turm der Eingang musste auf der der Hauptstraße abgewandten Seite der Kirche liegen). Gleich nach diesem Erlass wurden neue Kirchengemeinden in Bludovice, Komorní Lhotka, Návsí und in anderen Ortschaften des Teschner Landes gegründet. Eine völlige Gleichstellung mit den Katholischen erreichten die Evangelischen erst nach dem Jahr 1848 durch das sogenannte Kaiserliche Patent.
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kam es zu einer neuen Welle der geistlichen Erweckung, aus der die Christliche Gemeinschaft und die evangelische Diakonie hervorgingen. Später wurde diese Region wesentlich von den nationalistischen Streitigkeiten und Kriegen betroffen. Im zweiten Weltkrieg wurden fast alle örtlichen Pastoren am Dienst gehindert, einige wurden zu Zwangsarbeiten eingesetzt oder verhaftet. Ein Fünftel von ihnen kam in den Konzentrationslagern ums Leben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich das kommunistische Regime das Ziel, die Religion auszurotten. Daher bemühten sich die Machthaber darum, alle Aktivitäten der Kirche zu kontrollieren und zu drosseln. Diesem Druck widersetzte sich eine Missionsbewegung unter der Leitung vom Pastor Vladislav Santarius (1915-1989), aus der viele begeisterte und gut ausgebildete Mitarbeiter hervorgegangen sind. Die heutige Freiheit, die aber verbunden ist mit einer Abnahme des Interesses am christlichen Glauben, stellt für die Kirche eine große Herausforderung dar. 
Den Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befinden, hilft die Schlesische Diakonie in ihren 45 Einrichtungen. Außerdem ist die Seelsorge durch die Geistlichen in den Krankenhäusern wichtig. In der Justizvollzugsanstalt arbeitet ein Gefängnisgeistlicher.

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