Montag, 1. Juni 2015

"Die Lage in Griechenland ist bedrückend"

Rev. Meletis Meletiadis
Besuch bekam die GAW Geschäftsstelle in Stuttgart von Rev. Meletis Meletiadis von der Griechischen Evangelischen Kirche - wie epd berichtet:
Die wirtschaftliche Lage vor allem in den Provinzen Griechenlands verschlechtert sich laut dem Präsidenten der griechisch-evangelischen Kirche, Meletios Meletiadis, zusehends. „Viele Geschäfte schließen, die Arbeitsmöglichkeiten schränken sich immer weiter ein“, sagte er dem epd am Rande seines Besuchs beim Gustav-Adolf-Werk in Stuttgart. Viele Menschen seien deshalb gezwungen, Arbeit im Ausland zu suchen. „In den letzten Jahren wanderte die Hälfte unserer Kirchengemeinde ins Ausland ab - vor allem nach Deutschland, Finnland, Norwegen oder die USA“, sagte Meletiadis, der in der griechischen Hafenstadt Volos eine Gemeinde leitet und insgesamt für 5.000 evangelische Gemeindeglieder in 32 Gemeinden mit 17 Pfarrern verantwortlich ist. Nicht alle Menschen in Griechenland seien verarmt, aber er kenne viele Leute, die im Winter ihr Haus nicht
Ev. Kirche in Volos
mehr heizen könnten. Seit 2009 verteile die evangelische Gemeinde in Volos Kleider und unterstütze die griechisch-orthodoxe Kirche bei einer täglichen Essensausgabe, zu der jeweils 2.500 Menschen kämen. Auch viele Flüchtlinge aus Albanien, der Dominikanischen Republik und Afrika suchten bei der griechisch-evangelischen Kirche Hilfe. Seit kurzem sei seine Kirche vom Staat gemeinsam mit der katholischen Kirche, der deutsch-evangelischen sowie der koptisch-orthodoxen Kirche und der armenisch-evangelischen Kirche als Religionsgemeinschaft rechtlich anerkannt, sagte der Theologe. Damit habe Griechenland zum ersten Mal neben der griechisch-orthodoxen Staatskirche fünf weitere Kirchen gesetzlich anerkannt. Bislang sei es Minderheitenkirchen nicht erlaubt gewesen, als Institution ein Konto zu eröffnen. Außerdem sei durch die rechtliche Anerkennung der Besitz besser geschützt und könnte nicht einfach enteignet werden. Weiterhin dürften Minderheitenkirchen nun offiziell Freizeitstätten, Bibelschulen sowie Radiosender betreiben, sagte Meletiadis. Der Anerkennungsprozess seiner Kirche laufe derzeit auf Hochtouren. Schon vor mehr als zehn Jahren hat die griechisch-evangelische Kirche als erste Minderheitenkirche einen Gesetzentwurf zur rechtlichen Anerkennung vorgelegt. Dass sie nun tatsächlich juristisch anerkannt ist, hat sie Papst Franziskus zu verdanken, der eine rechtliche Anerkennung der Katholiken in Griechenland vom Staat forderte und damit auch den Weg für die Anerkennung anderer Minderheitenkirchen ebnete. Nach wie vor gibt es in Griechenland keine Trennung zwischen der griechisch-orthodoxen Kirche und dem Staat. Alle Priester der orthodoxen Kirche sind Staatsbeamte und werden als solche bezahlt. 97 Prozent der Griechen sind orthodox, 1,2 Prozent katholisch und gerade mal 0,04 Prozent der über elf Millionen Einwohner Griechenlands griechisch-protestantisch. Das GAW unterstützt die kleine evangelische Minderheit in Griechenland ebenso wie insgesamt 40 evangelische Partnerkirchen in 30 Ländern.

In diesem Jahr unterstützt das GAW eine Baumassnahme der evangelischen Kirche in Piräus mit 14.500 Euro. Helfen Sie mit: 

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