Donnerstag, 20. August 2015

30 Jahre eigenständige lutherische Frauenarbeit in Kolumbien

 Bárbara Puentes ist 66 Jahre alt. Sie lebt in Bogota - Kolumbien - und gehört der Frauengruppe einer kleinen lutherischen Gemeinde in Bogota an. Sie hat einen behinderten Sohn. Vor 15 Jahren hat sie ihren Mann verloren. Er war Wachmann bei einer Firma in Bogota. Er wurde auf offener Strasse erstochen. "Zur falschen Zeit war er an der falschen Stelle", erzählt Bárbara. Die Zeit danach war sehr schwer. Bárbara hatte kein eigenes Einkommen. Irgendwann lernte sie Frauen der lutherischen Gemeinde kennen. Sie luden sie zu den regelmäßigen Treffen ein. Hier lernte sie auf kunstvolle Weise Handarbeiten herzustellen. Durch den Verkauf hat sie jetzt ein kleinen Verdienst für ihren Lebensunterhalt. Zudem erlebt sie bei den Treffen und den Gottesdiensten in der Gemeinde eine geistliche Stärkung. 
Seit 30 Jahren gibt es eine eigenständige Fauenarbeit in der lutherischen Kirche Kolumbiens, der IELCO. Die Frauenarbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Frauengruppen in den Gemeinden zu stärken, ihnen Fortbildungen anzubieten, Ausbildungen zu ermöglichen – insbesondere, damit die Frauen – wie Bárbara – zu eigenen Einnahmequellen kommen können. Die Gemeinden werden regelmäßig besucht und auch nationale Treffen der Frauen angeboten. Auch Themen, die die Frauen in ihrem Alltag begegnen, werden behandelt, wie z.B. Prävention von Gewalt, Teilhabe an den Gemeindeprozessen, Gesundheitsvorsorge etc.
 „Wir Frauen sind oft wenig das Gesicht der Kirche nach außen. Ohne die Beteiligung der Frauen würden viele Gemeinden nicht arbeitsfähig sein“, schreibt Pastorin Rocío Morales. „Nur – wenn es um Themen der Verwaltung, der Macht, der Führung etc. in der Gemeinde geht, dann sind die Männer da… Das zeigt, dass wir in der Regel nur als Dienende  gesehen werden!“ schreibt Rocio.
Mitte August diesen Jahres trafen sich 108 Frauen aus den Frauengruppen der Gemeinden der  IELCO, um das 30-jährige Bestehen zu feiern. „Wir sind stolz und dankbar, dass wir das erleben und feiern können", sagt Rocío. "Die drei Tage unsere nationalen Treffens waren wie ein Oase für uns Frauen in der Kirche. Das hat uns gestärkt."
Im kommenden Jahr unterstützt die Arbeitsgemeinschaft der Frauenarbeit die wichtige Arbeit der Frauen in Kolumbien. Fortbildungen, gemeinsame Treffen, Präventions- und Ausbildungsangebote sollen unterstützt werden, um den Frauen in ihrem schweren Alltag zur Seite zu stehen. Viele Frauen, die die Frauengruppen besuchen, haben auf irgendeine Weise unter den Folgen des fast 50-jährigen Bürgerkrieges zu leiden.

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