Donnerstag, 24. September 2015

Flüchtlingsarbeit in der Reformierten Kirche - Quo vadis?

Pastor Aaron zeigt das Matratzenlager in der Kirche,
wo Flüchtlinge zeitweise schliefen
"Unsere Gemeinde hat in ihrer Geschichte Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht", berichtet Pfarrer Aaaron von der Schottischen Missionsgemeinde der Reformierten Kirche in Ungarn. Sie ist eine von drei fremdsprachigen Gemeinden in der reformierten Kirche. Es gibt auch noch eine deutschsprachige und eine koreanische Gemeinde. Von daher gibt es Erfahrungen mit Fremden in der Kirche. Die Schottische Missionsgemeinde hat vor einigen Wochen, als auf dem Budapester Ostbahnhof unzählige Flüchtlinge auf eine Weiterreise nach Westeuropa warteten selbstverständlich ihre Türen geöffnet. Sie liegt fußläufig vom Bahnhof entfernt. Familien wurden durch Sozialarbeiter der Kirche eingeladen, in dem Kirchgebäude zu übernachten. Pastor Aaron denkt dabei an die Situation der Flüchtlinge und sagt: "Keiner verlässt die Heimat freiwillig. Oft können die Menschen in ihrer Heimat nicht überleben oder haben in Flüchtlingslagern keine Perspektiven." Für ihn geht es darum, Nächstenliebe zu leben, denn die Bibel ist voll von Geschichten des Fremdseins und des Flüchtens. "Das Evangelium fordert uns heraus, aktiv zu werden und den Menschen zu helfen."
Diese Haltung von Aaron deckt sich nicht unbedingt mit der Mehrheitsmeinung in seiner Reformierten Kirche. Es gibt viel Angst vor Überfremdung in der gesamten Gesellschaft. Das hat Auswirkung auch auf die Kirche. Die Reformierte Kirche selbst hat seit dem Jahr 2000 langsam eine Arbeit mit Flüchtlingen aufgebaut und entwickelt. Das hat sich ausgebaut und ist größer geworden. Vielleicht ist die Furcht vor der Größe der Flüchtlingsarbeit ein Grund, dass die Kirche neu nachdenkt, wie sie das weiter gestalten will. Einfluss hat dabei auch das politische Klima im Land. Dennoch gibt es Menschen wie Aaron, die davon überzeugt sind, dass es wichtig ist, den Menschen die an unsere Tür klopfen, zu öffnen und den Dienst der Barmherzigkeit zu leisten. Er will mit anderen Mitarbeitenden sich weiter für Flüchtlinge einsetzen. "Und", so sagt er, "in der Vergangenheit haben wir gute Erfahrungen gesammelt mit der Integrationsarbeit. Die Mehrheit der anerkannten Flüchtlinge hat in Ungarn Arbeit gefunden, die Sprache gelernt und Fuß gefasst." 

Keine Kommentare: