Mittwoch, 28. Oktober 2015

Ein Besuch in der „Waldlinie“ - in Linha Floresta in Brasilien


Tres Passos, übersetzt „Drei Schritte“, heißt die Parochie ganz im Norden der Nordwestsynode der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB) im südlichen Bundesstaat Rio Grande do Sul. Aber sie ist weiter weg als drei Schritte. Unsere Anfahrt von Tres de Mayo zusammen mit Pastor Elói Neuhaus, der für die OGA (Obra Gustavo Adolfo)  in dieser Synode verantwortlichen ist, dauert fast zwei Stunden. In Tres Passos steigt Diakonin Cátia Patrícia Berner zu. Sie ist als Diakonin eingesegnet, hat aber in São Leopoldo Theologie studiert und versieht den Dienst einer Pfarrerin.

Unser Ziel ist die Gemeinde Linha Floresta (Waldlinie). Der Weg führt über die rote Erdstraße. Auf den Feldern wachsen Soja, Mais, Tabak und Weizen.

Unser Erstaunen ist groß, als uns an diesem Mittwochmorgen in der Linha Floresta eine fröhliche Gemeindegruppe erwartet. Die meisten sprechen Deutsch. Sie wissen auch, dass wir irgendetwas mit dem GAW zu tun haben. Cátia erzählt: „Der Gemeindepräsident hat fast geweint, als er gehört hat, dass das Projekt des Kirchenneubaus von der brasilianischen OGA an das GAW in Deutschland weiterempfohlen wurde und 2016 in den Projektkatalog aufgenommen wird.“

Eigentlich dürfte die Kirche noch nicht so baufällig sein, schließlich wurde sie erst 1976 eingeweiht. Aber schon ein leichter Schlag gegen die Wand genügt, um ein großes Loch zu hinterlassen. „Man hat damals sehr schlecht gebaut“, erläutert Cátia.
„Eigentlich sollte die Kirche geschlossen werden. Die Feuerwehr war schon da. Wir konnten das Schlimmste noch verhindern und feiern weiter hier Gottesdienst. Aber es ist nicht ganz ungefährlich. Die Glocke darf nicht mehr geläutet werden.“ Wahrscheinlich würde der ganze Turm zusammenbrechen, wenn die Glocke – handgeläutet – oben schwingt.

Die Gemeinde ist aktiv. Sie will selbst einen großen Beitrag für den Neubau leisten, sowohl durch Eigenarbeit als auch durch Bazare. „Ohne eine Kirche hat unsere Gemeinde keine Zukunft“, sagen alle übereinstimmend. „Auch wenn die Jugend zur Ausbildung in die Stadt zieht, hat sie ihre Wurzeln hier und möchte am Wochenende am Leben der Gemeinde teilhaben.“
Auf dem Rückweg gesteht Pastor Elói Neuhaus, dass er noch nie in Tres Passos und der Linha Floresta war. Er ist noch nicht lange in dieser Synode, und die Entfernungen sind groß. Auch für ihn war der Besuch eine große Bereicherung. Wieviel mehr für uns!
Vera Gast-Kellert, ehemalige Leiterin der GAW-Frauenarbeit

Kommentare:

Johannes Friedrich Hasenack hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Johannes Friedrich Hasenack hat gesagt…

Dort "in der Nähe", im Pfarrbezirk Crissiumal, habe ich 1949 Vertretungsdienst getan.