Samstag, 12. Dezember 2015

Die bedrängende Situation der evangelischen Christen in Qamishly

Gemeinde in Qamishly vor der Kirche
Gerade hat Pastor Firas Fraha aus Qamishly die Nachricht bekommen, dass kurdische Truppen die Stadt Qamishly besetzt haben und weitere zusätzliche Checkpoints eingerichtet haben. "Was das bedeutet ist für uns Christen zu erahnen", berichtet er bei einem Treffen in Beirut. "Wir sollen langsam aus der Region vertrieben werden." 30 % der Bevölkerung der Region, die im Nordosten Syriens unter kurdischer Kontrolle sind, sind kurdischstämmig. Die Mehrheit ist arabisch. "Es ist schwer, unter dieser Situation als evangelische Gemeinde zu existieren", berichtet Firas. Er betreut neben der Gemeinde in Qamishly auch die Filialgemeinden in Malkieh nahe der irkaischen Grenze und Hasakeh. Zwei Schulen gehören den evangelischen Gemeinden. In Qamishli leben noch 50 evangelische Gemeinden. Vor dem Krieg waren es 75 Familien. Firas betreut die beiden anderen Gemeinden mit, weil die Pastoren mit ihren Familien nach
Schulbus aus Qamishli
Deutschland und Schweden gegangen sind. "Wir wollen nicht, dass unsere Leute gehen", sagt Firas eindringlich. "Wir wollen, dass sie bleiben können und hier leben können, denn es ist unser Land. Und wir wollen wieder dahin kommen, dass unsere Gemeinden alleine existieren können!" Dankbar ist er für die Hilfe des GAW für die dringend erforderliche Hilfe für die Schule. Heizöl, Schulmaterial, Ausbesserungsarbeiten und Stipendien wurden bisher finanziert. Auch ein neuer Schulbus soll gekauft werden. Der alte Mercedesbus aus den 70er Jahren hat seine zeit gehabt. Nur - wie bekommt man einen Bus aus Damaskus nach Qamishli, wenn die Strassen unter IS-Kontrolle sind... "Wir geben die Hoffnung nicht auf, einen Weg zu finden, den notwendigen Bus zu kaufen. Denn nur wenn Kinder zur Schule kommen können und am Unterricht teilnehmen können, dann sind sie nicht anfällig für die Propaganda der Extremisten!" sagt Firas. 25% der Schüler sind christlich. Die anderen SchülerInnen sind muslimisch.
Stolz zeigt er zum Abschluss unseres Gespräches in Beirut zahlreiche Fotos vom Gemeindeleben und Aktivitäten für Kinder und Jugendliche. Dabei sind auch Fotos vom UN-Flüchtlingslager für Jesiden in der Nähe seiner Gemeinde in Malkieh. Dort hat seine Gemeinde für die Flüchtlinge einen Brunnen gebaut.
Über Damaskus wird er nach dem Austasuch in Beirut wieder nach Qamishli fliegen. Nur - er hat erst einen Platz im Flieger in einer Woche bekommen... - Pfr. Enno Haaks

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