Mittwoch, 9. Dezember 2015

Hoffnung für Roma in Thessaloniki

John vor seiner Kirche
Romakinder in der Kirche
"Die Roma haben mich verändert. Ich bin offener und spontaner geworden!", erzählt John, Laienpastor der ersten anerkannten "Zigeunergemeinde" der Griechischen Evangelischen Kirche.
John ist eigentlich ein Augenarzt und Mitglied der griechisch-evangelischen Gemeinde in Thessaloniki. An drei bis vier Tagen in der Woche begleitet er in seiner Freizeit ehrenamtlich die "Zigeunergemeinde". Sie befindet sich in der Nähe des Flughafens auf einem Niemandsland - auf einem Müllabladeplatz. 70 Romafamilien leben dort. Das sind 500 bis 600 Menschen. Über 100 gehören inzwischen der evangelischen Gemeinde an. Und so wie sich John sich verändert hat, haben sich auch die zur Gemeinde gehörenden Roma geändert. Jedenfalls einige ...
Einer von ihnen ist Panaioti, Mitte 20. Er hat vom Diebstahl und Drogenhandel ganz gut gelebt. Inzwischen spielt er in der Gemeinde in der Kirchenband die Gitarre. Nichts mehr mit Diebstahl. Keine Drogen. Er hat natürlich weniger Geld. Seine Freunde haben ihn verlacht. Aber für ihn ist klar, dass er die Chance nutzen und sein Leben verändern möchte. Für ihn bedeutet das Evangelium Orientierung und Halt und Hoffnung.
Seit vier Jahren arbeitet John mit seiner Frau in der Romagemeinde. Sie ist Musiklehrerin und noch öfter vor Ort als John. - Eine völlig andere Welt. Mit ganz einfachen Mitteln haben sie eine Kirche gebaut. Daneben ist ein "Schulgebäude" entstanden. Hier versuchen sie, den Erwachsenen und Kindern Lesen und Schreiben beizubringen. Und das alles auf einer Müllhalde, wo die Ratten mit den Roma zusammen leben ... Ein hartes Leben. Hart auch, sich in seiner Freizeit für diese Menschen einzusetzen. Aber John hat das Gefühl, dass er durch diese Arbeit viel geschenkt bekommt: "Und ich bin sicher, dass es einen Sinn hat, dass ich diesen Dienst machen kann. Wir versuchen, Hoffnung zu säen!" Deshalb will John die Bildungsarbeit im Roma-Camp verstärken. Denn nur das hilft wirklich, ein anderes Leben aufzubauen.
Die Roma in Griechenland leben am äußersten Rand der griechischen Gesellschaft. Zig Millionen Euro, darunter auch EU-Subventionen, wurden in Hilfsprojekte investiert. Ein Großteil der Hilfsgelder versickert durch Korruption und Misswirtschaft. Nicht einmal die genaue Zahl der Roma in Griechenland konnte bisher genau ermittelt werden: Nach Schätzungen seien es zwischen 150.000 und 250.000; Menschenrechtsaktivisten sprechen von über 300.000 Roma. Zehntausende Roma leben in Slum-Siedlungen wie die am Flughafen von Thessaloniki.

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