Samstag, 12. Dezember 2015

"Wir sind da und bleiben, um Hoffnung zu geben!" - Evangelisch in Aleppo

Treffen mit Pfarrer Haroutune Selimian (2 v.r) in Beirut
Als Pfarrer Haroutune Selimian von der armenisch- evangelischen Bethelgemeinde erzählt, dass allein in der Umgebung seiner Kirche 200 armenische Opfer des Krieges seit Ausbruch der heftigen Kämpfe in Aleppo Ende 2012 zu beklagen sind, stockt sein Stimme und Tränen sind in seinen Augen. "Stell dir das vor", sagt er mir im Gespräch. "Wer denkt an all diese Opfer...! Und wer ist an ihrer Seite...? Sie haben keine Verantwortung für diesen Krieg. Sie wollten leben - und zwar in Frieden!" Und er ergänzt: "Wir brauchen endlich wieder Frieden!" 
Er berichtet dann, dass von den unmittelbar 70.000 in Aleppo lebenden Armeniern jetzt
Pfarrer Haroutune in seiner Kirche in Aleppo
nur noch 10.000 übrige geblieben sind. In seiner Gemeinde kommen sonntäglich 400 Gottesdienstbesucher, um seine Predigten zu hören. "Vor dem Krieg waren es nur 250", berichtet er. "Und ich muss gut überlegen, was ich predige und wie. Das fordert mich. Aber dafür sind wir da, den Menschen Orientierung zu geben", und dann berichtet er davon, wie er vor Kurzem über die Versuchung Jesu durch den Teufel in der Wüste gepredigt hatte. Syrien verglich er mit einem verwüsteten Land. Und die Versuchungen durch den Teufel u.a. damit, das Land und die Heimat zu verlassen, und dass es wichtig wäre zu bleiben. "Dafür bin ich kritisiert worden", sagte er. "Mit recht, denn wie kann ich dazu auffordern zu bleiben, wenn vielleicht im nächsten Moment eine Familie durch den Krieg jemanden verliert. Hätten sie dann nicht besser gehen sollen...? Und bin ich dann mitschuldig?" Das beschreibt die Zerrissenheit, in der sich viele Menschen befinden. Gehen oder bleiben? Auffällig ist, dass von den 350 Familien, die zur Bethelgemeinde nur wenige gegangen sind. "Das hängt auch damit zusammen, dass wir als Kirche da sind und Hoffnung und Perspektiven geben!" sagt Haroutune. Er berichtet, dass aus der orthodoxen armenischen Kirche viele Priester gegangen sind. Das hat auch die Gemeinden zerstört. "Um wieviel größer ist der Schaden, wenn einer der evangelischen Pfarrer geht?" fragt er. "Auch wenn es hart ist...!"
Haroutune tut viel für seine Gemeinden. Die Schulen offen zu halten ist einer der wichtigsten Hoffnungszeichen. Hier braucht die Kirche Hilfe. Dazu hat seine Gemeinde 2013 ein Medizinzentrum aufgemacht, weil die ganze medizinische Versorgung zusammenbrach. Des Weiteren leistet die Gemeinde Nothilfe. Wichtig ist es dabei: Ale Hilfe geht sowohl an Christen wie Muslime. "Es darf niemand gegeneinander ausgespielt werden. Unsere Nachbarn brauchen uns alle!" bekräftigt er. 
Dabei wird das GAW weiterhin gefordert sein. Wir brauchen dabei Unterstützung um den notleidenden Glaubensgeschwistern zur Seite zu stehen.



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