Samstag, 20. Februar 2016

Diakonie in Polen - Diaspora mit einer Mission

Wanda Falk
 "Das Evangelium will konkret werden. Das wollen wir in der Diakonie in Polen leben," sagt Wanda Falk, Direktorin der Diakonie. Sie hat nach ihrem Theologiestudium die Diakonie aufgebaut. Sie lebt Diakonie. Seit dem 10.2.1999 ist die Diakonie in Polen eine Körperschaft öffentlichen Rechts. Seit 2006 ist sie in Polen eine anerkannte karitative Organisation. 
Wanda Falk berichtet über die Herausforderungen der Diakonie in der polnischen Gesellschaft: Das häufigste soziale Problem in Polen ist die Arbeitslosigkeit (10 %, im ländlichen Masuren bis zu 27 %, z.B. in Pisz). Deshalb suchen viele Polen Arbeit im Ausland. 2,6 Millionen Polen sind dauerhafte Arbeitsmigranten. Es gibt z.B. rund 80.000 Pflegerinnen, die im Ausland tätig sind. Durch die langen Aufenthalte zerfallen viele Familien daheim. Viele Paare leben in instabilen Fernbeziehungen. Man schätzt, dass es im Land bis zu 300.000 sogenannte Eurowaisenkinder gibt. Sie werden meist von den Großeltern aufgezogen. Manchmal aber auch von den Nachbarn, was für die Erziehung denkbar nachteilig ist.
Die Verarmung und Marginalisierung ist besonders im ländlichen Polen sehr groß. Als arm gilt, wer mehr als Zweidrittel seines Einkommens für Lebensmittel und Unterkunft ausgeben muss. Es bleibt dann kein Geld übrig z.B. für eine gute Ausbildung der eigenen Kinder. Frustration und Flucht in den Alkohol sind die Folgen. Es gibt Gewalt in manchen Familien. Ca. 6 % der polnischen Bevölkerung erfährt Gewalt im eigenen Haus. 40 % der Kinder erleiden Gewalt als angewandtes Erziehungsmittel. 
9 Millionen Kinder unter 18 Jahren gibt es in Polen. Unter ihnen gibt es viele Eurowaisen. 
Die häufigsten Probleme von Jugendlichen: Armut, Zerfall von Familien, schlechte Vorbilder in der Freizeitgestaltung (ohne Kontakt mit Erwachsenen), systematische Brutalisierung des Verhaltens (auch bei Mädchen). Es wächst die Zahl der Straftaten, die von Jugendlichen begangen werden (oft aus „Spaß“).
2014 gab es ein gutes GAW-Projekt der Frauenarbeit: „Du bist nicht verlassen“: Es ging um Angebote von lutherischen Gemeinden für Kinder in schwierigen Regionen. Die Diakonie in Bytom-Miechowice macht z.B. Arbeit mit Straßenkindern. Viele Kinder schwänzen die Schule. Freizeitstätten bieten Therapie und Erziehungsprogramme an, basierend auf den Grundprinzipien der Spielpädagogik. Es gibt Kinderspeisungen und vieles mehr. 
Ein Beispiel aus dem Ev. Zentrum für Diakonie „Sonnenland“ in Katowice: Dort lebt eine Frau namens Beate. Sie ist die geschiedene Frau eines polnischen Arbeitsmigranten, der ihr kein Geld schickt. Sie ist an multipler Sklerose erkrankt. Sie lebt von 400 € für ihre inzwischen fünfköpfige Familie. Sie erfährt durch die Diakonie Hilfe zum Überleben und Ermutigung aus dem Glauben durch die Kirche.
"Wir sind eine kleine Diasporakirche", sagt Wanda Falk. "Aber wir können etwas tun, denn die Not ist groß. Wir sind Diaspora mit einer Mission!"

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