Samstag, 20. Februar 2016

Erinnerung an die Taufe der Polen und die polnische Ökumene

St. Trinitatis Warschau
"In diesem Jahr wird bei uns an den Beginn der Christianisierung Polens im Jahr 966 erinnert", berichtet Darius Bruncz, Referent in der St. Trinitatiskirche in Warschau. "Die Vorbereitung dieser Feierlichkeiten zeigt etwas über die Situation der Ökumene in Polen", fährt er fort. "Es gab keine gemeinsame Kommission aus Vertretern der römisch-katholischen Kirchen mit Vertretern des Ökumenischen Rates." Dem Ökumenischen Rat Polens gehören die Orthodoxe, die Lutherische, die Reformierte, die Anglikanische, die Methodistische, die Baptistische und die Altkatholische Kirche an. "Die 1050-Jahr Feierlichkeiten der Taufe der Polen ist eine Sache des polnischen Staates und der römisch-katholischen Kirche. Ein bisschen schwingt da auch mit, dass  im Bewußtsein der Menschen ein Pole ein Katholik sein muss."
Ökumene mit Leben zu füllen ist eine Herausforderung. Ökumenische Beziehungen in Polen sind letztlich anders dadurch, dass  die römisch-katholische Kirche sehr dominierend ist. 
Es gibt aber auch andere Stimmen in der lutherischen Kirche, die selbstbewusst vertreten, dass man nach aussen zeigen muss, was evangelisch ist. "Da sind wir Evangelischen wichtig!" sagt Pfarrer Karol Dugosz, Assistent des Bischofs. "Wir sind auch selbst gefordert, im Rahmen der 1050-Jahrfeier zu zeigen, dass wir seit 500 Jahren dazugehören. Zudem ist es gut, in der polnischen Gesellschaft zu vermitteln, dass bis zur Gegenreformation die Mehrheit der Bevölkerung mal evangelisch war. Das ist Teil auch der Erinnerung an die Taufe der Polen im Jahr 966." Er ist sich sicher, dass die evangelische Kirche etwas zur Pluralität der Gesellschaft beitragen kann. 

Anmerkung: Im Jahre 966 wurde Mieszko, der Herzog des slawischen Stammes der Polanen, nach der lateinischen Ordnung getauft. Die Taufe erfolgte durch Vermittlung der Böhmen. Die böhmische Herzogin Dobrawa wurde dem Mieszko angetraut. Die Taufe ermöglichte Mieszko die Einigung aller polnischen Stämme unter seinem Zepter, das zum Symbol eines christlichen Herrschers wurde – des Gesalbten Gottes.

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