Dienstag, 23. Februar 2016

Erschütterung und Terror in Homs

Am vergangenen Sonntag haben Terroristen in Damaskus und Homs mindestens fünf schwere Anschläge verübt. Ziel waren Stadtteile mit religiösen Minderheiten. Mindestens 120 Menschen wurden getötet und viele weitere sind verletzt worden. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu dem Anschlag in Homs. Hier gab es mindestens 55 Todesopfer.

"Es war eine fürchterliche Explosion", schreibt Pfarrer Mofid Karajili von der arabisch-reformierten Gemeinde in Homs. "Das hat unsere Hoffnung auf Frieden erheblich erschüttert. Es ist, als wenn sich alle Türen der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft geschlossen haben. Ich bin so wütend. Als Pfarrer spüre ich zum ersten Mal Hass gegenüber diesen Mördern und auch gegenüber den Regierungen in unserer Region, die sie unterstützen - auch gegen die westlichen Regierungen ... Warum ist es so schwer, mit klaren Aussagen die Täter zu entlarven und jene, die den Terror unterstützen? - Trotz allem danke ich Euch, dass ihr im GAW an uns denkt. Und bitte vergib mir meine Wut!"
Aufbau einer Bibliothek für Homs

Pfarrer Mofid setzt sich sehr dafür ein, dass seine Gemeindemitglieder (ca. 300) bleiben und sich für ein versöhntes Miteinander engagieren. Dem dient z.B. die evangelische Schule mit 1.500 Schülern. Zu ihr gehört eine Bibliothek, die am 18. Dezember 2015 wieder eröffnet werden konnte. In der Zeit der Kämpfe in Homs hatten radikale Islamisten hier ein Rekrutierungsbüro eingerichtet. Wie das Kirchgebäude war es unter Kontrolle der Islamisten. Vor dem Krieg hatte man mit dem Aufbau der Bibliothek begonnen. Der Krieg hat das unterbrochen. Zahlreiche Bücher wurden zerstört oder verbrannt. Nachdem der Zugang wieder möglich ist, hat die Gemeinde entschieden, sie wieder zu öffnen. Für die Gemeinde spielt die Bibliothek eine wichtige Rolle, denn sie gibt Raum zum Lernen, zur Ruhe, zum Lesen. Denn – so Pfarrer Mofid: „Lesen ist wie atmen und stärkt die Würde der Menschen und gibt Perspektive. Hoffentlich ist das stärker als jeder Terror!"

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