Dienstag, 1. März 2016

Vor 50 Jahren starb Camilo Torres

Am 15. Februar 2016 vor 50 Jahren starb der katholische kolumbianische Priester  Camilo Torres. Als Kind kam er nach Deutschland, wo sein Vater kolumbianischer Konsul in Berlin war und besuchte später das Deutsche Kolleg in Bogotá. Nachdem er das Abitur abgelegt hatte, begann er ein Jurastudium und verlobte sich. In Exerzitien entschloss er sich jedoch, Priester zu werden und studierte Philosophie und katholische Theologie. 1954 wurde er zum Priester geweiht. Torres litt unter der Armut der Menschen. Er setzte sich für eine Zusammenarbeit zwischen Christen und Marxisten ein. Er selbst sagte: „Warum sollen wir streiten, ob die Seele sterblich oder unsterblich ist, wenn wir beide wissen, dass Hunger tödlich ist.“ Selbst aus der reichen Oberschicht stammend entfernte er sich seiner Herkunft immer mehr. Weil er keinen anderen Ausweg sah, die Armut auf friedlichem Wege zu bekämpfen, schloss er sich dem bewaffneten Widerstand an. Er war aktives Mitglied des Ejército de Liberación Nacional (ELN), der ersten südamerikanischen Guerillabewegung, die auch aktive Christen in ihren Einheiten hatte. In einem seiner ersten Gefechte wurde er getötet. Über konfessionelle und politische Grenzen hinweg war er eine Inspiration für viele Menschen. Der chilenische Sänger Vivtor Jara hat das Gedicht „Cruz de Luz“ vertont und Torres damit ein Denkmal gesetzt: https://www.youtube.com/watch?v=_rllf7Df10o
Der lutherische Pastor Israel Martinez schreibt: „Für mich war Camilo eine Inspiration, Pastor zu werden. Er vertrat eine Theologie, die solidarisch mit den leidenden Menschen ist. Unter der Unterdrückung der Armen durch die Reichen, woher er selbst kam, litt er sehr. Heute spaltet die Sichtweise auf Camilo die Gesellschaft. Die katholische Kirche verweigerte ihm eine kirchliche Bestattung und entzogen ihm die Priesterweihe. Die Linke in Kolumbien sieht in ihm ein großes Vorbild, das sich für die Rechte aller Kolumbianer stark machte.“

Spannend ist, dass aber jetzt sowohl auf politischer Ebene, als auch von kirchlicher Seite das Gedenken an Camilo Torres hilfreich gesehen wird für die laufenden Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und den beiden Guerilla-Organisationen FARC-EP und ELN. - Kritisch ist sein Griff zu den Waffen zu beurteilen. Jesus selbst sagt: "Wer das Schwert nimmt, der kommt durch das Schwert um."

In diesem Jahr blickt die Frauenarbeit des GAW auf Kolumbien und stärkt Frauen, die unter dem jahrzehntelangen Bürgerkrieg zu leiden hatten. Ihnen werden in der lutherischen Kirche Kolumbiens Fortbildungsangebote gemacht. Mehr: http://www.gustav-adolf-werk.de/jahresprojekt.html

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