Mittwoch, 30. März 2016

Wohin geht der Weg der Lutheraner in Tschechien?

Die Schlesische Evangelische Kirche A.B. befindet sich mit ihren 21 Gemeinden und ca. 20.000 Mitgliedern (36 PfarrerInnen) im nordöstlichen Teil Tschechiens, direkt an der polnischen und slowakischen Grenze. Die Anfänge des Luthertums wurden von Wittenberger Studenten nach Schlesien gebracht, wo es seit 1526 regelmäßig protestantische Gottesdienste gab. Nach der Gegenreformation und dem Dreißigjährigen Krieg existierte die Kirche fast zwei Jahrhunderte lang als verbotene religiöse Minderheit. Davon zeugen die Waldkirchen, in denen die "Geheimprotestanten" ihre Gottesdienste feierten. Erst im Jahr 1948 wurde sie offiziell als eigenständig anerkannt und den anderen Kirchen der damaligen Tschechoslowakei gleichgestellt.
Die Schlesische Evangelische Kirche A.B. ist heute in fünf Seniorate gegliedert und wird vom neunköpfigen Kirchenrat (vier Pfarrer, fünf Laien) geleitet. Im Rahmen der Kirche wirkt z.B. die schlesische Diakonie in die Gesellschaft hinein und gibt mit ihrem Dienst  Zeugnis in der stark säkularisierten tschechischen Gesellschaft.
Stark geprägt ist die Kirche von der "Christlichen Gemeinschaft", die gerade in der Zeit des Kommunismus segensreich gewirkt hat. Bischof Jan Wacławek und sein Stellvertreter Tyrlik kommen aus dieser Bewegung. Nur - was geschieht mit Bewegungen wie dieser, wenn das "Feindbild" des Kommunismus nicht mehr da ist? Wie entwickelt sich eine solche Bewegung in einer demokratischen Gesellschaft? Engagiert sie sich wie der Bischof und sein Stellvertreter in den Kirchenstrukturen und sucht sich den neuen Herausforderungen unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen zu stellen?
Derer gibt es genug: Wie stellt sich die Kirche auf die Veränderungen ein, die z.B. das neue Entschädigungsgesetz vorsieht? Bis 2030 muss jede Kirche sich selbst finanzieren und wird bis dahin sukzessive weniger Zuschüsse vom Staat erhalten. Oder wie wird auf neue gesellschaftliche Herausforderungen reagiert, wie z.B. der Flüchtlingskrise? Und - die entscheidende Herausforderung: Wie wird die Kirche 26 Jahre nach dem Mauerfall und der friedlichen Revolution verantwortungsvoll mit der gewonnenen Freiheit umgehen? Es gibt in der Schlesische Evangelische Kirche A.B. Gruppierungen, die das gemeinsame Leben erschweren. Schnell ist man dabei, von "Rechtgläubigkeit" zu sprechen, von dem, was gut und was falsch ist. Und eigentlich geht es bei allem um Angst. Warum ist es nur so schwer gemeinsam Kirche zu sein und auf den zu vertrauen, der spricht: Fürchte dich nicht!
Im Juni diesen Jahres wird ein neuer Bischof gewählt. Entschieden wird da auch über eine Partnerschaft zur Braunschweigischen Kirche. Es stehen wichtige Richtungsentscheidungen an.

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