Freitag, 8. April 2016

8. April: Internationaler Tag der Roma gegen Ausgrenzung

Am 8. April wird in jedem Jahr der Weltromatag gefeiert, um darauf hinzuweisen, dass Roma Jahrhunderte lang verfolgt und diskriminiert wurden und es immer noch werden. Besonders ist an die Ermordung von 500.000 Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten zu erinnern. Am 8. April 1971 fand der erste Weltromakongress statt. Dabei wurde auch die Flagge der Roma beschlossen.

Viele Roma sind in den Ländern, in denen sie leben, Anfeindungen bis hin zu Gewalt und täglicher Diskriminierung ausgesetzt. Das ist auch in Rumänien der Fall, wo Roma bis 1856 zur Arbeit als Sklaven gezwungen wurden. Noch heute haben sie im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt meist keine Chance. Deshalb wohnen sie häufig in Elendsvierteln am Rande der Dörfer und Städte, manche auf Müllkippen. Drei Viertel leben laut Statistiken in Armut, in der restlichen rumänischen Bevölkerung ist es knapp ein Viertel. Eine feste Arbeit haben nur zehn Prozent, wobei darunter Rechtsanwälte, Ärzte und Wissenschaftler sind. Die Lebenserwartung liegt für Roma mit 52 Jahren 16 Jahre unter dem Durchschnitt der rumänischen Bevölkerung. Die Kindersterblichkeit ist dreimal höher. Nur die Hälfte hat eine Krankenversicherung, während in der restlichen Bevölkerung vier Fünftel krankenversichert sind.

Anita Marcu ist 21 Jahre alt und vor zwei Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland gezogen. Hier hat sie bereits Arbeit gefunden, was sie in Rumänien nicht geschafft hat. Von ihrem Leben dort erzählt sie: "Wir, meine Eltern, meine zwei Brüder, mein Mann und meine Tochter, lebten in einem kleinen Haus. Die meisten Roma in der Stadt, in der ich gelebt habe, haben ihr Geld mit Altmetallsammeln verdient. Wir haben das Metall mit einem Pferdewagen von den Kunden abgeholt, zu Hause nach Metallsorten sortiert und dann zur Sammelstelle gebracht. Dort haben wir ein paar Cent pro Kilo bekommen. Aber das war keine sichere Einnahmequelle: An einem Tag findest du etwas, an einem anderen nichts. Du weißt nicht, was morgen oder übermorgen ist", erinnert sie sich. Sie will auf keinen Fall in die Armut zurück.

Mircea Balan wohnt nun ebenfalls mit seinen vier Kindern und drei Enkelkindern in Deutschland. Der 34-Jährige denkt lange nach, vielleicht darüber, wie man dieses ganz andere Leben in wenigen Sätzen beschreiben kann und erzählt dann: „Wenn wir uns waschen wollten, holten wir das Wasser von einer Pumpe auf der Straße und erwärmten es über einem Holzfeuer. Das Holz dafür erhielten wir von Förstern, für die wir im Gegenzug im Sommer Hagebutten sammelten. Nur durch diesen Tausch konnten wir überhaupt über den Winter kommen. Hagebuttenäste haben Dornen, wir mussten deshalb beim Sammeln Handschuhe tragen. Das Essen bezahlten wir vom Kindergeld – insgesamt hatten wir damit 60 Euro. So haben wir gelebt und überlebt. Wir sind wegen der Armut aus Rumänien weggegangen. Wir hatten kein Geld und zu wenig Essen. Nach der Revolution haben wir manchmal als Tagelöhner auf dem Bau oder in der Reinigung gearbeitet. Aber sie haben uns immer getäuscht und uns nur die Hälfte des vereinbarten Lohns gegeben. Roma gehen oft nicht zur Schule, deswegen finden sie keine Arbeit und dann sind sie arm. Ich war auch nicht in der Schule. Meine Eltern waren damals leider mit anderen Dingen beschäftigt."

Adriana Mitu lebte zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem Zimmer im Haus ihrer Schwiegereltern. Der tägliche Verdienst von 10 Euro aus dem Verkauf von Gemüse reichte für die Familie nicht aus, um sich eine eigene Wohnung zu leisten. Den Unterschied zwischen Rumänen und Roma kann sie deshalb genau beschreiben: „Als Rumänin findest du Arbeit, ziehst keine langen Röcke an, sammelst kein Altmetall. Roma dagegen sammeln Altmetall, verkaufen Gemüse und leben in Armut. Es hat mir nie gefallen so zu leben.“ Cristina Stoica, die 37 Jahre alt ist, hat ebenfalls vom Gemüseverkauf gelebt, eine harte Arbeit in der Hitze Südrumäniens, sagt sie. Die aufgeweckte und lebendige Frau war in Rumänien nicht in der Schule und kann nicht lesen und schreiben. In ihrer Kindheit arbeiteten ihre Eltern jeden Tag von 5 bis 15 Uhr in der Straßenreinigung. „Hätten sie uns um 4 Uhr wecken und für die Schule vorbereiten sollen? Das wäre viel zu früh gewesen. Viele Roma haben solche existentiellen Probleme, dass sie nicht an die Zukunft denken können. Roma sind immer am niedrigsten. Ich wollte nicht mehr niedrig sein.“

Wir dürfen Roma nicht vergessen. Wie diese vier jungen Menschen erfahren sie in allen Ländern Europas Rassismus und Ausgrenzung. Die Politik in Europa darf die Ursachen der Armut nicht länger bei den Betroffenen suchen, sondern muss armen Menschen echte Chancen bieten, ihre Situation verbessern zu können. Viele Menschen in der Mehrheitsgesellschaft haben Vorurteile gegenüber Roma und verweigern ihnen damit eine faire Behandlung. Aufklärung in der Mehrheitsgesellschaft tut also not.

Das GAW unterstützt mit der Konfirmandengabe 2016 junge Roma in Rumänien dabei, Erfolge in der Schule zu haben und so ihre Träume für ihr Leben verwirklichen zu können:

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