Donnerstag, 21. April 2016

Die Not der Menschen in der Ukraine

Rechts: Bischof Zan Fabian
Die Situation in der Ukraine wird für die Reformierte Kirche in Transkarpatien schwieriger. Die Mehrheit der Menschen hat durch den Krieg und die katastrophale wirtschaftliche Situation des Landes verbunden mit der nicht nachlassenden korrupten Struktur des Staates große Probleme, monatlich die normalen Unterhaltskosten für ihre Familien aufzubringen. Die Menschen sind froh, dass der vergangene Winter wieder relativ mild ausgefallen ist. Trotzdem betrug z. B. die Gasrechnung für eine alleinstehende Rentnerin ca. 2000 Griven (nach gegenwärtigem Kurs 66 Euro) pro Monat - und das bei einer monatlichen Rente von 1000 Griven.
Von 2015 auf 2016 kürzte der ukrainische Staat das Budget im Schulwesen um 25 %, ebenso im Gesundheitswesen. Beispielsweise bezahlte der Staat für bedürftige Kinder bis zur 4. Klasse ein kostenloses Mittagessen in der Schule im Wert von 8 Griven (aktuell 27 Cent). Ab 2016 wurde der Satz auf 4 Griven (= 13,5 Cent) halbiert. Nach den Osterferien fahren kaum noch Schulbusse, weil sie keinen Kraftstoff mehr haben.
Immer mehr Menschen verlassen ihre Heimat und gehen ins Ausland zum Arbeiten. Einerseits aus finanziellen Gründen, andererseits aber auch aus Angst vor dem Krieg im Osten der Ukraine. Allein das Krankenhaus in Beregszász - nahe der Grenze zu Ungarn - hat im letzten Jahr 100 Mitarbeiter verloren. 
Ein echtes Problem und eine große Herausforderung ist diese Abwanderung für die Reformierte Kirche. Es fehlen die Ehrenamtlichen in den Gemeinden, der Diakonie und Behindertenarbeit, aber auch in der Feuerwehr Dercen. Der Pfarrer der dortigen Gemeinde ist gleichzeitig der Feuerwehrhauptmann. Bei seinen Einsätzen muss die Feuerwehr oftmals mit einer zwei Drittel-Mannschaftsstärke auskommen.
Geradezu katastrophal sind die Auswirkungen auf das soziale Gefüge. Arme, Alte und Kranke wurden bisher von den Jungen im Familienverband versorgt und gepflegt. Pflegedienste und Ähnliches gibt es nicht. Weil viele junge Menschen die Heimat verlassen, ist dieses soziale Gefüge auseinandergebrochen.
Die Kirche zahlt Monat für Monat für ihre Beschäftigten 22 % Lohnsteuer und nach wie vor 1,5 % Kriegssteuer. 
Dagegen gibt es erfreulicherweise besonders seit diesem Jahr deutlich mehr Gottesdienstbesucher. In manchen Orten ist der durch den Weggang bedingte Besucherrückgang nahezu ausgeglichen.

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