Sonntag, 24. April 2016

Die Stimme für Waisenkinder wird langsam lauter

Drei junge Frauen aus dem Wohnheim, zusammen mit Kindern aus der Gemeinde
Bei unserer Reise mit Vertreterinnen der Frauenarbeit in Kirgistan besuchen wir evangelische Gemeinden und lernen soziale Projekte kennen. Ainura Ormonova ist Leiterin des Projektes „Unsere Stimme“. Das Sozialprojekt hilft jungen Frauen, die aus Kinderheimen kommen und diese mit 18 Jahren verlassen müssen. Sie berichtet uns über ein großes Problem in der kirgisischen Gesellschaft: „In der Sowjetzeit hatte die jungen Frauen ein Recht auf Unterbringung und Ausbildung. Heute werden sie einfach alleine gelassen. Deswegen leben viele auf der Straße. Sie können keinen Beruf erlernen und sind häufig zur Prostitution gezwungen, um zu überleben“

Ainura Ormonova, Leiterin von "Unsere Stimme"
Die Mitarbeiterinnen des Projekts gehen in die Kinderheime und fragen die jungen Menschen, welchen Beruf sie einmal ausüben wollen. Dann vermitteln sie die Jugendlichen in Ausbildungsinternate. Der Staat müsste ihnen nach dem Gesetz die Ausbildung, Unterbringung und Verpflegung in den Internaten bezahlen. Dieses Recht für die Jugendlichen hier und da durchgesetzt zu haben, ist bereits ein Erfolg des Projektes. Jedes Jahr können 50-100 Frauen und Männer vermittelt werden. Die Frauen, die nicht vermittelt werden können, kommen für ein Jahr in einem Frauenwohnhaus des Projektes unter. Viele brauchen psychologische Hilfe, fast alle haben auf Grund der schlechten Versorgung in den Heimen medizinische Probleme.

Allerdings ist sich Ainura Ormonova der begrenzten Einflussmöglichkeiten ihres Engagements bewusst: „Mit der Arbeit, die wir machen, ist das Gesamtproblem nicht gelöst. Es ist ebenso wichtig, Gesetze zu ändern und diese durchzusetzen. Zum Glück ist es uns bereits gelungen, das Problem der ehemaligen Waisenheimkinder in der Regierung und in der Gesellschaft zum Thema zu machen. Dazu waren wir mit zwei der Mädchen im Parlament und haben mit Abgeordneten gesprochen. Dann haben wir die Gesetzesänderung bewirkt, dass jedes Kind in Kirgisien ein Recht auf Unterkunft hat. 'Unsere Stimme' wird langsam lauter.“

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