Donnerstag, 12. Mai 2016

Flüchtlingskrise: Kirchen sollten sich nicht hinter der Politik verstecken

Pfarrer Dimitris Boukis von der Griechisch-Evangelischen Kirche.
In der aktuellen sogenannten Flüchtlingskrise in Europa sollten die Kirchen sich nicht hinter der Politik verstecken, sondern mit gutem Beispiel vorangehen, fordert Dimitris Boukis, Pfarrer der Griechisch-Evangelischen Kirchen in einem Interview mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). "Ich glaube, wir sollten laut über Menschenwürde und Gleichheit sprechen. Gerade wir als Christen, die wir glauben, dass alle Menschen von demselben Gott erschaffen wurden." Er weist auf die Notwendigkeit einer starken Ökumene hin: "In Angelegenheiten wie der Flüchtlingsfrage müssen die Kirchen mit EINER Stimme sprechen und EIN Gesicht zeigen." Besonders in den europäischen Ländern, in denen Flüchtlinge nicht willkommen sind, sei es Aufgabe der Kirchen eine entsprechende Willkommenskultur einzufordern.
Die Griechisch-Evangelische Kirche arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Migranten und Flüchtlingen in Griechenland. Für diese Kirche und für die griechische Gesellschaft stellt die derzeitige Flüchtlingssituation im Zusammenspiel mit der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise des Landes jedoch eine große Herausforderung dar. Boukis: "Die Hauptkrise, durch die die griechische Gesellschaft gerade geht, besteht in der Hilflosigkeit der Menschen ... 25 Prozent Arbeitslosigkeit bringen eine Menge Pessimismus hervor." Trotzdem wollen die Menschen helfen, so Boukis. "Es ist erstaunlich wie viele Menschen Dinge verteilen, die sie selbst im Supermarkt kaufen oder sie öffnen ihre Häuser." Anderen helfen zu können, habe vielen Menschen in Griechenland eine neue Perspektive für ihr Leben gegeben, sagt Dimitris Boukis: "Selbst in der Krise, in der sich Griechenland aktuell befindet, geht es uns doch viel besser als anderen Menschen. Die Flüchtlinge hätten ihre Heimat niemals verlassen, wenn dort nicht Krieg wäre. Diese Menschen hatten Arbeit. Diese Menschen haben ihr Land geliebt und wollten dort nicht weg. Sie hatten gute Jobs. Manche hatten Geschäfte, manche waren Professoren, andere Musiker, wir sehen gebildete Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen. Diese Menschen haben ihre Heimat nicht verlassen, weil sie eine bessere finanzielle Zukunft für sich wollten. Sie mussten gehen, weil sie keine andere Wahl hatten." Boukis weist darauf hin, dass alle diese Menschen wertvolle Teile einer jeden Gesellschaft sein können: "Ich glaube, wo auch immer sie hingehen, sie werden die Gesellschaft bereichern." Wir sollten Ihnen nicht mit Mitleid begegnen, so Boukis außerdem, sondern sie wie unseresgleichen behandeln, weil diese Menschen einfach eine zweite Chance brauchen, um wieder auf eigenen Füßen stehen zu können. 


Den vollständigen Beitrag finden sie hier in Englisch.

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