Mittwoch, 19. Oktober 2016

Die Zukunft lutherischen Glaubens in Lettland

Dekanin Dace Balode, Evangelistin Rudite Losane,
Erzbischöfin Lauma Zušēvica
Lauma Zušēvica ist Erzbischöfin der Lettischen Evangelisch-Lutherischen Kirche außerhalb Lettlands (LELBAL). Inzwischen hat ihre Kirche eine eigene Propstei in Lettland gegründet, nachdem sich die lutherische Kirche in Lettland theologisch immer weiter von Grundüberzeugungen, die im Lutherischen Weltbund Konsens sind, entfernt hat. Dazu gehört z.B. die Zustimmung zur Frauenordination. Propst der LELBAL in Lettland ist Pfarrer Kārlis Žols, der inzwischen fünf Gemeinden gesammelt hat. Eine sechste Gemeinde steht kurz vor der Gründung. Ca. 400 Mitglieder gehören zu dieser Kirche, die inzwischen auch zu einer Alternative geworden ist für Menschen, die sich in der lettischen lutherischen Kirche nicht mehr heimisch fühlen. Neun Pfarrer betreuen die Gemeinden. Die Hälfte sind Frauen.
Es ist sehr bedauerlich, dass es zu dieser Entwicklung gekommen ist. Die Gründe reichen in die Vergangenheit zurück. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges führte der Einfluss der Sowjetunion den größten Teil der lettischen Pfarrerschaft samt ihres Erzbischofs ins Exil. Die Theologische Fakultät Lettlands wurde geschlossen. Die Lettische Evangelisch-Lutherische Kirche erhielt die Namensergänzung "außerhalb Lettlands". Durch die Sowjetzeit hindurch unterstützten das Gustav-Adolf-Werk und die lettischen Lutheraner im Ausland ihre in Lettland verbliebenen Glaubensbrüder und -schwestern der LELB hinter dem Eisernen Vorhang. 
Seit 1993 leitet Jānis Vanags als Erzbischof die lutherische Kirche Lettlands. Vor seiner Wahl versicherte er bereits, keine Frauen ordinieren zu wollen - für die Synode war diese Versicherung maßgeblich, ihn überhaupt zu wählen. Gleichzeitig warnte er davor, dass die Kirche einem starken Druck von liberalen lutherischen Kirchen ausgesetzt sein würde. Inzwischen scheint eine Atmosphäre in der lutherischen Kirchen entstanden zu sein, dass die Synodenenstcheidung dieses Jahres zur Ablehnung der Frauenordination auch als Bekenntnis der Standhaftigkeit gegen eine "Verwestlichung" und gegen einen vermeintlichen Werteverfall zu verstehen ist. 
Aus Sicht des GAW stellt sich nun die Frage, welche Konsequenzen der Ausschluss der Frauen für die Partnerschaft mit Lettland bedeutet. Dazu werden derzeit Gespräche geführt mit allen lutherischen VertreterInnen in Lettland. 
Die Zukunft lutherischen Glaubens in Lettland wird sich weiter ausdifferenzieren. Neben der einheimischen lutherischen Kirche und der deutschen lutherischen Kirche in Lettland wird sich die LELBAL konstituieren und braucht dabei Unterstützung.

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