Mittwoch, 10. Mai 2017

Protestantische Gotteshäuser strahlen in neuem Glanz


Innenraum der Kirche in Bodonci
Viele evangelische Christen in Slowenien haben eine besondere Beziehung zu ihren Kirchengebäuden. Das hat auch historische Gründe. Die ersten protestantischen Kirchen aus der Zeit der Reformation wurden in der Gegenreformation wieder zerstört. Die Gläubigen konnten sich nur noch Zuhause treffen, in der ständigen Angst vor Entdeckung und tödlicher Strafe.
Katja Ajdnik ist Pfarrerin in der Gemeinde in Puconci im Übermurgebiet. Das Übermurgebiet liegt im Nordosten Sloweniens, im Dreiländereck zwischen Österreich und Ungarn. Hier ist die historische Heimat der Protestanten Sloweniens. Die Kirche von Puconci wurde 1783 gebaut und ist damit die älteste evangelische Kirche in Slowenien, wie sie stolz erzählt. Erst nach dem Toleranzedikt von 1781 durften die Protestanten überhaupt Kirchen bauen - ein großer Gewinn für sie: Sie konnten sich selbstbewusst treffen und ihren Glauben in Gemeinschaft und aller Öffentlichkeit leben. Das Toleranzedikt galt jedoch nur für das Übermurgebiet.
Kirche in Gornji Slaveči 

Simona Prosič-Filip ist Pfarrerin in der Gemeinde Gornji Slaveči, ebenfalls im Übermurgebiet. Sie erzählt, dass die Kirchen nach dem Ende der sozialistischen Herrschaft sehr heruntergekommen waren und dringend restauriert werden mussten. Die Regierung Titos hatte die Gemeinden nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und sich nicht bemüht, die alten Gebäude zu erhalten. Besonders die Wände der Kirche in Gornji Slaveči waren sehr feucht. Sechs Jahre lang hat die Gemeinde die Restaurierung geplant und Geld dafür gesammelt. Die Gläubigen wurden gebeten, zur Andacht an die Verstorbenen statt Blumen und Kerzen Geld für die Restaurierung der Kirche zu spenden. Es kam viel Geld zusammen. Gemeinsam mit einem Kredit von der Kirchenleitung und Geldern aus dem Kulturfonds der Regierung konnte die Gemeinde die erforderlichen 220.000 Euro zur Restaurierung aufbringen und mit den Arbeiten beginnen.

Die Primus-Truber-Kirche in Ljubljana war in den Jahren zwischen 1945 und 1990 sogar zweckentfremdet worden: Hier waren die Werkstätten des Staatlichen Theaters untergebracht! In den letzten Jahren konnten die 15 protestantischen Kirchengebäude in Slowenien nun endlich restauriert werden. Die Kirchengebäude wirken innen freundlich und einladend. Nach außen geben sie ein lebendiges Zeugnis für die Jahrhunderte währende protestantische Kirchengeschichte in Slowenien. Den Gemeindegliedern und PfarrerInnen merkt man an, wie wichtig ihnen der Erhalt ihrer Kirchen ist. Pfarrerin Simona Prosič-Filip freut sich: "Mit der Restaurierung haben wir die Voraussetzungen geschaffen, dass unsere Gemeinde auch in Zukunft lebendig bleibt."

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