Donnerstag, 23. November 2017

Hay que sacar las mascaras - zur Bedeutung der Frauenarbeit in der lutherischen Kirche Kolumbiens

 Enno Haaks im Gespräch mit Elisabeth Arciniejas und
Pastorin Consuelo Preciado 
"Es gibt in Kolumbien einen Friedensvertrag, um den jahrzehntelangen Bürgerkrieg zu beenden", erzählt Elisabeth Arciniejas, stellvertretende Präsidentin der Frauenarbeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Kolumbiens (IELCO). "Aber der Frieden ist alles andere als gesichert. Das reicht bis in unsere Kirche hinein. Es gibt Gruppen, die für, und andere, die gegen den Friedensvertrag sind. Oft stehen sich diese Parteien im Land und eben auch in der Kirche unversöhnlich gegenüber."
Innerhalb der Kirche gibt es auch noch andere Konfliktlinien. "Die kolumbianische Gesellschaft ist konservativ. Und so sind gerade ethische Fragen, wie die der menschlichen Sexualität, und Genderfragen umstritten", berichtet Elisabeth Arciniejas. "Diese Diskussionen haben das Miteinander in der Kirche sehr belastet und vor wenigen Jahren zu heftigen Auseinandersetzungen geführt. Einigen fällt es schwer, sich den Beschlüssen des Lutherischen Weltbundes anzuschließen. Zwei Gemeinden haben die Kirche verlassen."
Für die Dialogprozesse in den Gemeinden spielen Frauen eine wichtige Rolle. Über 65 % der Mitglieder der IELCO sind Frauen. Deshalb hat auch die Frage, wie sie mit Konflikten und unterschiedlichen Positionen in der Gesellschaft umgehen, in vielen Fällen entscheident. "Es gibt so viele offene Wunden in Kolumbien bis in die kleinen Gemeinden hinein. Da dürfen wir nicht drüber hinweggehen", betont Elisabeth. Die Kirche hat sich entschieden, eine Pastorin für die Koordination der Frauenarbeit anzustellen. Es geht darum, die gesamte Kirche zu einem Dialogprozess zu Genderfragen, Umgang mit Minderheiten und zu Fragen des Friedens zu motivieren und im Gespräch zu bleiben. Für diese Aufgaben wurde Pastorin Consuelo Preciado mit Unterstützung der Frauenarbeit des GAW für drei Jahre angestellt. Sie organisiert Workshops, Jahrestreffen der Frauen der IELCO mit bis zu 130 Teilnehmerinnen - und setzt sich ein für einen Befriedungsprozess in der Gemeinde Ibague ein.
Ibague liegt drei Autostunden von Bogotá entfernt. "Hier leben Militärangehörige, deren Männer durch die Guerilla getötet wurden, und es werden hier ehemalige FARC-Kämpfer, die entwaffnet wurden, angesiedelt. Ebenso leben hier Menschen, die durch den Krieg vertrieben worden sind. Es geht darum, sie alle dabei zu begleiten, in dem anderen nicht den Feind zu sehen, sondern den Menschen. Hay que sacar las mascaras - man muss den Menschen ihre Masken nehmen, um sich von Mensch zu Mensch zu begegnen und nicht als Feinde, die sich bekämpfen. In diesem Friedensprozess engagiert sich die Frauenarbeit", berichtet Consuleo von ihrer Arbeit.
Der Frieden in Kolumbien ist alles andere als sicher. Es braucht die Arbeit auf allen Ebenen der Gesellschaft, um den Friedensprozess nach der jahrzehntelangen Gewalt zu unterstützen. Der Weg ist mühsam. Für die Frauen der IELCO gibt es aber keinen anderen Weg, als im Dialog zu blieben und so auch zum Frieden in der eigenen Kirche beizutragen.

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