Dienstag, 5. Juni 2018

In Argentinien protestiert die Diakonie gegen Gewalt an Kindern

Nora Cortinas und Adolfo Pérez Esquivel, Jugendliche mit Plakaten
Bei einer Pressekonferenz am 11.05.2018 im Parlamentsgebäude in Buenos Aires halten Jugendliche Plakate hoch mit Sprüchen wie: "Wir Kinder sind keine Gefahr, sondern wir sind selbst in Gefahr!" - "Sie dürfen uns nicht unser Leben und unsere Hoffnung rauben!" - "Wir Kinder sind die einzige Hoffnung dieser Gesellschaft!" Gekommen sind außerdem der argentinische Menschenrechtler und Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel und Nora Cortinas, eine der "Madres de la Plaza de Mayo", die Mütter von während der Militärdiktatur ermordeten jungen Menschen. Eingeladen haben Kinderrechtsorganisationen, zu denen auch die evangelische Diakoniestiftung „Hora de Obrar“ gehört. 

Mit der Pressekonferenz machen sie auf eine gefährliche Entwicklung innerhalb der argentinischen Gesellschaft aufmerksam: Es kommt immer häufiger vor, dass die Polizei Kinder erschießt, angeblich weil sie auf frischer Tat bei kriminellen Handlungen ertappt wurden. Tatsächlich gibt es in Buenos Aires viele Diebstähle und Einbrüche, was die öffentliche Sicherheit beeinträchtigt. Doch die Reaktion darauf ist unverhältnismäßig hart. Zudem weckt die Polizeigewalt, die juristisch meist nicht geahndet wird und offensichtlich sogar politisch gewollt ist, in den Köpfen vieler Menschen schlimme Erinnerungen an die staatliche Gewalt in der Zeit der Militärdiktatur. 

Häuser in einem Armutsviertel
Der eigentliche Grund für die Kriminalität ist die Armut, die vor allem während der Zeit der Militärdiktatur 1976 - 1983 stark angewachsen ist. Armut bringt häufig große soziale Probleme mit sich. Die Kinder werden von den Eltern vernachlässigt. Familiäre Gewalt setzt sich von Generation zu Generation fort. Viele Eltern hatten noch nie in ihrem Leben eine bezahlte Arbeit und können auch ihren Kindern nicht vorleben, wie es ist, einer regelmäßigen Beschäftigung nachzugehen. Die Kirchner-Regierungen 2003 - 2015 haben zwar Sozialprogramme gefördert, das Problem der Arbeitslosigkeit konnten sie damit jedoch nicht in den Griff kriegen. In den letzten Jahrzehnten gründeten engagierte evangelische Christen sozial-diakonische Zentren in den Elendsvierteln von Buenos Aires. Hier sollen Kinder und Jugendliche gestärkt werden, um den Kreislauf der Armut, Kriminalität und Gewalt verlassen zu können. Gleichzeitig wirkt das Engagement zurück auf die Kirche selbst und macht sie solidarischer und sensibler für Ungerechtigkeit.

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