Donnerstag, 13. September 2018

Minderheitskirchen als Brückenorte – In der Schweiz beginnt die Vollversammlung der GEKE

Die Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) trifft sich ungefähr alle sechs Jahre, um die Arbeitsergebnisse der vergangenen Legislaturperiode zu besprechen und die zukünftige Ausrichtung der Arbeit festzulegen.

„Befreit – verbunden – engagiert“: Unter diesem Leitspruch findet vom 13.-18. September 2018 in Basel die achte Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE statt. 

Die Zusammenkunft der über 100 Mitgliedskirchen aus mehr als 30 Ländern will die
Basel
Kirchengemeinschaft untereinander stärken. Unter dem Titel „Gemeinsam Kirche sein“ werden Maßnahmen diskutiert, wie die Kirchengemeinschaft durch theologische Weiterarbeit vertieft werden kann. Dazu soll eine Charta zur Kirchengemeinschaft in der GEKE erarbeitet werden. Gleichzeitig will die GEKE den Mitgliedskirchen helfen, sich zu verschiedenen gesellschaftlichen Entwicklungen zu positionieren und öffentlich zu Wort zu melden. Weitere Schwerpunkte der Tagung sind Bildungsthemen und Herausforderungen für die Kirchen. 

Wichtig für die Vollversammlungen sind Impulse von außen, traditionell als „Zeitansage“ bezeichnet. Bei der Ansprache geht es darum, die Sicht einer außenstehenden Persönlichkeit auf ein aktuelles Thema kennenzulernen. Dazu konnte diesmal als Hauptredner Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft Sant‘Egidio, gewonnen werden. Mario Fischer, der designierte neue Generalsekretär der GEKE, erklärt: „Professor Riccardi setzt sich konsequent für eine Hinwendung der Kirchen zu den Rändern der Gesellschaft ein. Wir sind als Kirchen dazu herausgefordert, unsere Komfortzone zu verlassen und den Menschen das Wort der Hoffnung zuzusagen: dass ihr Leben eine Zukunft hat!“ 

In diese Richtung zielt auch die Beschäftigung mit dem Studiendokument zur „Theologie der Diaspora“, mit der sich die GEKE seit der vergangenen Vollversammlung auseinandergesetzt hat. Das Hauptanliegen des Dokuments ist es, die Diaspora nicht als Mangel zu verstehen, sondern als Gestaltung von Beziehungsfülle im Sinne der Nachfolge Christi. Es käme darauf an, die Netzwerke zu entdecken, in denen Gemeinden und Kirchen existieren. Im Dokument heißt es: „Christliche Minderheitenkirchen verfügen über ein sehr reiches Beziehungsnetzwerk; ein wichtiges davon ist die GEKE selbst. Auf diese Weise können Kirchen in Konflikten vermitteln, um Verständnis für andere nationale Perspektiven werben und so zum Frieden beitragen wie sie in früheren Zeiten leider oft zum Krieg beitrugen. Minderheitenkirchen sind so Brückenorte vielfältiger Art: zwischen Ost- und Westeuropa, zwischen Konfliktparteien, zwischen Christen und Nichtchristen.“ 

Wichtig ist die Perspektive, dass Minderheitenkirchen nicht nur Opfer, sondern auch Akteure gesellschaftlicher Prozesse sind und damit einen wichtigen Beitrag in ihrem jeweiligen Land und in ihrer jeweiligen Umgebung leisten. Ambivalente Erfahrungen, die sich mit der Diasporasituation verbinden, werden ausdrücklich benannt: Erfahrungen der Fremdheit und des Fremdseins und die daraus sich ableitende Herausforderung, eine Brückenfunktion zwischen dem Eigenen und dem Anderen wahrzunehmen. Es heißt: „Zum Brückesein gehört, das Getrennte zu verbinden, ohne ihre Verschiedenheit aufzuheben.“ 

In verschiedenen Zukunftsateliers geht es auf der Vollversammlung auch um die Frage der Stärkung der Dienstgemeinschaft. Unter welchen Schwerpunktthemen kann die GEKE zeichenhaft Projekte fördern, die deutlich machen, dass aus dem Glauben her die engagierte Tat erfolgt? Das GAW ist im Gespräch mit der GEKE, um die Zusammenarbeit an diesem Punkt auszubauen. Die Mittel für diese Projekte stellt die italiensiche Waldenserkirche über die OPM-Steuer zur Verfügung.

Bei allem soll auf der Vollversammlung das gemeinsame gottesdienstliche Leben gestärkt werden. „Die GEKE ist vor allem gottesdienstliche Gemeinschaft“, erinnert Generalsekretär Bischof Michael Bünker in seinem Vorwort zum „Europäischen Gottesdienstatlas“ an die Feststellung des Präsidiums der GEKE. Der Atlas, der rechtzeitig zur Vollversammlung erschienen ist, sei „ein Ergebnis der guten Zusammenarbeit mit und zwischen den Mitgliedskirchen, die sich im Bereich Liturgie in den letzten Jahren erfreulich intensiviert hat“, so Jochen Arnold, Liturgiebeauftragter der GEKE. 

Am Sonntagabend, dem 16. September, wählt die Vollversammlung zudem einen neuen Rat – das oberste Leitungsgremium der GEKE –, der die Kirchengemeinschaft in den kommenden sechs Jahren lenken wird. Ebenso wird über den künftigen Sitz der GEKE abgestimmt. Die Amtszeit von Bischof Dr. Michael Bünker endet mit dieser Vollversammlung. Der designierte neue Generalsekretär ist Pfr. Mario Fischer.

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