Montag, 29. Oktober 2018

Der neue Projektkatalog 2019 ist erschienen!

Die Projektkoordinatorin Carmen Klimasch
und der GS des GAW Pfr. Enno Haaks
Der neue Projektkatalog mit den Projekten für das Jahr 2019 ist druckfrisch gerade in der Zentrale des GAW angeliefert worden!

Der Projektkatalog (PK) des GAW ist das "Herzstück" der Arbeit des GAW für die weltweite evangelische Diaspora. 

Er scheint seit 1843 regelmäßig, abgesehen von kurzen Unterbrechungen in den Kriegs- und Nachkriegsjahren. Hier wird über 50 unierte, reformierte und lutherische Partnerkirchen informiert und die Projekte benannt und beschrieben, die vom GAW auf Bitten der Partnerkirchen unterstützt werden sollen.

Im PK 2019 werden insgesamt 121 Projekte aufgeführt, die mit 1,6 Millionen Euro unterstützt werden sollen.

Der PK ist ab Dezember auch auf der Homepage als digitaler Blätterkatalog einzusehen. In analoger Form kann er in der Zentrale bestellt werden unter info@gustav-adolf-werk.de.


Mittwoch, 24. Oktober 2018

Das Pfarr- und Gemeindehaus in Bene muss saniert werden

490 Mitglieder hat die reformierte Gemeinde in Bene in Transkarpatien. Eine wunderschöne Kirche hat die Gemeinde, die direkt an der Hauptstraße des Ortes liegt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das Gemeindehaus. Direkt daneben wohnt der Pfarrer mit seiner Familie im Pfarrhaus, das zur Sowjetzeit als Schule genutzt wurde. Völlig heruntergekommen wurde es zurückgegeben. Das Dach konnte jetzt dank einer Spende aus Ungarn saniert werden. Jetzt muss der Dachboden entsprechend ausgebaut werden, der Gemeindesaal saniert und zudem die Außenwände verputzt werden. 

Neben der gottesdienstlichen Arbeit , der Sonntagsschule und den Bibelstunden wird
einmal wöchentlich im Gemeindehaus für 23 Familien gekocht, die zu den Ärmsten der Armen gehören. 

Das GAW wird um Hilfe in Höhe von 9.000 Euro gebeten bei der Sanierung des alten Pfarrhauses mit einem Projekt für den Projektkatalog 2019. 

Die Reformierte Kirche in Transkarpatien ist vor allem die Kirche der ungarischen Minderheit. Der Krieg im Osten der Ukraine ist auch in Transkarpatien spürbar. Mangelhafte wirtschaftliche Entwicklung und Angst vor dem Einzug von Männern in die Armee führen dazu, dass immer mehr Menschen auswandern. Die Kirchengemeinden sind für die Bevölkerung in den kleinen Dörfern wichtige Orte für Hoffnung und Zusammenhalt und übernehmen vielfältige diakonische Aufgaben.

Pfarrer sein in Transkarpatien

Reformierte Kirche in Mezöwari
„47 Theologiestudenten unserer Reformierten Kirche in Transkarpatien studieren derzeit an zwei theologischen Fakultäten in Ungarn,“ berichtet Bischof Zán Fábián. „Das ist ein gute Anzahl. Und die Fakultäten in Ungarn sind froh, dass unsere Studierenden kommen, denn so sind die Fakultäten gut gefüllt. Aber“, so schränkt er ein, „nur die Hälfte derer, die das Studium beenden, kommt in die Ukraine zurück.“
Das hat verschiedene Gründe. Die wirtschaftliche Situation spielt eine große Rolle. Dazu kommt die Unsicherheit in einem Land, das sich im Krieg befindet. Es besteht die Gefahr, für die Armee rekrutiert zu werden, wenn man das Land nicht rechtzeitig verlässt. Es können auch nicht alle freie Pfarrstellen besetzt werden, weil die kleineren Gemeinden die Gehälter kaum bezahlen können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Studierenden während der Studienzeit in Ungarn einen Alltag erlebt haben, der anders ist, als der in ihrer Heimat. Viele heiraten auch in Ungarn … 

Insgesamt arbeiten 82 Pfarrer*innen in der Kirche. 10 % sind Frauen. Viele leisten sehr viel für ihre Gemeinden. Pfarrer*innen sind oft diejenigen, die sich um den sozialen Zusammenhalt in ihren Orten kümmern – bis dahin, dass sie Freiwillige Feuerwehren aufbauen. Die diakonische Arbeit ist von enormer Bedeutung. Ohne sie wäre für viele Notleidende ihre Lage noch schlimmer. In vielen Gemeinden geht es auch darum, mit den Roma, mit denen sie in ihren Orten zusammenleben versuchen, gemeinsam Kirche zu sein. 

Es ist eine große Herausforderung, in der Ukraine reformierter Pfarrer zu sein. Die Gemeinden schrumpfen durch Migration nach Ungarn und Westeuropa. Aber es ist bei den engagierten Menschen zu sehen, wie not-wendig es ist, dass es Kirche gibt und an der Seite ihrer Leute steht. 

Und es sieht nicht alles düster aus. „Das Durchschnittsalter unserer Pfarrer ist unter 40 Jahren", so Bischof Zán Fábián. Deshalb gewinnen wir immer bei Fussballturnieren gegen Pfarrerfussballmannschaften aus anderen  ungarisch-reformierten Kirchen!“

Dienstag, 23. Oktober 2018

Kinder und Jugendliche der Roma in der Reformierten Kirche

Nachmittagsunterricht für Romajugendliche in Mesövary
"Rund 20 % der Bevölkerung in Transkarpatien sind inzwischen Roma. Ihre Zahl hat im Vergleich zur übrigen Bevölkerung in den letzten Jahren stärker zugenommen", sagt die Projektverantwortliche für die Romaarbeit der Diakonie der Reformierten Kirche in der Region. Eine starke Minderheit, die aber unter Aus- und Abgrenzung leidet. "Deshalb begann auch schon vor 20 Jahren Bischof Zán Fábián in seinem Dorf mit und für seine Roma zu arbeiten." An die 40 Kinder zwischen 3 und 5 Jahren werden in einem Kindergarten durch die Gemeinde betreut. Dazu gibt es eine Nachmittagsbetreuung für Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren. Hätten sie keine Unterstützung, würden sie aus dem Schulsystem völlig herausfallen. In der Schulbetreuung arbeitet eine Roma als Assitstenzlehrerin mit.
Romasiedlung in Mesövary
Ohne sie wäre es schwierig, die Jugendliche zu bewegen zu kommen. Sie hilft, um Disziplin und Aufmerksamkeit zu halten - eine ziemliche Herausforderung. 
Die Zahl der Roma-Kinder, die nicht zur Schule gehen oder die Schule verlassen, ist hoch. Dazu kommt, dass auch Roma-Kinder, die die Schule besuchen, Schwierigkeiten haben, dem Unterricht zu folgen, da sie von Zuhause oft keine Unterstützung haben und es die Wohnverhältnisse nicht zulassen, dass ihre Hausaufgaben machen können.

Kindergarten und Schulnachhilfehaus in Nagybereg
Inzwischen arbeiten ca. zehn Kirchgemeinden der Reformierten Kirche in Transkarpatien mit Roma zusammen. Sie organisieren Kinder-Ferienlager, verteilen Lebensmittel und  versuchen, den Roma eine Arbeitsmöglichkeit zu vermitteln. 

In der Schulbetreuung werden ca. 60 Roma-Kinder in den drei Dörfern Nagybereg, Mesövary und Gat in Nachmittagsklassen unterstützt. Gleichzeitig werden sie sensibilisiert, auf ihre Gesundheit zu achten. Dazu gehört auch eine gesunde Mahlzeit, die sie vor dem Unterricht erhalten. Wichtig ist, dass dabei die Eltern mit einbezogen werden. Eine weitere Herausforderung! 

Zudem haben die Kirchengemeinden auch Romagemeinden gegründet.

Gemeinsam Kirche sein - das ist Ziel dieser Arbeit. Und es gelingt immer wieder!


Hier sind die Türen für alle offen, die in Not sind - Diakonie in Transkarpatien

Das Diakoniezentrum in Berehowe (Beregszász; Beregovo) in Transkarpatien in der Westukraine arbeitet seit 1993 für die Menschen in der Region. „Es wäre verheerend, wenn es dieses Zentrum nicht geben würde“, sagt Béla Nagy, der das Zentrum leitet und gleichzeitig Hauptkurator der Refomierten Kirche in der Region ist. „Viele Menschen würden Hunger leiden, weil sie nicht genügend zum Überleben haben. Die monatliche Rente liegt für die Mehrheit der Senioren bei 40 Euro. Was kann man damit machen?“, fragt Béla Nagy. „Die Menschen wissen: Hier bei der Kirche gibt es einen Ort mit offenen Türen. Hier kann man anklopfen und keiner wird zurückgewiesen. Hier gibt es Hilfe!"

Seit Beginn der diakonischen Arbeit in Berehowe ist die Lebensmittelhilfe an Bedürftige ein wichtiger Baustein. Jedes Jahr werden 40.000 Brote verteilt, die im Diakoniezentrum gebacken werden. Dazu kommen tägliche Lebensmittelrationen, die teilweise an Pflegebedürftige nach Hause geliefert werden, die in bitterere Armut leben. 
Der ukrainische Staat hilft nicht dabei. Von staatlicher Seite gibt es vielmehr Kontrollen, die die Arbeit erschweren. So sind größere Hilfslieferungen aus dem Ausland kaum noch umsetzbar. Der Staat will Korruption und den Schwarzmarkt bekämpfen. Die verschärften Bestimmungen treffen jedoch die Hilfsarbeit des Diakoniezentrums.
Die diakonische Arbeit hat sich ausgeweitet: An sechs Orten der Region gibt es Diakoniezentren, seit 2006 ein Seniorenheim  für 34 Senioren, seit 2013 ein Mutter-Kind-Haus mit ca. 20 Bewohnerinnen, zwei Behindertentageszentren für 70 Kinder und Jugendliche. An verschiedenen Orten besteht eine Roma-Arbeit, z.B. Nachmittagsunterricht für Kinder. Immerhin 20 % der Bevölkerung in Transkarpatien gehört zur Roma-Minderheit.

Ohne ausländische Hilfe wäre all diese Arbeit an der Außengrenze der EU nicht denkbar. Wahrscheinlich würden noch mehr Menschen die Region verlassen … Die Not ist groß. Dazu ein paar Zahlen: Das durchschnittliche Einkommen in der Ukraine liegt mit 2.459 US-Dollar pro Kopf nur ein wenig höher als in der Republik Moldau (2.240 US-Dollar). Zum Vergleich: Deutschland hat über 40.000 US-Dollar pro Kopf, Russland etwa 10.000. Das zeigt, dass die sozialökonomische Lage in der Ukraine außerordentlich angespannt ist. Die Perspektivlosigkeit ist groß. Die kommunalen Dienstleistungen - Wohnungen, Mieten, Strom, Wasser, Gas - haben sich sehr verteuert. Die Löhne sind zwar im letzten Jahr um 20 Prozent gestiegen, aber die Inflation ist auch sehr hoch: Die Inflationsrate lag bei 13 Prozent. Es bleibt also nicht viel übrig.

Montag, 22. Oktober 2018

Reformiert in der Ukraine

Bischof Zán Fábián
Evangelisch-refomierter Christ in der Ukraine zu sein ist eine Herausforderung. In der Regel gehören sie der ungarischen Minderheit an und leben weitgehend in der Westukraine, in Transkarpatien. 

Statistisch sind in der Ukraine 78 % Ukrainer und 17 % Russen. Außerdem leben in der Ukraine Weißrussen, Moldauer, Bulgaren, Polen, Juden sowie Ungarn, Rumänen, Griechen und Tataren, insgesamt 130 Nationalitäten. Der Staat versucht, in dieser Vielfalt ein einheitliches staatliches Gebilde zu bauen. Das ist schwierig. Wie geht man mit Minderheiten um? Wie verhält man sich zum großen Nachbarn Russland? Und wie befriedet man das Land? Wenn nicht bald Frieden einkehrt, welche Auswirkungen hat es gerade für Minderheiten? ...
Zu 52 % gehört die Bevölkerung der Russisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats an. Wobei es derzeit Spannungen und Spaltungen gibt. Es gibt zwei weitere orthodoxe Kirchen: die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Kiewer Patriarchat) und die Autokephale Ukrainisch-Orthodoxe Kirche. Im Westen der Ukraine (ehemaliges Galizien) ist die Griechisch-Katholische Kirche stark vertreten, eine mit Rom unierte orthodoxe Kirche (Uniaten). 9 % der Bevölkerung sind Katholiken. Die Römisch-Katholische Kirche ist vor allem im Westen des Landes zu finden. Insgesamt gibt es etwa 3 % evangelische Christen, die zu verschiedenen protestantischen Kirchen und Gemeinschaften gehören, und ca. 181.000 Juden. Die Muslime gehören vorwiegend der Volksgruppe der Krimtataren an und machen 4 % der Bevölkerung aus.Eine Partnerkirchen des GAW ist die Reformierte Kirche in Transkarpatien (Kárpátaljai Református Egyház). Sie hat noch ca. 80.000 Gemeindegliedern in 110 Gemeinden in drei Kirchendistrikten mit zehn Pfarrerinnen und 75 Pfarrern, 136 Katecheten, sechs Missionaren, über 110 Kantoren und fast 50 Theologiestudierende. 
Zunehmend kommt diese Kirche unter Druck durch ein neues Sprachengesetz, das dafür sorgt, dass Ukrainisch die erste Sprache ist. Minderheitenrechte werden nicht berücksichtigt. Solche Gesetze sorgen für einen weiteren Wegzug von Minderheiten. Wobei die Ukraine in den letzten 10 Jahren sowieso schon 10 Millionen Einwohner verloren hat. Wie viele Menschen leben noch im Land? Die Zahlen schwanken zwischen 48 und 32 Millionen Einwohnern.
Auch wenn der ukrainische Staat Gesetze erlässt, die gegen die russische Politik gerichtet sind, so treffen die Konsequenzen vor allen Dingen kleine Minderheiten, wie die Ungarn. Die Politik des ungarischen Staates hilft da nicht, die eher russlandfreundlich ist.
Von all den Herausforderungen der ehemals stark verwurzelten Kirche berichtet Bischof Zán Fábián beim Runden Tisch in Berehowe (Beregszász; Berogovo).

Freitag, 19. Oktober 2018

Die Kirchensanierung in Berghia/Rumänien ist geglückt

Sanierte Kirche in Berghia/Rumänien

"Am 7. Oktober konnte der lang ersehnte Dankgottesdienst zur Wiedereinweihung unserer 230-Jahre alten reformierten Kirche in Berghia in Rumänien gefeiert werden. Wir sind dankbar für die Unterstützung, die das GAW uns dazu gegeben hat. Ohne diese Hilfe wäre es schwerer geworden!" schreibt Pfarrer Béla Domahidi.

Das Dorf Berghia (ungarisch: Mezőbergenye) befindet sich im Zentrum des Siebenbürger Beckens, 12 km westlich von der Kreishauptstadt Târgu Mureş. Konfessionell ist der Ort dreigeteilt: etwa 600 Reformierte, 400 Orthodoxe und 200 Adventisten. Das Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Gläubigen ist gut, die kirchlichen Feste und die Dorffeste werden gemeinsam gefeiert. Sozial ist die Lage jedoch schwierig. Trotz der Nähe der Großstadt ist die Arbeitslosigkeit hoch. Das Dorf bietet neben schlecht bezahlten Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft kaum sichere Verdienstmöglichkeiten. Viele junge Menschen suchen ihr Glück im Ausland.

Die reformierte Kirche ist heute ein wichtiges Zentrum für das Dorf: Hier finden neben den Gottesdiensten auch Konzerte, Jugendtreffen, Kinderbibelwochen, Konferenzen etc. statt. „Eigentlich ist unsere Kirche der ‚größte Saal im Dorf‘“, sagt Pfarrer Béla Domahidi. „Es ist deshalb wunderbar, dass unsere Kirche in neuem Glanz erstrahlt.“ Das Dach wurde repariert, eine dicke Bodenschicht an der Kirchenwand und der Zementboden in der Kirche wurden abgetragen, die Mauer mit einer atmenden Kalkmischung verputzt. Viele der anstehenden Arbeiten wurden in gemeinschaftlichen Einsätzen von Freiwilligen aus der Gemeinde durchgeführt.


Das GAW hat die Kirchensanierung mit 7.000 Euro im Projektkatalog aus dem Jahr 2016 unterstützt. Allen Spendern sei herzlich gedankt!

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Organisationsname mit politischer Sprengkraft

Skurril und zugleich erschreckend – so kann man das Erlebnis bezeichnen, das ein Taxifahrer hatte, als er am Flughafen von Buenos Aires im Auftrag der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP) auf einen Vertreter der deutschen Entwicklungshilfe-Organisation "Brot für die Welt" wartete.

Er tat nichts weiter als ein Schild hoch zu halten mit der spanischen Übersetzung von "Brot für die Welt": "Pan para el mundo". Innerhalb von wenigen Minuten kamen zwei Polizisten auf den Taxifahrer zu, führten ihn ab und beschuldigten ihn eines unerlaubten politischen Protestes. Sie nahmen ihm, nicht gerade freundlich, das Schild weg und er musste sich ausweisen. Zudem untersuchten sie ihn auf Waffen. Anscheinend war sein Schild von den Sicherheitskameras erfasst worden, woraufhin sofort die Flughafenpolizei alarmiert wurde.

Nachdem der Fahrer den Polizisten erklärt hatte, dass es sich um ein Missverständnis handelte, durfte er an seinen Platz zurückkehren, jedoch nur unter der Bedingung, nicht mehr den Namen der Organisation auf das Schild zu schreiben. Zum Glück wusste er den Namen des Passagiers, auf den er wartete. Dies sei durchaus nicht immer der Fall, erklärte Nicolás Rosenthal, Direktor der Diakoniestiftung "Hora de Obrar". Seine Einschätzung zu dem Vorfall: "Die Episode könnte man als lächerlich ansehen, wenn sie nicht die Verletzung mehrerer Verfassungsgarantien beinhalten würde. Daher erwägen wir, einen formellen Protest gegen das Verhalten der Polizei einzulegen. Nicht zuletzt zeigt es das restriktive politische Klima, das momentan in Argentinien herrscht." In diesem Klima kann ein einfacher Organisationsname politische Sprengkraft entfalten.

Wie das Gustav-Adolf-Werk ist auch "Brot für die Welt" eine Partnerorganisation von "Hora de Obrar". Deren Vertreter nahm an der Synode der IERP teil, die in der letzten Woche stattfand.
Sarah Münch, Mitarbeiterin für Frauenarbeit

Freitag, 12. Oktober 2018

Erinnern an Oscar Romero

Oscar Romero (1917-1980)
Am kommenden Sonntag wird Oscar Romero in der katholischen Kirche im Vatikan heilig gesprochen. Auch ein Grund für evangelische Kirchen, an ihn zu erinnern wie es im Augsburger Bekenntnis im 21. Artikel heißt: „Vom Heiligendienst wird von den Unseren so gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und auch wie ihnen durch den Glauben geholfen worden ist; außerdem soll man sich an ihren guten Werken ein Beispiel nehmen…“ 

In den evangelischen Kirchen Lateinamerikas wird Romero sehr geschätzt.


Romero, der am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes von Todesschwadronen erschossene Erzbischof von San Salvador, gilt für die Armen in der Kirche schon lange als heilig. Lange wurde der Prozess der Seligsprechung verzögert. Als "Stimme der Unterdrückten" ist sich der lateinamerikanische Theologe bewusst gewesen, dass erst der Rückhalt der einfachen Leute und Basisgemeinden ihn stark gemacht hat. Als Märtyrer bietet er auch heute Orientierung für evangelische Christen. 

Romero ist zudem ein Vorbild für die politische Dimension des Glaubens und für eine öffentliche Theologie, die ihren Auftrag am Dienst für die Armen orientiert. Hier wird die Beziehung zwischen Glauben und Politik deutlich. Der Glaube ist es, der den ersten Anstoß gibt, sich in die Welt der Armen hinein zu begeben und Befreiungsprozesse in Gang zu setzen. Dieses Hineingehen und praktische Handeln führt dann zu einer Konkretisierung fundamentaler Glaubensinhalte. 

„Die ersten Christen sagten: Gloria Dei, vivens homo. Wir könnten konkreter sagen: Gloria Dei, vivens pauper - die Ehre Gottes ist der Arme, der lebt. Wir glauben, dass wir - von der Transzendenz des Evangeliums her - sagen können, was wirkliches Leben für die Armen ist, und wir glauben auch, dass wir wissen werden, was die ewige Wahrheit des Evangeliums ist, wenn wir an der Seite der Armen stehen und versuchen, ihnen Leben zu ermöglichen. Die politische Dimension des Glaubens entdeckt man (nur) im praktischen und konkreten Dienst an den Armen.“ (Oscar Romero)

Mehr: https://www.evangelisch.de/inhalte/152767/12-10-2018/spaete-ehre-fuer-den-bischof-der-armen

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Ein neuer Kirchbau in Rio Aparecido in Brasilien

Der zukünftige Kircheninnenraum
Die evangelisch-lutherische Gemeinde in Rio Aparecida im brasilianische Bundesstaat Espiritu Santo ist die jüngste Gemeinde der Gesamtgemeinde in Rio Possmoser, die sich Ende November 2016 selbständig machen konnte. 15 Jahre zuvor war sie als Predigtort gegründet worden. Derzeit trifft sich die Gemeinde in einer Garage zu ihren Gottesdiensten, Bibelstunden und Kinder- und Jugendgruppenstunden. Auch der Posaunenchor probt hier.
Derzeit besteht die Gemeinde aus 45 Familien, d.h. dass ca. 200 Personen der Gemeinde angehören. Die Gemeindeglieder sind zumeist Kleinbauern pommerscher Herkunft. Sie leben weitgehend von der Landwirtschaft. Nach wie vor spielt dieser Dialekt im Gemeindeleben eine große Rolle und wirkt auch identitätsstiftend. Das religiöse Gemeindeleben spielt für die Gemeinschaft eine große Rolle. Die Teilnahme an Gottesdiensten und Gruppenangeboten ist sehr hoch. Die Gemeinde erhielt ein Grundstück als Schenkung zweier Gemeindeglieder. 

In einfacher Bauweise entsteht derzeit  auf dem geschenkten Grundstück eine Kirche. Der Kirchraum ist so konzipiert, dass er auch für andere Gemeindeaktivitäten genutzt werden kann. 

Ca. 72.000 Euro kostet das Bauvorhaben. Das GAW fördert in diesem Jahr die Kirche mit 13.000 Euro.
"Die Kirche ist praktisch fertig. Am 18.11. soll sie eingeweiht werden. Ein Kredit wurde aufgenommen, so dass mit den Arbeiten begonnen wurde. Man konnte nicht mehr warten. Mit der Beihilfe vom GAW zahlt die Gemeinde dann das Kredit wieder zurück," schreibt Pfarrer Martin Volkmann, Generalsekretär des GAW-Brasilien (OGA).

Allen Spendern, die in diesem Jahr dieses Kirchbauprojekt unterstützen sei herzlich gedankt.

Sonntag, 7. Oktober 2018

"Es geschah ein Wunder" im November ´89 (Pavel Smetana)

Pavel Smetana
"Es geschah ein Wunder!" Diese Worte schrieb Pavel Smetana, Synodalsenior der Evangelischen Kirche der Böhmische Brüder (1991-2003) in Tschechien im Jahre 1991, als er Rückblick hielt auf die dramatischen Ereignisse, die sich in der damaligen Tschechoslowakei im Jahr 1989 abspielten. Als "Samtene Revolution" gingen die Ereignisse des November/Dezember in die Geschichte ein. Am 16. November gab es eine große Studentendemonstration in Brastislava. Am 17. November gab es dann eine große Demonstration in Prag, die die Polizei gewaltsam zerschlagen wollte. Etwa 600 Personen wurden von den Sicherheitskräften verletzt. Am nächsten Tag riefen die Prager Studenten zu einem zeitlich unbegrenzten Studentenstreik auf; die Schauspieler der Prager Bühnen schlossen sich an. Diese Aktionen werden allgemein als Anfang der Revolution gesehen.
Pavel Smetana erinnerte sich: "Kurz vor Abschluss der abendlichen Sitzung der 26. Synode berichteten junge Mitglieder der Kirche am Freitag, 17. November 1989, von dem grausamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstration anlässlich des fünfzigsten Todestages des Studenten Jan Opletal, der am Beginn des Zweiten Weltkrieges von den Besatzern getötet worden war. Die berichtenden Jugendlichen trugen Spuren von Gewalttaten und erzählten von rücksichtsloser Gewalt gegenüber der wehrlosen Jugend. In schrecklicher Not und im Moment der Ratlosigkeit beauftragte die Versammlung ihren Vorsitzenden zu versuchen, sich mit den höchsten Repräsentanten des Staates in Verbindung zu setzen und um Hilfe zu bitten. Und dann traten unvergessliche Momente ein. Im Angstgefühl über das Schicksal der jungen Leute, unter denen viele Kinder von Delegierten waren, und sich der menschlichen Machtlosigkeit bewusst, begannen die Synodalen in Gebeten um Hilfe zu bitten. Sie sangen Lieder und vergegenwärtigten sich die biblischen Verheißungen. Und hier entstand die Überzeugung: Die Regierung hat endgültig das Recht auf die Verwaltung des Landes verloren. Es ist unbedingt notwendig, Widerstand zu leisten, ohne Rücksicht auf die Folgen, die dies für die Kirche haben wird...  In der Tschechoslowakei (hatte die Polizei eine) unglaubliche Macht zur
Verfügung: eine gut organisierte Polizei und Geheimpolizei, eine große Armee mit kommunistischen Offizieren, eine eigene Parteipolizei in den Betrieben sowie eine große Schar von Spitzeln und Provokateuren. Außerdem 100 000 sowjetische Soldaten im Lande. Auf der anderen Seite standen anfangs nur junge Leute mit leeren Händen, ein paar Schauspieler und eine kleine Gruppe von Dissidenten. Wie einfach war es für die kommunistische Führung, die Demonstration blutig zu unterdrücken. Trotzdem ist die Partei mit ihren Machtansprüchen nach nur zwei kurzen Wochen zurückgetreten. Da bleibt die Frage: Was geschah da eigentlich? Und ich antworte: Es geschah ein Wunder!"
Pavel Smetana wusste auch nüchtern die Wende in seinem Land zu interpretieren: 
"1. Nicht nur die Leitung, sondern auch die Mitglieder der kommunistischen Partei hatten bereits alle ihre Ideale verloren. Sie hatten nichts mehr, für das sie leben und sterben konnten.
2. Die ökonomische und ökologische Situation des Landes hatte sich in solch einem Ausmaß verschlechtert, daß es keine Hoffnung mehr gab, die Probleme im Rahmen der sozialistischen Strukturen zu lösen.
3. In den meisten Nachbarstaaten war es schon zu tiefgreifenden Veränderungen gekommen. Und besonders darf die Rolle der neuen Parteileitung in Moskau nicht übersehen oder vergessen werden."
Nüchtern sieht er auch die Rolle der Kirche, die nicht tapfer genug auf der Seite der Verfolgten stand. Sie habe nicht intensiv die Mächtigen daran erinnert, dass sie sich für ihre Taten verantworten müssen. Sie habe sich oft genug in ihr Ghetto zurückgezogen. Sie habe zu wenig auf Gottes Wort vertraut.  (Die Evangelische Diaspora, 60. Jg., 1991, Pavel Smetana, Erfahrungen einer ev. Diasporakirche vor und nach der Sanften Revolution, S. 39-47)

Pavel Smetana wird am 8.Oktober 2018 in Prag beerdigt. Er hat die Leitung seiner Kirche in schwieriger Zeit übernommen und segensreich gewirkt.

Am 9. Oktober wird in Leipzig das sog. "Lichtfest" gefeiert. Es erinnert an das entscheidende Friedensgebet in der Nikolaikirche mit den großen Demonstrationen, die zum Umsturz des DDR-Regimes führten. Auch hier war es gewaltlose Widerstand mit Gebeten, Kerzen und Demonstrationen, die zum Wandel führten. Ein Wunder!