Montag, 10. Dezember 2018

Venezuela in "großer Drangsal"

Schlange stehen in Caracas....
Heute am 10. Dezember 2018 - am Tag der Menschenrechte - ist es wichtig, auf Verletzung der Menschenrechte weltweit hinzuweisen - insbesondere konkret zu informieren. Mit großer Sorge schauen wir als GAW auf Venezuela:

"Wir erleben in Venezuela  eine "große Drangsal"," schreiben die katholischen Bischöfe des Landes. Das erlebt auch die lutherische Kirche so. Kirchenpräsident Gerardo Hands sieht Leben und Zukunft der Venezolaner ernsthaft gefährdet. Auf ökumenischer Ebene ist man sich einig, dass ein Dialog mit dem derzeitigen autokratischen Regime von Nicolás Maduro kaum zu führen ist. Die Einschränkung des Pluralismus und der Abbau institutioneller Kontrollen gehen mit wachsender politischer Verfolgung und Repression einher. Über 100 Tote gab es nach den Protestwellen ab April 2017. Plünderungen und Lynchaktionen haben zugenommen. Zahlreiche Fälle von Folter in Gefangenschaft sind dokumentiert. Bürgerinnen und Bürger haben kaum Möglichkeiten, sich gegen dieses Vorgehen zu wehren, denn sie wurden rechtsstaatlicher Garantien beraubt: Die Justiz ist gleichgeschaltet und Zivilisten werden bisweilen von Militärrichtern verurteilt. Nachdem Maduro die Macht übernommen hat versank Venezuela immer tiefer in einer politischen, sozioökonomischen und humanitären Krise.
Das Missmanagement der Regierung, gekoppelt mit niedrigeren Ölpreisen bei starker
Venezuela
Rohstoffabhängigkeit, führte zu einer Wirtschafts- und Versorgungskrise.  Die Inflationsrate überschritt die 2.000-Prozent-Marke. In Venezuela, dem Land mit den größten Erdölreserven der Welt, leben heute mehr als 60 Prozent der Bevölkerung in Armut. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten ist katastrophal. Der Schwarzmarkt und der grenzüberschreitende Schmuggel florieren. Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist in den letzten zwei Jahren rasant gestiegen. Diese Entwicklung verschärft die strukturell prekäre Sicherheitslage: Venezuela weist weltweit die zweithöchste Mordrate auf. Die Notlage fördert die Emigration, vor allem in die Nachbarländer. Rund drei Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner haben das Land verlassen.
Die Maduro-Regierung negiert die humanitäre Krise, lehnt internationale Hilfe ab und macht einen durch die Opposition geführten Wirtschaftskrieg und „den Imperialismus“ für die sozioökonomische Notlage verantwortlich. Während kubanisches Personal im Sicherheitssektor beratend tätig ist, hängt Venezuela wirtschaftlich stark von den Erdölexporten in die USA und großzügigen Krediten aus China ab. 
Die Konfliktparteien in Venzuela scheinen momentan nicht mehr imstande zu sein, ohne Hilfe von außen einen Weg aus der Krise zu finden. Hier sind die internationale Gemeinschaft und besonders die lateinamerikanischen Staaten als Vermittler gefragt. 
Venezuela darf nicht allein gelassen werden! Es braucht Information, Solidarität, gemeinsame Anstrengungen. 
"Wir dürfen uns angesichts der Herausforderungen einer unsicheren und schwierigen Gegenwart niemals entmutigen lassen: Im Gegenteil, im Vertrauen auf Gott, der uns die Kraft gibt, Zeugnis abzulegen und Gutes zu tun, müssen wir die Forderungen nach Gerechtigkeit und Freiheit unterstützen... In dieser schwierigen Zeit müssen die Hoffnung und das konkrete Engagement uns zu Samaritern für andere werden lassen," schreiben die katholischen Bischöfe des Landes.

Inzwischen  hat sich in Deutschland ein Ökumenisches Netzwerk gebildet zur gegenseitigen Information und zur koordinierten gemeinsamen Hilfe für die Menschen, die in einem der rohstoffreichsten Länder der Welt bittere Not leiden. Und leider bleibt es wohl wahr, was Kirchenpräsident Hands sagt: "Der Rohstoffreichtum des Landes ist eher Fluch als Segen für das Land, denn es hält das System derzeit am leben."

Gebet aus Venezuela:

"Bleib bei uns, Herr, begleite uns,
auch wenn wir dich nicht immer zu erkennen wussten.
Bleib bei uns, denn du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Bleibe in unseren Familien,
erleuchte und unterstütze sie in ihren Schwierigkeiten.
Bleib bei unseren Kindern und unseren Jugendlichen,
in ihnen liegt die Hoffnung und der Reichtum unserer Heimat.
Bleib bei den Leidenden, tröste und behüte sie.
Bleib bei uns, Herr, wenn Zweifel und Erschöpfung drohen
oder Probleme auftauchen;
erhelle unseren Geist durch dein Wort,
nähre uns mit deinem Brot des Lebens.
Hilf uns, die Freude zu erfahren, an dich zu glauben.
Bleib, o Herr, bei der Gemeinde deiner Jünger.
Erneuere in uns das Geschenk deiner Liebe.
Ermuntere uns und bewahre uns in der Treue,
damit wir allen froh verkünden, dass du uns zu neuem Leben erweckt
und uns aufgetragen hast, deine Zeugen zu sein. Amen"

Das GAW hilft der kleinen lutherischen Kirche, Nothilfe zu leisten, Lebensmittel zu beschaffen und den Menschen zu helfen, dass sie bleiben können. Dafür brauchen sie unsere Hilfe. Helfen Sie mit:

Spendenkonto GAW: 
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11, BIC: GENODED1DKD (KD-Bank)
Stichwort: Venezuela

(Texte u.a. aus "Solidarität mit Verfolgten und Bedrängten Christen in unserer Zeit, Arbeitshilfe 302 - Kuba und Venezuela, Eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz")


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